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In der Woche meiner Enkeltochter-Betüddelung fiel die Lieferung meines neuen Rades. Ich hatte also nicht viel Zeit, um darauf zu fahren. Die erste Fahrt gleich mit Nieselregen zwischendurch - Taufe erledigt :lach:

Der Hintern tut schon nach gut 20km weh - der Sattel ist vermutlich nicht meiner. Was hilft es?

Am Samstag war halt die Challenge über 300km angesetzt - und die sollte gefahren werden. Start war um 4:30 h in Duisburg am Wedau-Stadion. Ankunft sollte bis abends bei Tageslicht erfolgen - so die Herausforderung.

Man traf sich im "Startblock" und das Foto mit hochgehaltenen Rädern wurde gemacht. Faul waren wir und hoben sie nur hoch - nicht umgedreht. Noch im Dunklen ging es los und im Pulk erst einmal locker herausradeln aus der Stadt. Menschen- und autoleer die Straßen, vorbei an viel Natur (teilweise sehr schön geführte Strecke), in Richtung Sonnenaufgang. Sehr schön für's Gemüt. Es wurde immer heller und sonniger, blieb aber kühl und damit die Ärmlinge halt da wo sie hingehörten: an den Armen.

Wir radelten mehr oder weniger unterbrochen von Ampel- und Kreuzungsstaus, die sich im Pulk bildeten, zum schönen Schloss Raesfeld, wo nach ca. 50km die erste Pause angesetzt war. Toilette, Riegel schnappen, Flasche befüllen wo schon nötig und weiter ging's. Dieses Mal mit weniger Fahrern, so dass das Team besser zusammenbleiben konnte. Im Vorfeld war eine Geschwindigkeit von 23 km/h für dieses Team angegeben worden - andere Teams hatten 30km/h oder auch 20km/h da stehen. Wir radelten mit um die 30km/h durch die Gegend - und langsam bekam ich Hunger, hatte ich doch zu Hause nur mühevoll drei Löffel Quark mit Haferflocken in mich hineingewürgt. Mir wurde leicht schwindelig, und so wanderte eine getrocknete Aprikose von der Tasche auf dem Oberrohr in den Mund - und den Magen. Eine weitere ging den gleichen Weg, dazu zwei Salzkapseln - und ich konnte mich bis zum Frühstück bei ca. km 100 retten, wo es frische Brötchen, Getränke, etc. gab. Auf dem großen Platz waren Tische mit Schirmen aufgebaut, der Bäcker brachte alles nach draußen und man konnte sich bedienen. Nette Gespräche mit den Tischnachbarn taten ein Übriges, dieses Frühstück nett zu gestalten.

Frisch gestärkt rollten wir weiter zur Verpflegung bei km 150 an einer tollen Mühle. Zwischenzeitig rollte ich vorne im Wind und hatte nicht mitbekommen, dass der Rest sich abgehängt hatte. Wir waren mit zwei Teams gemischt unterwegs - und wer hinten ist muss halt rufen. So wartete ich auf die anderen Teammitglieder, um mit ihnen die Fahrt fortzusetzen. Wechseln hätte ich wie Verrat am Team empfunden, wobei das eher freiwillig und zufällig zusammengewürfelt war. Die anderen waren also vor uns unterwegs. Die Ärmlinge wanderten in die Trikottasche.

Die Beschwerde folgte stets, wenn ich vorne war. Es rollte aber auch zu gut! Der Wind war mit uns. Wir hatten gefühlt Rückenwind und wenn ich auf dem Auflieger liege haben die anderen auch keinen Windschatten :grins:. Wir erreichten die Mittagspause bei km 200 kurz nach Mittag. Die Portionen waren wieder so reichlich, dass ich die Hälfte meiner Nudeln mit etwas Gemüsesoße an die Frau eines Teamkollegen abtrat, die an jeder Pausenstelle auf uns wartete. Das war auch ein toller Aspekt dieses Tages: sie immer wieder zu treffen (und sie ihren Mann und uns natürlich). Einer wollte kein Getränk - sie bekam die Marke. So wurde sie quasi Teammitglied ehrenhalber.

Weiter ging es und die Abschnitte zwischen den Pausen wurden kürzer. Auf diesem Abschnitt fiel ich teilweise hinten schon in den Sekundenschlaf. Hups, aufpassen! Aber so langsam (hüstel, wenn nur ne 2 vorne stand fand ich das schon langsam) war es schwierig mit dem Kreislauf. Doch schon nach 40km war Kaffeepause angesagt, die wir direkt am Wasser verbringen konnten. Dabei konnten wir eine Drachenboot-Regatta beobachten. Der Himmel zog zu - es war nicht zu heiß, aber trocken.

Weiter ging es nach Aurich, wieder mit dem Sekundenschlaf kämpfend, wo wir in der ältesten Kneipe ein "Motivationsgetränk" bekamen. Hier hatten wir für die 30km schon 1h Fahrt eingeplant und konnten das auch fahren. Trotz Pflastersteinen, Fußgängerzone, etc. Die Kneipe war stylisch ausgestattet mit Schiffen, einem Ruder, etc. und es gab natürlich auch eine alkoholfreie Variante, die wir alle wählten. Schnack mit weiteren Mitfahrern, nett zusammenstehen - bis auf einmal mein Vereinskollege meinte: "Mein Sohn applaudiert fremden Leuten - das müssen wir ändern" und wir uns dann auf den Weg machten um in 1h dieses ungebührliche Verhalten zu beenden :lach:

Es fing an ein wenig zu fieseln, Wind frischte auf. Die Regenjacke war in der Trikottasche, blieb aber auch da. Denn es fing zum einen nicht an "richtig" zu regnen und zum anderen wollten wir einfach fertig werden und ins Ziel. Um den Sekundenschlaf zu bekämpfen wechselten mein Vereinskollege und ein Teamkollege sich mit Ausreißern ab, denen ich stets folgte. Da wurde ich wieder wach und der Kreislauf kam in Schwung. Und auch mal ne 4 vorne auf die Uhr.

Richtung Bensersiel waren die Straßen so nass, dass der Hintern von unten doch sehr feucht (bzw. nass) wurde. Hier musste es heftig geregnet haben - wir hatten davon zum Glück nichts mitbekommen!

Kurz vor dem Ziel warteten wir auf alle, um dann gemeinsam reinzufahren. Und dann nahm der Vereinskollege erst einmal seinen Sohn auf den Arm (1 1/2 Jahre) und begrüßte seine Tochter und Frau. Die drei waren mit dem Auto hochgefahren und hatten schon einen schönen Tag am Meer verbracht. Ein Blick auf den Hafen war ernüchternd: das Meer war vor uns davongelaufen. Es war Ebbe! Also viel Schlick, ein wenig Wasser um die Boote, Wind, bedeckter Himmel. Und ich hatte den Rückbus erst für 22h gebucht - grummel. Also Nachfrage ob ich auf 20h ändern konnte - Glück gehabt, es waren noch zwei Plätze frei.

Wir machten das Zielfoto, eine Fotografin machte unter einem Zeltdach Fotos (das Sofortfoto habe ich auf die Urkunde geklebt):
Zielfoto

Wir gingen dann gemeinsam zum Essen - also mit Frau, Familie, etc. und es war eine sehr nette Runde. Man konnte im Freibad duschen, was ich auch nutzte. Zum Glück hatte ich mir eine lange Jogginghose und einen Fleecepulli eingepackt, so dass ich nicht mehr fror (wir waren doch geschwitzt).

Bis der Bus dann losfuhr verzögerte sich die ganze Sache noch, weil der noch liegengebliebene Radler bei der Mittagspausenstation einsammeln musste.

Wir waren nach knapp 13h da - was einen Schnitt (inklusive Pausen) von 23,3 km/h machte (wie einer der Teammitglieder ausgerechnet hatte mit seiner Uhr). Netto blieb ein Schnitt von um die 30km/h - je nachdem welcher Tachoangabe man denn Glauben schenkte. Nicht schlecht für 300km Strecke, aber als Team und bei dem Wetter war es auch nicht schwer gewesen.

Ich war dann letztendlich um 2:30h wieder zu Hause - am Sonntag früh. Paar Stunden Schlaf, und dann ein kurzes Läufchen. Ging besser als befürchtet.

Wir hatten schon gewitzelt, dass wir eigentlich den Duisburg Marathon am Sonntag hätten laufen müssen und am Freitag noch in der Regatta hätten schwimmen können. Wäre bestimmt irgendwie gegangen, auch wenn ich Sonntag mühelos die für zwei Personen vorgesehene Portion verdrückt habe.

Ob ich dieselbe Aktion nächstes Jahr wieder brauche? Wahrscheinlich nicht. Schöner wäre so etwas an einem langen Wochenende, wo man vielleicht noch zwei Übernachtungen dranhängen kann. Oder als Rundkurs.

Na ja, andere laufen diese Strecke zu Fuß, aber es war spaßig und eine Herausforderung, die ich - im Nachhinein betrachtet allen Widrigkeiten zum Trotz - mit meinem eigenen Rad bewältigen konnte.

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Toller Bericht

und deine Leistung auch absolut. Danke, dass wir daran teilhaben können.

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Unvorstellbar

du verrücktes Huhn lässt aber auch keine Beklopptheit aus.
Da muss ich mir ja jedes Mal eingestehen, was ich doch für ein Weichei bin.
Es freut mich, dass du so viel Spaß hattest.
(Ich wäre definitiv beim Essen besser als beim Radeln.)

LG,
Anja

Und, haste den alten ...

... Sattel aufmontiert, oder biste mit dem neuen gefahren? Der Hintern scheint sich nicht beschwert zu haben. Jedenfalls schreibst du nicht davon.
Klasse Aktion!
;-)
PS: Und so viele laufen 300km nun auch wieder nicht am Stück.
Ein Schalk hat ein neues Ziel - Das Doppel 2017: UTMB+TdG
Training für das Doppel 2017 - UTMB+TdG

@schalk

Bin mit dem neuen Sattel gefahren - war kaum schlimmer als nach 20km. Extrem unangenehm. Muss mal sehen woran es liegt - hab da jetzt irgendwie ein Ei, was nicht dahin gehört :grübel:

Evtl. alten Sattel drauf, aber das Rad steht noch für ein Gutachten beim Radhändler. Der Unfall muss noch abgewickelt werden.

Frühstück

nach 100km Rad mit drei Löffeln Quark und zwei Aprikosen... da wäre mir auch schwindlig....

Und 23km/h pro Stunde sind angesetzt und um die 30km/h wird gefahren? Wunderbar, ich weiß, warum ich nicht mehr an Vereinsausfahrten teilnehme, da läuft das auch immer so ;-))

Super gemacht, wie immer. Mein Ding wird es nicht. Aber man muss nicht alles können. Auch nicht 300km laufen ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Sehr coole Aktion...

...und dann mit netto 30er Schnitt, Wow!!!
Würde sagen, Du bist topfit!!!
Gratuliere Dir und der Tria wird klasse!!!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

endlich endlich

komme ich dazu dir hier nochmal zu dieser Mammutaktion zu gratulieren!
Schickes Rad - schicke Tour - schick durchgekommen!
Schön, wenn es dann auch mit so einer Gruppe gut funktioniert!
Nächstes Jahr - gibt ja auch andere Fahrten mit +300km... ;-)

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

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