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Eine Vielfalt von Mikroorganismen besiedelt den menschlichen Körper, insbesondere den Darm: Bakterien, Viren, Pilze, Einzeller -10x mehr als die Anzahl unserer körpereigenen Zellen (unsere Zellen sind allerdings viel größer). Dabei wurden Bakterien und Co. lange Zeit als Quelle aller möglichen Krankheiten angesehen. Doch viele Keime in uns sind nicht schädlich, sondern lebenswichtig. Man kann mittlerweile sogar sagen, je mehr unterschiedliche Mikroben das Ökosystem Mensch besiedeln, desto besser ist es um die Gesundheit dieses Menschen bestellt.

Das menschliche Mikrobiom wird seit 2008 zunehmend erforscht. Letztendlich waren diese Forschungen erst durch die neuen Techniken der Molekulargenetik möglich geworden. Wollte man früher z. B. die Bakterien einer Stuhlprobe untersuchen, gab es nur die Möglichkeit der Anzucht und Identifizierung dieser im Reagenzglas. Viele Darmbakterien sterben aber ab, wenn sie den Darm verlassen und konnten somit gar nicht angezüchtet werden. Mittels Molekulargenetik können nun auch tote Bakterien in ihrer Anzahl erfasst werden.

Zunehmend mehr weiß man nun, dass die in unserem Darm vorkommenden Bakterien in einem intensiven Austausch mit unserer Darmschleimhaut stehen und dass die richtige Zusammensetzung unseres Darm-Mikrobioms den Darm gesund hält.
Noch spannender finde ich die Tatsache, dass es auch eine sehr komplexe Kommunikation zwischen Darm und Gehirn gibt. Zum einen ist unser Verdauungstrakt von etwa 100 Millionen Nervenzellen durchzogen. Diese bilden das sogenannte enterische Nervensystem. Und diese Nervenzellen schicken über den Vagusnerven Signale zum Gehirn. Die Darmbakterien bilden nun eine Vielzahl verschiedener Stoffe, die von unserem Körper erkannt werden und auf diese Weise ebenfalls über die Darm-Hirn-Achse Informationen an unser Gehirn senden. So haben die Darmbakterien tatsächlich Einfluss auf unser Gedächtnis und unsere Emotionen und auf die Gesundheit unseres Gehirns.

Und des Weiteren ist die Darmflora eng mit Entzündungsprozessen in unserem Körper verbunden. Unser Mikrobiom bestimmt also, ob der Körper Entzündungen weiter anfacht oder sie eindämmen kann.
Entzündungsreaktionen und eine veränderte Darmflora werden mittlerweile mit vielen unserer Zivilisationskrankheiten in Verbindung gebracht: z. B. Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Koronare Herzkrankheit, neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson, ALS), aber auch Depression und Angsterkrankungen und sogar Krebserkrankungen.

Die Mechanismen sind hochkomplex und werden populärwissenschaftlich sehr gut im Bauch von Dr. David Perlmutter erklärt: „Scheißschlau. Wie gesunde Darmflora unser Hirn fit hält“ (dieses Buch hätte ich mir wegen dieses Titels eigentlich nie gekauft, es wurde mir aber unlängst von einem ärztlichen Kollegen zu dieser Thematik sehr empfohlen und ich habe es mit großem Interesses gelesen).

Es ist ganz einfach zu sagen: eine gesunde Darmflora hält uns gesund. Wenn wir krank sind, sollten wir dafür Sorge tragen, dass unsere Darmflora wieder gesund und vielfältig wird, dies trägt zur Heilung bei.

Wodurch kann die Darmflora sich verändern und infolgedessen an Krankheitsentstehung beteilig sein?
Kaiserschnitt (hierdurch fehlt schon bei der Geburt die natürliche Besiedlung des kindlichen Magen-Darm-Traktes mit Lactobacillen), Flaschennahrung statt Stillen, Antibiotikatherapien, Cortisonbehandlung, nichtsteroidale Antirheumatika (Ibupofen, Diclofenac, ASS und Co.), Protonenpumpeninhibitoren (Pantoprazol, Omeprazol und Co.), Chemotherapie, Stress, Chemikalien in Lebensmitteln, Schwermetalle, fehlende körperliche Bewegung, Entzündungen.

Wie kann man eine veränderte Darmflora wieder gesund und vielfältig machen?

Auf natürlichem Wege:
a) probiotikahaltige Lebensmittel essen (diese enthalten gesunde Darmbakterien), insbesondere gegorene Speisen wie Joghurt, Kefir, Kombucha-Tee, Tempeh, Kimchi, Sauerkraut, saure Gurken, sauer eingelegte Früchte und Gemüse und vieles mehr
b) wenig Kohlenhydrate und hochwertige Fette essen (großes Thema, würde hier den Rahmen sprengen, in oben genanntem Buch gut nachzulesen, auch mit Rezepten)
c) Wein, Tee, Kaffee und Schokolade sind in Maßen erlaubt
d) präbiotikareiche Lebensmittel essen (diese sind quasi das Lieblingsessen für unsere gesunden Darmbakterien), insbesondere Ballaststoffe. Wenn unsere Darmbakterien diese eigentlich unverdaulichen Speisen verstoffwechseln, erzeugen sie dadurch kurzkettige Fettsäuren, mit den wir leichter gesund bleiben, z. B. getrockneter Akaziensaft (Gummi arabicum), rohe Zichorienwurzel, roher Topanimbur, rohen Löwenzahblätter, roher Knoblauch, roher Lauch, rohe Zwiebeln, gekochte Zwiebeln, roher Spargel (alles in unserer Küche nicht gerade üblich)
e) chlorfreies Wasser trinken
f) regelmäßig fasten
g) Sport und Bewegung

Als Therapie mit Nahrungsergänzungsmitteln:
a) ein gutes probiotisches Präparat in Kapsel- oder Pulverform (gebe gern Beispiele, bitte PN an mich)
b) ein gutes präbiotisches Präparat als löslicher Ballaststoff (gebe gern ein Beispiel)
c) Probiotika in Pulverform – aufgelöst und als Klistier/ Einlauf verabreicht (wer schon gefastet hat, kennt die Methode des Einlaufs) - deutlich effektiver bei schweren Mikrobiomveränderungen
d) in speziellen Fachkliniken möglich: Fäkaltransplantation (die Stuhlspende eines Kerngesunden und damit auch das gesunde Mikrobiom wird einem Kranken übertragen) – hocheffektiv bei sehr schweren Erkrankungen

Woher weiß man nun, wie es um die Gesundheit des Darm-Mikrobioms bestellt ist?
Man kann das Ganze natürlich im Labor mittels einer Stuhluntersuchung testen lassen. Die modernen molekulargenetischen Messmethoden sind aktuell leider noch sehr teuer (in unserem Labor ca. 300€).

Ich werde jetzt auch ohne Stuhldiagnostik regelmäßig zu meinen anderen Nahrungsergänzungsmitteln täglich eine Probiotikakapsel zum Gesundbleiben einnehmen. Konsequent wäre natürlich eine darmgesunde Ernährung.
So, das war ein kleiner Überblick zum Thema.
Wenn Ihr Fragen habt, gern her damit.

Sonnenblume2
Laufend fit und gut drauf!

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (8 Wertungen)

wow, danke...

...liebe sonnenblume. das ist ja ein hochinteressantes "off-topic", das ich nur so verschlungen habe.
einiges davon wusste ich schon, weil ich mich seit meiner krebs-op und der daraus resultierenden weizenunverträglichkeit viel mit darmgesundheit beschäftigen musste.

die richtige ernährung ist bei mir das a und o, sonst geht es mir nicht gut - was natürlich nicht ausschließt, das ich auch mal über die stränge schlage ;)
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laufend findet solcherart "off-topics" von sonnenblume total gut: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Guten Morgen, liebe

Guten Morgen, liebe Sonnenblume,
vielen Dank für Deinen spannenden Beitrag. Ich bin an dem Thema Ernährung/Darm immer so´n bissel dran, hab mich aber noch nie ernsthaft mit Probiotika beschäftigt. Das werde ich dann jetzt in Angriff nehmen.
So ganz "off topic" finde ich es gar nicht, denn ein gesunder Darm bedeutet ja auch eine bessere Leistungsfähigkeit beim Sport.
Liebe Grüße - Christiane

Die wichtigsten Infos für mich: ...

... c) und g) der ersten Aufzählung! ;-))
Ohne Schalkolade, Kaffee oder Wein wäre das ziemlich doof!
Über Bewegung muß ich noch mal nachdenken. Aber das kann man sicher mit mehr Laufen kompensieren.
Von Nahrungsergänzungsmitteln halte ich nicht so viel. Bisher komme ich ganz gut mit dem klar, von dem mir mein Kopf sagt, das ich es essen solle.
Ein ganz klasse Überblick! Vielen, vielen Dank! Den Umfang des Einflusses hatte ich so überhaupt nicht erwartet. Sehr spannend.
;-)

Ich bin hochgradig allergisch

gegen jede "neue" Untersuchung, die mir (wieder mal) Pülverchen und Pillchen andrehen will, weil ich das angeblich brauche. Wenn es medizinisch indiziert ist, weil ein (nachweisbarer!) Mangel besteht: bitte. Solange ich ohne klar komme werde ich das tun.
Ketzerische Frage: Wie konnte die Menschheit eigentlich je ohne die Pharmaindustrie überleben?

Halte es wie Schalk: c und g. Ein Leben ohne Schokolade und Tee ist möglich, aber sinnlos.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ohne Kaiserschnitte und...

..mit einer "etwas" geringeren Lebenswerartung als heute - keine Frage.
Im Übrigen MUSS man ja keine Probiotika nehmen, es genügt völlig, sich gesund zu ernähren und auf die Einnahme von Antibiotika zu verzichten. Ok - so 'ne Lungenentzündung macht dann noch weniger Spaß als mit - aber hey - es kann jeder selber entscheiden!

Du bist...

...was Du isst.
Da haben wir's wieder.
Danke für diesen interessanten Artikel und den Literaturtipp.
LG, Conny (die derzeit mehr liest als läuft)

Die Pharmaindustrie

will bestimmt nicht, dass sich jetzt alle um ihre Darmgesundheit kümmern. Die verdient viel besser an Medikamenten gegen Diabetes, Koronare Herzkrankheit, Alzheimer, Depression usw.
Ich finde dieses Buch insbesondere deshalb so gut, weil es ganz ausführlich auf die darmgesunde Ernährung eingeht. Die Nahrungsergänzungsmittel werden ja nur als Alternative "für Faule" erwähnt.
Ich empfehle übrigens schon seit Jahren jedem Patienten, der ein Antibiotikum benötigt, eine Darmaufbaukur mit einem Probiotikum. Ich will ja nicht, dass der Patient gleich mit dem nächsten Infekt wieder auf der Matte steht.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Danke

Für diesen sehr interessanten Bericht!!

Laufen solange es geht - gehen bis es wieder läuft :-)

Darmaufbaukur

Das ist richtig, das tut meine Hausärztin - bei der Antibiotika wirklich das letzte Mittel sind - auch, ich bin da auch sehr froh drum.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Die "etwas geringere" Lebenserwartung

ist so verallgemeinernd nicht mal zutreffend (Pestzeiten vielleicht ausgenommen...). Es handelt sich immer um eine durchschnittliche Lebenserwartung. Schuld an den niedrigen Zahlen ist die hohe Kindersterblichkeit. Wer einmal seinen 5. oder besser noch 10. Geburtstag erlebte hatte auch in der Antike oder der frühen Neuzeit gute Chancen zumindest mal 80 Jahre alt zu werden.
Übrigens ist es zwar wohl eine Mär, dass der Herr Caesar per Kaiserschnitt zur Welt kam, aber durchaus nicht, dass man schon Kaiserschnitte machen konnte und machte. Die Überlebenschance für die Mutter war aufgrund der Infektionsgefahr geringer, das ist unbestritten. Aber nicht alles war schlecht, was früher war ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Vielen Dank für die Info!

Eine tolle Zusammenfassung aller wichtigen Fragen und Antworten!

Als ich das erste Mal wegen Achillessehnenproblemen beim Physio zur manuellen Therapie war, erklärte mir dieser, mein eigentliches Problem sei der Darm, was oft typisch für Läufer sei. Häää??? Ich war natürlich mehr als skeptisch, aber so ganz aus der Luft gegriffen war die Diagnose nicht. Die Verspannungen lagen in der Tat im Bauch. Mit Wärme und, tatataaaaa, täglich einen Becher Buttermilch (enthält die *guten* Bakterien, die es durch den Magen bis in den Darm schaffen), lösten sich sämtliche Verspannungen. O.k., habe auch noch viele andere Übungen gemacht, letztendlich führte wahrscheinlich von allem etwas zum Erfolg. Da ich Buttermilch aber sehr gerne mag, wird seitdem fast täglich ein Becher getrunken. Tja, wenns schee macht;-)

Seit dem bin ich der Überzeugung, dass ein gesunder Darmtrakt das A und O für unser Wohlbefinden ist.
Habe das Buch "Darm mit Charme" gelesen. Sehr kurzweilig!

Wer keine Pillen nehmen mag und die Apo meidet: Falls doch mal der Darm zickt, helfen auch Flohsamenschalen. Findet man z.B. in der Lebensmittelabteilung von real.


Lieben Gruß
Tame

Seitdem

meine liebe Frau ihre Ernährung sehr genau betrachten muss, profitiere ich nebenbei von ihren Erkenntnissen. Allerdings "sündigen" wir dennoch, sie in Maßen, ich maßlos, was ich aber durch mehr Bewegung wieder versuche wett zu machen ;-)
NEM vermeiden wir so gut es geht ganz, allerdings ist sie medizinisch auf einige angewiesen, Probiotika nehmen wir auf natürlichem Weg ein, einfach, weil es uns schmeckt!

Bücher wie das obige (auch mit "lustigen" Titeln wie "Darm mit Charme") liegen daher öfter mal auf dem "muss-ich-mal-lesen-Nachttisch". Da kommt mir dein Blog als Zusammenfassung sehr entgegen ;-) Danke!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
"Du kannst was Du willst. Ende der Durchsage."
(beides von fazerBS)
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Darm

Schon länger ließt man ja immer wieder etwas über den Darm und seine Mitbewohner, deshalb Danke für die Zusammenfassung.
Ich muss sagen, dass ich doch vieles richtig mache.
z.B.täglich Sauerkraut und rohe Zwiebeln.
Auch Spargel roh (zur entsprechenden Jahreszeit) und Topinambur gehören zu meinen Essgewohnheiten.
Übrigens zwei mal täglicher Stuhlgang sagt auch einiges aus...
Oft entscheidet man ja auch nach Bauch(Darm?)Gefühl; auch hier die Verbindung Darm/Gehirn.

Hallo Sonnenblume2,

vielen Dank für diesen sehr interessanten Bericht.

LG LS :))

"Lieber 80 Jahre gelebt als 100 Jahre nur da gewesen" (WWConny)

Liebe Sonnenblume,

danke für die Zusammenfassung Deiner geballten Erkenntnisse!

Alte Weisheiten neu verpackt finde ich immer wieder spannend. Der Titel des Buches mach Lust auf's Lesen.

Von NEM nehme ich persönlich Abstand und versuche sie "natürlich" zu ersetzen. Also Buttermilch, Quark, Kleie und Leinsamen gehören ebenso wie Zwiebeln roh oder glasiert zu meinem Essen dazu. Natürlich nicht gemeinsam.

Antibiotika hab ich glaube ich noch nie verschrieben bekommen, aber ich war auch noch nicht "schwer" krank. Nach OPs habe ich als Kind Infusionen bekommen - vermutlich war da was drin. Aber das dürfte sich ausgewachsen haben.

Zum Glück war auch der Kinderarzt meiner Tochter vorsichtig damit. Ich erinnere mich an ein Mal, wo er es überlegt - und dann doch gelassen - hat.

Schön, wenn Ärzte ihren Patienten auch gleich die Darmaufbaukur mitgeben nach einer notwendigen Antibiotika-Gabe! Mach weiter so und lass Dich nicht beirren.

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