Benutzerbild von Semjon Zelotes

Heute habe ich mitunter die bitterste Trainingseinheit meiner (noch sehr jungen) Läuferkarriere absolviert. Der Wochenplan sah für mich heute vor etwa 10 x 400 Meter bei maximal 90% zu laufen. Ich entschied mich für die Aschebahn, da sich hier am einfachsten die Teilstrecken abmessen lassen. In meinem Fall eine Banalität schlechthin: 1 Runde = 400 Meter.
Um nicht vollkommen kalt zu beginnen habe ich den Weg von mir zu Hause bis hin zum Sportplatz (2,9km) in 14:52 (80%) zurückgelegt. Folglich widmete ich mich penibel dem ausgiebigen Dehnen um wirklich sämtliche unnötigen Verletzungs-Risiken ausschließen zu können.
Dann nahm der Spaß seinen Lauf. Erste Runde schön locker, um nach der Dehneinheit den Motor wieder hochzufahren. Ein Orientierungspunkt wurde gesetzt und voller Elan steigerte ich auf kürzester Strecke mein Tempo mit raumgreifenden Schritten zu meiner fast maximalen Leistung. Wenn man sich einmal an die ganzen Dauerläufe im GA-Bereich gewöhnt hat, vergisst man glatt, wie herrlich es eigentlich ist mal wieder richtig zu rennen. Wie Ihr Euch bestimmt denken könnt, liebe Leser, war die Motivation größer als die Vernunft und ich musste mir eingestehen, das ich in der Form niemals 10 Runden bewältigen könne; in diesem Moment auch noch egal, war ja erst die erste. An meinem Orientierungspunkt postwendend das Tempo gedrosselt und ganz gemütlich eine Runde, um den Puls wieder runterzudrücken, gejoggt. Ich bin allerdings viel zu schnell wieder am Orientierungspunkt angekommen und war demnach gezwungen, mit keiner wirklich lohnenden Pause erneut los zu sprinten.
Es war absolut grausam! Ich hatte mich in diesen Sekunden, die wie Minuten zu vergehen schienen, schon innerlich damit abgefunden, dass ich es für heute wohl bei 3 Wiederholungen belassen muss. Um nicht gänzlich zu versagen nutzte ich die Erholungsrunde nach dem zweiten Sprint intensiver, indem ich langsamer lief und an Strand, Meer und Hängematte dachte. - Es wirkte wahrlich Wunder und ich konnte wieder gut bei Puste zum Dritten Anlauf starten. Nichtsdestotrotz waren es quälende Läufe. Meine Beine brannten von den Gallonen an Milchsäure, die sich zunehmend in meinen Waden und den Oberschenkeln ansammelten. Hatte ich es nicht verdient? Lief ich nicht wider jeglicher Vernunft die 400m jedes Mal mit knapp über 95%? Die Hölle war das!
Nach dem vierten Lauf war ich am Ende. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr und mein Ego lag am Boden und weinte sich die Seele aus dem Leib. Dann fiel es mir ein: Ich war gar nicht am Ende - noch lange nicht. Aber der so genannte, allseits bekannte Schweinehund wollte heim auf die Couch "Being John Malkovich" auf 3Sat schauen und hat es mir eingeredet. Mit diesem Bewusstsein habe ich einmal über den ganzen Platz ein archaisches "FUCK YOU" rausgebrüllt, zum fünften Sprint angesetzt und mit einem schmerzverzerrten Grinsen auch diese Runde erfolgreich vollendet.

Ich habe es doch tatsächlich planmäßig geschafft mich durch alle 10 Sprinteinheiten durchzubeißen. Das erfüllte mich in der letzten Regenerations-Runde mit sehr viel Stolz. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen, bin ich nicht wie ursprünglich geplant mit dem Bus heimgefahren, sondern ganz gemütlich die knapp 3 km (diesmal in 21 Min) wieder zurückgejoggt.

Nun liebe Mitläufer, speziell jene, welche ernsthaft diesen zugegebenermaßen üppigen Text gänzlich durchgelesen haben: Ihr wisst gar nicht wie gut es mir gerade geht! Als ich aus der Dusche kam und mir mein Steak einverleibt habe - einfach der Wahnsinn.

Fazit: Ein kleiner Beitrag zur Marathon-Vorbereitung aber ein immenser Beitrag zur Selbstdisziplin. Es war die Schmerzen auf jeden Fall wert. Das nächste Mal trotzdem etwas langsamer.

Gute Nacht

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Stolz? Hast du dir auch verdient!!!

Reife Leistung - Laufzeiten/Pace/km, was helfen einem die Zahlen, wenn der innere Schweinehund nicht besiegt wird.

Herzlichen Glückwunsch!

Matthias

Gut das du dich

Gut das du dich durchgebissen hast! Es wird dir leichter fallen wenn du nach den 400m die ersten gehst dann locker trabst bis es zum nächsten 400ter kommt. So geht der Puls schnell runter. Beginne die Trabpause erst nach einer 100m Gehpause bzw. wenn dein Puls um ca. 50 Schläge gesunken ist.
So schaffst du die Intervalle und der Trainingseffekt ist größer!

Viel Spaß

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