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Benutzerbild von krazykat

Irgendwie schon ein bisschen dekadent, so großartige Läufe wie den Zugspitz oder den Thüringen Ultra, die andere (sehr zu recht) als ihr jährliches Highlight feiern, als bloße Trainingsläufe zu benutzen. Aber bevor ich mir im September das am besten kommerzialisierte Trailrennen um den Montblanc gönne, muss ich nochmal zurück zu den Wurzeln.
Eine Art Gegenteil des UTMB ist dieses kleine und liebevoll organisierte Rennen im thüringischen Fröttstädt: freundschaftlich, entspannt, familiär. Da steht die Liebe zur Sache sichtbar noch sehr weit vorne und sorgt jedes Jahr wieder für eine durch und durch angenehme Atmosphäre.
Gut, wie das so ist bei Familienfesten, einige sind etwas lauter, einige schlagen ein bisschen über die Stränge und eine Handvoll würde man am liebsten nie wieder einladen ...
Ich habe zwar schon am Mittag als allererster mein Zelt auf die Wiese gesetzt, aber vor 23 Uhr ist trotz Ohrenstöpsel an Schlaf nicht zu denken. Wie die Leute das überstehen: feiern, zwei Stunden Schlaf, 100 km laufen und beinahe nahtlos weiterfeiern, frage ich mich jedes Jahr aufs Neue. In der Beziehung bin ich echt ein Weichei. Wie immer also etwas verschlafen um 4 Uhr an den Start getorkelt; muss ich die Müdigkeit eben unterwegs irgendwie rauslaufen. Es ist warm und seltsam schwül, der Himmel bedeckt mit dunklen Wolken, die nichts Gutes ahnen lassen. Wir laufen in die Morgendämmerung über die Felder, in den Wald, dann die ersten Anstiege. Der Anfang geht recht flott, an der Glasbachwiese bin ich als 43. und merke, das war ein wenig zu schnell. Dann fängt es nach ca. 3 h Laufzeit an zu regnen und wird bis zum Schluss, von kurzen Pausen abgesehen, auch nicht mehr aufhören. Wenigstens nicht 40°C wie vor zwei Jahren. Regenjacke über, die Schuhe behaupten auch, wasserdicht zu sein, also was soll's. Ab km 40 merke ich dann doch die kurze Regeneration seit dem Zugspitz Ultra und es wird etwas zäher. Trotzdem bin ich noch gut am Laufen, auch einige Anstiege, die ich früher gegangen wäre und außerdem liege ich immer noch zwanzig Minuten vor meinem Plan, soweit ich das im Sturzregen auf meinem Zettelchen erkennen kann. Und der Plan liegt schon eine Stunde unter meiner Bestzeit von 2014 (13:58 h). Muss ich ja nur noch halten. Irgendwann ist das Wasser dann von oben in die Schuhe gelaufen, die Wege sind teilweise eher Bachläufe und die Regenjacke nervt, aber immer, wenn man sie auszieht, wird der Regen wieder stärker (Murphy's Law). So richtig flüssig und gazellenartig sieht es jetzt wohl nicht mehr aus (falls je), aber die Kilometer spulen sich so dahin. Nochmal zusammenreißen für die liebevolle Partymeile an Kilometer 95. Gewerbegebiet, Autobahn, Hörselgau und ratzfatz bin ich mit neuer Bestzeit in 12:19 h zu Hause. Nur drei Stunden nach dem AK-Sieger bei dessen Trainingsläufchen ;-)(Schalk). Eine Dusche und zwei Bier später falle ich angenehm erledigt ins Zelt, während die Unermüdlichen draußen noch lange feiern. Es sei ihnen gegönnt.
Die ersten Schritte am Morgen sind zwar etwas steif, aber nach dem Frühstück fühlt sich alles schon wieder ganz brauchbar an. So schön kann Training sein.
Danke an alle für diesen schönen Lauf, fürs Ausharren im Regen, die geschmierten Brötchen und natürlich für meinen vierten Stern.

kk

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Training über 100km

ich bin ein Weichei. Und dann noch im Regen mit DER Zeit. Schalk zählt nicht, der spielt in einer anderen Liga ;-))
Wahnsinn. Da kann das kommerzialisierte Rennen ja beruhigt kommen. Hausaufgaben gemacht, Test bestens bestanden. Ich wünsche viel Erfolg und freue mich auf den Bericht!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ich hab auch sehr gut ...

... am Samstagabend geschlafen! Früh raus, bissl laufen und dann ein oder auch zwei Bier sind ne gute Mischung dafür.
Läufst du echt mit "wasserdichten" Schuhen bei den Distanzen? Da ist es mir immer noch lieber einen belüfteten Schuh zu haben, der halt nass wird, aber eben auch nach kurzer Zeit wieder abtrocknet. Aber so unterschiedlich sind wir halt. Auf der Langstrecke habe ich dann eher Sealskinz-Socken dabei. Da läuft es nicht so schnell rein.
Ich habe auch auf den letzten 30km immer mal die Jacke an und wieder aus gezogen. Der Läufer der hinter mir war und mich doch gerade auf den letzten 20km ab und an mal sah, meinte später er wäre völlig irritiert gewesen wie viele da vor ihm sind. Mit Jacke war ich halt von der Ferne ein blauer Punkt, ohne orange (glaube ich).
Genieß die PB - der TU ist doch immer wieder was schönes - egal wie warm oder nass und egal wie schnell oder langsam.
;-)

Ich sag ja:

Ultra ist ein Paralleluniversum, das mir absolut unerklärlich bleibt: was für eine stoische Ruhe, absolute Ausdauer, eine Gemütslage, die durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist und schließlich was für einen Willen muss man mitbringen, um so einen Lauf als Training für etwas noch größeres durchzuziehen???
Ich habe ja nur maximal 6h-Wettkampf-Erfahrung und ich ahne wie platt man sich anfühlen kann - aber das wäre so, als wüßte ich wie sich Marathon anfühlt, wenn man bisher als längsten Lauf einen Halbmarathon absolviert hat. Solche Läufen müssen einfach etwas ganz anderes sein. Ich wiederhole mich gern: nicht andere Liga - andere Welt! Sehr stark!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Hmm, bei irgendeinem Lauf ...

... begreifst du "plötzlich" wie solche Strecken absolviert werden können.
Bei mir war es mein erster ZUT, mein erster 100er in den Bergen. Richtig eingeteilt und auf den letzten 40, 50km wuchs die Vorstellung wie man 100 Meilen laufen muß.
Vorher war ich Rennsteig, Biel und K78 gelaufen. Und auch nach dem K78 konnte ich mir 100 Meilen nicht vorstellen und 100 bergige Meilen gleich gar nicht.
Beim ZUT machte es dann "klick" und jetzt weiß ich es.
100 solche km und 100 Meilen im Hochgebirge würde ich von der Herangehensweise an den Lauf ähnlich einschätzen. Die Verpflegung ist wichtig und man läuft das ohne schlafen durch - ich (und viele andere) jedenfalls.
Die nächste Dimension kommt dann bei 250 oder 300km im Hochgebirge. Da kommt die Komponente zur richtigen Zeit zu schlafen, hinzu. Da reagiert jeder Körper anders. Das kommt dann zu dem Punkt Verpflegen noch on top.
Die Basisgedanken zu solchen Ultraläufen bleiben aber eigentlich immer gleich:
Essen, trinken und schlafen machst du im normalen Leben ja auch - und nicht wirklich planlos. Warum sollte das beim Ultralauf dann anders sein. Der Plan ist ein etwas anderer. Sonst ist es gleich. Und du mußt der Gesamtdistanz und dem Gelände entsprechend einfach zu jedem Zeitpunkt das richtige Dembo finden. Das funktioniert intuitiv, oder nie wirklich gut.
Eine Welt, in die jeder eintauchen kann, der es mag. 6h sind schon mal ne Basis.
;-)

Andere ...

Andere machen so verrückte Sachen wie Triathlon ... Ist alles kein Hexenwerk, muss man aber erstmal tun. Und ein bisschen Abenteuer bleibt ja auch dabei: nicht alles kann man planen. Und wenn eins zum anderen kommt und man nachts allein im Gebirge, völlig durchnässt und müde, der letzte Schluck Wasser ist ausgetrunken, die Energieriegel sind auch schon lange weg, sich zum drittenmal verläuft und alles tut weh und man will nur noch nach Hause, wo immer das ist ... dann kommt einem die Möglichkeit des Scheiterns nicht mehr so vollkommen unrealistisch vor. Aber genau das macht die Sache ja auch spannend.

Da hast du mir ...

... was voraus. In der Situation war ich (zum Glück) noch nicht.
Aber das alles einzeln oder kombiniert schon. ;-))
Im Dunkeln im Höllental den falschen Abzweig genommen und statt Richtung Knappenhäuser/Kreuzeck durchs Mattheisenkar Richtung Grießkarscharte genommen, also einen Notabstieg vom Jubiläumsgrat. War ne außerplanmäßige lustige Kletterei mit nem Kumpel, der nicht ganz Schwindelfrei ist... Aber da war Essen und trinken anbei.
Wasser alle, noch Stunden bis zur nächsten Hütte und kein Bach klam im Aostatal. Aber da war Tag.
Knast ohne Ende, nix im Rucksack im Aostatal, aber da war Wasser vorhanden und es war Tag.
Aber spannend ist es immer, wenn man in den Bergen on tour ist.
Wir sehen uns beim UTMB!
;-)

"plötzlich"

wahrscheinlich ist es genau so: irgendwann erscheint einem eine Aufgabe / ein Abenteuer nicht mehr ganz so abwegig (!), sodass man vielleicht einfach so verrückt ist, es zu tun. Grenzen verschieben... Ich finde ihr (und einige andere hier) sind da schon sehr weit gekommen!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

"abwegig" war bei mir ...

... gar nicht der Punkt. Ich meinte während des Laufs das "Wie" verstanden zu haben.
Wenn du beim Marathon die letzten 10km runterzählst, weil du im Eimer bist, sind 72km unvorstellbar.
Wenn du beim Rennsteig "15 Runden" a 5km runter zählst, hast du keine Ahnung wie 100km mit 6000Hm, wie 15h am Stück laufen gehen sollen.
Dass 170km gehen, steht ja außer Frage. Wenn sich 5000 Leute für einen UTMB anmelden, wissen mindestens 4000 von denen wie sie das schaffen können (wollen).
Aber erst als ich verstand wie (!) ich diese Distanz in den Griff bekommen könnte, war ich auch bereit sie anzugehen, war der Kopf frei sich darauf vorzubereiten. Und das Lustigste daran ist dann, dass ich zwar vor den ersten 170km einen heiden Respekt hatte. Aber im Kopf war am Start auch die absolute Gewißheit, die Distanz schaffen zu können.
Distanz ist, was der Kopf draus macht.
;-)

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