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Da es gerade "nicht läuft" war der Fokus dieses Jahr auf verrückte Abenteuer gerichtet. Das habe ich bekommen - anders als geplant und erhofft, aber eben ein einmaliges Abenteuer.

Weil ich letztes Jahr verletzt ausfiel und auch den geplanten TDS absagen musste fiel dieses Jahr meine Wahl auf einen Nicht-Wettkampf: den GR20 in 5,5 Tagen zu machen. Mit einem Bus, der einen Teil des Gepäcks transportiert 180km mit ca 12000hm zurückzulegen klingt machbar. War aber nach dem Unfall mit dem Rad und dem subkutanen Hämatom im Oberschenkelmuskel plus dem nicht vollständig ruhigen Achilles mit mangelndem Training eine Riesenherausforderung für mich.

Die ich auch in keiner Weise unterschätzt habe! Würde die Vorbereitung reichen? Ich hatte leider aufgrund der dauernden Ausfälle noch keinen Lauf über 25km gemacht. Einmal Rad 13h, kein Bergtraining seit ca. 2 Jahren und - NICHTS.

Doch ich packte meine Sachen und flog nach Korsika / Bastia, auf die Ile de la Beauté (Insel der Schönheit), um mit knapp 30 Verrückten die Jagd von Calenzana nach Conca zu eröffnen. Da reisten so Größen wie die österreichichen Trailmeister an. Schweizer, Bayern, alles bergerfahrene Läufer und Läuferinnen. Und ich Flachlandtiroler ohne Training mitten drin. Na ja, im Lauf ist 80% mental - und der Rest Kopfsache. Mein Wahlspruch.

In Bastia empfing mich drückende Schwüle. Nicht mein Ding. Kann ich gar nicht. Den Samstag Abend verbrachten wir in einer Pizzeria neben dem Hotel am Flughafen, wo andere 2 Vierbettzimmer gebucht hatten. Ich hatte mich angeschlossen - und auch beim Transfer einfach eingereiht. Einfacher wäre der Flug nach Calvi gewesen. Nun ja, ich war da. Und mit mir das mentale Gepäck des letzten Jahres.

Wir fuhren Sonntag dann in zwei Chargen nach Calenzana, dem Startort des legendären GR20, der als härtester Wanderweg Europas bekannt ist und von Francois d'Haene in gut 31h bezwungen wurde (allein mir diese Zeit vorzustellen fällt danach noch viel schwerer).

Sonntag Abend Treffen mit dem Rest der "Truppe" und dem Organisator. Schon hier ging nichts - nicht mal die Kocher in der Küche der Gite. So schafften wir das Gemüse nur halb in der Mikrowelle zu erwärmen (nicht garen) und die Nudeln blieben in der Packung. Wir schlafen im Mehrbettzimmer, ein Teamkollege bei mir im Zimmer. Gegen 0:30h geht er auf die Toilette, ich werde wach und fange im Halbschlaf an den Rucksack zu richten, weil ich 5h lese :grummel: bis er mir die Zeit sagt. Also wieder hinlegen. Die anderen schnarchen :lach - ich bestimmt nicht:

Um 6h Treffen an der Kirche in Calenzana, Foto und dann verspätet Abmarsch. Das Feld entzerrt sich fix, bei mir geht nix. Schwindel - Wasser, Salz. Nichts hilft. Weiter, weiter! An der Bocca treffen sich (fast) alle wieder und dann geht es richtig auf den Weg. Mit den ersten Ketten und Kletterpassagen geht es zur ersten Hütte - dem ersten Drittel der heutigen Strecke. Beim zweiten Drittel überholen mich fast alle und einer bleibt bei mir und empfielt mir Traubenzucker. Habe ich dabei - hilft aber immer nur gefühlte Minuten. Und Salz - auch das anbei, ebenfalls gefühlt nutzlos. Auf der zweiten Hütte gönne ich mir ein Omelett für 10 Euro (ne ganze Menge Kohle für 2 Eier und nen bissl Käse, aber an die Dimensionen hier muss man sich gewöhnen) und auf seine Anweisung auch eine Dose Orangina (3,50). Puh, süßes Zeug, so gar nicht meins. Hilft aber kurzfristig weiter. Über die Hängebrücke betrete ich Neuland - letztes Jahr war ich gegen 18:30h an dieser Hütte gestrandet. Weiter geht es durch Blockgelände und steil bergab, wo ich teilweise echt gucken muss, wie ich mich da runter hieve. Gegen 17:30h erreiche ich Haut Asco und damit das Ende der geplanten Etappe - JIPPIE!!! Klar, der Rest ist schon erholt, als ich ankomme. Aber bis 20h (dem geplanten, gemeinsamen Essen) ist noch Zeit für Dusche und Laden von Geräten. Immerhin eine Steckdose im Zimmer, in der ich noch über Nacht das Navi einer Kameradin lade. Leider nicht meinen Fotoapparat. Immerhin Uhr und Handy.

Die Uhr hält leider nicht die versprochenen 20h am nächsten Tag, so dass ich alle aufgezeichneten Tracks einfach gelöscht habe. Ging ja um nix. Hat sich mitten am Tag einfach verabschiedet. Peng - Ende. Am Morgen gehe ich mit einem großen Teil der Meute los - und erreiche humpelnd gegen 20h das nächste Etappenziel. Inzwischen hat der Fotoapparat (Scheckkartengröße und daher sehr praktisch) den Geist aufgegeben. Da ich die Powerbank nicht eingepackt hatte - und hier erst mit Baumwollschlafsack im Zelt übernachten sollte - konnte ich gar nichts laden.

Am nächsten Morgen hieß es einfach weiterstolpern. Dabei versuchen die Schönheit der Landschaft zu genießen. Diese ist wirklich phantastisch und vielfältig. Kleine Steine, große Steine, spitze Steine, stumpfe Steine, darüber huschen immer wieder kleine Echsen, in Spalten immer wieder Blumen; 800 hm Aufstieg (mit immer wieder auch Abstieg) und dann anschließend Abstieg (mit immer wieder auch Aufstieg) gespickt mit Kletterstellen und - für mich - schwierigem Geländer. Überquerung von Schneefeldern. Es bleibt kaum Zeit der ganzen Schönheit gerecht zu werden. Sie auf Foto zu bannen fehlen mir die Mittel (ich erwähnte das meine Akkus alle waren?). Ich hatte Blasen an allen Ecken den Füße und darunter, so dass ich kaum auftreten konnte. Die anderen warteten immer wieder mal auf MICH. Bei einer Bergerie aßen wir Brot (Weißbrot, nicht das jemand meint hier hätte es was RICHTIGES zu essen gegeben) mit Käse. Die schämten sich nicht für ne Ecke Käse 8 Euro zu verlangen! War aber lecker und half wieder weiter. Erwähnte ich, dass ich Haferflocken für mein Frühstück mitschleppte? Und Studentenfutter? Das war das einzig "richtige" Essen in den Tagen. Ich hatte das Gefühl nach 2-3h dermaßen "alle" zu sein, dass ich saft- und kraftlos durch die Gegend stolperte. Bergab wurde alles noch schlimmer, weil ich kaum auftreten konnte. So hängten die anderen mich ab und ich blieb allein zurück. Auf einmal ein Bach - wo geht der Weg weiter? Ich stolpere ein wenig durch den Bach, bergauf, zurück, einen Abzweig lang - finde: NICHTS!!! Vor lauter Schmerz und Frust kriege ich einen Heulkrampf - und da stehe ich nun heulend auf dem GR20, weiß nicht wie vor - ein Stück zurück? Kein Mensch in Sicht. Ich werde hier verrecken! Niemand wird mich je finden. Mentaler Tiefpunkt - ich, am Ende der Nahrungskette angekommen! Weiß nicht mal ob die noch langsameren vor uns los sind (dachte ich zu dem Zeitpunkt). Keine Wanderer in Sicht - niemand, nichts! Nur Hitze, Sonne, Landschaft, die ich in dem Moment nicht mal mehr genießen kann.

Dann kamen die beiden an - und drängten mich ein eingepacktes, kleines Weißbrötchen zu essen und mit ihnen zu schleichen. Ich schlich hinterher, kam mir vor wie ein Felsbrocken in ihren Hacken und verfluchte mich und mein Unvermögen. An der nächsten Bergerie gab es bis auf einen Mangold-Fladen nichts für mich (Vegetarier - hier gibt es viel Salami und Schinken). Den trat dann der Kamerad für mich ab und es ging weiter Richtung Vizzavona. Aber davor taten sich unendliche Steinwüsten und Höhenmeter, glatte Granitplatten (mit zig hundert Höhenmetern unter den Füßen) und einem falschen Verständnis zusammen, um uns den Weg zu erschweren. Die ganze Gruppe war in einem Hotel untergebracht (was auch eine Gite hatte, wo ich eigentlich ein Zimmer mit HP gebucht hatte). Als wir noch unterwegs waren wurde es dunkel und wir mussten die Lampen einschalten. Am Hotel angekommen war gerade die Küche geschlossen worden. Ich - am Ende der Kräfte - bettelte um Essen. Die anderen hatten uns schlichtweg vergessen. Auch der Organisator. Er bot uns an uns zur Pizzeria im Ort zu fahren. Doch die Dame an der Rezeption hatte ein Einsehen und fand noch einen Rest Suppe, den wir draußen essen durften. Kalt war es nachts und draußen - erwähnte ich schon, dass ich die Wollunterwäsche und die Jacke brauchte? Der Kamerad hatte kein Zimmer, ich bekam ein großes Bett in einem Einzelzimmer und bot ihm eine Ecke an. Nach einer Dusche und dem Packen für den nächsten Tag fielen wir beide wie tot kurz nach Mitternacht ins Bett. Die Decke hatte ich mir gesichert - er nahm irgendwas später in der Nacht für seine Beine. Er hatte den Wecker für 5:45 h gestellt und weigerte sich eher zu aufzustehen.

Morgens um 6h waren die anderen schon unterwegs, während wir versuchten die Rucksäcke zu schnüren und uns ohne Frühstück wieder auf den Weg zu machen. Kraftlos stolperte ich kurz vor 7h auf den "einfacheren" Südteil. Es würden heute über 40km werden - und wir erreichten den Bus so spät, dass für uns nur noch Sandwiches an der Hütte blieben, wo die anderen fürstlich gespeist hatten. Immerhin waren die so groß, dass wir nur die Hälfte sofort schafften (der Rest wurde dann später Abendessen und Frühstück). Weiter ging es zur nächsten Hütte, die sehr schön auf einem Bergrücken liegt und einen wundervollen Blick bietet. Am liebsten wäre ich dort geblieben, doch wir hatten in der darauffolgenden Hütte das Bett / Zelt gebucht, also hieß es weiter. Der Streckenabschnitt war alpin mit Sucherei des Weges, kraftloser Stolperei meinerseist und der zeitweisen Abnahme des Rucksacks durch den Kameraden, damit ich mal was schneller stolpern konnte. Ich fühlte ich noch mehr gedehmütigt! Nicht mal als Wanderer war ich zu gebrauchen! Der Rest kam schneller mit Rucksack klar, als ich ohne! Ich war die "rote Laterne" und kämpfte um jeden Meter. Ich WOLLTE zur Hütte, koste es was es wolle! Aber die Sonne spielte nicht mit und der Kamerad beschloss das Risiko der dunklen Wegsuche nicht einzugehen (ich war mir ziemlich sicher die nächste Hütte knapp erreichen zu können - und das erwies sich auch am nächsten Tag) und ein Notbiwak (verboten!) zu machen. So richteten wir bei Sonnenuntergang ein Biwak her und irgendwann erschien mir das einfach als weiteres Abenteuer - eine Nacht unter Sternenhimmel hatte ich bisher nicht verbracht, das Wetter war trocken. Also schichteten wir Steine zu einer "Badewanne" auf, legten eine Rettungsdecke auf den Boden, seine aufblasbare Matte quer unter unser Hüften, die Köpfe auf den Rucksack, alles an was anbei war (ich hatte die UTMB-Pflichtausrüstung plus Jugendherbergs-Baumwollschlafsack dabei), die beiden krochen in ihre Daunenschlafsäcke und ich in den Baumwollschlafsack in die Mitte, Rettungsdecke drüber und fertig. Danach ging das Gejammer los, wo es jedem weh tat und wer wo wie runter rutschte auf dem Hang. Seitlich - ging nicht, Rücken - ging nicht. Irgendwann kamen die Sterne raus und jeder döste ein wenig vor sich hin, immer wieder unterbrochen vom Geschnarche oder Gedrehe der anderen. Bei Sonnenaufgang war ich als erste wieder wach und wir genossen das Schauspiel in vollen Zügen. Um dann irgendwann zu überlegen, dass wir ja weiter wollten - und nicht wollten, dass die anderen aus der Südrichtung über uns stolperten :grins:

Also wurde alles wieder verpackt, der letzte Bissen Brot vom Mittag (staubtrocken; ging nur mit dem Rest Wasser) reingeschoben und weiter zur Hütte! Wo wir dann gegen 7h ankamen und uns ein Frühstück gönnen wollten. Der Shop hatte Obst, Käse, Apfelkompott, Brot, Tee und Kaffee (kochendes Wasser aus dem Topf auf einen Beutel bzw. Instantpulver). Wir kauften ein und ich hatte den Tee und einen Kaffee zu transportieren. Das Zeug hatte der Wirt in Pappbecher gefüllt und ich fragte ihn ob er nicht einen Teller oder eine Platte für den Transport hätte (war heiß!). Nö, ich solle das mal so von oben packen und das ginge schon. Nö, ging nicht. Tiefer packen - mir zu heiß! Ich musste das abstellen - und auf der Stufe kippte beides um. Und mir über den rechten Schuh - ein Schrei, der vermutlich bis Conca zu hören war, entfuhr mir. Der Hüttenwirt lachte sich kaputt - er hatte wohl gedacht ich wäre sauer, weil das Zeug ausgelaufen war. Die Kameradin war im Notdienst im KKH tätig und ich versuchte bereits den Schuh auszuziehen als sie ankam. Es fand sich dann auch eine Tonne mit kaltem Wasser, aber das Malheur war passiert. Mein Fuß war mit Blasen übersät, rot und verbrannt! Und das fern jeder Zivilisation. Als der Wirt das Ausmaß begriff fragte er ob er einen Hubschrauber rufen sollte? Mhm, dafür? Wir fragten ihn nach dem nächsten Ort. Na ja, ca. 3,5h, davon das meiste Abstieg. Wir deckten die Wunden mit Pflaster ab, ich warf eine Ibu ein und wir marschierten bergauf. Ab hier wäre der GR20 links weitergegangen, wir schlugen (schweren Herzens) den gelb markierten Weg runter ein. Hier sollte es eine Apotheke geben. Den Organisator erreichten die beiden Kameraden dann oben am Berg - zwischendurch hat man selten Netzempfang. Wir sollten uns per Anhalter durchschlagen - das sei auf Korsika kein Problem. Er müsse mit dem Bus am Pass sein (da einige bereits ausgestiegen waren fiel uns auch eine andere Variante ein, aber hier war jeder auf sich gestellt - und das war auch von vornherein klar kommuniziert worden: er sei nicht Veranstalter, hafte nicht, ...).

Schritt für Schritt stolpere ich mit den Stöcken bergab. Der Weg wird leichter und mündet auf einer Forststraße, dann einer Asphaltstraße. Etwas irritierend nach diesen Tagen im Gebirge! Irgendwann erreichen wir die Apotheke und die freundliche Dame will sich meinen Fuß im Nebenraum ansehen (ist auch Orthopädie-Geschäft). Sie schlägt die Hände überm Kopf zusammen und befielt mir das Teil unter den Wasserkran zu halten. Seife drauf - abrubbeln, heißt es. Der Dreck muss runter. Den haben wir täglich in den Socken, Schuhen, überall einfach. Danach kommt sie mit Brandsalbe und "meine" Schwester nickt entzückt - das Zeug kennt sie! Abdecken, mit einer selbstklebenden Bandage verpacken, Fuß in den dreckigen Socken und in den Schuh. Danach gönnen wir uns zur "Sozialisierung und Sondierung der Lage" erst einmal einen Kaffee im Restaurant gegenüber. Ich frage ein paar Leute, aber alle wollen in die andere Richtung. Wir fragen noch die Bedienung, haben aber keinen Erfolg. Ein Taxi zum Col de Bavella kostet ca. 400 Euro - die haben wir nicht bar mit (erwähnte ich, dass man hier überall Bargeld braucht? Karte: Fehlanzeige!). Einen Bekannten, der das schwarz machen würde, erreicht er nicht. Wir stolpern also Richtung nächsten Ort auf die Straße und versuchen alles anzuhalten. Na ja, ca. 1 Auto pro Stunde, meist Anwohner oder Anlieferung, die sich bei uns entschuldigen uns leider nicht mitnehmen zu können (sehr freundlich, die Korsen). Im nächsten Ort findet sich dann eine Tourist-Info, die uns einen Fahrer vermittelt. Wir hätten noch zig Kilometer auf der "vielbefahrenen" Straße weiterlaufen können ohne jemanden zu finden, denn eine Wanderin mit großem Gepäck überholen wir noch - können sie aber leider aus Platzmangel auch nicht noch mitnehmen.

Am Col de Bavella angekommen verabschieden wir uns von unserem Fahrer und ich stolpere zum Tourbus. Ende - ich habe den Kampf um die rote Laterne verloren! Am Tourbus ist aber niemand, also beschließe ich mit den anderen die ca. 5km zur nächsten Hütte, wo die Übernachtung gebucht ist, zu stolpern. Was wir dann auch erfolgreich meistern. Es gibt eine Riesenschüssel Spaghetti mit ein wenig Pesto und Oliven sowie zwei Stückchen Käse mit Konfitüre für mich. Die anderen lästern, ob ich das wohl schaffe. Ich schaffe! Endlich einmal satt! (na gut, etwas habe ich einer anderen angeboten, aber die hat nur mal nen Gäbelchen davon genommen). Alle anderen bekommen Spaghetti Bolognese und ein Stück Käse plus Salami und Schinken.

Der Organisator ist dort - und abends gibt es die begehrten Buckles (Gürtelschnallen) für alle - außer mich. Er spricht mich nicht mal an, wie es weitergeht und was ist, bezeichnet das Ganze als "Haushaltsunfall" - was mich arg verletzt, so dass ich mich ins Bett verziehe. Eigentlich wollte ich zum Bus zurück nach der Nacht, doch morgens erfahre ich, dass er am Abend bereits zurück ist (und vermutlich bereits zum Ziel gefahren ist). So bleibt mir keine Wahl als die letzte Etappe auch zu Fuß zurückzulegen. Und wieder stolpere ich auf die Stöcke gestützt durch die Gegend, nachdem ich mein Frühstück noch mit meinem Matratzenkollege geteilt habe, dessen Frühstück sich nachts die Mäuse geholt haben.

Irgendwann kommen wir dann in Conca an - und sind wieder auf der aspaltierten Straße unterwegs. Ein komisches Gefühl - ich habe den GR20 geschafft und doch nicht geschafft.

Wie auch immer man das jetzt bewertet - einen Teil der 13. und der 14. Etappe sind wir anders gegangen, ein Stück davon haben wir mit dem Auto zurücklegen müssen. Wir hätten es nicht geschafft den Weg wieder zum Abstiegspunkt hoch und weiterzugehen (rein zeitlich betrachtet und vermutlich auch schmerzmäßig nicht). Alles andere bin ich auf eigenem (verbranntem) Fuß gehumpelt.

Die Gegend ist traumhaft schön. So viele Blumen in Geröll, in Felsspalten. Riesige Kastanien, der Geruch allein, tausende Eidechsen, die über die warmen Steine huschen, die Landschaft, Gumpem (kleine Seen) zwischendurch in denen wir teilweise ganz oder die Füße gebadet haben.

Nicht zu vergessen eine Kameradschaft, die ihresgleichen sucht. Menschen, die sich um MICH gekümmert haben - einfach so - und dafür ihr "Finish" geopfert haben (auch sie wurden nur als Teilnehmer erwähnt).

Ich hatte noch 3 Tage Meer und Strand geplant, durfte aber leider nicht mit Wasser in Kontakt kommen. So habe ich die Tage zum essen, trinken, schlafen (in beliebiger Reihenfolge) genutzt. In den ersten 24h habe ich allein ca. 2kg Gemüse und 1,5kg Obst gegessen! Mangelware unterwegs.

Nach meiner Rückkehr konnte ich direkt beim Hausarzt vorbeihumpeln, der kopfschüttelnd meinen Fuß neu verarztet hat. Ruhe verordnet, krank geschrieben. So liege ich hier auf der Liege (mangels Couch, immer noch) und muss den Fuß hochlegen. Zu lange stehen oder in der Wohnung rumhumpeln geht nicht. Also ernähre ich mich gerade von TK-Kost (hab ein paar kg Gemüse und Obst darin :lach:).

Warum ich so schlapp, saft- und kraftlos war muss ich noch ergründen. Vermutlich liegt es an einem Mangel an guter Energiezufuhr und Schlaf. Oder an mangelndem Training - schließlich war ich erst drei Wochen zuvor nach dem Unfall wieder von der Liege die ersten km zu Fuß gekrochen.

Wie auch immer - es war ein einmaliges Abenteuer! Und eigentlich war ich doch genau dafür nach Korsika gereist?

5
Gesamtwertung: 5 (7 Wertungen)

Abenteuer

trifft es, aber ich wäre schon viel früher ausgestiegen... Und mal von dir als Roter Laterne zu lesen, dass muss ich erstmal verdauen. Was bin ich dann????

Ich weiß nicht, ob es mangelndes Training war. Klingt nach einfach zu wenig Schlaf und zu wenig Kalorien. Wo, bitte, sollte die Energie denn herkommen? Wer dich kennt weiß, dass du du nicht zuzusetzen hast!

Obwohl ich die Story garniert mit Fotos ja schon kannte bin ich gerade total wütend, gut, dass der sogenannte Nichtveranstalter nicht anwesend ist. So ein bisschen Mitgefühl und der Versuch "seinen" Leuten zu helfen, wenn man selbst die Tour kennt, ist doch nicht zuviel verlangt, oder? Wofür, bitte, habt ihr denn dann überhaupt bezahlt? Kapier ich nicht.

Ich bin froh, dass du heil runter gekommen bist. Der "Haushaltsunfall" hätte überall passieren können, doof, dass es dich so erwischt hat. Hier wird jetzt das fazerlabel berühmt werden... Ich wünsche dir gute und schnelle Besserung. Sehr viel mehr kann ja in diesem Jahr nicht mehr passieren?

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Tolles Abenteuer,

aber auch "ohne Mampf kein Kampf".
Bei den spärlichen Kalorien wundert es mich nicht wirklich, dass dir die Energie fehlte. Dass du zäh bist und kämpfen kannst, das wissen wir, aber die Maschine braucht schon bisschen Futter, um diese Strecken mit den Höhenmetern zu meistern.
Ich hätte dir sehr ein happy end gewünscht, Pech hast du doch die letzte Zeit genug gehabt.
Gute Besserung dem Fuß!

LG,
Anja

Oh mein Gott..ich bin

Oh mein Gott..ich bin entsetzt!
Ok, das geht definitiv als Abenteuer durch, aber ich bin sicher, deine (und auch meine) Definition von Abenteuer sieht ganz anders aus!
Jetzt weiß ich auch, was Sabine mit ihrem Facebook Post meinte....
Welch ein Glück das ihr euch getroffen habt.
Und zu dem Veranstalter: unfassbar! Echt jetzt! Man kann sich schon viel vom Hals halten mit dem Kleingedruckten, aber sowas geht garnicht. Es sollte schon sichergestellt werden, das für jeden genug zu essen da ist! Es erwartet ja niemand fünf Sterne Küche. Und da kann man noch so gut kämpfen und beißen, ohne außreichende Kalorien geht sowas nicht. Wir sind doch nicht im Krieg!
Und da stellt sich mir die Frage der Sinnhaftigkeit. Ich musste mir auch schon viel anhören bezüglich meiner "Abenteuer" und die waren Fliegenschiß im Vergleich zu deinem. An seine Grenzen gehen, gucken was geht, alles gut und schön. Aber das grenzt an Masochismus. Nichts für mich. Ich möchte schon noch ein paar Jahre leben. Es gibt so viele schöne Dinge, Läufe, die ich noch erleben will. Da muss ich nicht mein schwer verdientes Geld einem solchen Veranstalter in den Rachen werfen, der sich so wenig um das Wohlergehen seiner Kunden kümmert.
Ich möchte dir nicht zu nahe treten, bitte fasse das nicht als Kritik an deiner Person auf!! Du hast tapfer gekämpft, ich glaube fast, es war ein Überlebenskampf! Und ich bin froh, das du es geschafft hast. Schxxx auf ne Gürtelschnalle. Erhol dich gut!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Buckle

Buckle, Pokal und Krönchen hättest Du verdient für dieses Durchhaltevermögen. Was für eine Kämpfernatur! Toll!

Ich bin dann mal weg

Ich bin entsetzt!

Wenn ich beim HM in Berlin nach 2:30 oder so ins Ziel komme und kein Zielbier abbekomme, kann ich das ja verschmerzen. Geh ich nach Hause und fertig. Aber in den Bergen kann ich nicht zum nächsten Kiosk gehen. Da muss ich mich drauf verlassen, dass ich das gebuchte Abendessen auch erhalte.

Liebe Faser, ich denke, du kreierst auch gerade so ein Label wie Strider. Das muss nun eigentlich nicht wirklich sein.
Ich habe vor ein paar Jahren auch so eine Riesenbrandblase auf dem Fuß gehabt. Das tut weh, kein Schuh passt und überhaupt mag der Fuß dann keinerlei Belastung. Und damit bist du in Bergen herumgekraxelt?

Dann ist der Bus weg und der Typ hat nicht mal Bescheid gesagt, wann er gedenkt abzufahren. - Mir fehlen ja selten die Worte, aber über so viel Feingefühl kann ich mich nur aufregen.
Hoffentlich sprechen sich deine Erfahrungen bei Wanderwilligen rum und sie überdenken, ob es sich lohnt so ein Abendteuer anzugehen.

Halt die Füße ruhig!

PS: Soll ich dir einen Lebensmittellieferanten schicken?
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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Verdammte Axt!

Wann immer ich auch nur ansatzweise erwägen sollte rumzujammern werde ich mir diese Geschichte in Erinnerung rufen und einfach mal meine Klappe halten! Das hat mehr Biss als ungekochte Nudeln!!!
Erhol dich gut!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Puh, das ist starker Tobac! ...

... Man könnte natürlich auch sagen "Was ist an 'jeder ist auf sich allein gestellt.' So schwer zu verstehen.
Aber wenn man weiß, dass da noch drei Leute kommen, kann man auch noch drei Essen in der Küche avisieren. Kann man. Scheint man nicht zu müssen.
Noch rühriger finde ich es zum Abschluß nicht einmal zu fragen wie es geht.
Bei FB liest sich die Tour auf der Seite vom Gepäcktransporteur und Vorplaner (Organisator beinhaltet für mich nach deiner Schilderung mehr) als tolles Event, dass auf die nächste Auflage wartet.
Andererseits ist erleben was der Kopf draus macht. Und ohne Sprit im Tank kann nicht nur der Körper nicht, sondern auch der Kopf empfindet einiges etwas anders.
So wie ich dich kennengelernt habe, kannst du von Glück reden, dass du so beißen kannst. Wer weiß, wie das Abenteuer sonst ausgegangen wäre.
;-(
Erhol dich gut! ;-)
Ein Schalk hat ein neues Ziel - Das Doppel 2017: UTMB+TdG
Training für das Doppel 2017 - UTMB+TdG

Also

"untrainiert" bezieht sich auf's Laufen - ich denke nicht, dass jemand der 300km Rad am Tag fährt als "untrainiert" bezeichnet werden kann. Hier war von meiner Seite wandern (Speedhiking sozusagen) geplant. Teile der Strecke waren gut laufbar. Ein normales Marathon-Training ist hier eh fehl am Platze!

Ich bin nicht blind in das Abenteuer gestolpert. Der GR 20 ist ein schöner, aber auch schwieriger Weg. Viele Paare gehen ihn gemeinsam - mit großen Rucksäcken - und immer mehr Leute schaffen das in viel weniger als 15 Tagen (bei 1 Etappe pro Tag). Der Südteil wird häufiger begangen als der Nordteil. Auch von vielen Frauen und Familien mit größeren Jugendlichen.

Berge an sich sind bei Wetterwechseln lebensgefährlich - das war mir von vornherein klar. Wir hatten trockenes - für mich eher zu warmes - Wetter. Aus meiner Sicht kalkulierbares Risiko. Viele aus der Gruppe haben sich ab spätem Nachmittag / frühem Abend auf den Hütten gelangweilt :grins:

Die Gegend ist atemberaubend - in jeder Hinsicht!

Auf das fazerlabel würde ich gerne verzichten und denke seit gut 2 Jahren es könne nun eigentlich nur noch besser werden. Irgendwie will das Leben aber gerade nicht so wie ich. Also mach ich das Beste draus.

Mehr Biss als ungekochte Nudeln ist gut! Ungekochtes Gemüse hatten wir auch :kicher:

Ach so: da ich selten Gürtel trage brauche ich auch keine Gürtelschnalle. Aber der Heldenkamerad hat mir seine geschenkt - er hat darauf verzichtet. Jetzt bewahre ich diese zu seinem Andenken.

Also: wenn jemand den Weg mal gehen möchte stehe ich gerne mit Tipps zur Seite.

(Y) ;-)

;-)

Liebe Fazer,...

wir haben uns ja schon via PN über Dein großes Pech im Urlaub ausgetauscht und es tut mir total leid, dass es so schmerzhaft für Dich gelaufen ist.
Werd schnell wieder gesund und schau nach vorne!
Laufen mit braver Achilles und dann auch bald ohne Bluterguss und Brandwunde wird bald wieder schmerzfrei funktionieren und dann kommt das, worauf Du Dich schon länger drauf vorbereitest und die LD wird richtig gut laufen!!
Dafür drück ich Dir alle Daumen!! :o)

Ganz liebe Grüße Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

fazerlabel....

jawoll! Das ist es wirklich;-) Ich habe gerade zum 3. Mal deinen Blog gelesen, der mir erst entwischt ist und nun einen fetten Kloß im Hals beschert. Keine Gürtelschnalle der Welt kann das Abenteuer, das Mitmenschliche und die Kameradschaft ersetzen, die du erfahren hast! Trotzdem ärgerlich, denn nach meiner Meinung steht sie dir zu. Du bist schließlich auf deinen Füßen runter und nicht mit dem Helikopter. Egal, das interessiert uns auch gar nicht wirklich, aber eben dein irres Abenteuer und zwar sehr!!!
Du bist eine sehr starke Frau! Ich ziehe alle Hüte vor dir und bin gerade ein bissl sprachlos!

Lieben Gruß
Tame

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