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Da wir unsere (Ultra-)Lauffreunde bisher fast immer auf neutralem Boden getroffen hatten, musste ich erst mal am Vorabend per Jogmap klären, wo genau dieses Sulz am Eck liegt. Der Zusatz „am Eck“ hat jedoch eine besondere Bedeutung, doch dazu später noch mehr.

In aller Herrgottsfrühe ging's wieder aus den Federn und notdürftig spülte ich mein Frühstück mit viel Kaffee hinunter. Wenn nur nicht immer dieses frühe Aufstehen wäre! Doch das ist der einzige Nachteil am langen Laufen. Meine neuen Magnesiumbrausetabletten weihte ich gleich nach dem Frühstück ein. Gegenüber Nahrungsergänzungsmitteln bin ich normalerweise sehr kritisch eingestellt, doch bei solchen langen Distanzen (58 Km standen heute auf dem Programm) werden jede Menge Kalorien verbrannt und mit dem bei mir stets reichlich fließenden Schweiß noch einige Mineralien rausgeschwemmt. Die Läufe selbst mögen ja bisher immer ohne Probleme verlaufen sein, aber das anschließende muskelkaterbedingte Humpeln zu den Duschen oder schlimmer noch, das spätere Aussteigen aus dem Auto vor der heimischen Garage ist nur begrenzt spaßig. Nun musste ich jemanden fragen, der sich mit so etwas auskennt. Der Apotheker meiens Vertrauens empfahl mir schließlich Brausetabletten, die eigens von einer Sporthochschule entwickelt wurden und die Verpackung versprach „Apfelschorlegeschmack“. Dann musste das ja gut sein und ich griff zu. Im aufgelöstem Zustand erinnerte mich das Gesöff jedoch an hochkonzentriertem Urin und so schmeckte es auch. Wenn's eklig schmeckt, muss es ja wirken, heißt's ja immer so schön! Ich packte meine am Vorabend gepackte Sporttasche – was man nicht immer alles mitnehmen muss!!! - und holte den Dalai Lama unter den Läufern, nämlich Gerdi, ab.

Treffpunkt war also die Gemeindehalle, doch die war zunächst nicht einfach zu finden. Zunächst folgten wir der Beschilderung, doch irgendwann verlor sich die Spur. Trotz der Tatsache, dass es noch nicht mal 7:00 Uhr war, war ein Fußgänger unterwegs, der uns gleich in die richtige Richtung schickte. Da standen sie auch schon, unsere Sulzer Lauffreunde, die sich mit dem heutigen Lauf auf Biel einstimmen wollten, und die Wiedersehensfreude war riesig groß. Organisatorisch hatten sie eine Menge auf die Beine gestellt – angefangen von dem Transport des Läuferrudels nach Besenfeld zum Ausgangspunkt über ein reichhaltiges Angebot an allem, was das Läuferherz begehrt. Es waren 6 Etappen à etwa 10 km mit 8-minütigen Versorgungspausen vorgesehen. Wir stiegen in die beiden Kleinbusse und ein Läufer, der auf dem letzten Drücker erschien, wurde auf den freien Platz bei „den beiden Damen da hinten“ gelotst, wobei mit den beiden Damen Gerdi und ich gemeint waren. Trotz der Frühe herrschte schon eine Bombenstimmung in unserem Bus.

Unser Lauf wurde zunächst mit etwas Heimatkunde eingeläutet. Wir gingen an eine lauschige Stelle im Wald, wo die Nagold entspringt. Aus dem Waldboden blubberte eine Wasserpfütze mit dem Durchmesser eines Whirlpools, doch die Sprudelintensität war auf absoluter Sparflamme und auch die Wassertemperatur war auch nicht dazu geeignet, von unseren ursprünglichen Laufplänen abzukommen. Die Pfütze mündete in ein kleines Rinnsal, dass sich im Laufe unserer Km von einem Bächlein zu einem Flüsschen wandelte. Der Anblick war nicht unbedingt spektakulär, doch ich hatte noch nirgends den Ursprung eines Flusses gesehen. Das Ultralaufen ist also nichts für Bekloppte, sondern Laufen bildet! Nach unserer Bildungseinheit wurde noch schnell die Möglichkeit genutzt, den Flusspegel zu erhöhen und dann ging's los mit dem Km-Schrubben. Über lange Strecken ging's durch Wälder, wobei wir uns sehr auf den Untergrund konzentrieren mussten, so dass man nicht umknickte. Mittlerweile hatte sich auch unsere Nagold zu einem Fluss gemausert. Wir kamen an die Erzgrube, einem kleinen Stausee, vorbei an Altensteig Richtung Nagold.

Weiter ging's über Trampelpfade, alles weitgehend eben. Jemand mir zu „Telefon für dich!“ Was, hier?!?! Ehe ich mich weiterhin wundern konnte, bekam ich auch schon ein Handy in die Hand gedrückt. Manti war dran und meinte, Gerdi und ich müssten dringend noch heute zum Lauftreff kommen, der eigentlich bedingt durch die Pfingstferien ausfallen sollte. Eine Pressefritzin unserer Lokalzeitung habe sich bei ihm angesagt. Sie wolle einen Bericht über unseren Lauftreff schreiben und bräuchte auch noch ein Foto von uns. Das musste unbedingt heute sein, da sie ja einen Auftrag habe. Ich verstand sofort : ... und jährlich grüßt das Sommerloch! Manti hatte nun die undankbare Aufgabe, alle Läufer anzurufen, die in alle Winde zerstreut waren! Bitte in Laufklamotten und nicht fix und fertig aussehend beim Treffpunkt erscheinen, so Manti's Instruktion. Was für ein frommer Wunsch nach 58 Km Laufen, aber klar, Gerdi und ich werden da sein, versprach ich im Laufschritt.

Die 4. Etappe „verwöhnte“ uns mit vielen Steigungen und ich fing an, mich bei den nun wärmer werden Temperaturen nach meiner Cola zu sehnen! „An Gohla könnt isch misch eben dod saufen!“ Die 8 Minuten Pause wurden ziemlich strikt eingehalten. Naja, lieber beim Essen, als beim Laufen angetrieben zu werden! Ich wechselte noch schnell meine durchnässten Schuhe und Socken, da sich bei mir eine Blase anbahnte. Meine durchweichten Füße erinnerten mich an Tiefkühlhühnchen. Los ging's in die 5. Etappe wobei ich bei Km 50/51 in einem Schlappschritt verfiel, der auch sehr nett kommentiert wurde! Ich fühlte mich selbst wie ein alt's Weib und ein altes Weib ist ja bekanntlich kein Intercity. Schlapp – schlapp – schlapp – rechter Fuß – linker Fuß – rechter Fuß, doch meine Labergoschen lief weiter wie geschmiert. Endlich gab's wieder was zum Essen und zum Trinken. Das ist sehr wichtig, denn bei solchen Distanzen verbrauche ich lt. Jogmap etwa 3.100 Kalorien. Das ist wirklich sehr viel für das bisschen MagnumClassic.

Nun kam das letzte Stück – der Panoramaweg, ca. 5 km, der uns nach Sulz am Eck führte. Folterweg hätte besser gepasst und außerdem – wo war das Panorama? An Laufen war nicht mehr zu denken, es folgte eine „Gehpause“ Selbst unser Ultraman Jürgen stellte auf Gehen um. Wir liefen quasi das Eck hinauf. Das Eck ist also ein Fels, an dem sich das Örtchen Sulz idyllisch anschmiegt, während wir von der anderen Seite her noch mitten in der Plackerei steckten. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, als wir endlich oben auf der Höhe ankamen – und auch ein Panorama vor uns hatten, als wir das Eck mit Wackelpuddingbeinen hinuntereierten.

Nachdem wir uns alle frisch gemacht hatten, gab's nochmals kräftig was für die ultraleeren Speicher und noch ein gemütliches Beisammensein. Gerdi und ich mussten jedoch bald los, um wie versprochen pünktlich bei der Pressetante zu sein. Zu meiner großen Freude fiel mein Muskelkater weitaus geringer aus, so dass nach unserem Pressetermin noch ein kleines Läufchen von 4/5 km mit unserem spontanen Lauftreff drin lag. Ob das jetzt an meinen neuen Magnesiumtabletten oder an der Psychologie lag? Keine Ahnung! ;-)

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Neid :-)

aber nur freundlicher.. Ich bin beeindruckt! Sollte ich je nach 58km plus noch so einen Bericht schreiben können, ziehe ich den Hut vor mir selbst, so ziehe ich ihn vor dir (tiefe Verbeugung).

Whow, erst mal möchte ich

Whow, erst mal möchte ich die Distanz schaffen- danach noch nen Pressetermin plus "lockeres Läufchen"? Trainierst Du für Biel???? Du bist ja supergut in Form, wenn Du die Strecken so locker wegsteckst. Große Anerkennung! LG Astrid

Jetzetle...

Jetzt wirst du mir langsam unheimlich :o)
Mal eben 60 km und dann noch Fototermin und ein locker Läufchen... Nur das mit dem Speicher auffüllen, das kann ich voll nachvollziehen ...

Euch allen vielen Dank! (Hold erröt:-0)

Laufen scheint einfach mein "Ding" zu sein! Hinzu kommt, dass ich gute Voraussetzungen habe: ich bin eine halbe Portion von nicht mal 1,60 m, wiege fast nichts, trinke und rauche nicht, mache brav mein Stretching und mein Krafttraining. D.h. ich habe auch keine Probleme mit den Gelenken, Knie usw. Wie heißt's immer so schön? "One orange a day keeps knee pain away!" Wobei ich das Obst lieber in Saftform konsumiere! ;-))

Außerdem habe ich einen sehr starken Willen, so dass ich dann nur noch davon getrieben bin, es (sei's Marathon oder 60 km) zu schaffen!

LG

MC

laufend fit und gut drauf!

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