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Rennsteig zum vierten. Alles wie immer: die Wälder, die Höh'n, die Vög'lein, Eichenkranz, Klöße, Rockin' Turtles. Draußen schüttet es wie aus Kannen, aber man groovt sich ein. Vernieselter Spaziergang zum Gymnasium, noch ein Eis aus dem Supermarkt, Schlafsack im Englischzimmer ausrollen und zeitig auf's Ohr, es geht schließlich früh raus.
Am Morgen ist es bedeckt, aber trocken, die Menschenmenge summt wie ein riesiger Bienenschwarm, der Hubschrauber brummelt, und noch bevor die Eisenacher Turmuhr sechs schlagen kann, schickt uns der Startschuss auf brandneu vermessene 73,5 km. Durch die Fußgängerzone und hoch zum Burschenschaftsdenkmal, nanu, sonst war doch hier immer Stau und gehen angesagt, bin ich etwa zu schnell? Es läuft ganz gut für ganze drei Bewegungseinheiten seit dem Oberelbe-Marathon, wegen Zeit, wegen Arbeit, wegen Unpässlichkeit. Training wird eindeutig überschätzt. Letztes Jahr war ich viel fitter, auch einige Kilo leichter und habe meine Zeit um ganze 41 Minuten auf 8:11:54 verbessert. Natürlich liebäugele ich jetzt mit der 8-h-Marke, aber ausgerechnet dieses Jahr? Ich überlege unterwegs, ob es die mit dem Alter abgenutzten Schmerzrezeptoren sind (habe ich gelesen) oder eine Art Berglauferfahrung aus den Alpenrennen (ZUT/AlpenX), die mir die Mittelgebirgsanstiege schmackhafter machen. Bis zum Inselsberg soll man ja, einer Schalkschen Weisheit nach, defensiv angehen. Gefühlt bin ich trotzdem etwas zügiger unterwegs als im Vorjahr. Und richtig: ca. 6 min aufgeholt. Wenn sich das mal nicht rächt. Schleim, Tee, Schmalzbrot und weiter (eigentlich müsste man mal ganz langsam und nur zum Essen mitlaufen ...). Dann geht es so lala bis zur Ebertswiese (ich denke an den Thüringen Ultra vom letzten Jahr, da war hier ein menschenleerer km 122). Gespannt schaue ich auf die Uhr: jetzt sind es acht Minuten. Irgendwo müssen doch die fehlenden vier Minuten noch herzubekommen sein. Viel ist nicht mehr rauszuholen, ich laufe so gut es geht, ohne mich gleich zu schrotten. Es ist immer noch ganz schön kalt und die Wege sind vom gestrigen Wolkenbruch ziemlich schlammig, vielen "Rückseiten" sieht man das auch deutlich an; mit Stollenschuhen ist man heute klar im Vorteil. Am Grenzadler habe ich genau 12 Minuten. Ja, das könnte knapp werden. Ich denke an ein altes Bonmot von Schalk: ab hier werden Bestzeiten geholt oder verspielt (oder so ähnlich). Aber was geht noch? Jetzt frage ich mich an jeder Steigung: gehen? laufen? will ich die Minute wirklich haben? Ja, genau diese eine hier brauche ich jetzt! Schmücke dann: 19 Minuten zum Vorjahr (also 7 Minuten auf die 8 h). Jetzt glaube ich's fast schon selber. Aber hier lief es im letzten Jahr auch schon gut, nur nicht langsamer werden. Wenn ich nicht dramatisch einbreche, sollte das funktionieren. Und schon bin ich im Wettkampfmodus, die Beine bewegen sich von alleine und hui geht es ab hier, bis auf ein paar kleine Gemeinheiten, sowieso nur noch bergab (jedenfalls sage ich mir das jedes Jahr wieder). Dann hört man schon das lärmende Ziel, den letzten doofen Hügel am Ortsrand einfach ignorieren, durch die Gärten, dann die Zielgerade, die offizielle Uhr zeigt noch unter 7:50 h. Wer hätte das gedacht. Das war tatsächlich mal eine neue Erfahrung, den Rennsteig wie einen Marathon am gefühlten Limit zu laufen. Anstrengend war's, schön war's, und ich schäme mich ein bisschen: ich habe mir die 7:47:32 eingravieren lassen ...
Schöner Lauf, nette Menschen, Klöße, Schleim und Volksmusik. Alles (fast) wie immer.
Chamonix kann kommen.

kk

4.857145
Gesamtwertung: 4.9 (7 Wertungen)

Warum schämst Du Dich denn?

Das ist ne schicke Zeit, die kann man sich doch mal merken. PB!!!

Und das ohne Training? Glaub ich fast nicht. Egal, ich gönne es Dir von Herzen!

WoW ... ganz große

WoW ... ganz große Gratulation zur ganz großen Leistung und Super-PB. LG Christiane

Gratulation!

Ich war noch nie da und kann mir absolut kein Bild davon machen, wie der Rennsteig zu laufen ist...
...aber so wie du es schreibst, scheint es optimal gelaufen zu sein!
Falls sich mein Plan konkretisiert im nächsten Jahr dort zu starten, werde ich mir diesen Blog auch wieder in Erinnerung rufen!
Und ich bin im übrigen auch der Meinung, dass so eine schicke Zeit dazu taugt eingraviert zu werden!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

"Die Beine bewegen sich von alleine"

Das bräuchte ich auch mal...

Was für ein Lauf! Da würde ich auch nicht mehr trainieren ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Wahnsinn,

du warst im Ziel und ich noch nicht am Grenzadler. Tolle Leistung und meinen ganz großen Respekt.

so schön...

...zu lesen, dein bericht. danke, in gedanken bin ich mitgelaufen. naja, ok, sagen wir: hinterherglegaufen. ich war bisher dort nicht ganz so schnell *räusper* ;) aber ne sub 8 stunden würde ich mir auch eingravieren lassen...
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laufend gratuliert kk zu der grandiosen zeit: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Glückwunsch!!

Hallo und herzlichen Glückwunsch. Danke für den kurzen aber intensiven Laufbericht!

Der Rennsteig steht 2018 auf meiner Liste (Winkender Gruß an Dominik!) - ich kann aber nicht so schnell wie Du laufen und wollte mir viel Zeit für die leckere Verpflegung nehmen :-))

Genieß den Erfolg und die PB!!

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