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Pension Fani war ein Fehlgriff. Vielleicht gibt es ja auch Zimmer mit Fenstern nach außen, aber unseres geht auf einen engen, seltsam riechenden Schacht im Innern des Hauses. Das komische Duftteil in der Steckdose macht alles nur schlimmer. Dafür ist die Lage sensationell, direkt hinter der Kathedrale.

Die Morgenluft ist frisch und kühl, ich laufe auf die Kathedrale zu und umrunde ein paar Jakobswegpilger, leicht zu erkennen an den Muscheln, die an ihren Rucksäcken baumeln. Ob die wohl aus religiösen Gründen pilgern?

Auf der Brücke über den Urumea begegnen mir die ersten drei Läufer, alle in Shirts von verschiedenen Laufevents, sie sind aber so schnell, dass ich nicht erkennen kann, von welchen. Ich laufe Richtung Mündung und dann die Mole weiter, um einen Blick auf den Surferstrand zu werfen. Da sind jede Menge Köpfe im Wasser. Ich kann von hier keine Surfbretter erkennen. Sie sehen aus wie Schwimmvögel, die Wellen scheinen nicht besonders hoch, warten die auf besseres Wetter? Ich umlaufe den Hund eines Anglers, der mich mit großem Maul angähnt. Er sieht sehr entspannt aus.

Als Wellenbrecher benutzen die hier riesige Marmorwürfel. Sehr vornehm, aber das ist hier ja auch ein "mondänes Seebad".

Marmorwürfel

Auf dem Weg um den Monte Urgull ist die Läuferdichte so hoch wie auf einem mittleren Volkslauf. Habe ich den Startschuss verpasst? Dagegen spricht, dass in beide Richtungen gelaufen wird. Unten branden die Wellen an die Mauer, das Meer ist dunkeltürkis, die Gischt schäumt dramatisch. Ich laufe um den Berg herum, sehe die Isla de Santa Clara in der Bucht liegen. In der Bucht treiben viele kleine Boote mit Anglern drin.

Oberhalb des Hafens geht es durch ein Stückchen Altstadt, an der netten Bar vorbei, von wo wir gestern Abend den Sonnenuntergang betrachtet haben (falls mal jemand in der Gegend ist, der Laden heißt Akerbeltz und ist definitiv DER Ort für ein Feierabendgetränk). Ich mache einen kleinen Abstecher zum Hafen, wo gerade ein Angler hereingerudert kommt.

Angler

Auf dem Weg zur Strandpromenade muss ich mich ein wenig beeilen um eine kleine nach Diesel stinkende Kehrmaschine bei der Morgenreiniging der Straße zu überholen.

Dann bin ich auch schon auf der Strandpromenade. Die Bucht ist wunderschön. Eine Besonderheit sind die kleinen Wellen, die sich auf der ganzen Länge gleichzeitig am Strand brechen. Das sieht wie eine runde Spitzenborte aus. Am Bootsverleih werden gerade drei schnittige schmale Seekajaks ins Wasser geschoben. Ein älterer Herr in Badehose steigt zu seinem Morgenbad ins Wasser. Merkwürdig, dass da nicht mehr Leute baden gehen. Ich laufe die ganze Länge der Strandpromenade entlang bis zur Westseite, wo der Funicular, ein alter Schrägaufzug auf den Monte Igueldo fährt. Da oben waren wir gestern, die Aussicht war sagenhaft.

An der Kaimauer sind Surfer im Wasser. Eine junge Surferin in Neo und mit langem blonden Zopf ruft den Jungs da unten etwas zu und springt dann mitsamt ihrem Brett von der Mauer ins Wasser. Das sind mindestens vier Meter! Hier muss ich einfach stehenbleiben und eine Weile zusehen. Die Stelle ist günstig, denn die Bucht ist geschützt und surfbare Wellen gibt es nur hier an der Mauer. Ein junger Mann ist richtig gut und steht öfter mal bis die Wellen auslaufen. Er wendet dann noch oben auf der Welle, damit er nicht durch die Gischt zurückpaddeln muss. Sehr elegant.

Surfer

Ich drehe um und laufe zurück. Öfter werde ich überholt, ein paarmal überhole ich jemanden. Am Hotel Londres biege ich in die Straße ein, die zur Pension führt. Schnell duschen und dann nichts wie abreisen!

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Du bist auf einer wunderbaren Ecke!

und kannst die Stimmung genauso beschreiben - danke für diese Eindrücke, die mich an eine Zeit erinnern, wo ich nicht-laufend einmal in San Sebastian eine tolle Nacht verbracht habe - den Tagesanbruch hatte ich damals verpasst.

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Ich war da noch nie

aber jetzt fühle ich mich, als wäre ich ein Stück mitgelaufen. Danke fürs Mitnehmen!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Schöön! ...

... Solche Mogenläufe mag ich auch unheimlich!
Dnake fürs Aufschreiben!
;-)

Urlaub in Euskadi


Das klingt nach einem gelungenen Euskadi-Urlaub. Nach Deinem Bilbao-Bericht wollte ich Dir bereits San Sebastián empfehlen, aber da bist ja selbst drauf gekommen. Ja, San Sebastián ist eine der Läuferhochburgen und davon abgesehen eine der schönsten Städte Spaniens. Die Pintxos sind Legende. Was die Pilger betrifft, so denke ich, dass der geringere Teil aus religiösen Motiven den Weg geht. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass man nach einigen Tagen wandern durchaus auf spirituelle Gedanken kommen kann.

Grüsse

Du verstehst es perfekt...

...uns mit auf Reisen zu nehmen! Inspirierend! Vielen, vielen Dank dafür!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Danke für die Mitnahme!

Klingt echt schön, was du da am Morgen in Dich aufgesaugt hast.

Aber das Gefühl mit dem Laufevent kenne ich von meinen Ausflügen nach Berlin (kommst Du da nicht her?). Wenn ich da morgens im Volkspark meine Runde drehe, grüßt auch keiner mehr beim Laufen, da es einfach so viele sind.

Gruß Nicole

Und wieder so schöne Bilder

und Gedanken! Herrlich.

Weiter viel Genuss.

Morgenläufe

sind toll und dort, wo du sie läufst, der Hammer! :-)

Lieben Gruß
Tame

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