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Warum muss zu meinem langen Lauf immer ein Wintereinbruch kommmen? Die Wettervorhersage für das Wochenende ist ziemlich ungemütlich. Deswegen verlege ich den Langen vor auf heute früh. Kalt aber trocken scheint das kleinste Übel zu sein. Die Vögel zwitschern mich schon eine Stunde zu früh aus den Federn. Schatz lasse ich schlafen und laufe los... ganz fokussiert auf die aerobe Ausdauer. 18km sollen es werden. Zeit ist egal. Nur der Puls soll möglichst niedrig bleiben. Ja, und schön will ich laufen und mit Spaß.

Die ersten 4km ist der Fokus noch voll auf locker, gute Haltung und nicht zu hoch pulsen ausgerichtet. Danach lasse ich mich immer wieder ablenken. Nach Erreichen der Betriebstemperatur fühlt sich die Luft gar nicht mehr so kalt an. Die Sonne drückt sich durch den Dunst. Rosa Schwaden wabern über den See, der spiegelglatt vor mir liegt.

Der Weg führt mich immer am Ufer entlang und verbindet die schönsten Abschnitte von neuem und altem Laufrevier. Am Strandbad laufe ich auf den Steg raus. Am Ende steht ein Fahrrad mit Klamotten. An der Treppe steigt ein nackter alter Mann ins 5 Grad kalte Wasser. Ich genieße noch kurz die Aussicht auf die Bucht und laufe zurück zur Strecke.

Die Sonne hat es inzwischen geschafft und taucht die Stadt in ein weiches Morgenlicht. An der Schlosskirche laufe ich noch auf die Halbinsel und genieße die Aussicht auf die Silhouette der Stadt. Wieder zurück auf der Strecke laufe ich die menschenleere Uferpromenade entlang. Stopp. Nicht ganz menschenleer. Ich entdecke einen alten Mann, der aufrecht und mit getragenen Schritten auf dem Weg in die Stadt ist. Ich kenne ihn. Ich laufe auf ihn zu und frage ihn, wie es ihm und seiner Frau geht. Er freut sich sichtlich, mich zu sehen. "Es ist ein Auf und Ab. Wir sind jetzt beide über 90 und werden gebrechlich." Er strafft sich merklich und strahlt mich an: "Aber wir nehmen das an und machen das Beste draus." Zum Abschied wünscht er mir noch viel Erfolg beim Halbmarathon. Diese kurze Begegnung hallt noch eine Weile in mir nach.

Inzwischen bin ich in der Stadt. Die Geschäfte sind noch zu. Es ist irgendwie ganz friedlich. Die ersten Marktstände werden aufgebaut. Eine seltene Stimmung. Ich wende bei Kilometer 9 und laufe zurück.

Inzwischen frischt der bissige Nordostwind böig auf. Der See ist aufgewühlt. Es wird spürbar kälter. Am Uferweg feuern mich die Buchfinken zwitschernd an. Ich muss aufpassen nicht zu schnell zu laufen.

Jetzt bin ich 2 Stunden unterwegs. Es wird immer schwieriger, einen schönen Laufstil beizubehalten. Die Gräten werden müde. Die Beinmuskeln stecken die Strecke nicht mehr so souverän weg. Der Pumpe geht es dagegen bestens. Aber ich werde langsamer. Träume von der heißen Badewanne.

Nach langen, langsamen 2:45h bin ich wieder daheim. Auch wenn es zum Ende hin anstrengend wurde, habe ich den Lauf genossen. Das Spaßziel habe ich erreicht. Für die aerobe Ausdauer sollte er auch etwas beigetragen haben. Das mit dem "schöner" Laufen war leider nach 2 Stunden vorbei.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Schön laufen

wird doddal überbewertet und 18km sind 18km. Find ich klasse!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Danke...

das ist (schön) laufen.

Schöner Lauf

Ein schöner Lauf war es wohl auf jeden Fall und nach ein paar Stunden darf der Laufstil auch mal leiden.

Ich bin dann mal weg

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