Benutzerbild von Colli

Sooo...

nachdem meine Vorbeireitung im November 07 durch eine Verletzung auf fast Null runtergefahren werden musste, hatte ich mit meinem ersten Marathon eigentlich abgeschlossen. Im März ging es wieder los - schmerzfrei Laufen! Also habe ich den HM angepeilt, in Luxemburg konnte man sich bei KM 16 entscheiden: halb oder ganz.

Schon die Anreise nach Luxemburg zeigte mir, dass es wohl ziemlich berig sein würde - hätte ich nicht gedacht, aber nun hing ich drin und es gab nur eine Richtung: nach VORN!

Luxemburg selber ist eine wirklich schöne Stadt, wir haben den Samstag mittag in der Stadt verbracht, bei strahlender Sonne und einer Henkersmahlzeit Nudeln. So langsam wurde ich nervös. Kurze Vorbereitung selbst für den HM, so viele Berge, so warm.... Aber DU hast mir Mut gemacht, dass Du an mich glaubst.

Dann zurück ins Hotel: Umziehen, Startnummer festmachen, KH in flüssig nochmal rein in den Magen. Dann zum Start...

18 Uhr - es geht los, ich muss jetzt mindestens 21 KM laufen. Mein Kopf will mehr, aber das ist beklopppt. Musik auf die Ohren, Gehirn ausschalten. LAUFEN.

Die ersten 5 KM waren wirklich schwer...kein Rhytmus, hoher Puls, langsam... fast 9 Min/km! Wie sollte DAS weitergehen?! Zum Glück hatte ich bei der Hitze eine Flasche zu Trinken mit, bis zum ersten Verpflegungsstand wäre ich schon richtig eingebrochen...

KM 5 : erster Stand: Flasche auffüllen, Trinken, weiter. Plötzlich war der Schalter umgelegt. Ich wurde schneller, der Puls ging runter und auf einmal lief es einfach. Ich konnte die Gedanken treiben lassen und die Strecke genießen.
Jedes Schild mit einem KM mehr, jeder Verpflegungsstand, alles immer genau richtig, wenn ich dachte: wie weit noch?, kam wieder eine Samba Gruppe, Trinken, oder ein netter Mitläufer. Ziemlich früh hatte ich mich an einen rangehängt, weil das Tempo stimmte und weil er ein Köln-Shirt von 07 anhatte. Und auf den Dom zu Laufen ist immer leichter. Bei Km 30 oder so war er weg, aber auf den wichtigen 3 KM vor dem Ziel waren wir dann ein wirklich gutes Team.

Bei KM 16 aber musste ich mich erstmal entscheiden: Halb oder ganz? Und die Frage: WO ist der Mann den ich liebe und der an dieser Stelle versuchen wollte mich zu sehen?! Schließlich wollte ich ihm sagen: Ich mach es ganz! Ich habe Dich leider nicht gesehen, aber Du mich schon und so war auch klar: Es wird noch etwas dauern, bis ich wieder da bin...

Gleichzeitig machten sich erste Blasen im Bereich des Fußbettes bemerkbar. Damit bin ich aber auch schon den HM in Köln gelaufen. Schmerzen treiben an : weiter! Nach Hause!

Bis KM 21 hatte ich ein ganz schönes Tief... Gedanklich hatte ich bei der Trennung schon die "21" im Kopf... Dann habe ich an Dich gedacht, an UNS und mir immer wieder meine Strecken zu Hause vor Augen geführt, mich auf die Musik konzentriert, die Zuschauer und natürlich: die Steigung. Es gab ja nichts flaches in Luxemburg. Hoch oder Runter.

Bei KM 30 die letzten KH und ab dann jedes Mal Cola + Wasser. Wasser gab es grundsätzlich 2 zum Trinken, 2 zum Duschen. Es war sooo warm, besonders die ersten 2 Stunden... Wenn ich "30" schaffe, schaffe ich auch "40", das war mein Mantra als ich mich für die ganze Strecke entschieden hatte. Also: LAUF! oder auch "Kämpf Du Sau!" oder "Für UNS!"

Jetzt war jeder KM eine Herausforderung. Bei KM 35 die ersten Schmerzen im Quadrizeps und Gastrocnemius... Ans Ziel denken und an "meinen Mann". Das hilft.

Die letzten 10 KM waren eine einzige Steigung. "Ich laufe....nur für Dich, Ralf!" stimmte jetzt wirklich. Jede Faser meines Körpers wollte zu Dir. Ins Ziel.

Bei KM 39 oder so traf ich den Kollegen aus dem Kölner Umland wieder. GEHEND! So ja nicht! Also ein bischen Motivation und dann zusammen bis ins Ziel!

Die letzten 1000 Meter. Die schlimmsten 1000 Meter des gesamten Laufs. Ich kann nicht mehr! ... Ich will nicht mehr! ... Wo bist DU?! ... Stehst Du an der Zielgraden oder in der Arena? ... Hast Du es eigentlich zu KM 16 geschafft? Und auch wieder durch das Gedränge zurück? ... Ich will nicht mehr!... Ich kann nicht mehr! ... Meine Beine! ... Wie weit noch?! ... Wo bist Du? ... Steigung: die letzte?! ... Ich hoffe.

Die letzten 195 Meter: Ich renne los. Luft hatte ich die ganze Zeit, aber jetzt spüre ich für eine Minute auch meine Beine nicht. Ich will einLAUFEN, nicht einschlurfen! Also los! Rein in die Arena! Ich habe es geschafft.

04:27:00 Stunden. DA hat sich der Schlusssprint doch gelohnt! Und DU stehst oben, direkt vor mir im Ziel. ICH LIEBE DICH! Jetzt geht es mir gut.

DANKE. Für Dein Zutrauen. Für Deine Liebe. Für Deine mentale Unterstützung bei jedem Schritt, in jeder Sekunde über 42,195 KM. 45.545 Schläge meines Herzens und jeder war für DICH.

Und als Quittung: heute der erste schmerzfreiere Tag... Aber ich habe es ja so gewollt. Und ich werde es wieder tun: Galeria Nachtlauf in Köln, diverse Volksläufe, DKV-Brückenlauf in Köln und dann: MARATHON 2008 in KÖLN. Man tut es halt immer wieder...

"Ich laufe...." auch das nächste Mal wieder mit Deiner Unterstützung und mit der Kraft die unsere Liebe mir gibt.

0

Google Links