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Benutzerbild von Sirius

Berge? Nicht ganz. Zumindest würde dies von einem Großteil der hier vertretenen Läuferinnen und Läufer nicht so gesehen werden. Beim 47. Marathon „Rund um Wellen“ gibt es keine Gipfelkreuze und keine Klettersteige. Trotzdem kommt es mir so vor, als hätte ich meinen ersten Berglauf absolviert. Lange, nicht enden wollende Anstiege über 500 – 700 m (Länge, nicht Höhe) ist ein Flachlandtiroler wie ich nun mal nicht gewohnt. Wahrscheinlich haben diese Bodenwellen dem Lauf auch seinen Namen gegeben.

Eine sehr schöne kleine Veranstaltung mit viel Tradition. Immerhin handelt es sich um den viertältesten Marathon Deutschlands. Familiäre Atmosphäre. Kleines Startgeld. Dafür haben sogar die Urkunden einen Wert: 3,00 € muss man dafür bezahlen. Dafür sind sie mit viel Liebe (Schreibmaschine) geschrieben. Schöne Strecke, Sonne, angenehme Temperaturen, etwas Wind. Als Vorbereitung auf den Koblenz-Marathon starte ich auf der Halbmarathon-Strecke.

Dass es etwas hügelig wird wusste ich, auch wenn ich keine Ahnung hatte, an welchen Stellen es anstrengend wird. Aber überall, wo es hochgeht geht es irgendwann auch wieder runter. Und auf den Abfahrten lasse ich es laufen, hole die zuvor verlorene Zeit wieder ein.

Nach der Hälfte fühle ich mich noch recht gut und kann noch etwas zulegen. Die letzten fünf Kilometer ist die Strecke etwas freier und führt gegen den Wind. Ein älterer Läufer hängt sich in meinen Windschatten. Und zwar ganz geschickt. Kommt der Wind von vorne, läuft er direkt hinter mir. Kommt der Wind von schräg vorne, läuft er schräg hinter mir. Dabei eigne ich mich gar nicht als Schattenspender. Ich habe eine eher aerodynamische Figur. Abgesehen von meiner Hautfarbe und meinen Laufzeiten könnte ich fast als Kenianer durchgehen. Aber ihm scheint das zu genügen. Zumindest macht er keine Anstalten zu überholen. Irgendwann fragt er nach meiner AK.

„55“ meine Antwort. „Und selbst?“
„70“

Alle Achtung! Ich zolle ihm meinen Respekt und laufe weiter vor ihm. Schütze ihn mit vollem Einsatz meines Körpers vor dem bösartigen Sturm. Dem alten Mann muss man ja helfen. Der Endspurt wird dann aber mir gehören. So weit geht mein soziales Engagement nicht.

Bei Kilometer 19 kommt der nächste Berg... oder vielmehr die nächste Welle. Ich kann die Kuppe sehen. Sie ist endlos weit weg. Ich merke nun doch meine schweren Beine und werde deutlich langsamer. Da zieht meine Begleitung mit einer nie vermuteten Leichtigkeit an mir vorbei. Berg? Wellen? Gegenwind? Merkt er gar nicht. Alte Menschen sind in ihrer Wahrnehmung häufig etwas eingeschränkt. Ich hätte jetzt zwar die Möglichkeit mich in seinen Windschatten zu hängen, aber irgendetwas hält mich davon ab. Wie sieht das auch aus? Von einem Greis ins Ziel geführt zu werden. Vor allen Leuten. Das geht gar nicht.

Nach der letzten Welle komme ich irgendwann ins Ziel. Mit 1:41:13 h werde ich als Jungspund Erster meiner Altersklasse. So richtig kann ich mich aber gar nicht darüber freuen. Für die AK 70 hätte es nicht gereicht.

Gruß

Sirius
...der über Wellen rennt.

4.166665
Gesamtwertung: 4.2 (6 Wertungen)

Köstlich

dein Bericht, man fühlt mit dir mit! Ich hatte sowas mal bei einem 10km "flachen "Stadtlauf", hatte einen Vereinskameraden nach der zweiten von vier Runden aufgelesen und zum Mitlaufen animiert, gezogen, motiviert und gepusht. Auf den letzten 300m ließ er mich stehen und raste ins Ziel, 20 Jahre älter als ich. Bin ihm heute noch ein bisschen böse ;-))

He, das spricht nur von mehr Erfahrung bei ihm. Und du hattest die Vorbereitung, die du wolltest. Und beim AK Sieg steht nichts von höheren Altersklassen dabei ;-))) Und was soll ich sagen, wir haben hier die amtierende Weltmeisterin über Strecken bis 5000m, inzwischen in der AK 85 laufend, und mehrfache Weltrekordlerin. Über 3000m kriege ich sie nicht :-((

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Hahahaahaaaaa!

Ich bekomme mein Grinsen nicht aus dem Gesicht:-)) Großartig geschrieben und erlebt!
1:41:13 h und das mit Höhenmetern ist eine fantastische Leistung! Ganz herzlichen Glückwunsch! Du hättest allen Grund dich zu freuen. Der alte Mann durfte sich ja auch die halbe Strecke im Windschatten ausruhen;-)


Lieben Gruß
Tame

Da hilft nur...

...üben, üben, üben. Dann schaffst Du es mit 70 vielleicht auch auf den ersten Platz :-)
Auch ich habe mich köstlich amüsiert beim Lesen Deiner Zeilen.
Gratuliere herzlichst zum AK-Sieg! Sowas wird mir weder mit AK55 noch mit AK 70 passieren, da bin ich ziemlich sicher. HM in 1:41 - was für eine Hetzerei! ;-)
Ehrfurchtsvolle Grüße, WWConny

Herrlich !!!

Vielen Dank für Deinen Bericht. Bei Deiner Schreibweise musste ich laut loslachen... ;)))
Ich konnte Deine wechselnden Gefühlregungen und Gedanken sehr gut nachvollziehen.

Nur freuen würde ich mich an Deiner Stelle schon. Wer weiß, wieviel Lauferfahrung, professionelle Trainingsmöglichkeiten etc. der "Greis" (kicher) bisher hatte und Deine Zeit ist mehr als ordentlich!
Also auf Kommando: FREUEN!

chiun

Weltrekordlerin?

Jetzt, wo du es schreibst: Der alte Herr hatte eine olympische Medaille um den Hals hängen. Amsterdam 1928.

Gruß

Sirius
...der noch nicht so lange rennt.

Er sah im Ziel auch noch

Er sah im Ziel auch noch ganz ausgeruht aus.

Gruß

Sirius
...der weniger ausgeruht rennt.

Jawoll, Frau Oberleutnant!

Jawoll, Frau Oberleutnant! Ich freue mich.

Aber die AK 70 werde ich wohl nie gewinnen. :-(

Gruß

Sirius
...der stramm stehend rennt.

Doppelt.

Gruß

Sirius
...der manchmal doppelt rennt.

@ WWConny

Aber vielleicht in der AK90? Wenn einige schon weg sind.
Muss ja kein Halbmarathon sein.

Gruß

Sirius
...der in der AK95 wahrscheinlich ganz alleine rennt.

Was für ein feiner Bericht!

Gratulation zur schicken Zielzeit und AK-Sieg!
Gräme dich nicht zu sehr, dass Du dich von einem alten Sack hast abzocken lassen..
Die sind einfach clever (und haben soooo viel Zeit zum trainieren!) ;-)

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Ich gräme mich nicht. Ich

Ich gräme mich nicht. Ich laufe nie für die Platzierung, nur für meine Zeit. Bei der Platzierung hängt es immer davon ab, wer überhaupt mitläuft. Ich bin mal 3. in der Gesamtwertung eines 10ers geworden. Das lag aber nur daran, dass die ganzen Schnellen auf der 15-km-Strecke am Start waren. :-)

Gruß

Sirius
...der auf Zeit läuft.

Zeit und Platzierung sind schick!

Und beim Lesen Deiner Zeilen hatte ich ein feines Kopfkino. Sehr schick!

Man muss auch gönnen können.

Und vielleicht reicht es auch in der AK 70 zum AK-Sieg bei Dir. Der alte Herr ist ja dann meinen Berechnungen zufolgen in der AK 85 - und eh keine AK-Konkurrenz für Dich.

Also ich trau dem alten

Also ich trau dem alten Herrn einiges zu. Und die Vorstellung von einem 85jährigen überholt zu werden....

Gruß

Sirius
...der auch mal gönnend rennt.

*Gröhl!*

:-))))))

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