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...naja, also beinahe. Aber viel hat nich mehr gefehlt am Ostermontag da auffe nordholländische Insel Texel bei dem 60er. Jo, 60 Kilometer also quasi einmal rund um dat holde Eiland. Doch von vorn.

Eigentlich fing alles am Abend vor dem MüMa an, als dat strider und sein Coach bei uns auffe Terrasse saßen und ich so von Texel erzählte und dat das da alle zwei Jahre ne 60er gibt: de zestig van Texel. Start is am Fährhafen im Süden, dann geht's teilweise auch am Strand hoch bis zur Nordspitze mit dem Leuchtturm und dann wieder runter nach Süden aber nich ganz, nur dreiviertel, dann geht's Stückchen nach Westen in die Inselhauptstadt den Burg ins Ziel. Für ganz hartgesottene ist der 120er, da macht man die Tour dann wieder entgegengesetzt. Weicheier wählen die Estaffette mit vier mal 15 km ;)

Strider wäre nicht strider wenn sie nicht kurzentschlossen beschlossen hätte, da mit mir zu starten und meldete sich und Coach an. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Wobei Lauf da das Stichwort is. Seitdem ich mir kurz vor dem MüMa das ISG ma wieder vermakkelt hatte, und dann eine Serie von Blockade, harten Hamstrings und knubbeligem Piriformis mit abgeklemmtem Ischias folgte, schloss sich akute Laufunlust auf längere Kanten an. Spätestens bei 20 km war immer Schluss, dann machte Kopp zu wegen kein Bock. Keine guten Voraussetzungen für nen 60er. Und denkt jetzt ja nich: och so flache 60 auffe Insel is keine Kunst. Ha, der Zahn wurde uns gezogen, als wir nach der Anmeldung die Ausschreibung lasen: Marathon sollte unter 4 Std geschafft worden sei. Und das Ziel schließt nach 7 Stunden. *schluck*

Tja. Hat mich das beeindruckt? Joa schon, aber trotzdem hatte ich auf lange Kanten keinen Bock. Ich schaffte nur einen Trainings-40er beim Texel-Trail Mitte Februar und nen lustlos gelaufenen Halben Mitte März. Dazwischen geschah was mir seit 5 Jahren nicht mehr passiert war: Ende Januar haute mich nen grippaler Infekt für 8 Tage aus dem Rennen und Ende März das ganze nochmal, zur Abwechslung mit Fieber, also nochmal zehn Tage Trainingsausfall.

Tja, hat mich das beeindruckt? Joa schon, aber trotzdem hatte ich Bock auf den Mist. Und schneller als gedacht rückte der Wahnsinn auf der Insel näher. Einen Tag vor strider und coach bezog ich unser dortiges Refugium. Den ersten Abend der beiden verbrachten wir gemeinsam und planten einen kleinen Testlauf auf einem ersten Teilabschnitt der Strecke. Und zwar der Abschnitt, der an den Strand führt. Ok, sie hatten es so gewollt. Am nächsten Morgen stiegen wir bei ca. km 4 der 60er-Route ein und liefen bei stürmischem Gegenwind bis ca. km 10. Also wenn wir DIE Bedingungen am Ostermontag auch haben sollten, dann gute Nacht, Marie! Die Wetter-App meinte eindeutig: ja!

Tja, hat mich das beeindruckt? Joa, schon, aber wo Gegenwind is kommt auch irgendwann mal Rückenwind. Dat is wie Berge laufen. Wo's hoch geht, geht’s auch irgendwann mal wieder runter...oder so. Jedenfalls war es – zack – Ostermontag. Der wahrscheinlich beste GöGa von allen fuhr dat strider, den coach und mich zum Start nach t'Horntje. Es windete sehr. Um nicht zu sagen: sehr sehr. Wie immer bei Ultras war es am Start relativ entspannt, aber trotzdem startete man recht zügig. Fast schon zu zügig für meinen Geschmack. Spätestens als wir ab km 5 auf den ersten Strandabschnitt einbogen, verabschiedete ich mich endgültig von dem Traum, es tatsächlich unter sieben Stunden zu schaffen.

Tja, hat mich das beeindruckt? Joa, schon. Aber eigentlich fühlten sich die Beinchen sehr leicht und fluffig an und ich freute mich und war gespannt, auf das noch vor mir lag. Der heftige Gegenwind war schon doof. Nur selten kamen von hinten kleine Gruppen der Staffeln angerauscht, hinter denen ich mich verstecken und Körner sparen konnte. Bei ca. km 15 ging's erstmal weg vom Strand durch ein Stückchen Wald. Das kannte ich, da bin ich schon oft gelaufen. Dort war auch der Wind wenig zu spüren. Bei km 18 kam dann der zweite Strandabschnitt. Alter Schwede, war das kagge! Es war Wasserhöchststand, klar näch? Man hatte die Wahl zwischen nassen Füßen oder weichem Sand. Ich hampelte immer knapp am Rand entlang. Füße blieben trocken, aber durch den Schaum am Strand pappte der Sand rund um die dicken Sohlen der Hokas und ich hatte dann immer pro Fuß nen Pfund mehr Gewicht, das ich alle paar Meter abschütteln musste. Uff!

Tja, hat mich das beeindruckt? Joa schon so'n büschen, aber bei ca. km 25 war der Spuk vorbei. Dann kam feiner, fester Schotterweg und schließlich Platten. Nur der Gegenwind, der blieb uns auch auf den Dünenpads in unverminderter Stärke erhalten, bis zum nördlichsten Punkt am Leuchtturm. Immer wieder horchte ich mal in mich rein, aber da war nix. Also die Beinchen waren immer noch leicht, der Kopf frei. Und als es dann endlich vom Leuchtturm aus Richtung Süden ging, kam der herbeigesehnte Rückenwind und ich ließ mich treiben. Oh, i feel good ...tadadadadaaaa... Die Kilometerschilder, die uns alle fünf km erwarteten wurden mir immer sympathischer. Von Anfang an wurde runtergezählt. Jetzt waren es nur noch 25...noch 20...noch 15...noch 10. Bei km 6 stand der wahrscheinlich beste GöGa der Welt und feuerte mich an. Dann waren es nur noch 5. Da ich die Route der 60 km in den Tagen vor dem Starte quasi inhaliert hatte, wusste ich, dass die letzten km nochmal gegen den Wind gelaufen werden mussten.

Tja, hat mich das beeindruckt? Joa, schon. Und noch beeindruckter war ich, als ich feststellte, dass ich nicht nur den Gegenwind hatte, sondern es dazu noch sehr subtil hoch führte bis zum Ziel und zwar volle 4 Kilometer. Das war unfair! Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich auf den letzten 20 km ganz nett Zeit gut gemacht hatte und wenn ich jetzt die Pace halte, ich es noch sub 7 schaffen würde. Und dann kommt sowas! Nu wurde ich doch etwas ungehalten, genau das aber gab Kraft. Das Ziel kam und ein Blick auf die Uhr sagte: 06:59:01 h!!! ICH HATTE ES GESCHAFFT! Ich war die letzte, die noch in der Wertung ins Ziel kam. Alle anderen, die ich auf den letzten km überholt hatte, nicht mehr. Die meisten gingen dort und hatten den Kampf gegen den Wind einfach aufgegeben.

Nu sitz ich hier, während ich das schreibe grinse ich immer noch debil vor mich hin. Es war einfach gxxl!
Hat es mich beeindruckt? Ja. Hat es. Alles. Die Orga, die Strecke, die Menschen am Rande, meine mentale Einstellung und meine Laufform. Dieses wird einer der Wettkämpfe, die ganz weit oben in meiner persönlichen Hitliste rangieren...
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laufend dankt strider und coach für die schöne zeit: happy™

5
Gesamtwertung: 5 (13 Wertungen)

Gänsehautblog trotz Wein und Chips;-))

Und ich sitze hier und grinse, während ich das lese:-)) Ich sehe eine stink saure happy vor meinem geistigen Auge, die den letzten 4 km aber sowatt von den Kampf ansagt! Ich sehe, wie sie die Nase kraust und dem Wind die Zähne zeigt und ihr Herz schreit, ICH SCHAFFE DAS!!! Und so bist du mit genau dem richtigen Kick zur richtigen Zeit kämpfend mit Zeitmessung über die Ziellinie, einfach grandios!!! Mesch liebe happy, was für ein irrer Lauf! Ich dachte im Vorfeld immer, ohhhh, das will ich auch. Aber nein, ich passe;-)))
Aller herzlichsten Glückwunsch!!! Du kannst was, Mädel! Du bist echt eine ganz Große:-*

Lieben Gruß
Tame

Joa,

schon en heftiges Ding, das ihr da durchgezogen habt.
Aber ihr seit taff und habt dem Wind die Stirn geboten.
Und mit bisschen Wut im Bauch gehen auf 4 km bergauf schneller, als man denkt.

Ganz fetten Glückwunsch zu dieser gxxlen Leistung.

LG,
Anja

Es gibt schlimmere letzte Plätze, ...

... als diesen.
Wann haben die vor 30 Jahren bei nem Marathon das Ziel abgebaut? Die Legenden munkeln von 3:30h. Da finde ich die 7h echt luxeriös ausgelegt. Die Holländer haben schon gute Leute! Und du hattest ja auch noch jede Menge Zeit. 58s auf den letzten 4km zu schnell gelaufen. Das war ca. 14s/km zu schnell. Hallo? Was hast du denn da noch für nen Sprint hingelegt? Aber OK, bei Gegenwehr werde ich auch immer leicht schneller. Im Anstieg, und das ist ja quasi der Gegenwind der Berge, wird dann immer die erhöhte Last von außen mit Gegendruck von Innen kompensiert und im Ergebnis ist das dann schneller, als vorher... Stimmt. Kenne ich auch.
Klasse, die mentale Einstellung und die Laufform. Glückwunsch zu dem Lauf!
;-)
Ein Schalk hat ein neues Ziel - Das Doppel 2017: UTMB+TdG
Training für das Doppel 2017 - UTMB+TdG

Das.....

Das hat mich jetzt echt beeindruckt. Herzlichen Glückwunsch zu dieser super Leistung!
Gruß,
Michael

Hat mich das beeindruckt?

Joa, hat es. Und zwar so sehr, dass ich mich mal direkt bei JM eingeloggt habe, um direkt hier meine respektvollen Glückwünsche an dich nochmal loszuwerden. Ganz starke Leistung! Ultralaufen ohne Ultratraining - hätte nicht geglaubt, dass sowas gut gehen würde. Aber ist es. Und das freut mich sehr für dich. Jetzt wünsch ich dir, dass auf allen Strecken die Laufesfreude zurückkehren möge!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

quod erat demonstrandum

Ultra wird mit dem Kopf gelaufen, und den hattest du - vor allem am Schluss. Meinen höggschden Respekt vor der Hammerleistung! Ich habe dagegen die letzen Kilometer ziemlich rumgememmt.... *schadeübermeinHaupt*

ich bin voll stolz auf dich! Und es war ein wunderbarer Lauf und eine wunderbare Woche, danke dafür!!

Und wir brauchen einen Plan für 2018.... *ganzbreitgrins*

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ich hab vorher keine Sekunde

Ich hab vorher keine Sekunde gezweifelt das du das schaffst. Du bist eine Kämpferin und das hast du mal wieder bewiesen. Dicken Glückwunsch zu diesem Lauf.

wie ich schon bei strider schrob:

ich wär ausgestiegen! Tiefer Sand, Gegenwind - bäh! Da mag die Insel ansonsten noch so schön sein!
... und Aussicht auf Rückenwind ist jetzt auch nicht der Knaller an Motivation!
Dann auch noch den cut-off zu schaffen: Respekt! Echt echt stark!
Ich hoffe die Gräten bleiben in der Folge heil und du findest weiterhin deine Lauffreude!
Wenn man so einen Lauf schafft - dann gibt's da wenig, was man nicht durchziehen kann, glaube ich...

Schlaks Einschätzung über deinen "letzten Platz" finde ich sehr gelungen und kann ich absolut unterstreichen!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Weiterer schöner Bericht!

Wirklich schöner Bericht. Ich mag ja deinen herrlich sympathischen Schreibstil, nur vergesse ich unterwegs beim Lesen die Anstregung, die ihr -strider und du- hinter euch habt. Das ihr da was Tolles geleistet habt, ist selbstredend. Hab mir mal die Ergebnislisten angesehen und muss auch sagen, dass die Holländer, aber auch die ausländischen Teilnehmer, ganz schön schnell unterwegs waren.

Das was ihr da geleistet habt, muss man erst mal machen. So schön die Landschaft auch ist -glaube die Sonne habt ihr aber nicht gesehen- so sehr ist es aber trotzdem eine mentale Sache.

Hab mal geguckt. In 732 Tagen kann man sich das auch antun. Bleibt viel Zeit zum überlegen und erst recht zum üben. Stelle mir vielleicht wieder einen Sandkasten in den Garten.

Noch mal an euch beide einen ganz großen Glückwünsch.

Grüße
Stefan

Doch Sonne!

Hab gerade gesehen, dass auf Marathon4you schöne Bilder mit viel Sonne zu sehen sind. Der Lauf schön bebildert. Wer sich dafür interessiert, mal reingucken!

Tja, hat mich das jetzt

Tja, hat mich das jetzt beeindruckt? Joa, hat es!
Und wie! Ich habe mir auch die Ergebnisliste angeguckt. Echt der Hammer, was da abgeht. Und du, ihr mittendrin. Geil!
Ich will auch 2018 mit planen!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

marathon4you

http://www.marathon4you.de/laufberichte/de-zestig-van-texel/texel-in-sieben-stunden/3337

Er hat uns alle fotografiert ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Punktlandung

Punktlandung nennt man das wohl!
Sturm ist erst,wenn die Schafe keine Locken mehr haben sagt man hier im Norden.
Das war wohl definitiv der Fall! Ganz schick gequält. Respekt und herzlichen Glückwunsch!

Ich bin dann mal weg

Sehr cooler Lauf und Blog! :o)

Ihr habt das echt cool durchgezogen!!
Training? Pfffff...wer trainiert ist feige....hab ich mal irgendwo gelesen. ;o)
Granatenstark!!
Gratuliere Euch auch hier noch mal ganz herzlich!!
Wind und Sand beim Ultra...nääää, das klingt nicht nur schwer, das IST verdammt schwer!
Ich wusste, warum ich nicht gemeldet hatte, obwohl Ihr mir das jetzt schon wieder schmackhaft gemacht habt.
Vielleicht 2019 :o)
Erholt Euch gut!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Huaaahhh - Punktlandung!

Das klingt extrem tapfer! Ich bewundere vor allem die Einstellung, dass wenn der Wind von vorne kommt, er ja auch irgendwann wieder von hinten kommen muss. Mir scheint viel mehr, dass der Wind von hinten nie so stark schiebt, wie er von vorne bremst!
Das hast Du großartig hinbekommen, und es ist toll, dass wir es lesen dürfen. Das ist zwar eine Art von Lauf, die ich definitiv auslassen werde, aber ich freue mich sehr gerne für Euch mit!

Hut ab und heftigste Gratulation
yazi

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