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Auf der Webseite des Harz-Gebirgslaufs wird der Brocken-Marathon als „härtester Marathon des Nordens“ und als „fast schon legendäre Laufstrecke“ bezeichnet. Ein Blick auf das Höhenprofil zeigt, warum das so ist.



Höhenprofil © www.harz-gebirgslauf.de

Im Frühjahr 2017 empfahl mir ein guter Freund diesen Lauf und da ich auf der Suche nach einem schönen Landschaftslauf war, entschied ich, mich der Herausforderung Brocken zu stellen und ihn so gut wie möglich zu rocken.
Eine Freundin war auch dabei und wanderte 25 km (und konnte so Fotos für diesen Beitrag machen, Danke an dieser Stelle). Wir waren von Freitag bis Sonntag in Wernigerode und konnten so noch Innenstadt, Rathaus (am Freitag) sowie das Schloss (am Sonntag) besichtigen.

Zielvorgabe

Angesichts des Höhenprofils und meiner mangelnden Erfahrung mit Bergläufen wusste ich nicht, wie gut ich den „Brocken“ Brocken verdauen würde. Ich hatte mir außer „Genießen, vor allem bergab“ kein konkretes Zeit-Ziel vorgenommen, 3:55-4:15 h erschien mir aber im Bereich des Möglichen. Ich ging entspannt und mit einer gewissen Neugier an den Start, wusste, dass ich viel und gut, aber nicht besonders viel hügelig-bergig trainiert hatte. Bergauf wollte ich sehr konservativ laufen und an allen steileren Stellen gehen...

Verlauf

Wie man dem Höhenprofil entnehmen kann, lässt sich die Strecke in drei Teile einteilen... Das fand ich schonmal super, denn Abwechslung war somit garantiert!

Teil 1: Km 1-9: Hügelig bis Ilsenburg

Start ist um 9.00 Uhr, es ist ein traumhafter goldener Oktobermorgen. Die Sonne scheint, es ist warm, nicht zu windig/stürmisch, auch auf dem Brocken soll es mild sein. Was für ein Glück! Dass dies eher selten ist, zeigen nicht nur diverse Laufberichte sondern auch die Wetterhistorie auf der Homepage des Laufs.

A propos Start: Ganz kurz vor dem Start, weiter vorne als ich, sah ich eine kleine Gruppe, die glaube ich eine jogmap-Gruppe war. Ihr wart aber zu weit entfernt und dann war auch schon der Start... Schade! Nächstes Mal (Rennsteig?) bin ich früher dran und sage Hallo zu Euch Sonnenscheinen und Sonnenblumen ;-)

Die ersten neun Kilometer geht es auf schönen Waldwegen nach Ilsenburg, die Auf- und Abstiege sind gut laufbar und bestens geeignet zum Einlaufen. Das Feld sortiert sich langsam, ab km 6 überholen wir die ersten Wanderer, die 45 min vor uns gestartet sind. Sie spenden freundlich Beifall und gehen fair zur Seite. Meine Beine fühlen sich gut an, ich bin glücklich und dankbar, hier und auf solch schönen Wegen laufen zu dürfen.

© K. Wilm

Mein Uhr, die ich während des Laufs nur zwei Mal anschaue (bei km 10 und auf dem Brocken zur ungefähren Orientierung), sagt mir hinterher, dass ich in etwa 5:30-5:40 in diesem ersten Teil unterwegs war. Voll im Soll also.

Teil 2: Km 9,1-19: Berglauf auf den Brockengipfel

Auch in diesem Abschnitt klappt es mit den Vorgaben „Landschaft genießen“ sowie „Gehen, wenn es zu steil ist“. Ich bewundere einige Bergziegen, die mir locker davonlaufen, während ich schon gehen muss... Daswillichauchmal... Zunächst laufen und gehen wir im wunderschönen Ilsetal... Bei etwa km 13-14 zeigt sich dann der Brockengipfel zum ersten Mal.



Brücke über die Ilse – Gipfel in Sicht! © K. Wilm

Danach wird es steiler, die Aussichten ins Tal (wenn wir uns zur Seite bzw. umdrehen) werden immer besser, es wird kühler, ich ziehe meine Armlinge wieder an, bevor dann bei Kilometer 16 der steilste Teil der Strecke (siehe Höhenprofil!) beginnt. Der Betonplattenweg. Eigentlich kein Spaß.

Aber: Hier komme ich mit Jan ins Gespräch. Wir stellen fest, dass wir nicht nur beide aus Hamburg kommen und den Lauf grandios finden, sondern dass wir auch dasselbe Gehtempo haben. Wie cool ist das denn? Wir reden also die nächsten 3 Kilometer bis zum Gipfel viel und verstehen uns super :-) Und so verging die Zeit viel schneller als gedacht... Danke, Jan!

Die Begegnung mit Jan ist übrigens kein Einzelfall: Beim Lauf, aber auch vorher (Pasta-Essen, vor dem Start) und nachher (abends, Sportlerparty) treffe ich sehr viele entspannte, gut gelaunte Läuferinnen und Läufer.

Und dann war ich auch schon oben. Brocken-Gipfel. Legendär. 1.142 m. Alpines Klima. Kann alles bedeuten vom Neuschnee bis zu Orkanböen – oder auch, wie heute, milde Temperaturen. Meine Uhr meldet 2:07 Stunden – voll im Soll – ich bin hocherfreut. Und fühle mich gut!

Keine Brocken-Böe, sondern Freude angesichts meines körperlichen Zustands sorgt für Albernheit auf 1.142 m
(c) mit freundlicher Genehmigung von conceptfoto matthias bein, www.pictrs.com/conceptfoto

Teil 3: Km 19,1-42: Bergab bis ins Ziel

Während es auf 1.142 m leicht bewölkt war, laufen wir aber kurz unterhalb des Gipfels wieder bei blauem wolkenlosen Himmel und haben eine phantastische Fernsicht! Das Tolle am Brocken-Marathon: Ab km 19 geht es fast nur noch bergab. Ich freue mich auf eine tolle Strecke in grandiose Natur auf gut befestigten, nicht zu engen Wanderwegen. Doch ich muss noch ein wenig warten, denn zunächst geht es auf eine Asphaltstraße – was ich als unangenehm empfinde. Aufgrund eines Läufertipps (Danke, Schalk!) laufe ich hier noch verhalten bergab, obwohl um mich herum einige Vollgas geben. Bei ca. km 22-23 tauschen wir den Asphalt gegen herrlichen Waldboden, es wird etwas flacher und ab hier laufe ich nicht mehr verhalten.

Für mich beginnen nun die schönsten Kilometer des Brocken-Marathons: Von km 23 bis 31 lasse ich es laufen, überhole, bin im kurze-federnde-Schritte-Modus: Bergablaufen macht mir ohnehin schon immer Spaß – aber auf dieser Passage und so lang am Stück bergab... Es ist ein großartiges Gefühl!

Danach geht alles relativ schnell: Bei km 31 und 34 gibt es noch zwei Gegenanstiege, die ich teils gehe, teil laufe, bei der letzten Verpflegungsstation bei km 34 werde ich kurz müde, sammle noch ein bisschen Energie – und dann geht es auch schon Richtung Ziel. Ab km 39 kann ich sogar noch etwas beschleunigen und fliege bestens gelaunt förmlich ins Ziel! Ich grinse breit, denn ich habe heute den Brocken gerockt!

Brocken-Endorphine auf der Zielgeraden
(c) mit freundlicher Genehmigung von conceptfoto matthias bein, www.pictrs.com/conceptfoto

Die Uhr bleibt für mich bei 4:03 h stehen. Ein tolles Laufjahr 2018 findet einen tollen Abschluss!

Meine Lauf-Bewertung

Strecke: Traumhaft schön! Wer Landschaftsläufe mag, wer den Herbst mag, wen mögliche Wetterkapriolen und einige Höhenmeter nicht abschrecken, der ist hier goldrichtig.

Mein persönliches Strecken-Highlight: Km 23-31: 8 km Bergab-Flug auf Traumpfaden

Verpflegung: Nahezu perfekt. Mehrere Verpflegungsstände an der Strecke. Mit dem Schleim/porridge war ich jedoch sehr vorsichtig und nahm lieber meine Gels zu mir. Im Ziel gab es dann mehr (auch Suppe und Bier). Für mich als Kuchenliebhaber besonders nett: Kaffee und Kuchen vom örtlichen Konditormeister zu gemäßigten Preisen...

Porridge? Hafermahlzeit? Schleim! Lecker! © K. Wilm

Publikum: Naturgemäß nicht so viele Zuschauer an der Strecke, aber die entgegen kommenden Wanderer waren mobile Stimmungsmacher und feuerten uns toll an. Danke! Oben am Brocken war auch richtig gute Stimmung, da gerade eine Brockenbahn angekommen war.

Strecken: Der Harzer Gebirgslauf bietet für alle etwas: Es gibt 11- und 25 km-Wander- /Nordic-Walking-Strecken, zudem ist ein 5 km, 11 km- und 22 km-Lauf sowie ein Kinderlauf im Programm.

Organisation: top organisiert, sehr freundliche Helferinnen und Helfer überall, mit viel Engagement der Vereine, der lokalen „Community“, und auch die Abwesenheit von Kommerz empfand ich als sehr wohltuend. Und auch das Rahmenprogramm kann sich sehen lassen: Startnummernausgabe in malerischen Sälen im Rathaus; kleine Pasta-Party auf dem Marktplatz am Nachmittag/Abend vor dem Lauf; Sportlerparty abends nach dem Lauf (Party und leckeres Essen!); Frühstückslauf am Sonntag Vormittag...

Fazit: Ein wahnsinnig intensiver, toller Landschaftslauf!!
Gerne wieder – und gerne auch mal mit Neuschnee und kühleren Temperaturen – das gehört schließlich zum härtesten Marathon im Norden dazu... ;-)

Ausblick

Jetzt freue ich mich sowohl auf die vierwöchige Laufpause als auch auf das Laufjahr 2018, bei dem ich wieder (nach einem ersten Schnuppern 2013) in die Welt des Ultralaufs einsteige. Für den Rennsteig im Mai bin ich angemeldet. Der Berliner Mauerwegslauf im August steht als Vierer-Staffel auf dem Programm, wo ich wahrscheinlich die 59 km laufe. Der Herbst ist noch nicht verplant. Mal schauen, wie mir der Rennsteig bekommt :-)

Die Erfahrungen mit dem tollen Brocken-Marathon werde ich aber auf jeden Fall ins Training einfließen lassen: Bergauf, das zeigte sich an den Anstiegen, „geht“ bei mir noch mehr. Für meinen Geschmack zu oft und zu lang musste ich an Stellen (schon lange vor den Betonplatten) gehen, an denen andere noch locker liefen. Also werde ich ab sofort mehr im hügeligen Gelände trainieren und auch die Stabiübungen noch mehr ausweiten – und bin natürlich für alle Hügel-/Rennsteig-Trainingstipps dankbar!

4.88889
Gesamtwertung: 4.9 (9 Wertungen)

Ach

sooo sieht das da aus! Danke für die Fotos! Wenn du es nicht dazu geschrieben hättest hätte ich dich gefragt, wo du da gewesen bist. War die Strecke letztes Jahr dieselbe???

Spaß beiseite: mein Neid ist dir gewisse. Das klingt nach einer guten Renneinteilung und einem Wahnsinnslauf. Mal ganz davon abgesehen, dass ich über eine Stunde länger gebraucht habe als du ;-) Was übrigens nicht am Schleim lag, denn der ist total lecker und ich kann ihn nur wärmstens empfehlen.

Danke fürs Mitlaufen lassen, jetzt bin ich wieder mit dem Brocken versöhnt. Und ganz liebe Grüße in den hohen Norden ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

In 4:03 den Brocken Marathon gerockt...

...das muss ich erstmal sacken lassen, Hammer! Ich gratuliere dir ganz herzlich! Hut ab und riesen Respekt! Man sollte meinen, du machst sowas seit Jahren. Bergablaufen...meine größte Schwäche, wuarrrr, wie kann man da nur so runterkacheln?
Herrlich das Bild vom Brockengipfel:-)))aber auch die anderen Fotos machen Lust und neugierig auf diesen Lauf.
Aber eines muss ich ja nun doch sagen: Du bist bei Porridge vorsichtig??? Hallooooo, ich denke, du bist den West Highland Way gewandert? Da gibts doch in jedem B&B in Schottland:-)))
Aber du hast Recht, ich meine, beim Rennsteig 2014 habe ich den klassischen Haferschleim bekommen, der nur aus Haferflocken und Flüssigkeit besteht. Heute sind es sicherlich die fertig angerührten Produkte, die alle möglichen Zusatzstoffe enthalten und auch süß sind. Da wäre ich wohl auch vorsichtig.
Wie auch immer, du hast alles absolut richtig gemacht! Genieße deinen Erfolg!


Lieben Gruß
Tame

Wow

Wenn ich mal groß bin, will ich auch so schell sein...tiefste Verneigung und herzlichen Glückwunsch

Vielen Dank für deinen Bericht und die schönen Bilder

War gerade selbst erneut mental unterwegs. Dein Tempo ist schon sehr beachtenswert! Und unbedingt musst du verdächtige Sonnenscheine und Sonnenblumen das nächste Mal ansprechen! :-))

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Super gerockt, super Bericht!

Grandioser Saisonabschluss! Danke für diesen klasse Bericht - ich glaube du hast echtes Berglauftalent (für einen Norddeutschen! ;-) ) Du hast jetzt das erlebt, was ich 2018 vor mir habe und ich freue mich, wenn wir uns spätestens beim Rennsteig sehen!
Entsprechende Tipps lese ich hier dann auch gerne mit! ;-)

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Rennschlumpf wäre

Rennschlumpf wäre passender, wow was für eine Zeit als Flachlandtiroler. Glückwunsch.
Der Lauf ist wirklich schön, ich grinse immern noch und schwelge in dieser Erfahrung.
Der Haferschleim war mir auch suspekt aber ich habe mich getraut, sehr lecker.
Und beim nächsten mal bei Verdacht auf Jogmapper, unbebdingt ansprechen :-)

Ach, strider

... ja, so sieht das da aus :-)

Danke schön!
Auch am nächsten Tag war übrigens noch alles golden, als wir vom Schloss Wernigerode weite Teile der Laufstrecke einsehen und bis zum Brocken blicken konnten...

" /

LG und ich drücke Dir fest die Daumen für einen tollen Lauf in Frankfurt!

Ich liebe Porridge, Tame...

doch bislang kannte mein Magen das nur zum Frühstück (auch in Schottland beim Wandern) und vor meinen langen Läufen. Daher war ich während des Brockenlaufs vorsichtig... Das wird sich übrigens ändern, im Training werde ich es demnächst ab und zu testen – und zum Rennsteig gehört es dazu, oder?

A propos Schottland, beim Wandern habe ich mich viel von

" /

ernährt :-)

Herzlichen Dank für die lieben Glückwünsche – ich drücke Dir fest die Daumen für Marienburg!!!

Ebenso wow, sonnenschein51!

... wenn ich Deine bisherigen Läufe anschaue - mehrfach den Rennsteig, internationale Läufe, Super!!

Herzlichen Dank für die Glückwünsche!!

Herzlichen Dank, Sonnenblume2

Freut mich sehr!
Gerne spreche ich Sonnenblumen in blau-weiß und andere Verdächtige an. Beim Rennsteig gibt es ohnehin einen Treff vor dem Start, oder?

Erhol Dich gut und viele Grüße!

Ich freue mich auch, Dominik...

... auf den Rennsteig und vielleicht auch mal auf einen gemeinsamen hügeligen Lauf vorher zusammen – sag Bescheid, wenn Dir was Passendes begegnet im Frühjahr.

Anonsten herzlichen Dank!

Berglauftalent habe ich übrigens definitiv keines, obwohl ich im Süden aufgewachsen bin... Aber Freude am Bergablaufen hatte ich schon immer...

Erhol Dich gut von Essen!! LG

Ich grinse auch noch, Sonnenschein 2010...

... und vielen lieben Dank für Deinen Kommentar und Glückwunsch!
Im Ziel habe ich den Haferschleim übrigens auch probiert - lecker!

Liebe Grüße!

Temposchlumpf..

..könnte man auch sagen :-) Gratulation. Toller Lauf und tolle Zeit!
Wenn Du noch was für den Herbst suchst, kann ich Dir den Röntgenlauf sehr empfehlen.
Immer am letzten Oktoberwochenende.

Ich bin dann mal weg

Temposchlumpf grüßt Röntgenbohne ;-)

Vielen Dank!!

Ich wünsche Dir schönes Herbstwetter und gute Beine beim Röntgenlauf, liebe benbohne!
Vor vier Jahren - in meinem Ultraschnupperjahr – bin ich ihn gelaufen und fand ihn klasse.

Liebe Grüße

Von Anfang bis Ende nur

Von Anfang bis Ende nur schön zu lesen. Vielen Dank für diesen schönen Bericht und Gratulation zu Deinem tollen Lauf.
Du hast mich so begeistert, daß ich mir die 11 km im Hinterstübchen schon mal abgespeichert hab.
Liebe Grüße - Christiane

Merci, mani

Danke schön ;-).
Ist echt schön dort, vor allem an solch einem goldenen Oktobertag.

Dass das Wetter auch ganz anders, ungemütlicher sein kann, haben strider (siehe striders Bericht aus 2016) und erlebt...

Viele Grüße und Dir schöne Herbstläufe!

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