Benutzerbild von Socke Nr.2

So, es ist soweit, hier der versprochene Wettkampfbericht!
Nach vielen, vielen Überlegungen hatte ich mich angemeldet: Halbmarathon von Düsseldorf nach meiner Heimatstadt Duisburg, immer am schönen Rhein lang!
Sonntag war es soweit!
Der Start sollte um 9.30h sein, mein Wecker ging schon um 5.30h da mein Sohn um 7.00h für eine Studienfahrt am Flughafen sein musste.
Für mich war es ganz gut, so konnte ich noch in Ruhe, früh genug frühstücken und hatte meine Gedanken komplett auf Reisegepäck und Ausweispapiere gerichtet und erst nach Abfahrt meiner Lieben war Zeit für Nervosität (von der ich dachte, dass sie gar nicht erst in Erscheinung treten würde...).
In der Stunde die mir blieb hatte ich mich trotz sorgfältiger Planung und Vorbereitung am Vortag noch 3 x umgezogen, hatte vor Aufregung tatsächlich Sachen fallen lassen und aus lauter Verzweiflung hatte ich mich entschlossen die häusliche Ruhe mit etwas lauterer Radio-Musik zu unterbrechen..., um irgendwann nach einem Blick auf die Uhr festzustellen, das ich doch schon jetzt etwa Gas geben sollte um pünktlich am verabredeten Treffpunkt zu sein.
Verabredet war ich mit meinen 3 Arbeitskollegen die ich im April beim Düsseldorf-Marathon mit der Firmenstaffel heiß aufs Laufen gemacht habe...!
Gerade noch pünktlich am Treffpunkt ging es dann mit der Straßenbahn 20 Minuten von der Zielhaltestelle nach Düsseldorf zur Theodor-Heuss-Brücke, dem Startort. Super gelegen, da der Fußweg von der Bahn zum Start extrem kurz war.
Das Wetter war genial! Sonnenschein, und aufgrund der frühen Startzeit nicht zu warm! Die Laufrichtung war mindestens genauso genial, denn sie versprach den Wind von hinten! (Dem Himmel sei Dank!! ;-))
Die Geschichte mit den Dixies muss ich euch ja nicht erörtern, die kennt ihr alle! Viele Klos, lange Schlangen ...
War ich noch nervös? Ich glaube komischerweise überhaupt nicht, ich kann mich zumindest nicht daran erinnern.

9.15h: Es war nicht weit zum Start, die Läufer gingen gemeinsam hin, es sollte einen Start in 2 Wellen geben: Ich natürlich ziemlich weit hinten, habe bei der Anmeldung mal ganz vorsichtig eine Zielzeit von 02:45:00 angegeben. Den Lauf habe ich übrigens u.a. aufgrund einiger langsamen Läufer vom Vorjahr ausgesucht, hier würde ich nicht unbedingt auffallen!
9.30h: Der Startschuss war gefallen!
Irgendwie hatte ich erwartet, dass es noch einmal für das zweite Läuferfeld knallte, aber: Pustekuchen...! Irgendwann lief das gesamte Restfeld los, und da bleibt man ja nicht stehen, oder...?!
Und los ging es, an Beifall klatschenden Menschen Richtung Norden, links von mir mein Chef (mit Stöppeln in den Ohren), rechts von mir meine Kollegin (auch mit Stöppeln in den Ohren). Nach ca. 1000 m machte ich mal einen vorsichtigen Test: Mein Blick geradeaus gerichtet, in normaler Lautstärke die Frage: "Hört mich jemand???", und als Antwort null Reaktion! Gut, ich konnte mir sämtliche Puste sparen und kam nicht in den Zwang mich unterhalten zu müssen (damit hätte ich tatsächlich Probleme bekommen können...).
Links von mir Vater Rhein, wunderschön im Sonnenschein, das langgezogene Läuferfeld ständig im Blick, schön,...
Mein Trainingsplan gab mir eine Pace von 06:40 vor, mir persönlich war es eigentlich egal, ich wollte nur mit Stil ins Ziel und den Lauf nicht als Qual empfinden sondern den Umständen entsprechend genießen können. Daher ließ ich mich so nach 4 km von meinen beiden Musik-hörenden Mitläufern zurückfallen und lief etwas langsamer, da mir die 06.30`er Zeit doch für meine Verhältnisse unvernünftig schien und pendelte mich auf meine 06:40 ein.
Es fühlte sich ganz gut an, so bei km 6 war der erste Verpflegungsstand mit Wasser, den ich aufgrund der sich steigernden Wärme nicht außer Acht ließ, also: Becher Wasser geangelt, im Gehen genossen, und weiter gings!
Zwischendurch, so ab km 8 schon, frage ich mich, ob ich genug gegessen habe, die Muskeln fühlen sich so ein bisschen schlapp an, einfach so ein wenig unfit... Aber! Ich lese ja regelmäßig, was ihr so macht, und so hole ich bei km 11 ungefähr nach einem weiteren Getränkestand so ganz unauffällig ein mitgenommenes Gel hervor was auch bei einem Nicht-Profi seine Wirkung zeigt :-)
Hatte nur etwas Hemmungen, die Verpackung in die schöne Natur zu werfen und trug sie daher noch mindestens 2 km durch die Gegend, bevor ich sie (echt) versehentlich verlor... Aber, zurückgehen und sie aufheben, dazu war ich doch nicht motiviert genug.

Km 13: Hier gab es tatsächlich eine Steigung! Ich kannte sie und hatte schon vorher beschlossen diese vielleicht 150 m hoch zu gehen und nicht zu laufen. Denn: einmal Schnappatmung könnte immer Schnappatmung bedeuten! Aber: Da ich mich eindeutig im hinteren Drittel des Läuferfeldes befand und wohl die meisten Angst vor Atemnot hatten, war ich nicht die Einzige, die sich dazu entschied.
Jetzt ging es vom Rhein weg, hinein in die Felder Duisburgs. Nun war es schon ziemlich warm und ich hoffte nur, das es weiterhin etwas Wind geben würde, vorzugsweise von hinten! Nun machte die Strecke einen großen Bogen und man hatte auf dem ersten Teil die Möglichkeit die vielen schnelleren Läufer in der Ferne zu sehen und auf dem hinteren Teil die noch folgenden Läufer zu betrachten. Diese lange Reihe war schon beeindruckend, man wusste, jeder hat irgendwie zu kämpfen... Gerade hier, so ab km 16, gab es schon einige Mitläufer, die zeitweise gingen. Bei mir ging es ganz gut, aber jetzt hätte ich mir noch so ein Geltütchen gewünscht, die Beine wurden langsam wieder schlapp... Im Nachhinein betrachtet doch ein bisschen schneller als langsam...
Aber: Es nutzte nichts:
Dann, kurz nach km 17 noch mal ein unangenehmer Teil: Es ging wieder aufwärts, nicht weit, aber für müde Beine zu weit! Ich kannte diesen blöden Weg zur Hauptstraße hinauf und hatte auch hier schon im voraus geplant, zu gehen... Ich glaube, hier ist von den hinteren Läufern niemand hochgelaufen, Gehen ist halt in :-).
Und ich hatte tatsächlich ein echtes Problem: Hunger, unbeschreiblichen Hunger...! Kennt ihr das auch??? Was hätte ich für etwas zu Essen gegeben :-)

So, jetzt noch etwas die Straße entlang und dem Ziel entgegen. 17 km bin ich im Training schon gelaufen, nun war ich fast bei km 18, da dürfte der Rest doch kein Problem werden...
Ich kannte den direkten Weg zum Ziel und hatte Probleme anzuerkennen, das der Weg nicht der Direkte sein durfte, wenn die Strecke 21 km lang sei sollte und nicht nur 20 km...
Nutzte nichts, es ging noch einmal weg, von der Ideallinie rechts noch einmal in Landschaft hinein um über einen Umweg dann doch endlich durchs Ziel hindurch laufen zu dürfen.
Zuerst hörte man ... Hm, ich kann mich nicht so richtig erinnern... Man hört wieder Menschen und Zivilisation, wahrscheinlich auch Musik.
Man sah: Nichts. Nur die Sicht bis zur nächsten Kurve, man sah Bäume... Es reichte, ich wollte endlich ins Ziel...
Da, die ersten Menschen am Straßenrand die uns zuriefen, klatschten und Freude hatten.
Nun dacht ich wieder an Eure Berichte:
Immer schreibt ihr von dem breiten Grinsen, den Tränen, den Gefühlen... Ich hatte immer Probleme es nachzuvollziehen, nach den bisherigen Läufen war ich immer nur platt und war einfach nur froh im Ziel zu sein, mein Gesichtsausdruck war nicht entspannt sondern anders.

Das Ziel nun in Sicht, das Gefühl, das ich hatte, hatte ich so lange nicht.
Mit den ersten Menschen hatte ich mich wirklich gefreut, so richtig! Ganz kurz vor dem Ziel hatte ich das Gefühl von echten Tränen in den Augen, im Ziel riss ich meinen Arm hoch, und hätte ich nicht das Gefühl gehabt, Atemnot und Kreislaufprobleme zu bekommen wenn ich anfinge zu heulen, ich hätte es vor Freude wirklich gemacht!

Dieser Lauf hat mir so viel bedeutet!

Der Arzt, der mir vor 15 Jahren sagte: Hören Sie auf zu Laufen, Sie werden mittelfristig eine Knieprothese bekommen....
Über ein Jahr vom Laufen verabschiedet mit dem Wissen, ich werde nie wieder Laufen...
Der Arzt der mir sagte: Ich kann nicht bestätigen, was mein Kollege gesagt hat. Laufen Sie, übertreiben Sie nicht...
Mein Chef, der vor 1 Jahr nach einer Röntgenuntersuchung gesagt hat, Hm, ich meine es sieht sogar was besser aus..

Ich Laufe schon seit Kindesbeinen, früher mit der Stoppuhr in der Hand zu meiner Großtante zum Spielen...

Halbmarathon in 02:29:04, keine Schmerzen, keine Probleme...

Und, ich laufe immer noch!
Es gehört zu meinem Leben!

Die letzten beiden Sätze

finde ich gut!

Und die Stoppuhr zur Großtante ebenso :lach:

Einen tollen Lauf hast Du da hingelegt. Das Wetter war aber auch traumhaft.

Gelungene Premiere!

Glückwunsch zum Finish, redlich verdient und super gemacht. Ich bin sicher, da folgen noch viele weitere.
Frohes Regenerieren!

Mensch großartig!

Das ist mal ein wirklich schöner Bericht. Nicht immer die Superlative, sondern auch mal einfach nur laufen. Und wenn einem der Wind in die Fr... weht, einfach weiterlaufen. Es macht Spaß deinen Bericht zu lesen, da er sehr schön einen selber erden kann. Ich hoffe du wirst noch viele solcher schönen Erlebnisse haben und diese berühmten Tränen sind aller Mühen wert.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem schönen Lauferlebnis.

Grüße
Stefan

Wow!

So schön geschrieben und so schön gelaufen!
Ich glaube, du bist infiziert;-)
Ganz herzlichen Glückwunsch!


Lieben Gruß
Tame

Da freu ich mich aber sehr

Da freu ich mich aber sehr mit Dir mit!!! Haste alles richtig gemacht. :-D
Herzlichen Glückwunsch!
Und vielen Dank für Deinen schönen Bericht. Ich wünsch Dir noch ganz, ganz viele solch toller Lauferlebnisse.
Liebe Grüße - Christiane

Gratulation..

..zum gelungenen Finish!
Ich hoffe, dass wir hier noch mehr solcher Berichte von Dir lesen werden :-)

Ich bin dann mal weg

Danke für die Glückwünsche!

Schön, dass ich meine Begeisterung teilen konnte! Vielleicht ist es ja auch eine Ermutigung für andere Läufer, die nicht auf einem so hohen Level trainieren mal ihre Erlebnisse zu schildern!
Übrigens, ich bin "infiziert"!
Meine liebste Freundin, mit der ich seit Jahren die Kleine Winterlaufserie in Duisburg laufe hat sich vor dem Halbmarathon einfach für die große Serie angemeldet ((nachdem ich sie leichtsinnigerweise auf den Gedanken brachte, dass man ja mal vorsichtig darüber nachdenken könnte...):-)
Lange Rede, kurzer Sinn: Im Februar laufe ich erst 10km, dann im März 15km und wieder Halbmarathon... Diesmal etwas unter Druck, da nach 2h45min Zielschluss ist...
Wie erhalte ich denn nun meine Leistung?
Ein neuer Trainingsplan würde jetzt schon beginnen, noch etwas halblang zu machen wäre mir eigentlich lieber...
Vielleicht habt ihr ja einen Tipp für mich!
Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Ein Bericht wird folgen...! Liebe Grüße, Petra

Gratulation ...

... zum Lauf und auch zu dem schönen Bericht!
HM in 2:30h mag jetzt vielleicht manchem nicht so schnell vorkommen. Aber wo korreliert dies mit einem hohen oder niedrigen Trainingslevel? Es gibt langsamere Läufer und schnellere. Du willst jetzt einen Läufer mit 1:30h-HM als schnellen Läufer bezeichnen? Kann man machen. Im Vergleich zu 1:05 oder 1:10h ist das echt ganz schön langsam! ;-))
Vergiß einfach langsam oder schnell. Wir laufen aus Hobby und nicht zum Geldverdienen. Trainiere wie du es magst und laufe wie du es magst und das ist dann sehr gut für dich und richtig für dich! - Genauso wie auf diesem HM.
Du meinst, du mußt jetzt schon wieder in einen Trainingsplan für den 10er im Februar und den 15er und HM im März einsteigen und würdest doch lieber die Füße noch etwas hoch legen.
Dann leg sie doch noch 2 Wochen hoch. Du bist jetzt HM gelaufen. Du hast also die Distanz schon drin. Da brauchst du keinen Aufbauplan über 20 Wochen von 0 auf 21km. Für die direkte Vorbereitung auf die Wettkämpfe reicht ein Plan über 10-12 Wochen.
Und bevor diese 10-12 Wochen starten, trainierst du darauf hin, dass in den Plänen geforderte Anfangsniveau auch sicher laufen zu können. Bis dahin verinnerliche einfach dein Motto:
"Laufen gehört zu deinem Leben."
Dann paßt das.
;-)
PS: Nach dem Hochlegen der Beine sind die ersten Läufe immer etwas zäh. Man meint wieder von Null anfangen zu müssen. Nicht irritieren lassen. Ein vernünftiges Level ist schnell wieder erreicht.

Lieber Schalk,

Danke für die Ratschläge, so ähnlich hab ich es mir gedacht!
Jetzt sind 2 Wochen Herbstferien, danach leg ich wieder los, so wie du es geraten hast! Schönen Gruß!

Lieber Schalk,

Danke für die Ratschläge, so ähnlich hab ich es mir gedacht!
Jetzt sind 2 Wochen Herbstferien, danach leg ich wieder los, so wie du es geraten hast! Schönen Gruß!

Schön, dass du angefixt bist. ;-)

Halblang machen ist genau richtig, nach einer ordentlichen Regeneration trainiert es sich gleich doppelt so gut. Vertrau dem Schalk, der kennt sich aus.
Wegen der 2:45 brauchst du dir keine Gedanken zu machen, du weißt ja, was dich erwartet, und bist schon beim ersten Mal deutlich drunter geblieben.
Den 10er und 15er würde ich persönlich aus dem Training für den HM raus laufen und einfach als Tempotraining bzw. langen Lauf verbuchen.
Frohes Regenerieren, ich freu mich auf deine nächsten Berichte!

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links