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Wie angestochen rannte ich.
Die Beine waren schwer aber bereit für diese Strapaze, gut trainiert.
Ich wollte es unbedingt schaffen, tippelte hinauf, immer den Takt gebenden Singsang des afrikanischen Zugläufers und seiner Schützlinge im Ohr „Go-ing-up...to-the-top...Go-ing-up to-the-top...“.
Mein Atem ging gleichmäßig kraftvoll trotz der schwülen Luft.
Shirt und Hose klebten auf der nassen Haut.

20 Minuten hatte ich noch, gespickt von Hindernissen, Prüfungen, Herausforderungen, Menschen, die mir nachrufen, ich würde es nicht schaffen...
Das wollen wir mal sehen!

Die Minuten verrannen wie der Schweiß, der den Nacken und Rücken hinunterfloss.
Wie auf Schienen rannte ich durch die Menschenmassen, nutzte jede freie Strecke, schlängelte mich durch die Gruppen, überholte rücksichtsvoll aber unaufhörlich.
Die Beine gehorchten.

Das Ziel kam näher, die leuchtenden Wegweiser und Schilder in den Bögen zeigten es an.

Dann sah ich es von weitem, das große Ziel und zog noch mal an in der Hoffnung...

Es muss einfach...noch zwei Minuten...

Nein...

DNF :o(((

Die ältere Dame am Bording-Schalter schaute mich mitleidig an und teilte mir mit, dass mein Flieger soeben losgerollt ist.
Zuspät. :o(
Es hat nicht gereicht.

Wegen einer defekten Laderaumklappe hatte mein Flug aus Johannesburg eine Stunde Verspätung.
Innerhalb von 20 Minuten nach der Landung war auch für mich mein Anschlussflug nach Hause nicht mehr zu erreichen.
Ich wurde umgebucht auf einen Flug 6 Stunden später und machte mich erst mal auf die Jagd nach Trink- und Essbarem.
Dann pflanzte ich mich zum Aufladen und Kraft- und Akkutanken in einen Leisure-Lounge-Glashöhlensessel und garte in meinem eigenen Saft.

Die Gedanken gingen zurück an das Erlebte in den letzten 5 Tagen.

Strider und ich hatten es vor langer Zeit getan, uns zum Comrades, dem traditionsreichsten und teilnehmerstärksten Ultralauf der Welt in Südafrika angemeldet.
Seit 1921 wird dieser ca. 90 km lange Lauf zwischen Durban und Pietermaritzburg ausgetragen. Strider war schon im vergangenen Jahr beim Down Run am Start und wollte sich in diesem Jahr beim Up Run die Back-to-Back Medaille erlaufen.

Die Anreise klappte hervorragend und unser Hotel war direkt am South Beach ca. 1 km vom Start entfernt. Schwül warm und windig war es besonders in Strandnähe.
Hinter den Hochhäusern direkt an der weitläufigen Palmen umsäumten Strandpromenade stand die Luft förmlich. Das Messegelände war auch nur max. 2,5 km entfernt und trotzdem schauten die Mitarbeiter der Rezeption ganz ungläubig als wir uns zu Fuß auf den Weg machten.


Zum Glück mussten wir uns nicht in die endlose Schlange der einheimischen Starter einreihen und in der Sonne braten, um unsere Startunterlagen abzuholen.
Als internationale Starter kamen wir in den Genuss eines eigenen Anmeldebereichs und hatten das Procedere innerhalb von 3 Minuten hinter uns und den Startbeutel im Arm.
Jetzt hieß es das günstige Busticket für den Rücktransport von Peitermaritzburg zum Start zu kaufen und die Messe nach diverse Souvenirs und Schnäppchen abzugrasen.
Im abgegrenzten internationalen Bereich gab es für uns kostenlos Kaffee, Tee und Kekse sowie nette Smalltalks mit weiteren deutschen Startern unter anderem Mr. Comrades Klaus N und Mr. Green Number Holger, der mir vor Jahren schon vom Comrades vorgeschwärmt und mir den Floh ins Ohr gesetzt hat.

Strider und ich genossen diese Shoppingtour an beiden Tagen vor dem Lauf, chillten und spazierten noch etwas am Strand entlang im nicht zu kühlen Meer, bevor wir früh unsere Henkersmahlzeit einnahmen.

Nach den letzten Vorbereitungen gings früh ins Bett, denn um 05:30 Uhr ist Start und im Startblock sollte man schon 30 Min. vorher sein.

Der Start


Strider musste noch schnell aufs Dixi und ich drängelte mich schon mal in unseren Startblog D.
Bei den Menschenmassen war sofort klar, dass es unwahrscheinlich ist, sie vor dem Start noch wieder zu sehen, da die Startblöcke schubweise immer wieder nach vorne rückten.
Wir wollten eh jeder sein Tempo laufen und die ersten Km würden auf Grund der Enge viel Aufmerksamkeit fordern, was gemeinsames Laufen sehr schwer machen würde.
Trotzdem hielt ich immer wieder Ausschau nach ihr, fand sie leider nicht, dafür andere deutsch sprechende Starter, denen ich viel Glück wünschte.
Die afrikanische Nationalhymne ertönte und wurde laut von allen mitgesungen.
Dann sangen alle das afrikanische Arbeiterlied Shosholoza und die Gänsehaut wollte nicht mehr aufhören.
Ich war wirklich hier!
Jetzt!
Ein Traum wird wahr!
Zwei Mal krähte der Hahn und dann knallte der Startschuss.

Es zählt die Bruttozeit und man hat genau 12 Stunden, um ins Ziel zu kommen, danach wird dicht gemacht und es gibt keine Wertung, keine Medaille, kein Ziel mehr.
Auf dem Weg dorthin, nur Asphalt, hat man beim Up Run ein tückisches Profil mit den Big Five, 5 besonders auffälligen Steigungen, die man strategisch schlau einteilen sollte.
Die meisten der knapp 1700 Hm bergan hat man schon auf der ersten Hälfte zu bewältigen.
Ca. 1200 Hm geht es insgesamt bergab. Man glaube aber nicht, dass der Rest schön grade aus verläuft! Nein, es ist ein stetiges auf und ab und 90% der Strecke sind gesäumt von begeisterten anfeuernden Zuschauern.

Nach geschätzten 1,5 Minuten lief ich auch endlich über die Startlinie und trabte das auf Grund der Dichte der Läufer vorgegebene langsame Tempo durch die noch beleuchteten Häuserschluchten.
Beine, Füße vor mir, neben mir, hinter mir, nur nicht in die Hacken treten oder stolpern, was nicht so einfach war bei den teilweise tiefen Löchern in der Strasse, die man ja nur im letzten Moment sah.
Strider hatte mich davor gewarnt, auf der Strassenmarkierung zu laufen, denn hier waren alle paar Meter kleine Reflektoren eingelassen, fiese kleine Stolperstellen, die ich mied, wie der Teufel das Weihwasser.
Sofort ging es los mit Steigungen an Brücken und in Unterführungen, wo ich erst noch mithastete, um mich einfach auch etwas frei zu laufen. Schnell entschied ich aber, doch auf meinen Puls zu hören und fiel, wo angebracht, in kurze Gehpausen.

Nach 3,5 km an der ersten längeren Steigung tauchte vor mir in der Menge eine Handbikerin auf, die mit aller Kraft kaum von der Stelle kam und kurzerhand drehte ich mich zu ihr um, packte ihre Hand und rief „Come on, we will make it!“
Sie freute sich sehr und ich zog sie die Steigung hoch.
Keine 10 Sekunden später kam ein anderes Mädel und löste mich ab und zwei Kerle schoben und zogen sie weiter hoch die ganze Steigung und ermutigten sie.
Toller Einsatz!
Wieder Gänsehaut!

Es war warm im Startblock und ich hatte das alte Langarmradshirt schon dort ausgezogen und mir für alle Fälle um die Hüften gebunden. Die ersten 3-4 Stunden würden es zwischen 16-22 Grad werden was für mich relativ angenehme Lauftemperatur ist. Danach waren bis 28 Grad angekündigt.

Strategisch hatte ich mir das Rennen in zwei etwas längere Marathons eingeteilt.
Den ersten wollte ich relativ konservativ gestalten, die ersten 3 der Big5(Berge) größtenteils gehen, ganz regelmäßig trinken (Wasser und mögl. wenig Cola und nichts von dem Iso), wenig essen (hatte ja gut gefrühstückt), alle 2 Stunden eine Salzkapsel und Aminos sowie nach 20-25 km das erste Gel nehmen.
Ab km 5 gab es alle 2 km einen VP mit 100ml-Folienbeuteln teils gefrorenem Wasser und Iso und Cola, Tee und Iso in Bechern, sowie Banane, Orangen, und ich weiß nicht, was noch. Ich schnappte mir meistens 1-2 Beutel Wasser, die in den Händen schnell warm wurden. Mit den Zähnen zupfte ich ein kleines Loch rein und konnte so gut dosiert trinken. An sich finde ich diese Methode mit den Folienbeuteln gar nicht schlecht, wobei diese dann nicht nur an den VPs rumliegen, sondern auf der ganzen Strecke, weil man sie weiter trägt. Unermüdlich harkten Helfer die leeren Beutel von der Strecke. An den VPs trat man zwangsläufig auch mal auf volle oder halbvolle Beutel, die dann laut knallten und einem an die Beine spritzten. Harmlos.

Nach einer Stunde ca. wurde es hell und ich ließ mich ohne festgelegtes Tempo, nur gefühlsmäßig den Wellen angepasst mit den Massen treiben, grinste vor mich hin, beobachtete andere Läufer, grüßte und freute mich über jeden Zuruf mit meinem Namen oder mit „Willkommen Deutschland in Afrika“.
Die 30 km hatte ich nach ca. 03:20 h um, was schneller, als erwartet und gefühlt war.
Der erste der Big5 Cowie´s Hill war harmlos, doch getraut hab ich mich nicht, ihn komplett hoch zu laufen. Fields Hill sollte folgen aber dazwischen ging es auch ordentlich hoch, wo ich auch kurze Gehpausen einstreute. Das veröffentlichte Profil war etwas irreführend und auch aus den vielen Berichten wusste ich trotzdem nie genau, ob der nächste Berg kommt oder ich schon drin bin oder nur in einer Vorwelle. Die Straßenschilder halfen etwas weiter.

Big5 Nr. 3 Botha´s Hill war auch nicht supersteil, aber schon kraftraubend lang, wenn man ihn durchzieht. Einen Sub10-Zugführer, ein großer athletischer Afrikaner mit grüner Nummer und Fähnchen am Rücken zog bei den letzten drei Bergen jedes mal mit einer großen Traube Mitläufer locker tippelnd an mir vorbei. Er puschte seine Jünger mit rhythmischem SingSang den Berg hoch...“Go-ing-up...to-the-top...Go-ing-up...to-the-top…“
Nein, ich zog nicht mit, traute mich nicht, wurde es jetzt doch verdammt warm und sonnig.
Schatten gab es auf der Strecke so gut wie gar nicht.
Das wird noch schwer genug werden.
Demut!

Es folgte nach Botha´s Hill erst mal etwas Downhill und nun kam bald der Bereich, der mir doch etwas die Kehle zuschnürte und die Augen feucht machte.
Wir bekamen eine kleine Kunststoffblume gereicht und ein paar Kurven weiter kam sie, die Wall of Honour, abgesperrt durch einen Zaun voller roter Blumen. Auf den Steinen der Wand sind alle Sieger des Comrades verewigt und diese Aura dort oben erzeugte riesigen Respekt in mir für diese Läufer, aber auch für alle anderen, die dieses Rennen finishen konnten. Sollte mein Traum heute wahr werden?
Ich war ob der vielen roten Blumen etwas verwundert und fragte einen Mitläufer, wo denn nun Athur´s Seat sei. „It´s coming soon!“


Und noch ein paar Kurven und Wellen weiter (Valley of 1000 Hills stand überall auf den Schildern) kam die kleine Felsnische mit Athur´s Seat in Sichtweite.
Wer sich hier noch gut fühlt und den fünfmaligen Sieger Athur Newton (dem hier ein Zeichen gesetzt wurde, weil er sich hier immer kurz ausgeruht hatte) mit den Worten
„Good morning Sir!“
begrüßt und ihm die Blume schenkt, dem wird es gut ergehen auf der zweiten Hälfte des Rennens.
So soll es sein! :o))

„Good morning Sir!“ krächzte ich, legte die Blume hinter die Plakette und berührte sie mit der Hand, wie die anderen es vor mir taten.
Ein toller Moment...unvergesslich! :o)

Weiter ging es einen schönen lockeren Downhill vorbei an einem Safaripark und ich schaute mich nach einer Möglichkeit, einem Busch zum Pullern um…nichts, aber auch gar nichts zu finden und die zwei Dixis an den VPs waren meistens besetzt. Dringend wars auch nicht, aber ich dachte mir, halte schon mal Ausschau.
Die ersten 3-4 h hatte ich kaum geschwitzt, obwohl ich sicher war, genug getrunken zu haben.
Die Haut war kühl und die zweite Salzkapsel hatte ich auch genommen. Ich begann mit 2-3 Schlucken Cola an den VPs und hier gab es jetzt auch gekochte salzige Pellkartoffeln, wovon ich sofort eine nahm. Der Körper wollte also mehr Salz, ok. Mit Pullern warte ich dann mal noch, wie es sich entwickelt. Ich musste auch später nicht.

Drummond kam näher und damit Halbzeit. Hier wollte ich sehen, wo ich stehe und die zweite Hälfte ggf. strategisch neu einteilen. Nach ca. 04:50h hatte ich die Matte in Drummond erreicht und war sehr glücklich mit dieser für mich flotten Zeit bei gutem Befinden. Cutoff war bei 6 Stunden.
Jetzt kann ich runterzählen.
Das machten allerdings auch die Schilder alle paar Km.
Hier hatte meine Suunto eine Differenz von knapp einem halben km, was später wieder genau passte.
Ich begann zu schwitzen. Ok. Jetzt zog ich den Buff aus einer der vielen Hosentaschen und tränkte ihn mit dem eiskalten Wasser und legte ihn mir um den Hals.
Das und die kalten Wasserbeutel in den Händen taten unheimlich gut.
Bald würde ich das 3. Gel nehmen und etwas Banane hielt den Magen ruhig.
Die paar Schlucke Cola schmeckte schon nicht mehr aber ich brachte den regelmäßigen Zucker als Zündstoff.
Einmal griff ich einen vermeintlichen Colabecher, trank und hatte so ein grünes süßes Prickelzeug im Becher :o(...schnell weg, das Zeug, keine Experimente.
Nur Wasser wäre zu wenig gewesen.

Bier wäre jetzt gut…hm, Holger sagte, frag einfach bei den Zuschauern.
Ein paar grillende Kerle standen mit Bierflaschen in den Händen am Rand und feuerten mich an. Ich zeigte lächelnd gierig auf sein Bier und er bot es mir sofort an...ZISCHHHHHH :o)))
Boaaaaahhh, war das lecker, nur ein paar kühle Schlucke und ein wohliges Gefühl breitete sich im Gaumen aus...das hab ich jetzt gebraucht!
Ganz lieben Dank Jungs! :o)
*leiserülps* ;o)

Big5 Nr. 4 Inchanga kam, der längste Anstieg und ich ging demütig in der sengenden Sonne.
95% der Läufer gingen. Das Gehen war bei der Temperatur und der Steigung nur noch wenig Erholung. Man hatte ordentlich zutun.
Irgendwann war auch dieser Berg geschafft und wenn man noch relativ locker den Downhill runterrollen kann, kann es ja eigentlich nicht mehr so schlimm kommen.

Naja, unten angekommen bei Km 50 waren es ja auch nur noch 38 km...“nur noch“...klingt toll, machbar. Die nächsten 28 km muss ich nur noch möglichst laufen, dann Little Pollys und Polly Shortts gehen und dann kann ich 8 km runterrollen ins Ziel.

Hahaha...Pustekuchen!
Die Strecke hat nicht nur die Big5 sondern, wie es jemand in seinem Bericht schrieb, 35 Berge und so war es!
Es gab nur hoch und runter, kaum flaches laufen und überall Zuschauermassen, Schulklassen, Kinderheime, Universitäten, wo die Studenten in Ihren Uniformen und Anzügen die Strecke säumten. Es war warm, ich schwitzte, aß noch zwei Kartoffeln und nahm noch zwei Gels.
Haare und Mütze wurden nass gemacht und an den VPs zwang ich mich, nur kurz oder gar nicht zu gehen.
Die linke Wade fing langsam an mitten drin leicht zu pieken. Ich versuchte es zu ignorieren, machte mir aber doch so meine Gedanken, was zu tun ist, wenn es schlimmer wird.
Blödsinn, wird es nicht, wirst sehen! kontert mein Sturhirn. ;o)
Nach kurzem Gehen beruhigte sich die Wade wieder, um später wieder Signal zu geben.
Risiko! Weiterlaufen als wäre nichts!

Irgendwann bei Km70 ging es wieder ordentlich runter und Wade kniff mehr aber erträglich.
Immerhin konnte ich noch gut unter 6er Pace runter laufen, das war doch was!
Hatte ich mir doch als Wunschziel erhofft, die Sub11h zu schaffen, lief immer noch alles ganz in der Reichweite von Sub10h.
18 km noch und zwei Berge und ich hab noch ziemlich genau 2h dafür um sub10 rein zu kommen, das wird verdammt knapp, WENN die Körner reichen.
Wenn sie vorher alle sind...ach was, ich bleib dran.
Wenn die Pollys geschafft sind, weiß ich mehr.

Little Pollys kam und ich war nicht sicher, ob es nicht doch schon Pollys Shortts war.
Ich fragte einen älteren Green Number-Mitläufer und ich verstand, dass es schon Polly Shortts Big5 Nr. 5 war.
War doof, war es nicht.
Polly Shortts zieht Dir den Stecker haben sie alle gesagt und ein bisschen war es so.

Puh...die Sonne hing schon tiefer und es begann etwas kühler und windiger zu werden.
Die Beine gehorchten, der Belastungsschmerz, den ich von viel Asphalt kenne, hielt sich sehr in Grenzen und das Anlaufen nach dem Gehen war auch gut machbar.
Nur spürte ich, dass die Kräfte langsam nachließen.
Zum Glück nur noch 8 km Downhill rein nach Pietermaritzburg.

Denkste!
Ok, dann etwas mehr Cola und doch noch das 5. Gel rein.
Jetzt nichts mehr zu nehmen ist zu früh.
Allerdings hatte ich für jetzt 7 km nur noch 40 Minuten auf Sub10h.
Wenn´s nur runter geht, schaff ich 05:30er Pace….wow, nach über 80 km noch, ich wundere mich über mich selbst.
Nein, da kamen noch Hügel, Hügel die ich gehen musste, aber es war mir egal, die Zeit wird ein Hammer!!

Noch 3 Km und das breite Grinsen war bereits im Gesicht fest getackert.

Noch 2 Km und ich ließ den VP aus, rollte weiter.

Und dann 1,5 km vorm Ziel ging es wieder hoch...puahhh, der Puls auch, weiter.

1 Km und meine Uhr zeigte genau 10h an.

Wahnsinn, ich lief immer noch so wie vor 40 km, wie geht denn so was??!! :o))

Die Füße signalisierten nicht ansatzweise eine Blase, die Wade war nach Pollys fast wieder still und ein Gänsehautschauer nach dem anderen waberte durch meinen Körper.

Das Rennbahngelände kam und ich lief auf Gras, schrie meine Emotionen raus, ballte die Fäuste, ich hatte noch so viel Kraft in mir, so viel Energie, ich rannte, beschleunigte, jetzt war alles egal, ich platzte vor Stolz…ein Bogen nach dem anderen kam, die Zuschauer schrien und jubelten und da war er, der große Zielbogen mit einer Zeit, von der ich vorher nur geträumt habe!!!

Ich war drin! :o))))
Ich hatte den Comrades gefinisht!!!
10:06:38 h

Im Ziel überall lächelnde Gesichter, Freude pur, die Medaille, eine Rose, der Aufnäher, Menschen, überall Menschen, die jubeln und lachen...ich drehe mich um mich selbst und sauge es auf, so unglaublich.
Ich darf das erleben, hier sein, jetzt!
Ein Traum!

Schnell kam ich wieder zu Atem, meine Beine wurden etwas wackelig, ich musste mich weiter bewegen, ging den Zielkanal entlang und fragte, wie ich zum internationalen Zelt auf der anderen Seite komme. Eine Metallbrücke mit Treppen überspannte den Einlaufkanal, wo sich Mensch an Mensch rüberquetschte, da musste ich durch. Am Zelt angekommen bekam ich erst mal ein Bier mit Lemon, um meine Lebensgeister etwas zu puschen. Ich sammelte mich erst mal auf einem Stuhl und beruhigte mich. Eine nette englisch sprechende Mitläuferin fragte, ob ich Hilfe brauchte, aber ich musste nur kurz zur Ruhe und Verstand kommen, mich sortieren. Begreifen, was ich da grade gemacht hab. Es bedeutet mir so viel!

Nach dem Beutel abholen, Kuchen, Kekse und M&Ms aus meinem Beutel essen (das angebotene Essen, Reis mit Fleisch, ist nichts für mich) und einem alkoholfreien Bier ging es mir besser und ich suchte die deutschen Läufer und zog mich um, wärmere Sachen an. Holger und Klaus kamen dazu und kurze Zeit später kam auch Strider überglücklich mit ihrer Back-to-Back-Medaille zu uns.

Dann wurde es ernst, die 12 Stunden waren bald um und wir stellten uns an die Finish-Line und feuerten noch die letzten Läufer an. Die letzten Zugläufer kamen mit großen glücklichen Gruppen rein und dann wurde runtergezählt. Ein Läufer kam angetorkelt, hatte noch 7 Sekunden und blieb schwankend stehen. Er wusste, dass es vorbei ist für ihn. Was für ein Drama...so viele rannten, taumelten, gingen, blieben stehen vor Enttäuschung.
Das ziel war zu. Ich mochte gar nicht hinsehen, sie taten mir soooo leid. :o(((

Wir saßen noch etwas zusammen mit den anderen und machten uns dann auf zu den Bussen.
Mit Bus fahren hab ich es nicht so, erst recht nicht, wenn ich hinten sitzen muss.
Wir saßen ganz hinten in diesem Pumakäfig ungeduschter Ultraläufer mit gefühlt nur noch 5% Sauerstoff.
Die Busfahrt war die Hölle und als es kritisch wurde bei mir, waren wir zum Glück fast am Hotel und ich konnte das Schlimmste verhindern.

Trotzdem, das alles war es wert!!!
Diesen Traum hatte ich mir erfüllt!!!
Danke Strider, dass Du das Abenteuer mit mir zusammen durchgezogen hast!
Es waren wunderbare 5 Tage mit Dir in Südafrika!!
Ich danke auch allen, die mir bei der Idee, der Umsetzung mit vielen Tipps und Ermutigungen geholfen haben.

Abschließend ist natürlich jeder Lauf ein besonderer Lauf, aber dieser Lauf fällt bei mir in der Bewertung unter die Top Five meiner erlebten Läufe, etwas vergleichbar mit dem London-Marathon 2013.

Kämpft für Eure Träume!

Liebe Grüße Carla-Santana

5
Gesamtwertung: 5 (11 Wertungen)

Danke :-)) Ich bin dann mal

Danke :-))

Ich bin dann mal weg

Hascht Du jescht den Floh??? :o)))

Bitte, gerne! ;o)))

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Oh jaaaa

das klingt doch alles wieder so schön, da könnte man glatt noch mal hin ...

Ok, am Anfang bin selbst ich dir auf den Leim gegangen, war nur irritiert, wann uns soviel Leute gesagt haben sollen, dass wir das nicht schaffen *gröhl*

Schöner Bericht, schöne Tour, schreit nach neuen Taten! Ich wünsche euch einen schönen Urlaub!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Danke für die tollen Bilder

und den mitreißenden Bericht zu diesem Lauf.

Gemeinsam macht das alles noch viel mehr Spaß! Und dagegen ist das DNF beim Flieger wohl zu verschmerzen - beim Lauf wär's doof gewesen.

Die Afrikaner sind mit ihren Zeiten knallhart - keine Sekunde länger! Ich hab schon beim Two Oceans so viele weinen sehen...

Ja, den Floh vom Comrades im

Ja, den Floh vom Comrades im Ohr. Wenn es nur nicht so weit wäre und ich dafür fliegen müsste!

Ich bin dann mal weg

Boah!!


Einfach nur Boah!! Was für ein Erlebnis! Die Gänsehaut überträgt sich!
Danke für diesen tollen Bericht!

Unglaublicher Bericht,

Unglaublicher Bericht, unglaubliches Erlebnis!
Danke fürs Teilhabenlassen!!!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

wow...

...äh...ja...also...*schluck*...erstmal: ganz ganz herzlichen glückwunsch! so stark!
eigentlich dachte ich, das ich auf sowas keinen bock hab. ich war zweimal im nachbarland namibia urlaubstechnisch unterwegs, kenne die gegebenheiten in afrika.
aber nachdem ich nun diesen atemberaubenden und wunderbaren bericht gelesen habe...jede zeile aufgesogen, die athmosphäre quasi gespürt hab...
____________________
laufend will das wohl doch auch mal *seufz* - brihiiiiiii...*kraisch*: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Episch

Ein epischer Bericht mit origineller Einleitung zu einem epischen Lauf. Ich habe mitgefiebert. Vielen Dank dafür. :-)

Eigentlich wollte ich das

Eigentlich wollte ich das erst heute Abend lesen, wenn ich von der Arbeit heimkomme. Aber die Neugierde hat gesiegt :-))
Und ist gut so!
Wie geil!
Ganz fetten Glückwunsch zu diesem Lauf, diesem Erlebnis!
Äh Iris....Kraisch.....nee, ich weiß nicht...so viele Nachtdienste kann ich nicht kloppen, um mir das leisten zu können (jetzt erst recht, wo die kaum noch bezahlt werden) seufz....wir müssen uns was anderes beklopptes ausdenken :-))

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

"nicht leisten"

Ich mache gerne die Rechnung auf: Startgebühr etwa 220 Euro für internationale Läufer, drei Übernachtungen mit Frühstück umgerechnet etwa 120 Euro pro Person, Flugtickets zwischen 600 und 800 Eur (je nachdem wie flexibel man ist), summiert sich auf etwa 1100 Eur rund gerechnet. Essen ist vor Ort unglaublich billig: zu zweit haben wir im Hotel ein wirklich gutes sättigendes warmes Abendessen mitsamt Getränk für umgerechnet 11 Euro bekommen.
1100 Eur ist viel für ein verlängertes Wochenende, aber nicht mehr, als vermutlich so mancher hier für eine Woche Strandurlaub ausgibt (zumal wenn er auf die Ferien angewiesen ist, also Hauptsaison zahlen muss). Wer zeitlich kann sollte eine Woche Urlaub dran hängen, dann rechnet sich auch der lange Flug eher.
Nein, ich bin nicht reich, ich erkläre das nur zu meinem Jahresurlaub. Und fahre dann eben nicht ein oder zwei Wochen nach Italien sondern verbringe den Sommer zuhause bzw. mit Kurztrips in Deutschland.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Hach klingt das geil!

An dieser Stelle muss man ja eigentlich nicht noch mal erwähnen, dass ihr da eine ganz tolle Leistung erbracht habt. Ich mach es trotzdem und sage "Herzlichen Glückwunsch". Und muss hier auch gleich mal fragen:"Ist es andersherum also downhill messbar leichter". Werden dann aus den 1700 Metern Anstieg 1700 Meter Abstieg bei dann 1200 Aufstieg. Sprich ist es exakt die gleiche Strecke? Geht doch wahrscheinlich in beiden Fällen immer rauf und runter. 1200 Meter Aufstieg wollen bei der Distanz ja auch erst mal bewältigt werden. Würdet ihr sagen andersherum ist deutlich leichter oder kommt man eher zu dem Ergebnis, dass beide Richtungen was haben. Die Länge bleibt ja.

Grüße
Stefan

Was du besser kannst

Im Prinzip ist die Strecke seit 1921 dieselbe. Allerdings ändert sich der Streckenverlauf am Start und Ziel immer etwas wegen Bauarbeiten, Sperrungen usw. Deshalb variiert auch die Streckenlänge immer etwas.

Ich war downhill fast eine Stunde schneller, allerdings auch besser vorbereitet. Gefühlt fand ich den downhill Run trotzdem leichter weil
a) der Start in Pietermaritzburg wegen der Höhe viel kühler ist als in Durban. Die ersten beiden Stunden waren eher zu kühl als zu warm. Durban dieses Jahr war schwülwarm.
b) die Höhenmeter eher auf dem Stück Durban-Drummond (UpRun erste Hälfte/DownRun zweite Hälfte) liegen. Da der Cut aber immer bei 6:10h liegt ist der UpRun auf dem ersten Stück "knapper".
c) der Stau sich beim UpRun erst später entzerrt, so jedenfalls mein Eindruck (kann aber auch an meinem weiter hinten Stehen gelegen haben)
d) das Mehr an Anstiegen dosiert sein will und einfach mehr Zeit kostet.
e) und dann noch ein nichtläuferischer Aspekt: Die Busfahrt mit einem Haufen ungeduschter Läufer war echt hart! Die fahren schon einen heftigen Fahrstil, wer da nicht magenfest ist hat das Nachsehen... Kann man natürlich umgehen, indem man Quartier in Pietermaritzburg bezieht.

ABER: zu unterschätzen ist der DownRun trotzdem nicht. Die große Gefahr besteht darin, den langen Abstieg nach Pinetown so richtig zu kesseln - und dann hinter Pinetown den Anstieg krabbeln zu müssen... Obwohl ich das wusste und mich einbremste ist es mir genau so passiert. Und wenn du dann schon 70km hast und denkst, du bist gleich da, sind die letzten Anstiege hart. Umgekehrt ist Polly Shortts am Ende auch nicht von schlechten Eltern... Und dann solltest du bergab laufen gewohnt sein, denn die langgezogenen Abstiege gehen mächtig auf Knie und Oberschenkel, das habe selbst ich gemerkt, da war der UpRun muskeltechnisch einfacher.

Alles in allem: Einfacher zu laufen war der UpRun, schneller der DownRun. Aber das ist meine Meinung.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ein Träumchen,

alles richtig gemacht: gebucht, gelaufen und das Ganze genossen.
So muss das.

LG,
Anja

Ich glaube mir wäre ...

... hoch lieber als runter. ;-))
Ein Schalk hat ein neues Ziel - Das Doppel 2017: UTMB+TdG
Training für das Doppel 2017 - UTMB+TdG

Das liest sich ...

... richtig klasse! Dnake fürs Aufschreiben.
;-)
Ein Schalk hat ein neues Ziel - Das Doppel 2017: UTMB+TdG
Training für das Doppel 2017 - UTMB+TdG

Super!!

wow, was für ein toller Bericht und was für eine tolle Leistung, Carla!! Spitze!!

Herzlichen Dank fürs Mitnehmen, für die Fotos, für die vielen Informationen und Eindrücke!!

Ein Top Five-Lauf mit five big hills :-)
Neugierig wie ich bin, würde mich interessieren, welche drei anderen Läufe Du neben London 2013 (den Du im Bericht erwähnst) zu Deinen Top 5 zählst?!?

Herzliche Grüße!

Danke für die ausführliche Antwort!

Am besten hat mir dein Fazit gefallen. Die eine Strecke ist einfacher, die andere schneller, bzw. die eine oder die andere Richtung. Da möchte man ja gleich eine neue Gesprächsrunde in´s Leben rufen.

Die Antwort hätte ich jetzt so überhaupt nicht erwartet. Klar schneller ist nicht einfacher als langsam. Aber einfach macht doch auch schneller, oder? Ich habe schon verstanden, was du gemeint hast, finde aber den Gedanken irgendwie für mich "neu". Deswegen ist er aber nicht falsch.

Ich dachte immer, wenn eine Strecke einfach ist, dann kann man schnell und wenn die Strecke schwer ist, dann langsam. Könnte man jetzt stundenlang philosophieren,
aber schwer und schnell geht nicht, oder vielleicht doch? Alles relativ.

In diesem Sinne danke für die Antwort. So häufig kommt es ja nicht vor, dass man eine Strecke von beiden Seiten belaufen kann. Da finde ich so eine Einschätzung ganz interessant.

Grüße
Stefan

Danke!!!

Danke für das tolle Kopfkino.. wow!
Und die Bilder... :-)

Und strider, schalk und fraggle - Ihr seid natürlich Sonderklasse beim Laufen und beim Schreiben :-)

einfach ist auch schneller

definier "einfach" ;-))

Da sind wir wieder beim Thema: jeder Jeck ist anders ;.-)) Ich neige dazu bergab zu kesseln - sofern es auf Asphalt ist. Das geht in die Knochen, Knie und Oberschenkel. Stecke ich normalerweise ganz gut weg, aber in Kombination mit der Streckenlänge gibt es halt Muskelkater. Bergauf neige ich eher dazu langsam zu machen: laufend so lange es geht, gehen bis es wieder läuft... Das geht geht zwar auch auf die Oberschenkel, aber dank des reduzierten Tempos halt weniger. Also bei mir. Also bleibe ich insgesamt sowohl pulsmäßig eher im grünen Bereich, Knie und Oberschenkel werden geschont - nur bin ich natürlich langsamer.

Aber es stimmt, ich fand es auch spannend, mal die Gegenrichtung zu laufen.

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Stimmt! Jeder Jeck ist anders ...

... ich laufe sehr gerne hoch und weniger gerne runter. Insofern kann ich mir durchaus vorstellen in Relation zu anderen hoch besser zu sein, als runter. In Summe sollte aber dann trotzdem die Strecke runter die schnellere Zeit ergeben.
Aber so ist das halt mit den läuferischen Vorlieben.
Bei der BC bin ich mal mit einem zusammen am VP Ruhmespringe weg. Es geht da direkt in einen kleinen Anstieg. Ich meinte noch zu ihm, hochzu sachter zu machen und wollte auch die Belastung konstant halten. Wir liefen zusammen los, er leicht hinter mir und oben wunderte ich mich dann nur, warum ich allein war. Intuitiv muß ich die Belastung auf dembokonstanz zum vorigen Flachstück erhöht haben. Beabsichtigt war das gar nicht. Oben im Goethesaal meinte der Läufer dann nur, ich hätte das Gegenteil meiner Ansage realisiert und eher beschleunigt. Beabsichtigt war das gar nicht. So unterschiedlich kann das auch mit der eigenen Wahrnehmung und der Realität sein.
;-)
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