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Ich laufe gern, und das schon ziemlich lange. Und ich laufe gern lange und denke dabei immer mal wieder vor mich hin. Manchmal singe ich auch oder quietsche Kühe an, weil es mir soviel Spaß macht, das Laufen.

Spaß zu haben ist ohnehin mein höchstes Ziel, nicht nur beim Laufen, und ich bin wild entschlossen, erstens auf meinem Totenbett rückblickend sagen zu können, dass ich soviel Spaß hatte wie möglich und zweitens alles sofort bleiben zu lassen, was mir keinen macht. Das kann man mir jetzt natürlich als Weicheierei und Weg des geringsten Widerstandes auslegen. Egal.
Dann kam am 5. August der Ottonenlauf. Ich wollte die 45 Kilometer in Angriff nehmen. Tat ich auch. Und fing an, mich zu stressen mit Blick auf die Durchschnittsgeschwindigkeit, die Läufer/innen vor mir und die hinter mir. Trotz Traumwetter, schöner Strecke und guter Vorbereitung überkam mich bei Kilometer 27 die Erkenntnis, dass ich gerade überhaupt keinen Spaß habe. Also war ich konsequent, habe das Laufen eingestellt und mich genau da, wo ich gerade war, abholen lassen. (Passenderweise war das eine Rehaklinik...)

Aber damit war es noch nicht gut. Auf einmal fand ich Laufen anstrengend und stressig und sah nur noch eine zu erledigende Aufgabe auf meiner To-Do-Liste.

Als ich das gemerkt habe, ließ ich es erst einmal ganz bleiben und war sicher, dass der Spaß wiederkäme, je näher der Kassel-Marathon und vorher der geplante Lauf um die Aabach-Talsperre rückte.

Das passierte aber nicht. Ich hatte immer noch Stress. Die diversen Sklaventreiber in meinem Kopf gaben erst Ruhe, als ich beschloss, nicht anzutreten. Am 1. Oktober bin ich also ganz gemütlich zuhause ein bisschen gejoggt - und auf einmal hat es auch wieder Spaß gemacht.

"Ha!" dachte sich prompt einer meiner inneren Antreiber. "Jetzt aber mal schnell nachgesehen, wann es den nächsten (Halb-)Marathon gibt, Trainingsplan geschrieben und ab dafür!"

Das lähmte mich wieder, und so bin ich seit ein paar Wochen immer nur Sonntags ein paar Kilometer gelaufen. Stattdessen habe ich meinem Hund beim Rennen zugesehen. War auch mal nett.

Jetzt frage ich mich allerdings ernsthaft, wer ich bin, wenn ich nicht laufe. Bin ich dann einfach nur eine Spaziergängerin mittleren Alters? So eine unter vielen? Eine, die sich beim Altern zusieht und dabei fett und faul wird? Oder werde ich eine große Philosophin, weil ich ja nicht mehr beim Laufen denke, sondern irgendwie von allein und im Sitzen, so dass ich alles aufschreiben kann, was ich denke und mir nicht soviel beim Laufen verloren geht? Und wenn es so wäre - müsste ich dann meine inneren Antreiber abmurksen, oder verschwinden die von allein? Und wenn die dann weg wären - hätte ich vielleicht doch wieder mehr Lust zum Laufen?

Egal. Ich gehe jetzt mal eine kleine Runde laufen und höre damit auf, Euch die Ohren vollzujammern. Wird mir gut tun.

Eine Stunde später: Tat mir gut. :-)

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (4 Wertungen)

Vielleicht ist Laufen mit Ziel

gerade nicht Deins, laufen um des Laufens willen aber schon?

Hauptsache es tat gut!

Wenn man die Ziele und Pläne mit Läufen nur noch als Stress und Druck empfindet darf man auch andere Wege zum Glück beschreiten / befahren / gehen.

Und IST trotzdem noch :lach:

Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen!

... was mit deinem Nachtrag bewiesen wäre! Soviel zum Thema Philosophie! ;-)

Allein schon in der Überschrift hälst Du dir ja die Tür schön weit offen: ...wenn ich "mal" nicht laufe... Du bleibst eine Läuferin, auch bei Laufpause. Außer die Pause ist so lang, dass du fett und faul wirst, dann bist du ein Sofa-Surfer!

ABER: Das allerwichtigste dabei: was immer du bist, Hauptsache du hast Spaß dabei und bist glücklich! Also lieber eine glückliche Spaziergängerin/Sofa-Surferin als eine unglückliche Läuferin!

Gruß, Dominik

P.S.: innere Antreiber (die mit dem erhobenen Zeigefinger) gehören genauso angeleint wie innere Schweinehunde!!!
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
"Du kannst was Du willst. Ende der Durchsage."
(beides von fazerBS)
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warum

ist Kühe anquietschen kein Ziel? Oder laufen ohne Wettkampf kein laufen???

Drei meiner vier Töchter sind bzw. waren Wettkampftypen, die kriegst du ohne ein Wettkampfziel nicht zum Sport. Eine umgeht jeden Wettkampf und macht Sport ausschließlich "zum Spaß". Ich sehe da kein Problem. So manchen Wettkampf betreibe ich nicht als solchen, sondern eher als langen Spaßlauf. Weil mir das mehr Spaß macht als alleine stundenlang den Fluss hoch und runter zu traben.

Und ansonsten hat nickdynamics Recht: Antreiber gehören an die Linie genau wie Schweinehunde ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

lauf...

...einfach. denk nicht so viel. jedenfalls nicht beim laufen.
wenn du das wörtchen "wettkampf" einfach etwas - ich sag mal - modifizierst und statt wettkampf mal wettspaß einsetzt? nicht auf die pace, sondern durche gegend schaust, nicht auf die läufer vor oder hinter dir, sondern auf die neben dir? trainier aus dem bauch raus, du merkst selbst, was du grade brauchst. so ganz unerfahren scheinst ja nicht zu sein.

by the way: mich packt regelmäßig die laufunlust, und zwar sobald die sommerzeit mit temperaturen jenseits der 20 grad eintrifft. und dieses wetter auf und ab mit mal kühler, dann wieder innerhalb weniger stunden sehr warm hat mich echt unleidlich gemacht. hab mir nen rennrad zugelegt und bin an den ganz heißen tagen rad gefahren. laufen? nur sehr unlustig. das einzige was half waren ein paar wettläufe ohne zeitziel und als - spaß!
seitdem das wetter herbstlicher ist und es merklich auf den winter zugeht, blühe ich lauftechisch auf...könnte zweimal täglich - laufen ;)
____________________
laufend läuft grade mit lust: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Spaß

Wenn Du Dein Lebensmotto ernst nimmst, also soweit man Spaß ernst nehmen kann, dann schicke die Antreiber zum Teufel.
Lauf wenn Du Lust drauf hast und solange Du Lust hast. Irgendwann hast Du vielleicht wieder Lust auf Wettkämpfe, oder auch nicht.
Wenn Du grad lieber auf dem Sofa liegst, dann leg Dich aufs Sofa. Dein Hund läuft doch auch nur aus Spaß, wenn Du nett fragst, darfst Du bestimmt mitspielen:-)

Ich bin dann mal weg

so

erging es mir auch vor einigen Jahren. Ich habe mich beim Lauf gefragt, was soll das hier überhaupt und warum mache ich das Ganze?
Ich bin zu Ende gelaufen und habe seitdem an keinem öffentlichen Lauf mehr teilgenommen.
Irgendwann bin ich dann so gut wie gar nicht mehr gelaufen und das ist bis heute so.
Trotzdem bin ich nicht unglücklich und kann mich auch anderweitig beschäftigen. Aber irgendetwas scheint ja doch zu fehlen, sonst würde ich hier wohl nicht immer wieder reinschauen ;0)
Vorallem aber vermisse ich die tollen Menschen, die ich bei den Wettkämpfen kennengelernt habe und die mich so sehr unterstützt haben. Ohne diese Menschen hätte ich nie gedacht, dass es für mich überhaupt möglich ist sooo weite Strecken zu laufen.

Mach' doch, was du willst! :-)

Das kenne ich auch. Irgendwann ist die Luft einfach draußen. Wenn die To-do-Listen immer länger werden oder permanent das Gefühl da ist "ich muss dies, ich muss das und dann muss ich noch..." Und doch hat man nicht alles geschafft und ist hinten dran. ***maul***

Klar, das Leben ist kein Ponyhof oder wie man hierzulande sagt, "koi Schlotzer", aber das Laufen dient ja dem Ausgleich und dem Spaß an der Freude. Hmm... und als Kampfsau hat man eben auch da Ziele und schon hat sich der innere Antreiber auch im Freizeitbereich breit gemacht. Mist. Eine Zeit lang geht das ja auch, aber wenn der Spaß auf der Strecke bleibt, ist das für mich ein Zeichen, dass nun eine Pause fällig ist. Die ja ***Klugscheißmodus an*** auch vor Verletzungen schützt ***klugscheißmodus aus***

In den letzten Jahren war ich bei einigen Bergultras u.a. beim Trans Alpine Run. Es war dann immer so, dass ich danach erst mal keinen Laufschuh mehr sehen konnte. So auch dieses Jahr. Obwohl in der letzten Urlaubswoche - inzwischen wieder zu Hause - herrlichster Altweibersommer war. Dann waren eben andere Sachen dran (To-do-Liste) und Schlendrian auf der Terasse angesagt.

Etwa zwei weitere Wochen später kam allmählich die Lauflust zurück. Anfangs ging's erst mal nur im Geriatriedembo und inzwischen ist sogar die Lust auf Dembo zurück. Der Herbst ist einfach viel zu schade, um daheim zu bleiben.

Inzwischen ist die Muttivation schon wieder so hoch, dass ich mich für Barcelona angemeldet habe. :-)

Lass' dich also nicht kirre machen. Wird schon wieder mit der Lust.

:-)

Mit Stil ins Ziel!

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