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Samstag war Thüringen Ultra.
Die vorletzte Woche vor dem TU taugte bereits nicht wirklich als Trainingswoche. Es war im Grunde genommen doch etwas mehr, als das Runterfahren vor einem Wettkampf - etwas. Ich glaube gerade Mal reichlich 100km standen auf dem Konto. Dann die Woche vor dem TU. Das war auch arbeitsbedingt eine klassische Taperwoche vor nem großen Ultra. Der Unterschied lag eigentlich "nur" darin, dass ich vom Trainingszustand doch erst mitten im Aufbau bin.

Und der TU sollte auch ein ganz normaler langer Vorbereitungslauf werden. Kein Wettkampf, kein ins Nirvana laufen. Das Wochenende drauf soll wieder normal trainiert werden können!

Diese letzten zwei Wochen vor dem Lauf implizierten aber natürlich auch, dass es beim TU doch etwas zügiger zugehen mußte. Da war einfach zu viel Erholung vorher. Aber eben trotzdem Training. Zwei Wochen Ausfall nach dem Lauf wegen notwendiger Erholung sind nicht drin!

Trainingslauf. Hmm, entsprechend entspannt ging ich den Lauf an. Sind nur 100km. Die Klamotten für so was sind schnell zusammengepackt. Kurz-Kurz, Socken, Rucksack, Windjacke, Gels, Trinken - fertig.
Fast hätte ich vor lauter Ruhe die Luftmatratze vergessen einzupacken. Aber ben nur fast. Alles andere notwendige war anbei.
Der TU ist immer so schön unaufgeregt. Man kommt an, baut das Zelt fix auf, trinkt nen Bierchen, trifft jede Menge Bekloppter und schnattert ne Runde. Nach dem zweiten Bier geht's ins Bett (Ohrstöpsel sind sehr wichtig!) und Früh beizeiten klingelt der Wecker. Auch das ist völlig unaufgeregt. Frühstücken, quatschen, Rucksack holen. 3min vor dem Start noch mal fix auf Toi, kurz anstehen. 2min vorher bin ich dran. Nach mir steht keiner mehr. Da anderen sind alle schon 20m weg am Start. OK. Ich komm zum Start, Uhr an. Satellit gefunden, Start und los. Da muß man vor dem Start nicht rennen. Alles kurze Weg. Alles gut.

Die ersten 20km waren auch Training. Los bin ich locker und nach vielleicht nem km den ersten Sechs gleich erst mal falsch hinterher gelaufen, vielleicht 300m, dann ne Runde mit Micha oder Peter gelaufen. Es war einfach mal schön locker - immer den Lauf des letzten Jahres im Kopf. Da hatte ich bis Floh-Seligenstadt überzogen und die Quittung kurz vor der Ebertswiese bekommen. OK, da saß sicher auch die TTdR noch etwas in den Knochen.

Verhalten lief ich und doch war ich irgendwie gut unterwegs. Ab km 20 oder 25 hatte ich dann den weltbesten Support, den man sich vorstellen kann. Andreas und Markus standen alle maximal 5km, um mich zu versorgen. Von weitem hielt ich ne leere Flasche hoch und nahm im Vorbeilaufen ne Volle wieder mit. Pellkartoffel oder Gel gab es ebenfalls auf Zuruf. Anhalten ging gar nicht. Wozu? Bevor ich wußte, dass ich was Essen müsse, gab es was. Bis Floh-Seligenthal, km55 lief es wie ein Länderspiel, hoch zur Ebertswiese auch. Runter hab ich dann wohl leicht überzogen.
Jedenfalls ging es ab Tambach-Dietharz bis etwa km75 etwas zäh. Hab einfach das Dembo nicht mehr richtig hochbekommen. Dann ist das eben so, dachte ich mir. Nicht schlimm! Etwa bei km75 stand etwas unerwartet Andreas. Er wollte dort das letzte Mal stehen und dann erst wieder im Ziel. 2 Gels brauch ich noch. Beim Vorkramen sah ich nach hinten und vielleicht 300m hinter mir kam einer, den ich bei km30 schon überholt hatte. Plötzlich war wieder Wettkampf und Kraft zum Gas geben da. Umdrehen war ja nicht! Wer sich umdreht verliert! Also Gas. Berg hoch gezogen: Wenn ich laufe, muß er schneller laufen, um ranzukommen. Runter zügig, aber nicht zu fix: Wenn er hier rankommt, lauf ich hoch wieder weg. Es kam keiner. Nach dem vorletzen VP ging es am Waldrand hoch und dann rechts weiter am nächsten Waldrand und dann über offenes Feld - alles gut einsehbar. Hier würde er mich sehen! Aber ich sah dann auch das orangene Leibchen. Nicht weit, aber doch ausreichend. Das sollte bis ins Ziel reichen, wenn ich jetzt nichts mehr anbrennen lasse. Hab ich nicht mehr. Hoch wurde alles gelaufen! Na und runter ging es jetzt erst recht gut.
Nach dem herrlich bekloppten und total tollen VP bei km95 hörte ich dann die ganze Zeit im Gewerbegebiet noch die Musik vom VP und wartete, wann der nächste Läufer angesagt wurde. Ich lief und lief und keine Ansage kam. Dann eben nicht. Langsam ist aber jetzt nun auch nicht mehr. Jettz will ich auch heim! Im Ziel war der Vorsprung bei 6:30min. Später im Ziel bedankte mich dann auch fürs Anschieben.
Nach 9:21:27h war ich jedenfalls wieder in Fröttstedt. Damit steht dann jetzt auch mal ne 100km-Zeit, die nicht mehr ganz so grottig ist. Schon mal besser, als vorher.
Und Training war es nun nicht ganz. Aber zumindest war Sonntag schon kein Muskelkater und auch so ging es ganz gut. Der nächste Lauf nach dem TU ist trotzdem erst Morgen oder Freitag. Ich will meine Beine trainieren und nicht ruinieren. Die müssen im September noch genug mitmachen.
War es nun was Halbes oder doch was Ganzes? Na, nen halber Trainingslauf und zur anderen Hälfte Wettkampf und in Summe ne ganze Runde um den Inselsberg. Der Thüringen Ultra ist richtig tolle Runde. Ich glaub, die kann man auch noch ein drittes Mal laufen.

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (4 Wertungen)

Laufen in einer anderen Liga

wenn Mann nur 100km die Woche hat dann läuft man eben noch mal 100 als Training bei einem Wettkampf.

Du hast vergessen zu erwähnen, dass du die AK gewonnen hast und Gesamtfünfter geworden bist!!!

Aber wenn man alle 5km was zu essen gereicht kriegt, dann zählt das ja schon als Fresstour ;-))

Ganz fetten Glückwunsch von den Ostfranzosen!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

100km-Zeit

jepp, 9:21 kann man als "nicht ganz so grottig" durchgehen lassen! (sagt einer, bei dem bei Halbzeit Schluß wäre...)

Wenn man bedenkt, dass du eigentlich im Aufbau und dort Wetter, Geläuf und Höhenmeter waren: was könntest du eigentlich unter Laborbedingungen laufen? Andere Liga?? Andere Welt!!

Den feinen Unterschied zwischen trainieren und ruinieren muss ich mir auch merken!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Ne, schon klar

Dann musst Du beim nächsten Mal eben ein bißchen die Hacken in Teer hauen, damit aus der nicht ganz grottigen Zeit eine ganz venünftige wird. Bißchen mehr Einsatz also ;-).
Keinen Muskelkater kann ich nicht behaupten, aber läuft schon wieder.

Ich bin dann mal weg

Sind nicht Platzierungen ...

... Schall und Rauch? Ist das nicht immer davon abhängig wer von den Schnellen antritt oder eben grad nicht, Strider? Ja, so weit vorn zu laufen, hat mich motiviert auch dran zu bleiben und nicht in nen entspannten Schlappschritt zu fallen.
Bis km68 wußte ich aber gar nicht wie weit vorn ich bin und wie der Abstand nach vorn bzw. hinten ist, wußte ich bis ins Ziel nicht wirklich - mal abgesehen von dem, der direkt hinter mir war, weil ich ihn gesehen habe. Ich hab Andreas nicht gefragt und er hat es mir auch nicht gesagt. Aber so mag ich die Läufe am meisten. Ich mach meinen Lauf und was rauskommt, ist gut.
Überfressen hab ich mich auch nicht! Als ich nach dem Inselsberg von Andreas weder Wasser noch was anderes haben wollte und am VP durchlief, rief er mir hinterher 'ich müsse doch was Essen!' OK, die Gels, die ich mir unterwegs einpfiff, sah er ja nicht. Beim Schreiben fällt mir gerade auf, dass das ein gravierender Unterschied zu nem richtigen Trainingslauf ist: Im Training gibt es normal nur Wasser zu trinken und zu Futtern gar nichts - oder nen Brötchen oder ne Kartoffel bei den langen Trainingsläufen. Aber definitiv keine schnelle Energie. Das war es mir aber Samstag wert von dem Vorsatz abzuweichen.
Nee, nix Laborbedingungen, Dominik. Mit dem Sieger, mit Sven bin ich öfter beim Steich Stücke zusammen gelaufen. Ich denke, er hat ne höhere Grundschnelligkeit als ich und doch laufen wir am Steich in der selben Liga. Ich hätte für mich ne 8:45h beim TU nicht für möglich gehalten. Aber bei der Betrachtung seiner Zeiten bei Steich und Harzquerung (DUV Statistik) könnte ich auf das Niveau vielleicht auch laufen? 2018 ist zu kurz vorher die TTdR. Da ist das unmöglich. Aber für 2019 kann ich mir vorstellen so gezielt auf den TU zu trainieren, wie sonst auf den Steich und dann mal richtig Wettkampf dort zu laufen. Und dann sehen wir mal wie das dann aussieht - als richtiges Ganzes. ;-)
Du siehst also, benbohne, auch dazu habe ich mir Gedanken gemacht. Mal richtig laufen und nicht nur als Training. Lust habe ich drauf. Zeitlich dann halt erst beim übernächsten Mal. Und ich würde dann sicher auch nicht auf "Sieg" laufen wollen. Schnellere gibt es zu hauf, die müssen nur kommen. Der Gedanke ist irgendwie Quatsch. Aber vernünftig darauf hin trainieren und dann nen anständigen Wettkampf abliefern, das ja. Was dann für ne Zeit raus kommt, hängt sicher auch von den Temperaturen ab. So angenehme Temperaturen sind nicht immer Anfang Juli im Thüringer Wald! Aber den Tag die Sorge. Ich glaub, ich hab nen Ziel für 2019.
;-)

strider

gratuliert auch zu Schall und Rauch ;-))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Inumi gratuliert auch

Wenn ich mal groß bin, lerne ich auch Berge laufen, vorallem bergab.
Alter Überflieger!
----------------------------------
LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Du kannst nicht anders, oder?! ;o)

Es steckt einfach ein purer Wettkämpfer tief in Dir drin und dazu hast Du auch noch den passenden Körper, Talent und Können, eigentlich alles, was sich jeder Läufer wünscht!
Das liest sich alles immer so einfach und locker bei Dir, aber ich weiß, Du steckst viel Energie und Mühe und vor allem Köpfchen rein, um das erreichen zu können.
Daher ist das alles so völlig in Ordnung und voll verdient! :o)

Gratuliere Dir zu diesem verdammt starken "Trainingslauf", der dann doch nur halbes Training war und noch n Bisschen was mehr! ;o))

Tztztz....ich kenn Leute, die n 100er mit über 2000Hm als halbes Training in sub09:30h laufen...*kopfschüttel*....unglaublich! Unglaublich gut! :o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Tschuldigung!

... war wirklich nicht mit Absicht! ich schwör!
;-)

glaubt dir sowieso keiner ;-))

aber psssst, Tanja, ich kenne ihn auch. Färbt das nicht auch so ein bisschen auf uns ab???

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Nööööööö....:o))))

....leider nicht alles! ;o)))

"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Jetzt hab ich auch ein Ziel für 2019 . . .

. . . dem Schalk zur Bestzeit in Fröttstädt zu gratulieren ;-)

Hab mich sehr gefreut, Dich mal wieder zu treffen.

Einfach nur bewundernswert,

was bei so halben Sachen rauskommen kann.

Ganze Sachen willst Du auch? Ok, dann halt ein Ziel für 2019. Ich wünsche Dir von Herzen die Gesundheit und das Drumherum, um das Training dafür auch "vernünftig" durchziehen zu können.

Derweil lese ich ab und an Berichte, um mich selbst aus dem Loch zu holen, in dem ich stecke. Da ist kein klitzekleines bisschen Kampfgeist. Vorbei?

Im Blog ...

... Training fürs Doppel kannst du den Fortschritt vollständig nachlesen. Da halte ich nicht nur Höhen, sondern eben auch die zugehörigen Tiefen fest, FazerBS.
Radln kannste schon wieder. Die Tour, die du gewandert bist, dürfte dir trotz der ganzen Maleschen ne ganze Ecke konditionell vorwärts gebracht haben. Gib dir vielleicht noch ein, zwei Tage Ruhe und dann knall einfach mal einen aus der Ruhe heraus raus. Das geht! Und du wirst sehen, wie gut du eigentlich schon bist.
;-)
Ein Schalk hat ein neues Ziel - Das Doppel 2017: UTMB+TdG
Training für das Doppel 2017 - UTMB+TdG

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