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Nachdem wir am Vorabend unseres Tags X mit Verspätung in Hamburg einschwebten, konnten wir geradezu auf den letzten Drücker noch unsere Startunterlagen abholen, doch die gebuchte Pasta-Party war für uns schon gelaufen. Unser Hamburg-Man Gerdi, der schon zum Inventar des HH-Marathons gehört und daher sehr ortskundig ist, konnte uns jedoch umgehend eine Ersatz-Kohlenhydrat-Quelle in Form eines reichhaltigen Nudelbuffets beschaffen.

Am nächsten Morgen müssten wir früh aus den Federn, das übliche Ritual – Stichwort Vaseline, Sonnenschutz, Kaffee und die natürlichen Folgen davon stellten uns auf unser Vorhaben ein. Immerhin, für Nervosität war dadurch so gut wie keine Zeit. Manti, Günti und Gerdi schnell noch alles Gute gewünscht und nach der Kleiderbeutelabgabe ging’s nochmals ein letztes Mal auf’s Dixiklo, wobei ich natürlich mal wieder die langsamste Schlange erwischte! Egal, es reichte noch, doch es verblieben gerade mal noch 10 Minuten bis zum Start. Ich kannte mich zwar in keinster Weise aus, aber ich brauchte nur mit dem Strom mitzuschwimmen und fand auch schnell meinen Startblock G. Um schließlich auch in diesen Herdentrieb hineinzukommen, musste ich mich erst einmal durch das Gewusel drumherum schlängeln und über die Absperrung klettern. Kaum war ich drin, ging’s auch schon los! Jetzt gab’s kein Zurück mehr! 5 Minuten später überquerte ich die Startlinie. Im Zotteltempo ging’s über die Reeperbahn, König- und Bernadottestraße. Ich lief im Rudel mit, denn ich wusste, dass ein zu schneller Beginn mich hinten heraus die doppelte und dreifache Zeit kosten wurde! Stattdessen beobachtete ich das ganze Drumherum und genoss jeden Kilometer. Es kam auch schon die erste Wasserstation und damit die erste Zwischenzeitnahme. Etwa 28 min. waren zu diesem Zeitpunkt vergangen und der Läuferbrei wurde minimal dünner.

Nun nahm ich Kurs auf den Hamburger Hafen vorbei an Elbchaussee und Fischmarkt. Hier ging es leicht bergab. Zeit also für mehr Tempo, denn immerhin wollte ich unter 4 Stunden bleiben! Mittlerweile hatte ich meinen Schwung gefunden und ließ die Seele baumeln. Dummerweise hatte ich dabei den nächsten Getränkestand übersehen. Mist! Umkehren wäre jetzt auch doof gewesen und außerdem, es kamen ja noch mehr Wasserstationen! Weiter ging’s mit einer läuferischen La-Ola-Welle durch einen Tunnel in Richtung Alster . Für Gaudi bin ich ja bekanntlich immer zu haben. Ah, da ist ja das Hotel Atlantic, wo ja auch Udo Lindenberg sehr „preisgünstig“ lebt. Sofort rufe ich mir mein neues Läufermantra ins Gedächtnis – „Stark wie zwei gehe ich die Straße hinunter“ und laufe der 21,1 km-Marke entgegen. Zwischenzeit 1:52. Jetzt wurde es interessant. Unwillkürlich musste ich an meinen letzten Halben in Freiburg denken, wo ich damals im Ziel dachte „au weia und in Hamburg musste die gleiche Strecke nochmal dranhängen!“ Doch das war nun kein Thema mehr und hielt nun auf die 25 km zu in voller Vorfreude auf die Soundmeile.

Dort ging regelrecht der Punk ab. „Lauf, lauf“, tönte es aus den Lautsprechern und die Zuschauer machten eine Riesenstimmung. Ich konnte nicht anders und zog schließlich meine eigene Show ab. Etwas gediegener, aber dennoch mit vielen Anfeuerungsrufen der Zuschauer nahm ich die 30-km-Marke ins Visier. Zwischenzeitlich war ich auch für die Versorgungsstationen sensibilisiert und sorgte regelmäßig für den nötigen Treibstoff.

Der Lauf plätscherte weiter vor sich hin und es war bis dahin auch alles recht nett, es folgten die km 31 – 33, doch dann ging es langsam los mit der Plackerei. Ich will jetzt endlich das 34-km-Schild! „Stark wie zwei...“ o.k., weiter! Na endlich, da vorne ist’s ja! Wo ist das 35- (36/37 usw.) km-Schild! Aha, der innere Schweinehund! Um bei Udo L. zu bleiben, der Schweinehund (also nicht der Udo!) „ging mir am A.... vorbei“. Trotzdem, wo ist das nächste Km-Schild?!?!?! Was würde Steffny in so einer Situation sagen? Bist du ein Weichei oder Marathoni? Jaja, iss ja schon recht! Also weiter „Stark wie zwei“! Da vorne km 40! „I will survive“ kommt es mir schon aus den Lautsprechern entgegen. „Yes, Gloria, I will, too“, denke ich und weiter geht’s in Mopsgeschwindigkeit. Seit meinem Herumgeeiere ab km 34 guckte ich auch nicht mehr auf die Uhr. Jetzt sich nur nicht noch wegen der Zeit verrückt machen lassen! Seltsamerweise hatte ich während des ganzen Laufs keinerlei Schmerzen, ich fühlte mich zum Ende hin nur ausgepowert und hatte einfach keinen Bock mehr. Einen weiteren Marathon wird es auch nicht mehr geben, dachte ich.
In der Ferne sah ich das Ziel. Na wenn das keine Motivation ist! Meine Lebensgeister kehrten langsam wieder zurück, während meine Startnummer von mir abfiel. Ich konnte sie gerade noch festhalten und kratze meine letzten Kräfte für den Zieleinlauf zusammen. Ich lief und lief, doch das Ziel wollte einfach nicht näher kommen. Also weiter und dann .... Zeitnahme – 3:50:xx! Ich riss meine Arme mit samt der Startnummer hoch und fragte mich „welcher Marathon kommt als Nächstes?“

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Herzlichen Glückwunsch und

Herzlichen Glückwunsch und danke für Deinen Bericht.

...und welcher darf's denn sein? Der nächste Marathon, meine ich.

Wünsche Dir viele lockere und funbringende Trainingseinheiten.

Gratulation !!

sensationelle Zeit .Wenn ich nicht Deine Aversion gegenüber Turbostrümpfen kennen würde, würde ich doch glatt behaupten , Du hättest Dich derer bedient;-). Nein, mit Deinen bisher so unglaublichen beneidenswerten Zeiten, hast Du dem Ganzen die Krone aufgesetzt, Du machst uns Frauen stolz. Wie Du hatte ich ab Km 34 einen leichten mentalen Einbruch, es war mir einfach zu warm und ich hatte keine Lust mehr, jedoch keine Schmerzen .Heute wieder die ersten 6 km ganz langsam gelaufen, macht weiterhin spaß. Ich bin am überlegen: Berlin Marathon wär auch ganz nett. Mach weiter so. L G Fairy

super

elli68

Toller Lauf, hört sich ja richtig easy an fürs erste Mal und dann so ne Zeit. Mein erster ist im Oktober in Frankfurt ( Heimspiel ) hoffe das wird ähnlich.

Ja, ja!!!

Also ich schlage den Bottwartalmarathon vor!

:-) crema

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