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Als ich vor 2 Jahren morgens vor dem Start des Zugspitz Basetrail XL in Mittenwald an der Toilettenschlange angestanden hatte, hatte mir eine andere Läuferin empfohlen, dass ich, wenn mir der Basetrail XL gefallen würde, unbedingt auch mal beim Karwendelmarsch mitmachen sollte. Aber wieso heißt das denn Marsch?, hatte ich nachgefragt. Weil der ursprünglich mal ein reiner Wanderwettbewerb gewesen sei, inzwischen darf man da aber auch laufen oder eben laufwandern, ganz wie man möchte, hatte ich zur Antwort bekommen. Und es gebe dort eine 35km- und eine 52km-Strecke.
Nun, bekanntermaßen hatte es mir trotz Dauerregens und wegen Schneefall in den Höhenlagen gekürzter Strecke beim Basetrail XL so gut gefallen, dass ich im Folgejahr gleich nochmal dahin wollte, um schließlich die kompletten 39km zu laufen, die definitiv die landschaftlich reizvollste Laufveranstaltung war, die ich je mitmachen durfte.
Aber den Karwendelmarsch behielt ich als Empfehlung im Hinterkopf. Und jetzt war die Zeit reif, ihn zu meinem Trailrunningevent des Jahres auszuwählen.

Als niedersächsische Flachlandtirolerin wollte ich in Tirol auf der 35km-Strecke mit ca. 1800 Höhenmetern antreten, um die Schönheit des Naturparks Karwendel zu erleben.

Der Karwendelmarsch-Veranstalter lässt 2500 Teilnehmer auf die Strecke; die Veranstaltung war schon Wochen vorher ausverkauft. Ich hatte mich schon frühzeitig, Ende letzten Jahres für mein Trailrunning-Jahreshighlight angemeldet.

Mein Schatz brachte mich am sehr frühen Morgen des Renntages in Seefeld zur Abfahrtsstelle des Busses nach Scharnitz, dem Startort des Karwendelmarsches. In Scharnitz traf ich mich wie verabredet mit meiner Jogmap-Lauffreundin Eli. Wir wollten zusammen starten und uns je nach Leistungsvermögen eventuell später auf der Strecke trennen, wenn eine schneller wollte und könnte als die andere. Ich war gerade frisch von einem Schnupfen genesen. Daher wollte ich bewusst etwas verhaltener an diesen Lauf herangehen und nicht an meiner Leistungsgrenze powern.

Um punkt sechs Uhr, noch vor dem Sonnenaufgang fiel der Startschuss, und ein beeindruckendes Feld von 2500 Läufern und Wanderern setzte sich in der beginnenden Morgendämmerung in Bewegung.
Eli und ich wollten leichte Steigungen, ebene Wege und alles bergab laufen und alles andere gehen sprich wandern.
Nun, zunächst steckten wir aber in einem breiten Wandererfeld fest. Obwohl die anfängliche Strecke laufbar gewesen wäre, war die ersten 3 bis 4km kein Laufen möglich. So wanderten wir also mit im bunten Menschenstrom. An ein Überholen war nicht zu denken. Unserer guten Laune tat das keinen Abbruch. Wir quasselten und nahmen den Sonnenaufgang als allmähliches Hellerwerden war. Als das Feld etwas lichter wurde, konnten wir nach und nach auf dem breiten Forstweg auch, durch die Wanderer hindurchschlängelnd, laufen. Nur vor den Spitzen der etlichen, nach hinten ausgestreckten Wanderstöcke mussten wir uns in acht nehmen. Unsere Wanderstöcke steckten derweil noch im Rucksack, wir brauchten sie noch nicht.
Nach knapp 10km in gut 1 1/2 Stunden gab es am Schafstallboden den ersten Verpflegungspunkt. Sehr lecker fand ich den an allen VPs frisch gekochten Kräutertee. An jedem VP mussten wir uns zudem unsere Stempelkarte zwecks Durchgangskontrolle abstempeln lassen.
Schnell zogen Eli und ich weiter, liefen im Slalom durch die wandernden Teilnehmer und schossen auch schon die ersten Bilder, z. B. von einem kleinen Wasserfall, der die Karwendelwand hinunterfloß und mich an Norwegen erinnerte, oder von den mystischen Nebeln, die über den Almwiesen schwebten.
Dann ging es in den ersten Anstieg und nun kamen auch unsere Wanderstöcke zum Einsatz. In den nächsten ca. 5km waren etwa 600 Höhenmeter zu absolvieren. Alles aber noch auf breiter Forststraße. Wir kamen verdientermaßen ins Schwitzen und an besonders schönen Aussichtspunkten verweilten wir kurz zum Durchatmen und für ein Foto. Viele der Wanderer, die wir vorher laufend überholt hatten, schritten nun kraftvoll wieder an uns vorbei. Die konnten wahrhaft besser Steigen als wir. Respekt!
Wenn wir nun einen Blick ins Tal werfen konnten, sahen wir tief unten immer noch einen bunten Wandererlindwurm auf dem Wege. Und wenn wir einen Blick auf einen höheren Wegabschnitt erhaschen konnten, bot sich uns das gleiche Bild. Wir waren mittendrin von diesem tollen Event hier im Naturpark Karwendel.
In einer Höhe von 1771m erreichten wir unseren zweiten Verpflegungspunkt, das Karwendelhaus. Hier gab es erstmals die selbstgemachten Biomüßliriegel oder -fruchtriegel, total lecker. Und ich genoss die angepriesene Kartoffelsuppe aus glücklichen Kartoffeln, großartig! Und wieder gab es neben Wasser den leckeren Kräutertee.

Die nächsten 6km ging es dann wieder bergab, das hieß für uns: Laufen. Jedenfalls so, wie es wegetechnisch und von den Mitläufern und Mitwanderern her möglich war. Hatte ich erwähnt, dass wir eigentlich relativ viel am Quasseln waren, nun, nicht die ganze Zeit und ununterbrochen, aber schon recht viel. Zugleich schulte ich mein Gehör im Schwäbisch-Verstehen. Und wenn ich mal was nicht verstand, fragte ich nach. A bissele :-) Wir waren nachwievor auf relativ breiten Wanderwegen unterwegs, die aber mit ziemlich groben Schotter und Steinen bedeckt waren, ein nicht so angenehmer Laufuntergrund, fand ich. Nach insgesamt 24,2km und 4:16h kamen wir am Kleinen Ahornboden (1399m) am dritten VP an. Lecker Müßliriegel, ein Salztütchen, eine Banane, Kräutertee, Foto, eine WhatsApp an meinen Schatz, wo wir inzwischen sind (die ohne Netz da im Gebirge aber nicht rausging), und weiter.

Und jetzt begann der richtig schöne, grandiose Abschnitt des Karwendelmarsches. Der Abschnitt, wegen dem ich diesen Lauf im Nachhinein zu meinem Alpentraum erklärt habe. Die nächsten 6km ging es 450 Höhenmeter bergan. Ich war voller Energie, fühlte mich stark und kräftig. Nun konnte man zunächst auch nur im Gänsemarsch hintereinander steigen. Ich war dankbar für die Unterstützung durch die Wanderstöcke, als es zunächst den bewaldeten Bergsattel hochging. Und dann kamen wir in diesen bezaubernden Almbereich. Sattgrüne Almwiesen soweit das Auge reicht, herrliches Sommerwetter mit strahlendblauem Himmel und vereinzelten Schäfchenwolken. Und ich durfte dort mittendrin sein, mich dort in meinem Tempo bewegen und all das in vollen Zügen genießen. Ist das hier nicht einfach wunderschön?, fragte ich Eli, und das nicht nur einmal. Ist das nicht großartig, das wir hier all dies genießen können? Diese dutzenden Schattierungen von grün! Es ging stetig bergan und der Schweiß rann, weil es so warm war. Aber ich spürte diese Anstrengung kaum. Ich war mittendrin im Flow und war eins mit der Natur. Und freute mich über die Kühe und ihr vielstimmiges Glockengebimmel.
Wenn es mal wieder besonders schön war, machte ich ein paar Bilder, aber die können das Ganze nicht in echt einfangen. In echt war alles noch viel schöner!
Als Eli meinte, sie könne nicht mehr, sagte ich: wir sind in 9 Minuten am nächsten VP, der Falkenhütte. Unten habe ein Schild gestanden: 45min bis zur Falkenhütte, und von diesen 45min sind nur noch 9 Minuten übrig.
Ein Mitwanderer, der meiner Erklärung lauschte, meinte daraufhin: wir könnten jetzt also auch 9 Minuten hier stehenbleiben, dann sind wir auch an der Falkenhütte, wenn das da so gestanden habe, dann stimme das auch; und schließlich sei die Erde ja auch eine Kugel und die Hütte drehe sich uns dementsprechend entgegen. Wir lachten herzlich zusammen.
An der Falkenhütte, dem mit 1848m höchsten Punkt der Strecke, aß ich nun auch ein Käsebrot und ein Wurstbrot, füllte eine meiner zwei Trinkflaschen auf, denn die Trinkblase war mittlerweile auch leer. Und trank wieder leckeren Kräutertee und nahm einen Salzstick. Und nach 5:50h Gesamtzeit ging es auf den letzten Streckenabschnitt.
Es lagen nur noch 6km vor mir und in mir regte sich wirklich ein bisschen Bedauern darüber, dass der schöne Lauf ja nun bald vorbei sei. Zunächst ging es bergab, aber Eli meinte, sie wolle jetzt nicht mehr rennen, ich soll mal losrennen, wir würden uns dann im Ziel wiedertreffen. Okay, so hatten wir es vereinbart. Ich hatte Lust auf und starke Beine fürs Laufen, also zog ich von dannen. Es war jetzt gegen 12:00 Uhr Mittag und es war sommerlich warm. Aber unser Streckenabschnitt ging jetzt wahrhaft alpin an einer schattigen Wand des Karwendelgebirges entlang. Technisch war es nun immer mal wieder anspruchsvoll. Das machte so richtig Spaß! Und immer wieder diese grandiosen Aussichten! Ich war eins mit mir und meinem Körper, im Flow, spürte die Anstrengungen kaum. Yeah, ich bin eine Flow-Finderin! Es ist doch immer wieder sinnvoll, Bücher zum Mentaltraining zu lesen. Wenn die notwendige Anstrengung mit dem eigenen körperlichen Leistungsvermögen ideal zusammenpasst, dann entsteht Flow.
Nach einem letzten Gegenstieg lagen schließlich noch 3km Downhill vor mir. Eine wunderschöne und wieder technisch anspruchsvolle Strecke, Singletrail vom Feinsten. Ich genoss noch einmal hochkonzentriert diesen wunderschönen Karwendelmarsch.
Dann war mein Ziel zusehen: die Eng-Alm auf 1227m Höhe. Ich flog bergab.
Auf den letzten Metern durchflutete mich die Zieleinlauffreude. Ein breites Lächeln im Gesicht und das Herz voller Freude überlief ich nach 35km im 7:04:47h die Zeitnehmermatte. Was für ein schöner Lauf bei diesem perfekten Sommerwetter durch diese grandiose Landschaft! Und von den 144 Frauen, die den 35km-Marsch gefinisht haben, belegte ich Platz 33, womit ich super zufrieden bin.

Aber was ich am Allererstaunlichsten fand: ich hätte mir nach der erneuten Verpflegung durchaus zugetraut, noch bis Pertisau, sprich die 52km-Strecke, weiterzulaufen.

Als Zielpräsent gab es eine schöne Medaille, ein tolles Stirnband und eine Karwendelmarsch-Sonderabfüllung eines Fußbalsams und eines Hauttonikums mit Tiroler Steinöl, sehr stilvoll, finde ich!

Schon bald nach mir kam auch Eli glücklich und zufrieden in Ziel.

Mein Schatz hatte den weiten Weg zur Eng-Alm mit dem Auto zurückgelegt, um mich dort abzuholen. Darüber freute ich mich sehr. Und auf der Rückfahrt durfte er sich Elis und mein munteres Geplapper über unseren Alpentraum anhören.

Sonnenblume2
Laufend fit und gut drauf!

4.916665
Gesamtwertung: 4.9 (12 Wertungen)

Was für ein toller Bericht.

Was für ein toller Bericht. Alles perfekt gelaufen würde ich sagen. Das macht Lust auch mal da vorbei zu schauen.
Glückwunsch zu deinem tollen Erfolg alles so locker gemeistert zu haben.

Kartoffelsuppe aus glücklichen Kartoffeln!

*glucksvorlach!*:-)))
Liebe Sonnenblume, diesen Lauftraum habt ihr meisterhaft hinbekommen! Da ich ja eigentlich auch starten wollte und du eigentlich sogar die volle Distanz hättest laufen können, müssen wir drei reden!;-)
Ein beeindruckender, fesselnder Wettkampfbericht, der einen beim Lesen zappelig werden lässt und unglaubliche Lust auf diesen "anstrengenden Spaß" macht! Nichtsdestotrotz ist er eine große Herausforderung und kein Kindergeburtstag! Ganz herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen Leistung! Platz 33, Wow!

Lieben Gruß
Tame

Wunderbar!

Den Lauf/Marsch habe ich auch schon länger auf dem Schirm. Für Trailnieten wie ich mich ist so etwas genau passend ;-) Danke, dass du mir das Ganze wieder schmackhaft machst ;-))

He, das habt ihr super hinbekommen. Und wenn man am Ende denkt, da wäre noch mehr drin gewesen, dann war wohl alles richtig. Fünf Sterne von mir!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Flow-Finderin

Ich habs ja immer gewußt beim Lesen deiner Blogs: Dein Leistungsvermögen passt perfekt zu der von dir gewählten Aufgabe, oder Du hast dich eben sehr passend vorbereitet!
Noch wichtiger: Du hast es genossen! Und dazu bereit zu sein und nicht zu verkrampfen ist auch eine deiner Stärken, denke ich...

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Was für ein schöner Bericht.

Ich hatte den Karwendelmarsch schon dieses Jahr im Kalender stehen. Jetzt geht es nächstes Jahr hin. Ganz sicher. Hat richtig Spaß gemacht deinen Bericht zu lesen. Das klang nach richtig glücklichem Laufen. Hach, einfach herrlich!

Grüße
Stefan

Wunderbar,

und schön, dass dein Schnupfen sich noch rechtzeitig verzogen hat.

Tolles gemeinsames Lauferlebnis!

LG,
Anja

Bei schönem Wetter

sind solche Veranstaltungen einfach ein landschaftlicher Traum - auch für meine Augen.

Wie schön, dass Du den Flow genießen konntest und der Schnupfen sich so gerade rechtzeitig verzogen hatte.

Die Platzierung spricht von einer tollen Leistung. Gebirgler können einfach anders marschieren als Flachlandtiroler. Da fehlt und ein wenig die Übung.

Danke für den tollen Bericht!

Herzlichen Glückwunsch!

das hast Du mal wieder richtig gut hinbekommen!

Gruß Nicole

Küstenschwalbe trifft Schwäbin

Kopfkino! Ein Dialog zwischen Zweien mit extrem unterschiedlichem (bzw. garkeinem) Dialekt inmitten Bilderbuchkulisse. "Nebenbei" mal eben 35 km mit unfassbar vielen Höhenmetern absolviert.
Klingt nach einem gelungenen Tag!
Und nächstes Jahr die 52?

Viele Grüße, Conny

Super!

Glückliche Kartoffeln, Flow-Finderin - herrlich! Man lernt nie aus. ;)

Herzlichen Glückwunsch zu diesem wundervollen Erlebnis. Das war Deinem Bericht nach zu urteilen ein 100 % Lauftraum!
Ich sehe Dich nächstes Jahr schon die 52 Km- Strecke absolvieren - wäre nur logisch!

Du schreibst von "Mentalbüchern". Kannst Du mir mal einen Tipp geben, welche besonders lesenswert sind?

Eine schöne Woche zum genießen und relaxen wünsche ich Dir!

chiun

Liebe Anja, eigentlich ist

Liebe Anja,
eigentlich ist alles gesagt. Einfach nur schön!
Und uneigentlich würde ich ja auch gerne.....aber ich werde es wie fazer halten. Trainieren und nichts melden. ....
Ich freue mich sehr für dich zu diesem gelungenen Lauf :-)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Sehr schöner Bericht zum

Sehr schöner Bericht zum "mitlaufen" ;) Ich wette, die anderen 2499 Läufer/innen haben es ebenso genossen! Das klingt nach guter Krafteinteilung. Bei solchen langen Läufen muss man es erstmal schaffen früh das richtige Tempo zu finden und nicht zu überreizen.

Alpentraum

Man sollte Überschriften schon richtig lesen. Dann hätte ich nicht die ganze Zeit darauf gewartet, daß der Alptraum beginnt und es schlimm wird :-)
Sehr schöner Bericht über einen anscheinend sehr lohnenden Lauf!
Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch!

Ich bin dann mal weg

"Mentaltraining für Läufer"

...von Michele Ufer fand ich z. B. sehr gut.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ich danke Euch von ganzem Herzen

...für Eure Kommentare und Glückwünsche!
Ob ich nächstes Jahr die 52km in Angriff nehme, weiß ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Ich liebäugele ja mit dem Marathon beim Mozart 100 rund um und in Salzburg.

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

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