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Es ist ja schon eine ganze Zeit her als irgendwann in Koblenz mal der 1. Marathon stattfand. Dazwischen lagen ein Urlaub und eine weitere Erholungphase, die mit erheblicher Schreibunlust verbunden war. Aber da ich hier über alle meine Marathons berichtet habe, darf der Bericht über meinen 10. nicht ausgelassen werden. Zwar hatte ich den ersten auch ausgelassen aber damals konnte ich noch nicht schreiben. Schade eigentlich.

Meine Vorbereitung lief eher schleppend. Besonders mit den langen Läufen tat ich mich schwer. Die zweijährige Marathonpause hatte sich doch bemerkbar gemacht. Ich hatte das Gefühl, mir alles wieder von vorne erarbeiten zu müssen. Die letzten vier Wochen waren aber klasse. Da hatte ich ausnahmslos tolle Läufe.

Bei der Veranstaltung waren verschiedene Strecken im Angebot. Der 10 km-Lauf sollte um 9.40 Uhr starten. Um 10.00 Uhr würden die Halb- und Ganzmarathonis auf die Strecke gehen. Die beste Supporterin von allen setzt mich um 9.45 Uhr an der Conlog-Arena ab. Ich laufe mich ein, begebe mich zum Start, stehe im Starterpulk und wechsle noch das ein oder andere Wort. Dabei kommt heraus, dass der Start für den 10er verschoben wurde, weil die Strecke noch nicht freigegeben war. Er wird um 10.00 Uhr nachgeholt. Der Marathonstart verschiebt sich um 10 Minuten. Schön, dass man miteinander spricht. Die Lautsprecherdurchsagen waren an mir vorbeigegangen. Ich wäre fast mit den Zehnern mitgelaufen.

Aber so gedulde ich mich noch ein wenig bis ich auf den Halbmarathonkurs darf, den ich zweimal zu absolvieren habe. Mein Zeitziel: Irgendetwas unter vier Stunden. Hat bis jetzt immer geklappt. Die Bedingungen sind gut. Flache Strecke, kein Regen in Sicht, noch ist es angenehm kühl.

Zunächst geht es durch Wohngebiete bis nach 3 km der schönste Teil der Strecke folgt. Am Schloss vorbei, durch die Innenstadt bis zum Deutschen Eck mit dem Monumentaldenkmal Kaiser Wilhelms I. und weiter die Mosel entlang. In der Fußgängerzone veranstalten zwei Unterstützer mit Kuhglocken einen Höllenlärm. In der engen Straße verdoppelt sich die Lautstärke. Wahrscheinlich stehen sie deshalb auch ganz alleine da. Macht ja nichts. Ist ja gut gemeint. Mit einem leichten Tinnitus laufe ich weiter. Ich betrachte ihn als ständigen akustischen Support für den Rest des Laufs.

Die Unterstützung durch Zuschauer ist sonst nicht sonderlich lautstark aber dafür beständig. Keine großen Stimmungszentren oder Gruppenjubel, dafür aber immer wieder Anfeuerung von den Balkonen oder aus den Fenstern heraus. Auch in der 2. Runde wird das so sein. Da das Läuferfeld ohne die Halbmarathonis dann schon sehr ausgedünnt ist, wirkt die Unterstützung noch etwas persönlicher.

Nach der ersten Moselüberquerung geht es zunächst wieder durch Wohngebiete. Mir fällt auf, dass es wenig Streckenposten gibt. Es fehlen auch eindeutige Wegmarkierungen. Ab und zu sieht man einen dünnen Kreidepfeil auf dem Asphalt. Mehr nicht. In der zweiten Runde könnte es schwierig werden, den richtigen Weg zu finden.

Nach 10km führt die Strecke dann für 4 km durch ein Industriegebiet. Hier ist.....Ruhe. Nichts. Man hört nur das Trampeln der Läufer. Kein Klatschen. Kein Hupen. Kein Klingeln. Nichts. Zum Glück habe ich noch meinen Tinnitus.

Mitten in dieser Industrie-Einöde ist ein Wendepunkt. 180°-Wende. Der ist niedlich: Kein Streckenposten. Kein Poller. Keine andere Absperrung. Schon gar keine Zeitmessmatte. Einfach nur mit Kreide auf die Straße gezeichnet. Aber es funktioniert. Alle Läufer laufen artig um die Markierung. Keiner kürzt ab. Ich stelle allerdings nachträglich fest, dass es zwei Wendepunkte gibt. Für den Halbmarathon (Markierung HM) liegt er – warum auch immer - 5 m weiter als für den Marathon (M). Mist! Ich bin 10 m zu viel gelaufen. Das hole ich mir in der 2. Runde zurück, wenn ich hier alleine laufen muss.

Es geht wieder zurück auf die andere Moselseite in die Innenstadt. Hier ist ein bisschen mehr los. Die Sonne kommt raus. Wir laufen ein Teilstück mit direktem Blick auf das Schloss. Herrlich. Ich könnte endlos weiterlaufen. Nach der ersten Runde ist alles gut. Pace recht konstant 5:35. Alles im Soll.

Insgesamt gehen 190 Läuferinnen und Läufer in die 2. Runde. Ich laufe zunächst in einer Dreier-Gruppe, kann oder will deren Tempo aber nicht halten. Ein weiterer Läufer fragt mich, ob ich unter 4 Stunden bleiben wolle. Er würde sich dann gern an mich ranhängen. Kein Problem. Versuchen wir's. Er hält allerdings erstmal einen ständigen Abstand von 3m. Vermutlich aus Angst, ich könnte mal abrupt bremsen. Als es erneut in das Industriegebietgebiet geht schließt er auf und wir wechseln ein paar Worte. An dem besagten Wendepunkt nehmen wir diesmal die richtige Wende. Mit Zeugen traue ich mich aber nicht, mir die zuviel gelaufenen Meter aus der 1. Runde zurückzuholen. Wäre auch nicht korrekt gewesen.

Zusammen überholen wir einige Läufer. Als ich mich aber nach einem Verpflegungsstand mal umblicke, ist meine Begleitung auf einmal weit hinter mir. Muss ich warten? Vielleicht ist ihm mein Tempo doch zu schnell. Aber ich freue mich, dass es bei mir noch gut läuft und möchte auch schnell ins Ziel. Es ist jetzt doch ziemlich warm geworden. Das letzte Mal über die Moselbrücke ist dann schon ziemlich anstrengend. Und jetzt wird es auch hart. Der Anblick des Schlosses bewirkt diesmal keine Hochstimmung. Mein Tinnitus hilft mir auch nicht mehr. Bei km 37 erwischt mich dann der erste Wadenkrampf. Kleine Dehnpause und weiter, mittlerweile nur noch im Tunnel. Das wiederholt sich noch einmal bei km 39. Und schließlich noch einmal 100 m vor dem Ziel. Diesmal lasse ich das Dehnen, verzichte aber darauf, um Platz 89 mitzuspurten und humpele im Schonschritt über die Ziellinie. Zieleinlaufvideos werden sowieso total überbewertet.

3:56:50 h habe ich gebraucht und bin vom Tempo her ziemlich konstant geblieben. Auch bei den letzten schweren Kilometern blieb die Zeit noch unter 6 Minuten - trotz der Dehnpausen. Alles in allem war es eine schöne Veranstaltung bei besten Bedingungen. Auch wenn sie schon lange her ist.

Gruß

Sirius
...der mal in Koblenz rannte.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Auf der 10km-Spur :-)

Na, dein Gesicht hätt ich sehen mögen, wenn die 10ner wie von der Tarantel gestochen los schießen, während du staunend versuchst, dein Marathontempo zu finden;-) Aber ist ja nochmal alles gut gegangen.
Wer so viel Zeit für Sightseeing hat und auch noch auf andere Mitläufer Rücksicht nimmt, sich unterhalten kann, und dabei dennoch so deutlich unter 4 Stunden bleibt, hat wahrlich alles richtig gemacht!
Ganz herzlichen Glückwunsch zu deinem toll gerockten 10. Marathon!


Lieben Gruß
Tame

Wunderbarer Bericht

so lustig kann also ein Marathon sein!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Unterhaltsam

Scheint ein sehr unterhaltsamer Marathon gewesen zu sein. Dein Bericht ist es jedenfalls. Glückwunsch zum Finish.
Ich frage mich allerdings, wie alt Du beim Ersten gewesen bist, wenn Du damals noch nicht schreiben konntest :-))

Ich bin dann mal weg

100m vor dem Ziel ...

... noch mal nen Krampf. Das klingt allerdings weniger schick!
Aber das, wie den vermiedenen Fehlstart vorher haste ja bestens gemeistert - wenn's auch länger her ist. Egal! Schön, dass du es doch in die Tastatur gehämmert hast. Koblenz ist also auch für einen Marathon ne Reise wert. Ich war da bisher nur zum Radfahren und Weintrinken; natürlich nur in dieser Kombination.
Glückwunsch zum 10.!
;-)

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