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Hallo,
beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC) 2017 (26.-30. August 2017, Barcelona/Spanien) wurde folgende Studie vorgestellt:

Plötzlicher Herztod beim Sport: Diese Warnzeichen sollten Sie Ihren Patienten mit auf den (Lauf-)Weg geben
Medscape, 7. Sep 2017

Diese Empfehlungen stützen sich auf die bisher ausgewerteten Daten von Karam et al. zu 18.306 Fällen im Großraum Paris (seit 2011). 15.216 plötzliche Herzstillstände ereigneten sich außerhalb von Krankenhäusern. 13.400 Patienten waren erwachsen (18 bis 89 Jahre alt) und theoretisch in der Lage, Sport zu treiben. Aber nur bei 154 von ihnen (1,1%) gab es einen zeitlichen Zusammenhang des plötzlichen Herzstillstands zu sportlicher Betätigung.

Ergebnisse:
a) Plötzlicher Herztod bei Sport ist sehr selten: nur 3 – 8 Fälle pro 100.000 Personen; meist liegt eine unerkannte koronare Herzerkrankung zugrunde;
b) Primär sind Männer betroffen: 96 % Männer, nur 4 % Frauen; primär jüngere Männer sind betroffen (Durchschnittsalter 51 Jahre)
a) Warnzeichen waren bei mehr als 2/3 vorausgehend:
„71 Prozent der Patienten in unserer Studie hatten vor dem Ereignis bereits kardiovaskuläre Symptome. Davon hatten 80 Prozent Thoraxschmerzen. Viele litten auch an Palpitationen oder hatten bereits Synkopen erlebt“.

Typischer Thoraxschmerz:
- Schmerz oder Druckgefühl vor dem Herzen
- Besserung der Symptomatik in Ruhe (oder bei der Gabe von Nitroglycerin)
- Verschlechterung der Symptomatik bei Stress oder körperlicher Anstrengung

Palpitationen:
Herzklopfen dominiert von starkem, pochenden Pulsschlag in der Brust oder im Bauch, häufig ebenfalls im Hals- oder Kopfbereich

Synkopen:
Kreislaufkollaps, ein kurzer, spontan reversibler Bewusstseinsverlust; ggf. in abgeschwächter Form Schwindel ggf. mit Atemnot

Wichtig: Treten derartige Warnzeichen auf, sollte nicht einfach weiter gesportelt werden, wie es leider oft (vor allem bei Männern?) passiert, sondern Sport unterbrochen und baldmöglichst eine Arztpraxis aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären.

Grüße und gutes Laufen, um uns nebenbei auch vor Herzerkrankungen zu schützen ;-)

waldboden

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Danke für die Info

bedeutet für mich vor allem:

- keine Panik! Es kommt immernoch sehr selten vor!
- trotzdem aufmerksam bleiben und aufs Körpergefühl achten
- mit 51 gelte ich also noch als "jüngerer Mann"! YMMD!
- im Zweifelsfall immer ein Portion Nitroglycerin dabei haben kann nie schaden! ;-)

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Danke

Danke für das Erklären auch der Fachbegriffe. Es ist für mich wichtig, im Zweifelsfall richtig zu handeln oder anderen gut zu einem Arztbesuch zu raten.

Aber die Tatsache dass es selten vorkommt ist schön beruhigend.

Cmag16

Ich habe das einmal erlebt

bei einem Arzt (Internist!) und versierten Läufer, der von seinem (sehr seltenen) Herzfehler vermutlich gar nichts wusste, so seine Familie. Er war tot bevor er auf dem Boden aufschlug, sofortige Reanimierungsmaßnahmen (RTW stand 150m weiter...) blieben leider ohne Erfolg. Ergebnis der Obduktion: er wäre an dem Tag auch beim Zeitungslesen gestorben.
Ich denke, solange man sich an ein paar Vorsichtsmaßnahmen hält (regelmäßig BelastungsEKG) und auf seinen Körper hört, kann man nicht sehr viel mehr machen. Letztlich ist man wohl eher im einsamen Training gefährdet als bei einer Massenlaufveranstaltung, wo überall Sanis stehen. Jedenfalls ergab das mal eine Runner's Studie.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

DANKE!

Ich finds gut, wie du uns mit den Studien auf dem Laufen hälst! Schon allein, dass man mal wieder drüber liest, macht uns vorsichtiger und umsichtiger und lässt uns nicht in dem Glauben, man benötige keine ärztlichen Untersuchungen, weil man sich ja so wahnsinning gesund verhält.
Dass Männer eher betroffen sind als Frauen führe ich auch darauf zurück, dass auch heute noch nur wenige Männer die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, hingegen die Frauen meist regelmäßig zum Arzt gehen. Wir sind es gewohnt, wenigstens zweimal im Jahr den Doc aufzusuchen, und sei es nur, um sich die Pille verschreiben zu lassen;-) Diese Routine treibt uns dann auch gleich zum jährlichen Check beim Hausarzt.
Nutzt alle brav die Vorsorgeuntersuchungen!

Lieben Gruß
Tame

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