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Nach dem Comrades Anfang Juni suchte mich die Rüsselpest heim, womit ich nach Flugreisen fast immer rechnen kann. :o(
1,5 Wochen lief nur die Nase und die Beine hatten somit Zwangsregeneration.
Den 88km Asphaltlauf hatten sie sehr gut weggesteckt und ich war zum Glück ohne Wehwehchen aus Südafrika wiedergekommen.

Jetzt sollte unser Jahresurlaub beginnen und für den Einstieg war ein Besuch beim
Zugspitzultratrail (ZUT) geplant.
Zur Sicherheit hatte ich hier ein Flexticket gebucht, denn ich wusste ja nicht, in welchem „Agregatzustand“ meine Laufgräten nach Afrika sein würden.
Nun waren es nicht die Beine, die mein Leistungsvermögen limitieren sollten, sondern die Restnachwirkungen der Rüsselpest.
So entschied ich zu Gunsten meines Corpus Delicti nicht die 100 oder 80 km dort zu laufen, sondern mich auf den 63km mit noch immerhin knapp 3000 Hm zu vergnügen.
Die Strecke kannte ich ja größtenteils von schon 3 Teilnahmen beim ZUT 2012, 2013 und 2014.

Vergnügen ist sowieso das Mantra eines Urlaubs, daher fuhr ich vergnügt mit dem Shuttlebus morgens nicht zu früh nach Leutasch und bekam noch nette Inspirationen zu einem neuen schwedischen Ultralauf von meinem schwedischen Sitznachbarn.
Dort in Leutasch am Start traf ich wieder so einige bekannte Gesichter, quatschte noch etwas und schlenderte dann zur Rucksackkontrolle und in die Startbox.

Um 09:00 Uhr gings dann los, ich hatte mich weiter hinten einsortiert und trotzdem rannten alle erstmal mit 5er Pace los die ersten 2 km. Ab dann begann schon der erste Anstieg zum Scharnitzjoch, wo ich direkt zu spüren bekam, dass noch nicht alle Systeme auf Grün standen.
Der Puls hämmerte sofort an der Schädeldecke, so dass ich mir einen Lauf auf Zeitziel verbat und pulsgesteuert das Tempo auf Schleichfahrt drosselte mit dem Ziel Ankommen mit einem Lächeln.

Das Wetter war für mich perfekt, sonnig und herrlich warm, sollte es doch bis zu 24 grad werden. Ich liebe diese Wärme und selbst oben auf über 2000m musste ich nicht frieren!
Auf dem Scharnitzjoch pausierte ich kurz zum Verschnaufen und Fotos machen und etwas Riegel futtern, dann gings locker trabend in den Abstieg. Am Hubertushof wartete Göga schon mit einem kühlen alkoholfreien Weizen auf mich und der Med-Check war so auch kein Problem.

Das nächste Stück durchs Tal und Geisterklamm war ja relativ flach und gut laufbar und da ich ja recht untertourig gestartet war, konnte ich hier doch locker im 6er tempo durchtraben bis Mittenwald.

Bis zum Ferchensee groovte ich genüsslich, stöckelte die Steigungen und trabte locker die Wellen runter und die graden Stücke.
Der langweilige Bannholzer ist immer noch im Programm, dafür hatten sie schon letztes Jahr den Kälbersteig rausgenommen. Die Ersatzstrecke war jetzt nicht sonderlich spektakulär, lediglich den Streckenposten, der in einem Tal vor einem Biergarten rief „VP nur noch 800m!“ hätte ich auf den nächsten 2 km killen können.
Er meinte wohl nur noch 800Hm oder 800m Luftlinie!
Puh, da kam noch richtig was!!
Von diesem gemeinen Streckenposten sollten am nächsten Abend beim Essen noch einige andere Berichten und Fluchen. ;o)

Da war er dann, der VP vor dem letzten großen Anstieg zum Längenfelder und Osterfelder Kopf. Völlig angenervt (weil der VP kam und kam nicht) und mittlerweile mit schwindenden Kräften und hängender Zunge stöckelte ich den schmalen Weg unterhalb der kleinen Alm hoch, da hielt eine mir bekannte Hand ein frisches kühles Glas alkoholfreies Weizen über die Brüstung….boaaaaahhhh, wie geil!!!! :o)))
Göga hatte für mich das Lebenselixier bereit gehalten, welches ich gierig verschlang bevor ich den zweiten Med-Check passierte. Der Doc sah mein schlagartiges Aufblühen und wollte natürlich sofort eine Dopingprobe nehmen! ;o)
Eigentlich wollte er glaub ich nur mein Bier!!

Am VP genehmigte ich mir erst mal in Ruhe eine leckere fruchtige Minestrone und die Lebensgeister kamen schnell zurück.
Der lange Anstieg zum Lengenfelder war dann eigentlich gar nicht so lang und mir ging es deutlich besser, als zum Scharnitzjoch hoch.
Schön, also genau so mit nicht zu hohem Puls weiter rauf.
Oben am Längenfelder saßen sie wieder und klatschten uns die letzten Serpentinen hoch.
Ich bestellte dann gleich ein Maxi-Nuggets-Menü 9er mit Pommes doppelt Majo und Cola und sollte gleich vorfahren! ;o)

Der VP war ja 100m weiter und da ich grade so gut im Tritt war, nahm ich nur schnell einen Becher Cola, Banane und etwas salzige Gurke und trabte weiter zur letzten 450Hm-Runde um den Osterfelder Kopf. Kalt war es ja immer noch nicht und vielleicht würde ich ja noch im Hellen runter kommen?!

Bis oben war es kurzweilig, hatte ich doch ein Pärchen als Begleitung, denen ich etwas Blödsinn ans Ohr quatschen konnte…sie fragten halt danach! ;o)
Oben angekommen freuten wir uns mit den dick verpackten Bergwachtlern über das Erreichen des höchsten Punktes und die beiden trabten dann gleich bergab.
Ich versuchte es, musste an den ersten Stufen gleich das Laufen einstellen, weil nicht mehr genug Saft in den Dämpfungsmuskeln war.
Ich hebelte mich die Stufen runter und trabte nur noch selten dort, wo es einigermaßen „barrierefrei“ war, also fast nirgendwo.

Vor drei Jahren bei den 100km in späterer Begleitung vom Fraggle sahen wir hier am Ende der Osterfelderkopf-Runde am zweiten Morgen einen wundervollen Sonnenaufgang.
Nun fing die Sonne jetzt an unter zu gehen und ich erreichte in der Dämmerung den letzten VP.
Nur noch den Jägersteig runter, angeblich 5 km. Das hatte ich aber doch etwas länger (7km) in Erinnerung und so sollte es auch sein. Puh, auch hier schlappten die Bergabmuskeln und wie jedes Mal hier bewunderte ich die 100km-Läufer, die hier noch flott runter laufen konnten und mich überholten, auch wenn ich häufiges Fluchen über und unter mir vernahm.
Mitten im Hang musste ich doch noch die Stirnlampe rauskramen und das letzte steile Glitschstück, welches sie vor zwei Jahren eigentlich mit Schotter aufgefüllt hatten war wieder im alten nassen gefährlich glatten Zustand, wo ich mich schneckig vorsichtig runtermanövrierte.
Als der Wald mich in Hammersbach ausspuckte, war ich einen Moment froh, endlich durch zu sein und es dauerte vielleicht 50 Meter, da fingen die Beine wieder an zu laufen.
Tolles Gefühl, wenn das zum Schluss dann doch noch wenigstens flach geht. :o)

Einen Mitläufer konnte ich kurz vorm Ziel noch motivieren, anzulaufen und kurz hintereinander liefen wir dann mit breitem Lächeln ins Ziel, wo Göga schon wartete.
Nach 14 h war es geschafft und ich genoss das Zielbier und zwei Portionen frische Waffeln aus der Zielverpflegung und nahm noch eine Leberkässemmel mit zum Campingplatz.

An den nächsten zwei Tagen hatte ich zwar heftig Muskelkater, aber körperlich ging es mir deutlich besser, als vor dem Lauf, also war meine Streckenwahl und Tempowahl nicht verkehrt. :o)
Wir blieben noch ein paar Tage in Grainau und wanderten schon zwei Tage später gemütlich verkatert von Hütte zu Hütte oder von Kaiserschmarrn zu Wurstsalat!
Was für ein Vergnügen! ;o)
Der Urlaub war noch nicht zuende! :o)

Liebe Grüße Carla-Santana

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

immerhin Muskelkater

das versöhnt mich ja jetzt ein bisschen. Dein Tempo war 2015 auch mein Tempo, aber nicht bewusst gewählt sondern ging nicht schneller. Und die glitschige Passage zum Schluss habe ich noch denkwürdig in Erinnerung...

Toll gemacht, meine Bewunderung hast du. Und Kaiserschmarren sind eine gute Idee...

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Den Kaiserschmarrn

tät ich auch nehmen...
Der Rest hört sich auch klasse an, nur leider nicht meine Liga. Daher fette Bewunderung für diesen schönen Lauf, den du mal wieder gemeistert hast.
Und ich wie ja weiß, da kam noch was zum Abschluss des Urlaubs...

Ich muss auch mal wieder in die Berge... im September ;o)

LG,
Anja

Ich habe dich vor meinem geistigen Auge ...

... von der Bergstation Alpspitzbahn die kleinen Steinchen runterhebeln sehen. Köstlich, der Anblick, wie Carla Santana gazellengleich, sich mit den Stöcken abstützend, erst langsam einen Fuß unten abstellt, um dann den nächsten nachzuzieht! Hach, so kenne ich die Carla, so habe ich sie auf Gran Canaria durch die Berge springen sehen. ;-D Dnake, allein schon für diesen einen Satz.
Ansonsten hab ich wieder Carsten und dich vor mir gesehen, als ihr im letzten Anstieg hoch zur Alpspitzbahn wart, kann dir noch genau den Punkt markieren, wo es war, als ich an euch rangelaufen bin. Oder der beste Supporter der Welt am Hubertushof, ... Ja, war schön mit euch da in Grainau.
Wo hat euch denn der Streckenposten erzählt, dass es nur noch 800m sind? Oben am Gasthaus Eckbauer? Von da runter zur Partenachklamm, über die Brücke und wieder hoch zur Partnachalm sind es 3,5km. Sprichst du von Forsthaus Graseck, das ist fast unten an der Partenach, dann sind es ab da wirklich nur 1,1km bis zum VP. Die 800m gehen ab der Brücke über die Partenachklamm nach oben. Das Stück mußt du doch kennen. Das sind wir 2012 auch gelaufen. Und über die 50Hm Anstieg zur Alm willst du dich jetzt nicht beschweren, oder? Geht da bissl hoch, ja. Aber wenn man es kennt, ist das nix dolles.
Ich denk, die Kurzstrecke war die richtige Wahl. Ne gute Mischung. Paßt!
;-)
PS: Von Kaiserschmarrn zu Wurstsalat? Und was gab es in der St. Martinshütte?

Jetzt weiß ich Bescheid

Du hast also das gute Wetter gebucht! Da muss ich mich ja nicht wundern.
Toll, so geht Urlaub!

Ich bin dann mal weg

Es ultrat allüberall!

Unglaublich, was da alles zusammengelaufen, gestiegen (auf- und ab), geklettert und getrabt wird!
Es ist bewundernswert, wie gut du deinen Körper kennst und deine Leistungsfähigkeit einschätzen kannst (und auch dementsprechend den Lauf einteilst und zu Ende bringst!!!)

Danke für den tollen Bericht!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

14 h am Berg arbeiten, Hutzieh!

Sooo geht also Urlaub;-)) Herrlich!!! Was für ein schöner Urlaubsauftakt! Das freut mich für dich! Dass du da so gut durchgekommen bist, ist nach dem Comrades und der Rüsselpest wirklich stark! Immer wieder erstaunlich, wie dein Körper mittlerweile funktioniert, wie schnell er regeneriert. Hat halt viele gesunde Trainingsjahre hinter sich. Weiter so! Tschakka! Schade, dass hier kaum ein Couchpotato mitliest;-))

Lieben Gruß
Tame

Hört sich nach einem gelungenen Urlaubstag an :lach:

mit einer kleinen Erlebniswanderung unterbrochen von Doping - ähm, alkfreiem Bier :kicher:

Was ein tolles Erlebnis und eine tolle Leistung von Dir!

Wie, inzwischen gibt es ein Flexticket? Cool.

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