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lange gekniffen vor diesem langen langen, aber heute muss es sein, 36km am stück ohne wenn und aber sonst abschminke hh. Drei um die 30 gemacht in den letzten wochen, aber immer zuviel muffe vor dem 36er, den ich brauche, weil ich noch nie einen ganzen gelaufen bin und die angst vor der strecke verlieren muss. Also ab geht’s, seh mit meiner laufbrille und trinkrucksack aus wie matrix auf der flucht, egal, ideales wetter, sonne aber kühl und nur leichter chillywind. H.I. hat sich angeboten, den anfang mitzulaufen, geht auch super ab, alles asphalt heute, pace stimmt, frequenz stimmt, keine schmerzen nirgendwo, alles easy. Bei km2,2 kommt uns Uwe entgegen, der heute nicht so weit will und schon früher los ist, grosses hallo, halt durch heute, abklatschen und weiter geht’s. Rhythmus finden, nicht ans laufen denken, schon gar nicht an alles, was noch kommt, H.I. hilft durch anhaltendes schwatzen, erzählt dönkes eins nach dem anderen, höre kaum zu, sag manchmal ja und so leert das geplapper als hintergrundmantra langsam meine birne, good boy he is, ob er das wohl mit absicht macht? Zwischen km 6-7 wird’s bischen kopfsteinholprig aber bin noch fit, fusskontrolle funzt noch tadellos, H.I. plappert weiter, vögel zwitschern, frisches sonnenklares lüftchen, mental schon leicht abgedriftet, geräusche irgendwie weit weg, höre kaum die autos bei querung der A27, i‘m on the way baby. Bei km 11,5 macht H.I. die biege links ab richtung deelsen und zurück nach luttum, wird auch seine 25 machen heute, danke für die unterstützung und plötzlich bin ich allein. Für paar minuten bin ich wach, aber dann lullt die natur ringsum mich wieder ein, merkwürdiges gefühl, kriege alles mit aber wie durch watte, bin irgendwo anders zentriert, körper läuft automatisch, noch keine schmerzen, keine müdigkeit, noch alles easy, nur nicht an das denken, was vor mir liegt, drittel hast du schon geschafft, bei deinem ersten HM vor einem jahr hattest du bei langsamerer pace 20 puls mehr, das ist doch was, hat sich doch gelohnt die plackerei, positiv denken. Km15 erste trinkpause, schnalle kurz meinen rucksack ab, um an die zusatzflaschen mit selbstgemixter kraftpampe zu kommen, leere eine halbe flasche kh-ew-mineralmix, dauert nur eine gute minute, von nun an alle 5 km geplant wie die trinkstellen beim grossen lauf und weiter geht’s. Nach 20 minuten liegt mir die pampe quer im magen, muss sie für hh verdünnen, dann aber natürlich weniger kalorien oder mehr flaschen, was ich auch nicht will, bin für einige zeit mit dem thema beschäftigt, soll ich vielleicht doch petes kraftriegel kaufen statt eigenpampe, nur noch zwei wochen zum ausprobieren und kein hardcorelauf mehr, so geht’s weiter. Erste schmerzen im rücken, fange an krumm zu laufen, obacht baby jetzt wird’s ernst. Kaum , sind die ersten negativen gedanken da, schon taucht er auf, der schlimmste feind aller maratonner und maratonnen, der üble schleimer und verführer, der dicke fette schweinehund, er hat lange auf seine chance gelauert und und nun sieht er sie. „Warum quälst du dich so schätzchen, mach doch einfach mal gehpause, dann geht’s leichter, du könntest auch genau hier bei km 20 eine abkürzung nehmen, 30 sind doch auch genug.“ Ich schüttle mich, du fettes schwein wirst mich kennenlernen, verzieh dich in deine ecke halts maul und damit du endgültig weißt wo der hammer hängt, wird die 20km trinkschleichpause um 500m verschoben, noch fragen? Der adrenalinschub tut mir gut, die 500m spul ich mit links ab, mache dem fetten schwein eine lange nase und würde eigentlich gerne ohne trinken weiterlaufen, aber trinken muss sein, werd nicht übermütig baby, damit lockst du fetty nur wieder aus seiner ecke. HM distanz und 7 min schneller als vor einem jahr, damals war ich total platt, konnte im ziel nicht mal mehr die arme heben, von diesen gedanken zehre ich die nächsten km, aber langsam werde ich müder, rücken tut wieder weh, schlappschritt droht, pace wird langsamer ich warte auf fetty aber er ist still. Fetty, wo bist du, hast du schon aufgegeben altes weichei, komm zeig dich und hol dir die nächste beule ab, prophylaktisch überziehe ich die 25km wieder um 500m, aber dann mache ich ohne nachzudenken den ersten fehler beim trinken, ich gehe, kein schleichschritt mehr ich gehe tatsächlich ohne dass ich es beschlossen hätte. Fetty du altes widerliches schwein, wie hast du das gemacht, tust so als ob du schläfst und dann sowas, das ist nicht fair. Fange sofort wieder an zu traben und nehme die letzten schlucke im laufschritt, dir werd ichs zeigen, zur strafe wird die pace erhöht und das war mein zweiter fehler. Erst geht’s ganz gut, der schreck hat mich wachgerüttelt, bin jetzt voll bei der sache, schweife nicht mehr ab sondern konzentriere mich aufs laufen, aber das tut mir überhaupt nicht gut, plötzlich tut nicht nur der rücken weh sondern eigentlich alles, bin verwirrt über die plötzlichkeit meiner schwäche nur von dem bischen mehr pace, korrigiere mich wieder nach unten, finde aber kein gleichgewicht mehr, fange an, mich durch die kilometer zu quälen und dann mache ich den dritten fehler, ich denke an das, was noch kommt und das ist der lohberg am ende der strecke bei km 34. Nur etwa 6% steigung für einen kilometer, eigentlich ein klacks aber der lohberg steht vor mir wie eine wand, fetty hat seinen letzten trumpf ausgespielt und damit hatte ich nicht mehr gerechnet, ich kann mich nicht mehr wehren, ich ahne, was passieren wird, die abzweigung nach armsen spart gut 2km und vermeidet den lohberg, help baby help, noch 100m und ich muss mich entscheiden, ich habe keine chance mehr, fettys trumpf sticht und ich biege ab. Minutenlange leere, bin enttäuscht, so kann man keinen ganzen bestehen, ich wusste doch, dass ich nicht nach vorne sehen darf, irgendwie muss dieser scheisslohberg die ganze zeit im hintergrund gelauert haben und plötzlich hat fetty ihn aus dem hut gezaubert, hätte er ihn mir schon früher gezeigt, wäre ich vorbereitet gewesen auf die abzweigung und hätte mir die passende antwort einfallen lassen. Hätte, hätte, hätte……fetty genießt seinen triumph und das macht mich wütend, ich beschließe, die nächste trinkschleichpause schon bei km 29 zu machen um ihn in sicherheit zu wiegen, ich schnalle sogar meinen rucksack ab und ziehe mir eine kleine gürtelflasche dreifachstarken espresso rein, schmeckt really strong und das brauche ich jetzt, denn die letzten kilometer werde ich mich an fetty rächen, er ahnt es noch nicht, grunzt zufrieden in seiner ecke und beachtet mich kaum noch. Ich fange wieder an zu laufen erst in der pace der letzten kilometer und dann fange ich gaaanz langsam an anzuziehen, der gedanke, es fetty heimzuzahlen spornt mich an, er soll es nicht gleich merken, ich werde ihn ebenso überraschen wie er mich mit dem lohberg. Bei km 30 werfe ich den turbo an, 20 sec schneller als die bisherige durchschnittspace, fetty blinzelt mit den augen, what’s that pussicat, hast du noch nicht aufgegeben, plötzlich ist er wach, er hat begriffen. „Bist du wahnsinnig, das tempo wirst du niemals durchstehen, es sind noch fast 4 kilometer, du wirst zusammenbrechen, wofür hälst du dich, du wirst nächste woche 59 jahre alt und bist immer noch 10 kilo weg vom läuferidealgewicht, das macht dein herz nicht mit, du hast frau und kind, hör auf mit dem unsinn, ich mein es doch nur gut mit dir.“ Aber ich durchschaue das fette schwein, ich ziehe jetzt mein ding durch, da kannst du säuseln so viel du willst, droh mir, versprich mir 30 jungfrauen im siebten himmel, ist mir alles scheissegal, du hast verschissen fetty, nicht nochmal mit mir, ende aus. Die 20 sec kann ich nicht ganz durchhalten aber ich bin bis zum schluss bei 33,8 km schneller als die durchschnittspace, platt aber irgendwie doch zufrieden, obwohl ich gut 2km weniger gelaufen bin als geplant. Eigentlich ist es ganz gut, dass fetty zwischendurch mal die nase vorne hatte, so habe ich einen vorgeschmack bekommen von seinen fiesen tricks, denn wiedersehen werde ich ihn bestimmt in 2 wochen beim marathon in hh.
That’s life

gopa There's still hope without dope

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Fetty platz !

Ich finde Du hast Fetty gut unter Kontrolle , so richtig gefährlich ist er ja garnicht und beim HH Marathon hat er sowieso viel zu viel Angst vor den Zuschauern. Lauf einen schönen, Lauf ,wir sehen uns im Ziel L G Fairy

Well done

Sehr, sehr schön. Sich wieder aufrappeln nach einer schon beschlossenen Aufgabe ist schwerer als durchhalten. Dann noch einen draufzulegen ist richtig geil.
Ich glaube nicht, dass Du Angst vor unserem gemeinsamen Ziel haben brauchst. Die letzte Steigung hat auch bei weitem keine 6%. Und schließlich: Du bist deutlich über 30 gelaufen und hast noch gesteigert.
Ich empfehle Dir allerdings, das Extragewicht des Trinkrucksacks wegzulassen. ;)

Wir sehen uns im Ziel.

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de nihilo nihil

Fettys Problem

Hallo gopa,danke für den sehr anschaulichen Bericht
das Problem für Fetty und seine fiesen Tricks ist, das die Stimmung beim HH-Marathon so gut ist und Du über so viele Möglichkeiten verfügst, Dich von ihm anzulenken, das er absolut schlechte Karten hat. Auch Fetty wird einsehen müssen, das er gegen hunderte Zuschauer, die Dich bei Km37 vorwärts brüllen, den Kürzeren ziehen muß.
Ansonsten wirst du nicht der Einzige sein, der auf den letzten Kilometern lauthals mit seinem Schweinehund diskutiert.
Sehen uns auch im Ziel, dort gibts ne Tonne, in der demütige und um Entschuldigung winselnde Schweinehunde entsorgt werden können :-))
Alles Gute für HH
Gruß, Marco
You´ll never run alone (von Fetty abgesehen)

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