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HM in Offenbach,

mein Trainingsplan für den Marathon im Sommer sah ja für den letzten Samstag einen Halbmarathon vor. Kurz entschlossen entschied ich mich daher, am Ort meines täglichen Schaffens und Wirkens auch meiner sportlichen Leidenschaft nachzugehen. Mehdorns Truppen hatten jedoch etwas dagegen. So konnte ich es „Weise Voraussicht“ nennen, eher losgefahren zu sein als geplant. Gegen 17:15 Uhr kam ich dann am Marktplatz von Offenbach / Main an. Die Startunterlagen waren im Foyer des Rathauses abzuholen, was schnell erledigt war. Bei den Voranmeldungen gab es kaum eine Warteschlange. Umgezogen hatte ich mich schon unterwegs in der DB-Lounge, so brauchte ich nur noch meinen Rucksack abzugeben und war nach den wenigen Startvorbereitungen schon klar. Irgendwie ist es ja immer so, daß man sich mit dem Brustgurt um sofort sportlicher fühlt, oder?

Die Organisatoren haben bei diesem Lauf eine wirklich gute Arbeit geleistet, das kann und muss man zweifelsfrei zugestehen. Alle Streckenabschnitte waren sehr gut gesichert und so konnte ich den Lauf um die Hochhäuser und hinter den Kulissen der Stadt wirklich genießen.
Aber zurück zu Start. Der befand sich in der Frankfurter Straße, mitten in der Fußgängerzone. Eine vollkommen neue Erfahrung für mich. Das Publikum quasi hautnah um einen herum. Anerkennende Worte, wenn man auf die Frage nach der Streckenlänge trocken antwortete „21km“ … .Dabei war mir alles andere als klar, wie ich den Lauf überstehen würde. Nicht das, sondern wie … . Nach und nach steigerte sich die Nervosität. Dennoch war meiner guten Pulsuhr die Anzeige nicht zu glauben: 220. Quasi tot, verreckt am Start ;).
Dann der Startschuß, etwas verfrüht, aber mit Hintergrund dafür. Der 7km-Sieger drohte, direkt in den Start zum HM reinzulaufen. Warum man das nicht anders legen konnte mit den Startzeiten.
So fand ich vor Schreck denn auch nicht den Knopf an meiner Pulsuhr zum Stoppen der Zeit. Ärgerlich, aber nicht zu ändern, erst nach einer guten Minute hatte ich das Ding während des Laufens soweit.
Trotz des für mein Gefühl gemächlichen Trabes war ich vom Kilometer 1 an schon zu schnell. Puls bei 140, fast konstant. Ob das gut gehen würde? Bei Kilometer 2 war ich schon 2 Minuten über der berechneten Durchgangszeit für die Endzeit von 2h16Min. Ob das am verminderten Hitzestau liegen könnte. Zum ersten Mal, wirklich zum ersten Mal traute ich mich nämlich nur im ärmellosen Laufhemd zu Laufen. Ich muss dazu sagen d. ich ein rechter Spargeltarzan bin. … So ließen auch Kommentare des Publikums wie „Iss mal etwas mehr“ nicht lange auf sich warte. Bei km 4 und einer Durchgangszeit von 26 Minuten wartete mein Kollege aus Offenbach am Streckenrand, an dessen Haus der Lauf direkt vorbei ging. Wohlwollendes Schulterklopfen von ihm und es ging weiter. Das versprochene Bier stand in Runde 2 jedoch nicht da ;) … .Zweimal war die ICE-Strecke auf Offenbacher Stadtgebiet zu unterqueren. Auch ging es an diversen Trinkhäuschen vorbei, andernorts Kiosk genannt, wo entsprechendes Publikum oftmals sprachlos ob der Läuferschar anzutreffen war. Wie kommentierte ein vorbeiziehender angetrunkener Mann meinen Lauf in einem der Tunnel „Lieber auf Strom pissen als das hier … „ ;) …Bei km 18 wollte ich ihm schon recht geben *gg*.
Zweimal in der zweiten Runde wollten andere meinen Lauf eher beenden als ich. Dabei sah ich bestimmt nicht so mitleiderregend aus. Anweisung an den Autofahrer „Fahren Sie ganz links, um keinen Läufer zu behindern“. Nachdem mich der Autofahrer also links überholt hatte zog er den Wagen nach rechts direkt vor meine Beine. Glück gehabt und einiges tänzerisches Geschick an den Tag gelegt, kam ich unverletzt davon. Ein zweites mal war es ein Kind, das mit dem Fahrrad mitten in den Lauf hinein fuhr.
Zum Ende der zweiten Runde brandete unglaublicher Jubel in den Straßencafes links und rechts der Strecke auf.“ Wow, Party!“ dachte ich und wollte mich grade für die Unterstützung bedanken, also mich einer der (oder vielleicht der) erste(n) überrundete und ins Ziel sprintete. Ich war übrigens noch immer viel zu schnell, obwohl ich keinerlei Ermüdung spürte. Sicher die Folgen des Trainings inzwischen.
In Runde 3 also wurde es langsam etwas zäher. Ein Läufer heftete sich an meine Fersen, ohne jedoch Führungsarbeit leisten zu wollen. Wenn ich ehrlich bin, kann ich es nicht so gut leiden, wenn jemand hinter mir läuft und dann nicht überholt, klangmäßig aber schon einer Dampflok (man sehe mir das heftige Wort nach) nahe kam. Die letzten 7 km hatte ich den Sportsfreund im Schlepptau. Überholen wollte ich ihn auf den letzten Kilometern dann auch nicht mehr. So kam ich vor und durch ihn nach 2h01Min ins Ziel, was gut 15 Minuten schneller war als mein Trainingsplan für den Lauf vorsah. Hinter dem Ziel dann ein Dank von meinem ‚Treiber’ „Danke fürs Ziehen“. Gern geschehen! „Danke fürs Schieben“ war meine Antwort ;).

Im Rathaus galt es dann noch das Shirt abzuholen, das mich auf lange Zeit an einen schönen und gelungenen Lauf erinnern wird. Kurz darauf saß ich in der S-Bahn, die mich zum Frankfurter Hauptbahnhof bringen sollte. Der planmäßige ICE hatte dann 25 Minuten Verspätung, weshalb ich erst 23:30 Uhr wieder daheim war. Danke, Hartmut!

Der Offenbacher LC hat mit seinem City-Lauf wirklich schon so etwas wie einen Klassiker auf die Beine gestellt. Alles war gut organisiert, von den Dixie-Klos bis zu den Absperrungen (uneinsichtige Autofahrer gibt es überall und immer wieder). Die Atmosphäre war sehr gut. An den ‚Wasserstellen’ lief alles super. Besonders toll fand ich die Hilfe und Unterstützung der vielen Kinder dort!

Ich bin nächstes Jahr bestimmt wieder dabei. Und vielleicht auch mein Kollege!

Gruß Janosik

P.S. Sonntag danach standen 15 km an … es lief wieder super

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Schöner Bericht - ich wäre

Schöner Bericht - ich wäre beinahe spontan auch gestartet (allerdings nur die 7 km), habs dann aber sein lassen, da ich schon für den HM am nächsten Tag in Dietzenbach-Steinberg gemeldet hatte.

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