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Wie bei mir so üblich, wollte ich auch dieses Jahr in Köln beim Marathon starten. War diesmal aber ganz schön knapp. Doch der Reihe nach.
Seit geraumer Zeit habe ich etwas Probleme mit dem Knie, bisher nix wildes. War halt so, dass die ersten 2-3 Minuten ein bisschen wehgetan haben, aber danach war alles wieder gut. Anfang September wurde es aber schlimmer. Ein Termin beim Osteophaten folgte. Nach der Behandlung haben wir vereinbart, dass ich mich in den nächsten Tagen melde und ihm mitteile, wie das Knie reagiert hat.
Dann samstags, drei Wochen vor Köln, 10km-Lauf von meinem Verein. Ein Start ist Pflicht, fühlte sich auch alles gut an. Die ersten Meter beim Einlaufen noch geringe Schmerzen, dann war aber alles ok. Start. Es lief gut, nur durch das Marathontraining war ich etwas müde und auch nicht allzu schnell unterwegs. War recht entspannt und auch relativ locker. Bis km 5,2. Ein kurzer Stich im Knie und aus war es. Nur noch humpeln möglich. Laufen unmöglich. Zurück zum Ziel, geduscht und ziemlich frustriert nach Hause. Am nächsten Tag kein Stück besser. Überraschend nur, dass Fahrrad fahren mehr oder weniger ohne Problem ging. Anruf bei Osteophaten und Termin für Donnerstag bekommen. Eine Stunde hat er da mit mir gearbeitet, die Hoffnung auf einen Köln start aber auch eher zerstört.
Noch 2 Wochen bis Köln. Montag versucht zu laufen, 2,8km ging noch gar nix. Mittwoch wieder beim Osteophaten. Wird besser. In der Zeit versucht abends auf der Rolle und am Wochenende draußen Rad zu fahren.
Noch 1 Woche bis Köln. Montag 3,3km, etwas besser aber bei weitem nicht schmerzfrei. Zwischendurch immer wieder mit der Blackroll gearbeitet. Donnerstag, noch 4 Tage bis Köln. Langsam muss eine Entscheidung her. Starten oder nicht starten. Obendrauf auch noch eine Erkältung. Lauf 4km. Und zu meiner Überraschung ging es ganz gut. Wenn jetzt die Erkältung auch besser wird, werde ich es versuchen. Nur über den Versuch kann ich erfahren, ob es geht oder nicht.
Ab Freitag bin ich dann im „Marathonmodus“. Nach dem ich bis hierhin das Ganze sehr entspannt gesehen habe, bin ich jetzt nervös ohne Ende.
Samstag Marathonmesse und Jubilee-Treffen. Der Tag hat schon fast was von einem Familientreffen. Und ich mittendrin. Vor einer Woche fast unvorstellbar.
Sonntag mit dem Zug nach Köln. Und auch hier trifft man sofort einige „alte Bekannte“, Köln-Marathon verbindet.
Man bin ich nervös, aufgeregt wie lange nicht mehr. In Köln angekommen gehen die „Halben“ auf die Strecke. Traumwetter, wird wohl nur nachher für mich schon zu warm werden. Heute aber egal, der Weg ist das Ziel, nur ankommen zählt.
Umziehen, noch eine Banane, noch ein Schluck trinken, Kleiderbeutel abgeben und ab in den Startblock. Die Zeit vergeht im Flug.
10 Uhr – für uns heute High Noon. Ein Lauf ins ungewisse beginnt.
Es läuft, es läuft gut. Leichtes Unbehagen im Knie, aber keine wirklichen Schmerzen. Und im Grunde völlig unerwartet, dass Knie hält bis zum Ende!
Laufe völlig ohne Druck, eigentlich zu schnell, aber Zeit ist völlig egal. Genieße jeden Schritt. Sauge die Stimmung auf und versuche, auch Stimmung zu machen. Laufe ein paar Kilometer mit Heinrich. Zufälle gibt’s, wir sind beide aus Gummersbach. Die Kilometer vergehen wie im Flug. Es wird warm. Whow, schon die Hälfte geschafft. Es sind relativ wenig Zuschauer an der Strecke. Aber die, die da sind geben alles, machen Stimmung.
Hey Kölle - do ming Stadt am Rhing,
he wo ich jroß jewode ben.
Do bes en Stadt met Hätz un Siel.
Hey Kölle, do bes e Jeföhl!
Es wird hart, die Kilometer länger. Aber ich bin dabei. Die Gewissheit, dass ich auch Nr. 21 beenden werde wächst. Immer wieder bekannte Gesichter im Feld. Die Streckenabschnitte mit Gegenverkehr sind einfach klasse. Nur noch der öde Norden. Doch durch eine etwas geänderte Strecke ist der Abschnitt im Norden nicht mehr so lang und schon gar nicht mehr öde.
Highlight! Treffe noch eine guten Freund, der mit einer Staffel unterwegs ist. Kurze Umarmung und ein kleiner Freudentanz in der Mitte der Straße. Uff, das war knapp, fast wäre ich dabei von Krämpfen zerrissen worden. Motivation für die letzten 4 Kilometer. Einfach nur noch genießen. Letzte Verpflegung, noch mal eine Gehpause. Km 41, hier habe ich jetzt eigentlich mein Familie erwartet, aber keiner da – Enttäuschung steigt auf (Meine beiden Söhne haben den 4km Schullauf mitgemacht, mein Schwager und eine Cousine den Halbmarathon).
Einbiegen in die Hohe Straße. Endspurt. Der Dom. Ich kann in sehen. Pippi steigt in die Augen. Dann doch noch, 200m vor dem Ziel steht die Familie im Gewühl. Meine Tochter springt über die Absperrung und läuft mit mir Richtung Ziel. Was ein Zieleinlauf. Emotionen überkommen mich. Pippi in den Augen. Jaaaaa, ich habe es geschafft.
Eine Zeit steht auch auf der Uhr, aber sch… egal. Ich hab es geschafft. Immer noch gehöre ich zum Club derer, die alle 21 Köln-Marathons gefinished haben. Heute ein König.
Danke Köln, du hast dich heute wieder von deiner besten Seite gezeigt.
Zwischendurch, als es so aussah, dass ich nicht starten kann, war ich fast erleichtert. Warum?
Seit 1997 laufe ich jetzt jedes Jahr den Köln-Marathon, da verspüre ich schon einen gewissen Druck, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein zu müssen.
Nach dem Zieleinlauf am Sonntag muss ich sagen, ich darf nächstes Jahr wieder dabei sein!
Hey Kölle - do ming Stadt am Rhing,
he wo ich jroß jewode ben.
Do bes en Stadt met Hätz un Siel.
Hey Kölle, do bes e Jeföhl!

4.4
Gesamtwertung: 4.4 (5 Wertungen)

Was für ein Lauf!

und was für eine schöne Liebeserklärung an die Stadt, die Familie und das Läuferleben. Ganz großes Kino!

Das hast du super gemacht und vielen Dank für den wunderbaren emotionalen Bericht!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Welch eine nervliche Belastung

und dennoch Köln gerockt, Hammer! Herzlichen Glückwunsch! Heute ein König, jep, den Titel hast du dir voll verdient!

Lieben Gruß
Tame

Bissl Spannung ...

... ist manchmal erst das Salz in der Suppe!
Geht doch.
;-)

Prima, dass es geklappt hat!

Und Du mit Familienanhang durch's Ziel laufen konntest.

Glückwunsch

Toll, dass du in Köln den 21. Marathon geschafft hast! Das können nur ganz wenige sagen, meinen Glückwunsch!
Ein würdiges Mitglied des Jubilee Clubs;-)

Gruß
Reinhard

Du hast es aber echt

Du hast es aber echt spannend gemacht!
Solche Läufe sind manchmal die Besten, wahrscheinlich weil es sich ohne Zeitdruck einfach entspannter läuft und dann funzt es plötzlich.

Ich bin dann mal weg

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