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Erste Radausfahrt in diesem Jahr! Neues Rädchen, schönes Wetter, alles ist gut.
Nix ist gut. Die Angst sitzt im Nacken. Vor den Osterferien hat ein Autofahrer meine Freundin und Kollegin umgenietet, und zwar so heftig, dass die linke (!) Schulter (als vom Aufprall) kompliziert brach, nicht die rechte vom folgenden Sturz. Ganz abgesehen davon, dass der Unfall vermutlich bleibende Schäden hinterlässt und damit berufliche Konsequenzen (Sportlehrerin), ist der Ironmanstart in diesem Jahr (mit der Hoffnung auf eine Qualifikation für Kona, die sie vor zwei Jahren nur knapp verpasste) damit natürlich auch versammelt, von Schmerzen usw. ganz abgesehen. Am helllichten Tag auf einer gut einsehbaren Straße (ohne Radweg!) hatte er sie überholt, dann eine Parklücke entdeckt und ist ohne noch mal hinzugucken rechts rüber in die Lücke...
Und dann der "Unfall" auf Mallorca, den ich als solchen zu bezeichnen mich immer noch weigere, wenn jemand eine 15köpfige Radgruppe von hinten ungebremst (!) auffaltet. Der 47jährige Guide ist tot. Einer meiner Schüler überlebte, weil er an dem Morgen nicht mitfuhr. Sein Freund, 18 Jahre alt, fuhr mit und gehörte zu den "Leichtverletzten": mit einer schweren Gehirnerschütterung und üblen Knochenhautprellungen lag er bis letzten Donnerstag noch in der Klinik auf Mallorca und konnte dann erst heimfliegen.
Wenn solche Unfälle bei mir schon solche Ängste auslösen, können sich die Betroffenen je davon frei machen? Und was mache ich nun als Radfahrer um solche Unfälle zu vermeiden in Situationen, die ich nicht im Griff habe - was mache ich gegen Autos von hinten???)? Außer beten?

Es verleidet mir den Sport, muss ich zugeben. Und komme mir niemand mit Radwegen, abgesehen davon, dass die hier Mangelware sind, gehören die wenigen, die es überhaupt gibt, den parkenden Autos, Mülltonnen usw.

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Gesamtwertung: 4.7 (3 Wertungen)

Es gibt überall

Es gibt überall Situationen, in denen man keine Chance hat, den Ablauf zu verhindern. Da dürfte man außer Radfahren z.B. auch nicht mehr im Straßencafe sitzen, auf den Weihnachtsmarkt gehen oder einkaufen.
Beim Radfahren bleiben einem nur die üblichen Möglichkeiten das Risiko zu verringern (auffällige Kleidung, ggf. Beleuchtung, vorausschauendes Fahren). In gewisser Weise gehört da natürlich auch die Wegwahl dazu. Aber selbst auf dem Radweg ist man nicht 100% sicher.
Fehlt jetzt noch ein Fazit?! Für mich bleibt eigentlich nur: Mit entsprechender Umsicht weiter wie bisher.

Die Angst fährt mit

Ich bin mit dem Rad ja nicht wircklich sportlich unterwegs, es bringt mich nur zur Arbeit. Wenn es mal knapp ist oder ich spät am Abend schnell nach Hause will, fahre ich nicht die schöne Strecke an der Elbe sondern auf direktem Weg die Elbchaussee entlang, auch zur Hauptverkehrszeit und nicht auf den schlechten oder nicht vorhandenen Radwegen, sondern auf der Straße. Das ist öfter mal haarig. Autos überholen wo es eigentlich viel zu eng ist, Busse, LKWs...
Bisher habe ich das recht stoisch getan, nach dem Motto "wird schon gut gehen".
Seit meinem Unfall, auch wenn der nichts mit dem Rad zu tun hatte, ist dieses Vertrauen weg.Es kann jederzeit irgendwas passieren. Zukünftig werde ich mir die Zeit für den längeren Weg nehmen oder eben auf dem Fussweg fahren, obwohl auch das nicht ungefährlich ist.
Man kann nur das eigene Verhalten anpassen, ein Restrisiko bleibt.
Wenn solche schlimmen Unfälle wie auf Mallorca passieren, wird einem die eigene Vergänglichkeit mal wieder bewusst.

Ich bin dann mal weg

Mulmig


Ehrlich gesagt, war mir auch vor dem Mallorcaunfall schon mulmig. Ich hatte schon einige Autofahrer, die von hinten kamen und mich zwar gesehen haben, aber ganz dicht an mir vorbei gefahren sind - mit Seitenabständen haben einige das nicht so. Teilweise ist es sehr haarig.
Ich versuche trotzdem das auszublenden, so viel wie möglich wenig befahrene Wege zu finden oder wenn das nicht geht, nicht zu den Stoßzeiten auf großen Straßen zu fahren.
Ich bin aber jedes Mal froh, wenn ich heil wieder zu Hause bin.
Laufen ist da wirklich einfacher und angenehmer. Wahrscheinlich werde ich nach meiner 1. Langdistanz (wenn es denn klappt) auch wieder mehr zur "Nurläuferin" oder Schwimmerin.
Mal abwarten, erst mal müssen ich bzw. wir alle da durch.

chiun

Angst habe ich auch

Ich habe ja jetzt seit Januar ein neues Rad. Mit dem bin ich geringfügig schneller unterwegs. Der Antritt ist fixer, ich komme jetzt schneller auf Touren. Gleich im ersten Monat hatte ich der kritische Situationen. An der Hauptstrasse - der Autofahrer wollte einfach mal rechts abbiegen ohne mich zu sehen, an der Bundesstraße übersah mich sogar ein Polizist da ich erlaubterweise entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radfahrweg unterwegs war, an der Rechts vor Links-Straße. Ich habe immer hübsch fix gebremst, Kurve gefahren und innerlich gebetet dass es noch reicht.

Daraufhin habe ich mir eine neongelbe Jacke gekauft bei der man auch die Ärmel abtippen kann.
Jetzt merke ich häufig dass die Autofahrer mich im (letzten ) Augenblick wahrnehmen und bremsen. Teilweise auf ihre Vorfahrt verzichten um mich vorbei bzw. Bevorzugt fahren zu lassen. Damit ich zum Beispiel ihnen nicht Vorfahrt gewähren muss.

Garantien gibt es nicht. Und vorausschauendes Fahren ist halt auf beiden Seiten nötig.
Ich fahre einige Straßen (Strassenbahnschienen) auch nur mit Bauchkrämpfen und wenn ich keine Lust auf die Alternative schieben habe. Aber deshalb nicht Rad fahren? Ist eher keine Alternative.

Und die Warnung von so Radarwarnern wie von Garmin? Nützt ja nur was wenn ich eh nicht weiß das da ein Auto von hinten kommt...

Cmag16

Schwierige Frage. Seit

Schwierige Frage.
Seit meinem Radunfall vor zwei Jahren geht's mir ähnlich. Anfangs bin ich nie alleine, es müsste immer jemand mit. Die ersten paar mal mit dem mtb, im Wald finde ich es entspannter u ich bilde mir ein, da fällt man weicher.
Aber da dieser Unfall ja "selbstverschuldet" war, geht's jetzt eigentlich. Nur mit den klickies bin ich noch etwas unentspannt.

Seit meinem Autounfall letztes Jahr habe ich Stress, wenn von hinten ein Lkw kommt. Noch schlimmer ist es, wenn auch noch einer vor mir fährt. Aber deshalb nicht mehr auf die Autobahn? Das geht nicht, ich könnte Frank nicht mehr sehen :-((

In der Psychologie arbeitet man bei Angspatienten mit konfrontationstherapie. Hart.
Aber mal ehrlich: willst du dir von deinen Ängsten vorschreiben lassen, wie du dein Leben verbringst?
Ja, es kostet Überwindung. Mich auch. Jedesmal aufs neue.
Aber die Alternative wäre daheim bleiben.

Und das ist völlig inakzeptabel!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Do it the Sanders-style??

Der Ironmanzweite von letztem Jahr trainiert (fast) ausschließlich Zuhause (Laufen, Radfahren UND sogar Schwimmen)
Radfahren primär, weil er schon mehr als eine brenzlige Situation erlebt hat.
Aber diese Alternative wäre nix für mich. Ich versuche die Angst auf dem Rad abgeschossen zu werden auszublenden und fahre so viel wie möglich dort, wo wenig Verkehr ist. Weitermachen wie bisher ist auch meine Devise...

Das Motorradfahren habe ich seinerzeit aufgegeben, weil ich die Angst nicht mehr aus dem Kopf bekommen habe, seit jemand auf meiner Seite entgegenkommend die Kurve geschnitten hat. Ich wünsche mir, dass mir das Radfahren erhalten bleibt.

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
"Du kannst was Du willst. Ende der Durchsage."
(beides von fazerBS)
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Angst ist ein schlechter Begleiter

Aber ich fahre eigentlich lieber MTB, weil verkehrsfrei.
Durch Städte mag ich mit dem Rennrad auch nicht, zuviele Autofahrer, die einen nicht wahrnehmen.
Daher am besten früh los am Wochenende und versuchen, nicht allzu stark befahrene Straßen auszuwählen.
Mein Tun kann ich steuern, GöGa könnte ich hin und wieder an die Wand klatschen, wenn er mal wieder entgegen der Regeln fährt.
Vor allem, wenn er sagt, er fährt ne Stunde und ist dann evt. nach zwei erst wieder da. Versteht sich, dass er nie ein Handy dabei hat...

Bleibt frei, verrückt und glücklich.

LG,
Anja

Handy ist immer dabei

seit mehreren kleineren Bagatellunfällen und die Frage, wie komme ich mit Schaltauge im Hinterrad jetzt die 30km wieder heim... Allerdings war es damals auch dabei und ging bei dem Sturz zu Bruch, insofern half das auch nichts.

Früh versuche ich gerade, allerdings gerate ich dann in den Berufsverkehr auf dem Rückweg (ok, kein Wochenende) und außerdem ist es so frühmorgens noch arxxkalt...

Ich versuche es weiterhin. Und benutze eher mal Radwege, so es welche gibt. Muss ja kein Rennen gewinnen ;-)

danke für alle Kommentare!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Du sprichst mir aus der Seele

Hallo Strider,

mir geht es genauso. Das Wetter ist schön. Eigentlich könnte man schon wieder das Rad rausholen, aber irgendwie verleidet mir die Angst das Fahren :-(

Schlimm fand ich die ganzen gruseligen Kommentare von Leuten im Internet, die meinten "es hätte schon die richtigen erwischt" :-((((

O.m.G.

ich hatte ja gehört, dass bei fb der Teufel los ist, aber zum Glück bin ich da nicht und kriege das nicht direkt mit. Das darf doch nicht wahr sein...

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Radwege

sind noch viel gefährlicher, eben wegen der von dir schon beschrieben Situation.
Aber ganz ehrlich, ich bin ja auch der totale Schisser auf dem Rad. Habe schon Angst, aus eigener Unachtsamkeit zu stürzen, geschweige denn durch verrückte Autofahrer...
Sehr schlimm, was auf den Straßen passiert :(

Lieben Gruß
Tame

Liebe Strider,ich kann Dich

Liebe Strider,
ich kann Dich sehr gut verstehen. Daß erstmal die Angst kommt, ist normal. Wichtig ist, wie man da dann mit umgeht. Und da haben alle Vorschreiber recht, mit dem was sie geschrieben haben.
Angst beeinflusst unser Verhalten negativ und desto eher passiert dann auch wirklich etwas. Ein Restrisiko bleibt leider immer. Ich wäre hier in Berlin schon einige Male verunfallt, wenn ich auf meine Vorfahrt bestanden hätte. Vor allem abbiegende Autos lasse ich oft gewähren, LKW´s, Busse etc. generell!!!
Liebe Strider, ich wünsche Dir ganz schnell den Spaß am Radfahren zurück und Deiner Freundin und Deinem Schüler schnelle gute Besserung ohne schwerwiegende Folgen.
Sei genz lieb gegrüßt - Christiane

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