Benutzerbild von heroh

Eine lange Vorbereitung endete anders als erwartet. Voller Vorfreude zum Mittelrhein-Marathon gefahren. Alles erscheint mir professionell vorbereitet, sogar im Hotel ist es keine Schwierigkeit um 6 Uhr ein Frühstück zu bekommen. Ab zum Bahnhof, dort stehen Mitgliederdes Orga-Teams und weisen uns den Weg zum Sonderzug Richtung Startpunkt Oberwesel. Optimaler hätte das nicht sein können.
Am Start gibt es Getränke, wow! Dafür ein großes Dankeschön.
Ich ordne mich beim Zug- und Bremsläufer für 04:30ein. Das erscheint mir machbar und meinen Vorbereitungen nach erreichbar.
Mein Garmin zeigt mir an, dass dieser mit einem Tempo von 5.7 startet, das mache ich nur 2 Kilometer mit. Da laufe ich lieber doch allein, entlang des Rheins, von verschlafenem, verlassen wirkenden Ort zum nächsten. So komme ich gut voran.
Ich hatte wirklich die Hoffnung beim Zugläufer eine nette Gruppe zu finden, damit wir uns gegenseitig motivieren können, na ja dann eben nicht.
Ich treffe immer wieder einen fotografierenden Läufer, schade auf die Idee bin ich nicht gekommen meinen kleinen Fotoapparat mitzunehmen.
Dann endlich ein Ort, in dem gefeiert wird, Aber es sind jetzt auch nicht nur Marathon- und Halbmarathonläufer unterwegs sondern auch viele Walker, die den Zuschauern abwechslungsreiche Bilder bieten.
Bei Kilometer 34 werde ich entsetzlich müde, laufe eine Zeitlang mit geschlossenen Augen, sehe am Straßenrand eine Mauer, kann mich grad noch dranlehnen und habe das Gefühl einfah einzuschlafen. Wie im Traum nehme ich wahr, dass mir ein Stück Traubenzucker gereicht wird, ein freundlicher Bewohner holt mir einen Stuhl. Eine Frau bringt mir Wasser. Jetzt habe ich nach dem lutschen des Zuckers, vor Müdigkeit kann ich kaum schlucken, den Eindruck, dass die Wolken um mich herum etwas weniger dicht werden. Irgend wie bemerke ich, dass ich in ein Sanitätsauto geführt werd, eine Infusion angehängt bekomme. Die Fahrt ins Krankenhaus erlebe ich immer noch wie durch Nebel.
Auf ein Bett gelegt, unterucht werden, verflixt wie heißt mein Hausarzt. Langsam beginnt mein Gehirn wieder zu funktionieren. Tropfnass vom vielen Schwitzen beginne ich zu frieren und plötzlich fühle ich mich wieder topfit. Aufstehen, runterbücken zum Schuhe anziehen, alles kein Problem. Ich verlasse das Krankenhaus, laufe zur Strecke zurück. Ich kann zwar wieder so gut laufen als wenn nichts gewesen wäre aber die Tränen der Enttäuschung, Wut, Verzweiflung und Freude, dass nichts schlimmeres war, verschleiern meinen Blick. Ich warte bis der Besenwagen kommt, der biegt ganz dahinten um die Ecke, die letzten 1,5 Kilometer fahre ich, steige kurz vor dem Ziel aus und gehe noch durch. Danke dass ich noch eine Medaille erhalten habe.
Ab sofort habe ich immer ein wenig Traubenzucker dabei.
Trotzdem war es einfach toll in Koblenz. Die Stadt, prima Organisation, den Inliner Marathon am Zieleinlauf erleben, die Strecke entlang des Rheins, die vielen Getränkestellen, viele Mitglieder des Orga-Teams, die alleine oder zu zweit an der Strecke saßen um uns anzufeuern und zu motivieren, dass war Klasse. Sogar die Mitarbeiter im Krankenhaus waren mehr als freundlich, voller Verständnis und wirklich zuvorkommend, Dank denen fand ich wieder ganz einfach den Anschluss an die Strecke und tröstende Worte erhielt ich von denen im Besenwagen. Und mein langsam verzweifelt werdender Mann, der am Ziel unsicher wurde weil ich immer noch nicht da war, konnte auch wieder zur Ruhe kommen.
Was mir nicht gefiel, eine Gruppe arroganter Mitläufer im Zug, die abwertend auf mehr als fiese Weise von all denen redeten die den Marathon eben nicht unter 3:30 schaffen, sich gegenseitig in ihrer Wiederlichkeit hochschaukelten. Die hören bestimmt mit 50 auf zu laufen, denn dann gehören die bestimmt nicht zu denen die einfach wegen der Freude am Laufen weitermachen. Amüsant dabei war, dass ich mich nicht des Eindrucks erwehren konnte je arroganter sie wurden je lauter wurden sie. Die haben bestimmt sonst im Leben nicht viel zu sagen bzw. jemanden die oder der ihnen zuhört. Wie gut, dass die zu der geringen Zahl der Läufer, zwar zu einer nie aussterbenden aber hoffentlich geringer werdenden Spezies gehören.

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anders als erwartet

hero,ich bin einfach nur froh,dass du noch und wieder bei uns bist.lass die anderen quatschen.das sind alles dummschwätzer.du hast gesehen,wie schnell alles gehen kann.bei unserem marathon in hh haben auf grund der plötzlichen wärme einige sehr gute läufer ausfälle gehabt.2 sind im krankenhaus gelandet.einer hat vor lauter ehrgeiz nicht auf seinen körper gehört und ist inzwischen 6x operiert worden.ein anderen hat sich trotz aussetzern weder hingelegt noch hinterher pause gemacht.jetzt ist er zur herzkatheter untersuchung,da die ekg auffälligkeiten anhalten.du hast übrigens sehr anschaulich erklärt,dass du kaum etwas von der kritischen situation,in der du ja offensichtlich warst,mitbekommen hast.jatzt lass es ruhig angehen und überleg dir,ob es denn marathon sein soll.wir sind auch so stolz auf deine leistungen.gruß aus dem norden,karen

Auf die Schulter klopf...

...hauptsache Du trägst keine gesundheitlichen Folgen, das ist das Wichtigste....solche Leute wie in Deinem letzten Abschnitt sind einfach nur äzend! Haben beruflich und/oder privat nix zu sagen, den Porsche können sie sich nicht leisten also müssen sie sich sportlich profilieren und das heraushängen!
Allen Respekt vor Leuten mit solchen Zeiten, aber wer damit in der Öffentlichkeit so dermaßen angibt hat wohl Defizite im Selbstwert!
Alles Gute und gutes Gelingen beim nächsten Mal!

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten

Wow!

Packender Bericht. Und zum Glück geht es dir gesundheitlich wieder gut.
Ich finde, du gehörst zu den wahren Helden.
Also, die Form halten und auf zum nächsten Marathon, mit Traubenzucker!

Kann passieren

Ich war beim allerersten Mittelrheinmarathon am Start. Es war eine Hitzeschlacht, aber ich hab partout nicht langsamer machen wollen, bis bei km 33 die Lichter ausgingen. Hyponatrienämie... Rettungswagen... Sanitätszelt... Genau wie Dir ging es mir nach einigen Litern Elektrolyten wieder blendend, aber ich hab meine Lektion gelernt. Mehr trinken, öfter mal 'nen Schwamm über dem Körper ausdrücken, um nicht zuviel zu schwitzen.
Bin seitdem wieder eingige Marathons gelaufen und bei allen ins Ziel gekommen. Also lass Dich nicht entmutigen, mache den nächsten ein bißchen langsamer als Du eigentlich könntest, genieße ihn und dann kannst Du auch wieder Bestzeiten angreifen.
Und eben weil Du den nächsten sehr bewusst und entspannt laufen solltest, würde ich empfehlen einen mit besserer Stimmung zu nehmen (Köln, Berlin...)

Viel Spaß noch beim Laufen!

An Dr.Knall

Was ist Hyponatrienämie? Ist mir kein Begriff. Kannste mir das mal näherbringen?

Rechtschreibfehler dienen der allgemeinen Belustigung. Wer welche findet darf sie behalten.

Hyponatriämie

Hallo Kurti,
Hyponatriämie (die wohl gemeint ist) ist meines Laien- Wissens eine Verminderung der Natriumkonzentration im Blut, meistens hervorgerufen durch starkes Schwitzen und zu wenig Zufuhr von Natrium oder durch die berühmt-berüchtigte Hyperhydratation (wenige Fälle, in denen Läufer zu viel getrunken haben). Hauptursächlich ist aber immer die fehlende Zufuhr von Natrium, welches durch Schwitzen und im Urin ausgeschieden wird. Läufer, die stark schwitzen, sollten deswegen z. B. in der zweiten Hälfte des Marathons mit Natriumchlorid versetzte Getränke zu sich nehmen.
Gruß, Marco
You´ll never trink alone

Ich habe selbst gegugelt und

Ich habe selbst gegugelt und diesen Artikel gefunden.
http://www.lauf-petra-lauf.de/informativ/wasser.shtml#artikel3.

Rechtschreibfehler dienen der allgemeinen Belustigung. Wer welche findet darf sie behalten.

Bei den Temperaturen, die

Bei den Temperaturen, die dort ab ca. 10 Uhr geherrscht haben, wird es einigen so ergangen sein wie dir. Auch ich wollte einem Pacemaker, genauer dem 4h-Hasen folgen und das klappte auch bis ca. 5km vor dem Ziel. Zum Glück hab ich dann gemerkt, dass es mir in der Hitze zu schnell wird und habe ihn ziehen lassen, da ist falscher Ehrgeiz nicht angebracht.
Was die Leute im Zug angeht, das gibts halt leider immer. Was sie vergessen ist, dass nicht jeder krampfhaft gegen eine Uhr läuft und manch einer auch noch andere Hobbies und Interessen im Leben hat. Ich wundere mich sowieso welchen Grund manch einer hat arrogant zu sein, denn auch die stinken mit ihren Zeiten deutlich gegen die Spitze ab und werden nie in der Position sein einen solchen Lauf zu gewinnen (sofern sie nicht tatsächlich zur genannten Spitze dazugehören, aber da würde ich mir dann doch etwas mehr Professionalität erhoffen/vorstellen).

MfG,
Marco

Dein Marathon

Meine Güte, liebe Heike, was für eine Erfahrung für Dich und was für ein anschaulicher Bericht!! Als wär man live dabei! Wie schön, daß das Albtraum-Erlebnis für Dich so einen guten Ausgang hatte, und daß Du so gut versorgt worden bist. Aber daß Du zurück zur Strecke gelaufen bist, in den Besenwagen eingestiegen und dann sogar noch mal ausgestiegen, um doch noch laufend durch's Ziel zu kommen, finde ich absolut bewundernswert - Hut ab. Daß Du überhaupt noch den Besenwagen errreicht hast - nach dem Krankenhausumweg - zeigt ja auch, wie schnell Du auf der Strecke warst!
Die Arrogantlinge, von denen Du erzählst, gibt's überall, habe ich auch auf meiner abgebrochenen 10-km-Strecke gehört. Idioten. Wenn ich schon höre: für 10 km ziehe ich mich nicht mal um...
Also, liebe Lauffreundin, mach mutig weiter, höre (noch besser) auf Deinen Körper, und den Fotoapparat laß man ruhig zu Hause. Lieber Traubenzucker etc. Ich schick Dir mal ein Super-Trinkrezept für das Minifläschchen! ricamara

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