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Obwohl ich den Husten nicht loswurde fuhr ich am Freitag mit dem Zug nach Immenstadt. Ich fühlte mich schlapp und lustlos. Meinen einzigen verbleibenden Triathlon dieses Jahr wollte ich mit gebremstem Schaum durchziehen - das hatte ich Julia quasi posthum versprochen. Dass es gehen würde hatte ich am Wochenende in drei Tagen hintereinander mit je einer Disziplin in (fast) WK-Länge getestet. Heißt: ich war Sonntag geradelt, Montag im See geschwommen und Dienstag gelaufen. Mittwoch nochmal was Rad und Donnerstag was laufen mit kleinen Temporeizen - Tasche packen.

Hier war es gut, dass ich am Freitag noch Zeit hatte und mir die Seite nochmal anschaute. Startnummernband, Chip, Startpass - alles notwendige Utensilien. Ich merkte, dass mir die WK-Routine fehlt (nach über einem Jahr WK-Abstinenz kaum ein Wunder). Dann saß ich, ausgestattet mit allem was Regen abhielt (Allgäu hat jedes Jahr "Wetter"), im Zug, der Richtung Immenstadt ratterte. Die Sonne kam raus - ganz ungewohnter Anblick, war es doch die letzten Tage eher grau und feucht gewesen. Und die Laune hob sich.

So sah das Allgäu gleich viel besser aus, als ich es vom einen total verregneten Urlaub in Erinnerung hatte - grün, hügelig, bayrischer Himmel (blau-weiß). Meine Gastgeber hatten mir eine Wegbeschreibung geschickt und auf dem Weg vom Bahnhof dorthin fuhr ich erstmal zur noch geöffneten Startnummernausgabe.

Mit riesiger Tasche bergauf zur Unterkunft war dann die nächste Übung. Natürlich mit Rad, weil mir das Laufen an der Straße entlang zu langweilig war. Nette Unterkunft - also falls mal jemand dahin will. Gut ausgestattet mit allem, was man für ein Wochenende braucht. Nette Leute, die sich nach dem Wettkampf erkundigten wie es war. Abends gab es ein Gewitter mit Hagel, was "über Nacht" den See um 4 Grad abkühlte - und damit die "unerwartete" Neo-Freigabe sicher machte.

Samstag runter nach Immenstadt, um die "Messe" zu besuchen (ich brauchte noch Neo-Kleber) und das Wettkampfgelände zu sondieren. Dabei gleich noch ein Neo-Testschwimmen im See mitgemacht, um die Wasserqualität zu checken. Danach zur sehr empfehlenswerten Wettkampfbesprechung (mit vorhergehender Pasta-Party). Da kamen ein Herzog und der Hofmarschall und verkündeten die "Regeln des Turniers" für die "Ritter der Pedale", König Frodo hatte seinen vielbejubelten Auftritt und ich traf viele nette Menschen. Und da wir 15 Minuten Vorsprung haben würden dachte ich "der muss erstmal an MIR vorbei" :hihi:

Abends per Anhalter (der Bus fährt nur dreimal am Samstag) wieder rauf, alles vorbereiten, ab ins Bett und Wecker gestellt, der mich auch brav um 5h weckte. In Ruhe frühstücken, Plörren ergänzen, Rad aus der Scheune holen und zum Start runterrollen. Dabei Jacke über - einstellige Temperaturen. In der Wechselzone eine gemeinsame Bekannte von Julia und mir getroffen, mit ein paar Mädels geplaudert, nach offizieller Durchsage wegen Kälte in den Neo gepellt. Und dabei festgestellt, dass ich alles mögliche vergessen hatte:
Handtuch - hing noch vom Trocknen vom Vortag im Zimmer; übersehen
Ärmlinge - hatte mich ja auf Regen und Jacke eingestellt
Windweste - s.o.
Wechselsocken
Nun ja, das Wechselshirt tut es als Handtuchersatz. Beim Duschen lieh mir dann eine Mitstreiterin ihr gebrauchtes Handtuch und am Nachmittag war es auch ohne Shirt nur mit Jacke warm genug. Nur beim Radeln hatte ich Bedenken wegen Wind und Bronchien - die sich aber letztendlich als unbegründet erwiesen. Da nach ein paar Regentropfen die Sonne rauskam beschloss ich nach dem Schwimmen kurzerhand im Achselshirt zu fahren und die Jacke in der Wechselzone zu lassen.

Der Schwimmstart erfolgte in 3 Wellen. Die Damen (gut 100 an der Zahl) hatten den Vortritt und so hievte ich mich nur wenige Meter neben Daniela Ryf (leicht erkennbar am schwarzen Neo und pinker Badekappe, wie dem Interviewer mitgeteilt wurde) ins Wasser. Ich weiß das auch nur, weil der quasi nen Meter von mir entfernt das Interview machte :grins:.

Schon vorher hatte ich mir Zeiten überlegt und mit meiner Schwester, die evtl. auf dem Heimweg vorbeikommen wollte, kommuniziert. Ich hatte ihr 6-7h angedroht bei ca. 3,5h Rad (bei 1400 hm und mit dem Wissen, dass eine sehr gute Triathletin, die im Kraichgau über 15 min auf dem Rad schneller war, im letzten Jahr über 3h gebraucht hatte und ich nicht fit - mangels Training - und nicht voll leistungsfähig -aufgrund Bronchien / Husten - war). Schwimmen hatte ich zwischen 45-50 min gerechnet, Laufen um 2h.

Eine Frau saß auf dem Surfbrett und hielt die Kanone in die Luft. Pinker Qualm waberte über den sonnenbeschienenen See - und dann ging es "PENG" los. Ich hatte mich hinten einsortiert und es schwamm sich gut im klaren Wasser des Sees, mit Blick auf die grünen Hügel, den blauen Himmel, die schöne Natur. Das Wasser hatte eine akzeptable Temperatur (es sollen 19,9 Grad gewesen sein).

So schwamm ich hinter den anderen her und erwischte einen Wasserschatten, in den ich mich hängte. Die wollte nicht so recht und trampelte mit den Füßen. Wurscht, bissl weiter rechts - und dranbleiben :kicher:. So zog ich Richtung erster Boje, rum, Richtung Hafen, wurde überholt; meinerseits dranbleiben! - der Einstieg dahin war etwas schwierig vom Wasser aus erkennbar. Anhand der Leinen dazwischen konnte ich mich dann aber gut orientieren, hatte nur vergessen dass der Ausstieg rechts war. So wurde sie vor mir aus dem Wasser gehoben (da war eine Stufe zum Steg) und dann ich. Und während ich noch so halb schwindelig da hoch trottete dachte ich "ey, fazer, bissl joggen kannste schon" und joggte an ihr vorbei und über die Rampe ins Wasser rein. Dabei sah ich noch einige pinke Badekappen auf dem Weg zum Landgang hinter mir (ha, nicht LETZTE!). Und weil ich vorher noch so das Bild im Kopf hatte, dass Frodeno mich beim Landgang überholen würde fühlte ich mich gut. Ich schwamm aus dem Hafen raus, an der Fontäne vorbei, unter dem Steg durch (hatte ich auch am Vortag getestet), bewunderte die Männer, die sich im Einschwimmbereich befanden und dachte so "hey, noch keine 30 min?" bevor dann irgendwann zwei, drei grüne Badekappen in Wasserschattenformation an mir vorbeischwammen. Frodeno hat mich aber nicht erkannt :lach - ich ihn auch nicht:. Und ich fühlte mich wie ein Schwimmkönig! So viel Schwimmstrecke hatte ich geschafft! Ich schwamm also zur letzten Boje - immer wieder von grünen Badekappen als Phalanx überholt - und trottete dann etwas unmotiviert durch das knietiefe Wasser zum Ausstieg und hoch zur Wechselzone. Ging gar und versuchte den Neo von den Armen zu kriegen und dabei den Rest nicht aus der Hand zu verlieren. Wettkampfroutinen-Mangel.

Am Rad bekam ich den Neo kaum von den Füßen. Irgendwann geschafft, Uhr ans Rad, Helm auf, Nummer um, Socken und Schuhe an - und ab die Post zum Aufstieg. Und dann ging es bei Kaiserwetter auf die reizvolle, "selektive" Radstrecke, bei der wir zwei Runden fahren durften. Sie war als "härteste Radstrecke Deutschlands" angepriesen worden. Also auf zum Kalvarienberg. Die Zuschauer standen zu beiden Seiten der breiten Straße, aber nicht darauf, und bimmelten, klatschten, schrien, ... uns da hoch. Der Hammer! Eine schöne Abfahrt mit gebremstem Schaum (bin Bergabschisser), wieder Anstieg, Abfahrt, langer Anstieg, steiler Anstieg, durch schöne Gegend mit netter Aussicht (wenn ich zu schnell fuhr musste ich halt husten und das bremste sowohl bergauf als auch geradeaus). Wir witzelten untereinander, ich überholte, wurde überholt, Stille und Landschaft, Kühe, Gebimmel wie ein Orchester, Ortschaften mit viel Publikum, Bauernhöfe mit Anfeuernden davor - sehr, sehr schön. Mir gefiel das außerordentlich gut. Und so ging ich in die zweite Runde, rauschte zum zweiten Mal in Sichtweite meiner Unterkunft vorbei und dann in die Wechselzone, wobei man viele bereits laufen sah. Die unterschiedlichen Distanzen waren hier schon vermischt, so dass weder eine Position noch sonst etwas erkennbar war.

Rein in die Wechselzone und da die Wiese nass und matschig war mit Schuhen. Wechseln auf die Laufschuhe, gucken wo lang (hatte ich vorher verpennt) und dann mal los auf die Laufstrecke. Da fiel mir auf, dass ich die Uhr am Rad gelassen hatte - jetzt auch egal. Schönes Wetter, nicht zu heiß, da es zwischenzeitig auch mal bewölkt war. Man lief am See entlang den anderen entgegen, die bereits auf dem Rückweg waren. Natürlich gab es auch alle Nasen lang Verpflegung und hier auch Schwämme. Ich merkte recht schnell, dass ich nicht schneller konnte weil gleich der Husten losging. Natürlich versuchte ich mit einer anderen mitzuhalten, ließ sie dann aber ziehen, um innerlich ein wenig zu grummeln, aber dann trotzdem das Leben zu genießen - denn dazu war ich ja hier. Vor allem freute ich mich, dass es mir körperlich so gut ging, dass ein Finish nur eine Frage der Zeit war.

Nach dem Rückweg am See mit wunderschönem Blick auf die Hügel und den Grünten ging es dann über eine Matte auf der Wiese Richtung berühmt-berüchtigtem Kuhsteig, an dem lt. Moderator auch Sebastian Kienle letztes Jahr gegangen war. Da es ja um nix ging - Gehen wäre schneller gewesen - tippelte ich den hoch und grinste mir einen dabei. Kann man machen - muss man nicht. So verrückt wie die ganze Aktion hier. Richtung Innenstadt und Marktplatz, schön durch Grün über eine schattige Schotterstrecke. Retour und dann nur noch Richtung Ziel. Auf dem Weg dahin kamen mir schon einige Finisher entgegen - teilweise auf Rädern auf dem Weg zur Dusche (den kostenlosen Radshuttle nutzte ich dann später auch). Und da hörte ich den Sprecher, der ankündigte die jetzt Einlaufenden würden unter 6h bleiben - hä??? Das hatte ich nicht kalkuliert. Und so schwebte ich die letzten Meter zum Ziel, klatschte noch einen Jungen im Zielkanal ab, der da stand - und sich drehte und die Hand ausschüttelte, wie man auf dem Finishervideo sieht - um dann einmal kurz die Faust zum Himmel zu ballen - yeeeaaaaahhhh, geschafft - bevor ich mir von einem kleinen Mädel die Medaille um den Hals hängen ließ und vom Rennleiter beglückwünscht wurde. Danach ging ich Richtung Verpflegung, die reichlich und liebevoll aufgebaut war. Duschte, ließ mich massieren, feierte mit den Meistern (es waren Deutsche Meisterschaften, aber ich hatte nicht mit einer Platzierung gerechnet).

Mit Platz 5 war ich nicht mal Letzte AK geworden - von den 7 Starterinnen kamen 6 ins Ziel.

Die nackten Zahlen (597 Finisher bei 688 Meldungen, davon 95 von 113 Frauen):
Schwimmen 0:43:54 h (Bestzeit auf 1,9 mit Landgang; lt Ansager 2km, gem. 2,1km)
W1 4:33 min
Rad 3:10:45 h (84 km; ca. 1400 hm)
W2 1:55 min
Lauf 1:50:08 h (20 km; ca. 300 hm)

Platzierungen: W nach S 81, nach R 65, nach L 56
Gesamt nach S 524 - nach R 471 - nach L 398.

Laufen war allen Widrigkeiten zum Trotz meine beste Disziplin.

Am nächsten Tag bin ich allerdings mit Achillessehnenproblemen rumgehumpelt. Von 0 auf Halbmarathon (oder auch nur 20km) in 2 Wochen waren nicht prickelnd und nicht vernünftig. Und da war ich froh, dass ich nicht in 3 Wochen Marathon laufen "muss" bei einer LD. Wer weiß wie das ausgehen würde!

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Achillessehne ist doof

aber der Rest klingt prima! und für Julia sowieso.

Meinen Glückwunsch hast du!

P.S: ich stehe auf dem Hamburg Shirt neben Daniela Sämmler - dem Alphabet sei dank *brüllvorLachen*

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Herzlichen Glückwunsch!

Nein, vernünftig war das vielleicht nicht.
Aber Du hast es genossen und manchmal ist Vernunft nicht angesagt.
Die Beschwerden werden vergehen und die Erinnerung an diesen schönen Wettkampf bleiben!
Erhol Dich gut!

Ich bin dann mal weg

Kanone du! :-))))

Daniela Sämmler kann sich glücklich schätzen, neben dir stehen zu dürfen!:-) Du warst spitze!
Wie geil lief denn dieser Tria? Wow! Klar hast du so dies und das vergessen, das fazer-Label halt (an wen erinnert mich das bloß? *kicher!*), aber unterm Strich war es DEIN Wettkampf! Herrlich gekämpft und genossen zugleich. So muss das! Ich freue mich riesig für dich und für deine goldrichtige Entscheidung!
Jetzt alles Gute der Achillessehne! Immer schön die Treppenübungen machen, dann gibt sie wieder Ruhe;-) Von 0 auf volle Pulle mag die Sehne wirklich nicht!!!

Lieben Gruß
Tame

Ähhh...

Vernunft?????

Was'n das, ihr kennt ja Worte...

Herzlichen Glückwunsch zu den Zeiten,trotz Husten, auch von mir.

aloahe

Unter 6 h

bei dem Profil - Hammer.
Ich war letztes Jahr auch dort, allerdings auf der Babydistanz. Mir hat es auch unheimlich gut gefallen, besonders die Wettkampfbesprechung.

Erhol dich gut, du Unerschütterliche!

LG,
Anja

Gratuliere

gut gemacht. Freut mich, dass es ging.

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Herzlichen Glückwunsch!

Trotz Bronchitis etc. so ein Ergebnis. WOW!
Selbst gesund ist es schwer diese Distanz bei diesem Profil in der Zeit zu finishen.
Wunderbar gemacht und wie ja allgemein bekannt: Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt! ;)

Gute Erholung wünsche ich Dir.

chiun

Also eins muss man dir ja

Also eins muss man dir ja lassen: du bist echt ne Wettkampfsau :-)))
Trotz aller widrigen Umstände so ein Ergebnis hinzulegen, zeugt schon von Kampfgeist und Professionalität .
Herzlichen Glückwunsch!
Wer immer auch Julia ist, sie kann stolz auf dich sein :-)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Ein Versprechen für nächstes Jahr, oder?

Dieser Wettkampf sollte dich doch motivieren, dass du zu einer für dich zufriedenstellenden Form zurückfindest! Ich finde die Zeiten sehr respektabel, in einem scheinbar sehr stark besetzen Feld bist du doch solide platziert! Triathlon kann so cool sein und wie es sich liest, konntest Du alles Positive mitnehmen!
Schüttel mal das fazer-label ab, werd ganz gesund und dann geht's steiler als der Kuhsteig bergauf für dich!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Ja, stimmt

@strider: auch eine sehr schöne Erinnerung :lach:

@benbohne: danke!

@Tame: die mache ich täglich - nützte aber nichts. Stimmt, so viel Steigerung mag sie nicht. Aber im April war ich schon bis 25km. Schmerzfrei, immerhin. Hinterher immer nen bissl: mal Morgensteifigkeit, mal etwas humpeln beim "Angehen". Die Einlagen helfen auch nicht, um es ganz weg zu kriegen.

@aloahe: danke!

@Anja: ja, die Wettkampfbesprechung war eines Besuches wert. Aber die ganze Location auch - bei gutem Wetter.

@Etu58: danke - mich hat es auch gefreut!

@chiun: richtig Bronchitis hatte ich nicht mehr, nur war sie auch nicht richtig weg. Eine Woche später aber immer noch nicht. Schränkt halt die Atemmenge noch ein. Und limitiert damit das Anstrengungslevel. Aber wie gesagt: richtig krank war ich nicht - und wäre ich auch nicht gestartet.

@brihoha: danke!

@nicksdynamic: Momentan tendiere ich dazu keine langfristigen, großen Pläne mehr zu machen. Zwei Jahre hintereinander reichen mit dem Stornieren. Einfach weiter trainieren - und dann vielleicht kurzfristig ne Kleinigkeit machen? Bin da noch nicht entschieden.

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