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Bielefeld - ich wohne im selben Hotel wie damals beim Hermannslauf. Es heißt inzwischen anders. Aus dem Fenster blicke ich auf den erleuchteten Turm der Sparrenburg und sehe, dass auf der Straße direkt unterhalb meines Fensters die Busse zum Hermannsdenkmal abgefahren sind. Dieses Mal bin ich zum Arbeiten hier.

Nach Feierabend bin ich mit einem Kursteilnehmer zum Laufen verabredet. Er will mich anrufen, wenn er von zu Hause aus losläuft, dann soll ich auch loslaufen und wir treffen uns auf der Promenade, die auf die Sparrenburg zu führt. So machen wir es. Ich ziehe mich um, setze zum ersten Mal die Stirnlampe auf, die mein Vater mir neulich geschenkt hat (hoffentlich hält die Batterie durch...), die ich in Berlin aber nie benutze, weil ich immer nur beleuchtete Strecken laufe.

Ich laufe über den kleinen Platz, an der Kirche vorbei und hoch zur Burg. Ich komme am Parkplatz heraus, da sind auch die drei Poller, die mein Laufpartner erwähnt hat, und ich biege auf die Promenade ein. Hier wird er mir irgendwann entgegenkommen. Es ist ganz schön was los: Leute mit Hunden - am besten gefallen mir immer die mit den bunt blinkenden Halsbändern - einzelne Läuferinnen und Läufer, kleine Laufgruppen. Die Leute sind nicht wirklich gut zu erkennen, und als ein Einzelläufer entgegen kommt, rufe ich ihm auf gut Glück ein fragendes "Marcus?" entgegen. Er ist es tatsächlich. Er wendet und gemeinsam laufen wir Richtung Südosten.

Wir überschreiten den 52. Breitengrad, mein Begleiter ist ein guter Guide, der mich auf alle Sehenswürdigkeiten aufmerksam macht. Als wir den beleuchteten Weg verlassen, schalte ich die Stirnlampe ein. Es läuft sich gar nicht so schlecht mit Licht. Marcus hat eine Bauchlampe, so ein Teil zum Umhängen, vorne leuchtet es weiß, hinten rot. Seine Lampe ist viel heller als meine, sie wackelt aber mehr, und er gerät immer mit den Armen in den Lichtkegel, das macht die Sache ein bisschen unruhig. Es geht bergan, das bin ich ja gar nicht gewöhnt. Marcus schlägt vor, bis zum Eisernen Anton zu laufen, das müssten dann hin und zurück ca. 12 km sein. Ich bin einverstanden. Als ich bergauf etwas schweigsam werde, fragt er mich immer wieder, ob's geht. Klar geht's. Wäre ich alleine, hätte ich vermutlich schon diverse Gehpausen eingelegt, aber noch will ich mir diese Blöße nicht geben. Irgendwann sind wir oben auf dem Kamm und ich kann wieder sprechen. Es ist großartig, die Lichter Bielefelds zur Linken und die von wer weiß welchen Ortschaften zur Rechten zu sehen. An eine Treppe kann ich mich vom Hermannslauf erinnern - hier ging es damals hoch, aber jetzt laufen wir quasi Hermann rückwärts, das heißt, nur ein sehr kurzes Stück abwärts, über eine Straße und zwischen ein paar Gebäuden wieder steil bergauf. Marcus vermutet, es müsse noch ca. 500 m bis zum Turm sein. Irgendwie zieht sich die Strecke ein bisschen, dann steht er doch da. Wir klettern hoch und genießen die Aussicht. Dazu war damals beim Hermannslauf keine Zeit.

Nach kurzer Pause kehren wir um, mir ist es recht, dass mein Begleiter eine kleine Abkürzung vorschlägt. Wir laufen parallel zur Osningstraße auf Rad- und Fußweg stetig bergab. Super, jetzt rollt es wieder ganz leicht. Ich bin ganz euphorisch von der spannenden Laufstrecke, die mir viel spektakulärer vorkommt, als alles, was ich zu Hause belaufe. Als wir das Ortsschild Bielefeld erreichen, bereue ich die Abkürzung ein bisschen, denn ich fürchte, jetzt den Rest des Rückwegs in der Stadt zu laufen. Das wäre ein bisschen schade, wo ich doch gerade so einen Waldflash habe. Aber da kenne ich meinen Laufkollegen schlecht: Wir biegen links ab, verlassen die Siedlung und sind schon wieder im Wald. Es ist ziemlich matschig und ich frage, ob das hier noch als Weg durchgeht. Wir schlittern vorsichtig einen kleinen Hang hinunter, und ich fürchte sehr, mich gleich in die Matschepampe zu setzen. Dann wird der Weg wieder laufbar - wobei wir ein steiles Stück hoch jetzt doch gehen. Dann sind wir wieder auf der Promenade. Wir laufen zusammen bis zur Burg, und Marcus schlägt vor, noch hineinzugehen, eine Runde ums Gelände zu drehen und auf die Stadt zu schauen. Klar, in der Fremde muss ich doch die touristischen Highlights mitnehmen. Er erklärt mir, dass alles unterkellert ist, und dass es tolle Führungen durch die Gewölbe gibt.

Vor dem Burgtor verabschieden wir uns - er läuft wieder die Promenade zurück nach Hause, während ich nur noch schnell in den Ort runterrollen muss. Letztendlich waren es dann 14 km, und ich bin ganz schön platt. Aber das macht nichts, für so einen spektakulären Feierabendlauf kann ich mich ruhig mal ein bisschen anstrengen.

5
Gesamtwertung: 5 (7 Wertungen)

Hach

ich liebe deine Reiseberichte! Kommst du nicht auch mal arbeitstechnisch in unsere Ecke?? Ich zeige dir auch gerne unsere Sehenswürdigkeiten, da sind wir allerdings schnell durch ;-))

Schicker Lauf!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

WoW ... das liest sich aber

WoW ... das liest sich aber toll !!! Der Ausblick muß einfach Mega gewesen sein!
Das sind so die Laufhighlights, die man noch lange im Herzen trägt.
Ich würde Dir auch gerne mal meine Stadt zeigen, aber das ist ja Quatsch ... hi hi ...
Ganz liebe Grüße und vielen Dank für´s Teilhaben lassen. Christiane

Hermannslauf

Danke für diesen schönen Bericht!
Da hab ich doch gleichmal auf die Hermannslauf-Seite geschaut. Heute startet die Anmeldung. Um Null Uhr. Und jetzt, um 11:19 Uhr, ist das Teilnehmerlimit bereits erreicht. Hammer!
Viele Grüße, Conny

@strider: Saarland?

Liebe Strider,

wenn eine Dienstreise ins Saarland ansteht, werde ich auf alle Fälle zusehen, dass ich fahre, und nicht meine Kolleginnen. Es wäre mir eine große Freude mit Dir zu laufen - mit oder ohne Sehenswürdigkeiten!

LG
yazi

@mani pejuta: aber wir sind doch schon verabredet!

Deine Stadt? Klar doch, ich bin ganz sicher, dass wir unterschiedliche Laufreviere unsicher machen. Und außerdem: wir sind doch schon verabredet - der wievielte März nochmal?

LG
yazi

@WWConny: wolltest Du Dich denn anmelden?

Bei mir ist der Hermann ja schon wieder Jah-re her (2013) - es war aber schon ein ganz besonderer Lauf. Wolltest Du Dich denn anmelden? Mein Laufkollege Marcus hat mir unterwegs erzählt, dass er sich nicht gleich anmeldet, sondern wieder ca. zwei Wochen vor dem Lauf bei der Startnummernbörse eine Startnummer erjagen möchte, wenn er sich sicher ist, dass das Training gut gelaufen ist. Nur so als Tipp...

Viele Grüße
yazi

dieses Jahr nicht

Dafür fehlt mir aktuell noch seeehr viel Form.
Aber faszinierend finde ich es schon, wie schnell der Lauf mittlerweile ausgebucht ist.
Ich bin den zweimal gelaufen: 2009 und 2012, da waren es noch mehrere Tage, bis die Anmeldung geschlossen wurde.
Viele Grüße, Conny

doppelt

...

Wieder ein schöner

Laufbericht. In Bielefeld kenne ich auch eine hervorragende Stadtführerin. :-)
Und bei Strider lässt es sich auch gut laufen. Nur geht sie mit dir auf keinen Turm.

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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Bielefeld wird ja einiges nachgesagt,

aber dank deinem Bericht hab ich einen guten Eindruck davon bekommen, dass man dort vor allem gut Laufen kann und mit Stirnlampe sogar einen Waldflash bekommen kann... Danke fürs Aufschreiben!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
"Du kannst was Du willst. Ende der Durchsage."
(beides von fazerBS)
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Die Sehenswürdigkeiten

sind bei uns schnell abgehakt ;-)) Au fein!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Lebendig

Du hast deinen Reisebericht mal wieder so lebendig verfaßt, dass man meinen mag, Bielefeld gäbe es wirklich;-)
Den Hermann mit persönlicher Führung zu laufen, egal von welcher Seite, stelle ich mir sehr spannend vor. Toll!

Lieben Gruß
Tame

So muss das

So kann man den Dienstreisen doch glatt was Positives abgewinnen.
Sehr schön, dass du ortskundige Begleitung hattest. Da kommt man doch immer an Ecken, die man sonst nie selber erlaufen hätte.

Bleibt frei, verrückt und glücklich.

LG,
Anja

Doch

geht sie. Sie guckt bloß nicht runter...

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Toll wo du dich so ...

... rumtreibst, wie du es beschreibst und was für einen tollen Guide du auch noch hattest!
Nur zur Treppe hast du ihn garantiert nicht befragt.
Die paar Stufen "kurz" vor der Promenade sind nicht die Treppe an die du dich vermutlich erinnerst. Ich hatte im ersten Moment einen kleine Schreck bekommen, wie weit ihr gelaufen seit. "Die Treppe" von der manch Hermannsläufer ehrfürchtig berichtet, ist hinter Lämmershagen, direkt nach der Autobahnquerung; etwa km23 vom Hermannslauf und knapp 2km hinter dem Eisernen Anton aus Richtung Bielefeld. Diese ehrfürchtige Treppe ist zwar jetzt auch nicht sooo lang, aber die paar Stufen die du erwähnst, sind an der Straßenquerung Osningstraße, ca. km26 beim Hermannslauf. Läuft man die beim Hermann nach dem Bergabstück in voller Geschwindigkeit hoch, kann einem das allerdings auch leicht die Luft nehmen, zu mal es nach den Stufen, anders als bei der Treppe nach Lämmershagen, dort noch ein paar Meter weiter bergan geht.
Ich muß da auch irgendwann mal wieder laufen. Nicht zwingend den Hermanslauf, aber doch den Hermansweg und überhaupt gibt es dort herrliche schmale Pfade, die man wunderbar rennen kann. Dnake fürs erinnern!
;-)
Beim Schalk läuft das Training!

Am 25. März ist es soweit,

Am 25. März ist es soweit, liebe Yazi. Ich freu mich auf Dich und den Lauf. :-D
Liebe Grüße und hab einen schönen Tag. Christiane

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