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Hallo,

diese interessanten Daten zu Todesfällen bei Triathlon sind publiziert worden.

Tödliche Ereignise und auch schwere gesundheitliche Ereignise wie Herzstillstand ohne Todesfolge passieren bei Triathlons „nicht selten“. So lautet das Fazit einer Forschergruppe am Minneapolis Heart Institute, die eine Fallstudie zu plötzlichen Todesfällen bei Triathlons in den USA erstellt hat. „Meist waren Männer mittleren und höheren Alters betroffen“; ausschließlich Freizeitsportler und vor allem Schwimmer (67%), schreiben Dr. Kevin M. Harris, Minneapolis Heart Institute, Abbott Northwestern Hospital, Minneapolis, USA, und seine Kollegen im Fachjournal Annals of Internal Medicine [1]. Das Risiko liege für über 40-jährige Männer um das 3,3-Fache höher als bei jüngeren Triathleten.

Prof. Dr. Hans-Georg Predel (Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Deutsche Sporthochschule Köln) dazu:
„Eine willkommene und aufschlussreiche Studie, die Untersuchungen zu plötzlichem Herztod bei Marathons bestätigt – nämlich, dass vor allem ältere Männer davon betroffen sind“.

Die Häufigkeit für plötzlichen Herztod (n = 107), Herzstillstand ohne Todesfolge (n = 13) und Tod durch Trauma (n = 15) bei SportlerInnen älter als 30 Jahre liegt mit 1,74 pro 100.000 Teilnehmern (Männer 2,40, Frauen 0,74) „höher als nach vorherigen Schätzungen“ und „übertreffen die berichteten Zahlen bei Marathon-Rennen“, so die Forscher in ihrer Studie weiter. „In der Tat sind die Unfallzahlen der Triathlon-Studie fast doppelt so hoch wie die plötzlicher Herztode beim Marathon“, bemerkt Predel.

Und dies gehe besonders auf die Schwimm-Komponente des Triathlons zurück. Von 1985 bis 2016 ereigneten sich die meisten der 135 registrierten Unfälle (n = 90) beim Schwimmen; 15 beim Laufen, 7 beim Radrennen und 8 in der Erholungsphase nach dem Wettkampf.

Bei 44% der Todesfälle, für die Autopsiebefunde vorlagen, wurden kardiovaskuläre Anomalitäten festgestellt; am häufigsten atherosklerotische Veränderungen und Kardiomyopathien. Die „hohe Frequenz klinisch stiller kardialer Anomalitäten“ bei rund 50% der Patienten mit Autopsie-Bericht sei „überraschend und bedeutend“, schreiben die Autoren. Ein Screening vor dem Wettkampf hätte diese Todesfälle möglicherweise verhindert, vermuten sie. „Es gibt Triathleten, die zwar fit erscheinen, jedoch unter einer bislang nicht entdeckten, aber potenziell tödlichen kardiovaskulären Erkrankung leiden“, warnen sie.

85 % der Opfer waren Männer, im Durchschnitt 47 Jahre alt. Je älter, desto höher das Risiko.

Interessanterweise gab es keinen Einfluss auf die Häufigkeit von schweren Ereignissen in Abhängigkeit von der Länge des Triatholons, keine Unterschiede zwischen Lang- und Kurzdistanzen.

Verblüffend war das besondere Risiko des Schwimmens. Verblüffend auch deshalb, weil bei Todesfällen bei Marathon diese überwiegend am Ende des Laufs auftreten, Schwimmen beim Triathlon aber am Anfang liegt. Womöglich hängt das besondere Risiko des Schwimmens sowohl mit der erschwerten Rettungsmöglichkeit bei Ereignissen im Wasser zusammen, als auch mit den teils chaotischen Massenstarts.

Quellen:
Aktuell zum Ironman Hawaii – US-Studie untersucht Todesfälle beim Triathlon: Schwimmen ist „verblüffend“ gefährlich - Medscape - 12. Okt 2017

7 October 2017, Death and Cardiac Arrest in U.S. Triathlon Participants, 1985 to 2016: A Case Series, Kevin M. Harris, MD; Lawrence L. Creswell, MD; Tammy S. Haas, RN; Taylor Thomas, BS; Monica Tung, BA; Erin Isaacson, BS; Ross F. Garberich, MS; Barry J. Maron, MD, Annals of Internal Medicine.

Grüße,
waldboden

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"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Ich glaube nicht

dass das mit der erschwerten Rettungsmöglichkeit zusammenhängt. Ich habe selbst schon zwei Todesfälle unmittelbar miterlebt, die waren direkt nach dem Schwimmeinstieg und da lagen die Rettungsbote dicht an dicht. In einem Fall war der Schwimmer (ein Staffelschwimmer in Roth) wohl sofort tot, in dem anderen Fall konnte der Schwimmer wiederbelebt werden, verstarb dann aber später im Krankenhaus doch.
Aus Trainerkreisen habe ich gehört, dass der abrupte Wechsel der Temperatur in Verbindung mit Aufregung (hoher Puls, beschleunigte Herzfrequenz) EIN Mitverursacher ist. Sich vorher abzukühlen bzw. einzuschwimmen ist bei Triathlonwettkämpfen nicht so einfach. Gerade unsichere, ältere oder schlechtere Schwimmer springen kurz vor dem Start in das (relativ) kalte Nass. Panikattacken kommen noch hinzu, habe ich in Frankfurt erlebt, der Betreffende konnte aber gerettet werden.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

nicht selten?

1,74 auf 100.000 würde ich doch als "selten" bezeichnen...

Die Studie wiegt mich in relativer Sicherheit, obwohl ich zur Risikogruppe gehöre.

Ich merke mir: 1. Einschwimmen! 2. Ruhe bewahren beim Schwimmen und 3. auch tatsächlich meine sportmedizinische Untersuchung zu machen, wie ich es dem Veranstalter versichere. Man tendiert ja dazu schnell ein Häkchen zu setzen bei "ich versichere ausreichend trainiert zu sein etc..."

Danke mal wieder für den Blick in die Wissenschaft!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
"Du kannst was Du willst. Ende der Durchsage."
(beides von fazerBS)
<

Interessant!

Danke für den Bericht. Das Unfälle mit Todesfall passieren, weiß ich - dass es am häufigsten beim schwimmen passiert, nicht.

chiun

Interessant?

Als Studienfazit ergibt sich, dass ältere Sportler häufiger kardiale Ereignisse haben.
Ja, wer denn sonst? Interessant oder eher überraschend wäre, wenn es die Gruppe Frauen unter 25 betreffen würde.
Und das Schwimmrisiko erklärt sich über das sog. SIPE-Syndrome
Guckst Du https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5127690/
Gruss Fritze


“Du hast immer die Wahl: Das Handtuch zu werfen oder damit den Schweiß abwischen“

Auch interessant!

Danke für den Link, Fritze!
Ich kann zwar ganz gut Englisch, aber ich fürchte vielleicht hab ich in dem Text (Fazit) etwas falsch verstanden:
Das SIPE-Syndrom (durch Schwimmen hervorgerufenes Lungenödem) ist bekannt und der Wirkstoff Sildenafil (z.B. enthalten in Viagra) als gefäßerweiternde Substanz könnte prophylaktisch dem Syndrom entgegenwirken? Wenn das so einfach ist... ;-)

Gruß, Dominik
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Studienfazit

Hallo Fritze,
überraschend finde ich immer wieder, dass primär ältere Männer (nicht Frauen) betroffen sind und dass es unter langjährigen Ausdauersportlern doch noch eine bedeutsame Anzahl an Sportlern gibt, die nichts von der kardiovaskulären Vorbelastung wissen, wohl - trotz des hohen Sportumfangs mit kräftiger Belastung - keine entsprechende Diagnostik gemacht haben.

SIPE-Syndrom: sh. auf deutsch z.B:
http://www.springermedizin.at/artikel/58554-tod-im-kalten-wasser

a) es tritt angeblich gehäuft bei jungen Sportlern auf
b) bei den Verstorbenen wurden Autopsien durchgeführt und kardiovaskuläre Veränderungen postmortem gefunden; ob ein manifestes Lungenödem bei der Autopsie gesucht und gefunden hätte werden können, weiß ich nicht.
c) vielleicht gibt es ein Zusammenspiel von SIPE und kardiovaskulärer Belastung; die Beispiele von strider weisen ja auch in die Richtung, dass es gerade mit der Start-Situation (inkl. Stress, kaltes Wasser, etc.) zu tun haben könnte.
d) ich vermute eher, dass bei älteren Sportlern mit vorgeschädigtem Herz-Kreislaufsystem der Kreislauf beim Start versagt. Durch den Temperaturschock steigt der Blutdruck stark und zugleich ziehen sich die Gefäße zusammen, so dass ein gewaltiger Druck im Kreislauf-System entsteht. Mit einem dann erhöhten Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Je erhitzter ("aufgewärmter") man zuvor ist, desto heftiger der Effekt.
e) somit: vor dem Start möglichst abkühlen

Von Sildenafil (Viagra) würde ich für die Zielgruppe der älteren Männer - generell im Kontext Sport/Schwimmen - komplett die Finger lassen, da viel diskutiert wurde, wie stark die direkt von Sildenafil ausgelösten kardiovaskulären Nebenwirkungen sind. Nicht dass jd. nun nach Lesen des SIPE-Artikels & Sildenafil hier auf eine Schnapsidee kommt ...

Grüße,
waldboden

Nix neues

Schöne Studien.... alles nichts neues...
Das gefährliche am Wasser beim Triathlon sind zwei Faktoren:

1. Die Kälte und
2. die waagerechte Lage des Körpers im Wasser...

beides scheint soviel Stress zu machen, dass es die sterberate beim Triathlon in Bezug zum Marathon verdoppelt..

Aber jetzt mal ehrlich: Wo und wie sterben noch mehr Menschen?

P.S. Grudnsätzlich sind Wettkämpfe nichts Gesundes, wenn sie an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit begangen werden. Aber das Training dazu überwiegt sämtliche Nachteile des Wettkampfes deutlich. Problematisch wirde es wenn die Wettkämpfe "ohne" Training gemacht werden. Das sollet aber jedem klar sein oder?

Sehr interessant

Vorallem das es keine Unterschiede zwischen den Distanzen gibt hat mich sehr überrascht.


Uli

Vielen Dank für die

Vielen Dank für die interessante Studie und Eure genauso interessanten Beiträge dazu.
Die Vorspannung, daß gleich der Startschuss fällt und man in das kalte Wasser rennt und schnellstmöglich schwimmt, haut schon mal vorher den Puls hoch. Alle Komponenten zusammen, sind dann gefährlich. Ein Restrisiko bleibt immer. Aber ärztliche Vorsorge, vernünftiges Training und beim Wettkampf, trotz aller Emotionen, in seinem eigenen möglichen Rahmen zu bleiben, das ist schon mal eine gewisse Versicherung, Spaß zu haben und gesund und glücklich einen Wettkampf zu beenden.
Liebe Grüße - Christiane

Wirklichi interessant?

ich persönlich finde die Studie eher uninteressant. Das die überwiegende Mehrzahl Männer im fortgeschrittenen Alter sind, die betroffen sind, dafür ist wirklich keine aufwändige Studie nötig. Und 1,74 pro Hundertausend ist eine vernachlässigbare Größe auch wenn das Einzelschicksal natürlich tragisch ist.

So weit die Füße tragen....

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