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Letztes Jahr habe ich einen Startplatz für den Arosa Snowtrail aufs Weisshorn gewonnen. Da ich wegen eines grippalen Infekts erkrankt war, wurde mir ein Freistart für dieses Jahr gegeben. Aus meiner Einschätzung heraus habe ich mich allerdings lieber für den longdistanz 12 km-Lauf entschieden, da mir die 16,9 km mit über 900 Höhenmetern aufs Weisshorn nicht realistisch
machbar erschienen.

Um 5 Uhr aufstehen, um 6:20 ging die S-Bahn dann nach Zürich, von dort aus der Zug auf Chur ging und anschliessend die Rhätische Bahn für die Reststecke auf Arosa. Wenn es nicht noch so wahnsinnig früh gewesen wäre, hätte man gerade die Fahrt mit der roten Rhätischen Bahn mit den unendlich vielen Kurven und dem Schneckentempo echt geniessen können, so aber lag alles noch in der Dunkelheit. Schön, dass man nun die Bahnfahrt mit im Startpreis inklusive hat, denn tags zuvor gab es auf der A3 eine Massenkarambolage mit 50 Autos und vielen Verletzten.

Kurz nach 10 Uhr kamen wir in Arosa an. Am Bahnhof war die Ruine des eine Woche zuvor ausgebrannten recht bekannten Posthotels zu sehen. Wir holten unsere Startnummern. Das war alles super organisiert. Dann ab in die Umkleide und die schon im Forum gestellte Kleiderfrage noch mal überdacht. Es war sehr, sehr kalt, aber man wollte ja auch nicht überhitzen, so entschied ich mich für ein Unterhemd, Langarmshirt, darüber eine Laufjacke und Windjacke, Handschuhe, Buff und Mütze, sowie Thermounterhose und Winterlaufhose. Schnell noch die zweite der mitgeführten Bananen gegessen, etwas getrunken, WC und ab zur Aufwärmemusik. Alles sehr kurzweilig.

Start um 11:10 am Obersee. Hier wurde eine Runde gedreht, die schon mal nichts gutes ahnen lies. Es ging durch aufgewühlten ca. 15 bis 20 cm hohen Pulverschnee. Ein Vorankommen war äusserst mühsam, da man keinen Halt fand. Je schneller ich laufen wollte, um so mehr rutschte ich zur Seite weg. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und ich hoffte auf die Bergstrecke. Sollte ja alles präparierte Piste sein. Nach 1,3 km erst mal die Windjacke ausgezogen, weil ich zu Schwitzen begann. Aber die Steigungen waren zu gut 90 Prozent genau so bescheiden. Keine Ahnung ob es der Pulverschnee war, oder die vorausgegangenen Startfelder mit den Trail und HM-Läufern, die einen solchen Schneeacker produziert hatten. Es kostete wahnsinnig viel Kraft vorwärts und aufwärts zu kommen. Ich freute mich wirklich schon auf den Verpflegungspunkt bei KM 5. Dort gab es heisses Iso und Schokobits und vor allem mal tief durchatmen. Hinzu kommt, dass man sich jetzt auf einer Höhe über 2000 m ü.M. befand. Da wird mir gerne mal etwas trümmelig und der Körper fängt an zu singeln. Zwischendrin musste man noch sehen, dass man zwischen den Leuten am Ski-Schlepplift durchhuschen konnte und dass einem kein Rodler über die Füsse fuhr. Noch mal Steigung bis KM 6,5 und dann ging es bergab. Von hinten näherten sich schon die vorher gestarteten HM-Läufer, die eine gute Zeit raus holen wollten und einen Teil der Strecke gemeinsam mit uns hatten. Es war ein kleiner Kampf um ein Stück gute Piste. Schnell bergab im tiefen Schnee, der nach der Seite und unten weg rutscht, war eine ziemliche Belastung fürs Sprunggelenk und die gesamte Muskulatur im Rumpf und den Beinen. Ich lief volles Risiko, aber an manchen Stellen musste ich einfach etwas bremsen.

Dann wieder die Streckenteilung 3 km vorm Ziel. Man hörte schon den Speaker, das motivierte noch mal zusätzlich. Lediglich der letzte KM war noch mal der Schlimmste von der Steile und Streckenbeschaffenheit bergab. Dann der Zieleinlauf schön eben und plan.

12 km, gut 400 Höhenmeter, 1:46:06 Std., minus 16,1 Grad C

Ich war so froh, das geschafft zu haben und umarmte meinen Liebsten, der schon etwas früher im Ziel war. Zum Aufwärmen gab es Gemüseboullion im Ziel.

Die Duschen waren noch warm und dann ging es zum Pastaessen mit Nachschlag-Option. Wir nahmen reichlich ;-)

14:48 Uhr ging unser Zug zurück und gegen 18:30 Uhr waren wir wieder Zuhause. Der Zug ab Chur war brechend voll mit all den Läufern und Skifahrern aus der Umgegend. Wir waren glücklich, einen Sitzplatz ergattert zu haben.

Beim heutigen Training merkte ich allerdings meine sauren Muskeln am vorderen Oberschenkel noch sehr, als es hier in die verschneite Bergstrecke ging.

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Wow!

Ich komme schon beim Lesen ins Schwitzen! Meine Güte, dort kann man doch nicht Laufen, Repekt! Du wohnst echt im Schneeparadies;-)
Herzlichen Glückwunsch! Alles richtig gemacht! Ein anstrengender, aber perfekter Wettkampf-Tag.

Lieben Gruß
Tame

Gratuliere

Hallo,
ich habe mit Vergnügen deinen Bericht gelesen. Und denke bei der Gelegenheit schon einmal über meinen Skiurlaub Ostern nach :-) . Für mich unvorstellbar, bei den Temperaturen und den Bedingungen einen Wettkampf zu laufen. Einen gemütlichen Lauf mit Freunden - vielleicht. Aber als Wettkampf? Das ist für mich aktuell keine reizbare Option. Aber wer weiß? Vielleicht irgendwann einmal. Aber deinen Bericht zu lesen, das macht schon Spaß! Es scheint, als wenn deine Kleidungswahl zumindest verhindert hat dass du zu kalt geworden bist. Und ich bin der Meinung: Zu warm ist besser als zu kalt. Unter den Bedingungen am nächsten Tag etwas von der Anstrengung in den Muskeln zu fühlen ist wahrscheinlich in Ordnung. Auf jeden Fall kann man deinem Bericht auch die Anstrengung entnehmen.
Ich wünsche dir weiterhin viele erfolgreiche Läufe in 2017

cmag16

Ein solcher Empfang im Ziel

- und ich meine natürlich NUR die warme Gemüsebrühe :kicher: - entschädigt für alle Strapazen.

Die Anstrengung darf man ruhig 2-3 Tage merken, die Kleiderwahl war offenbar richtig und das Wetter hat auch gepasst. Herz, was willst Du mehr?

Vor allem die Fahrt mit der Bahn hört sich sehr schick an. Ich hoffe ihr hattet auf dem Rückweg ein wenig Ausblick.

Danke Birgit

Ja, auf dem Rückweg konnten wir auf der geschlängelten Strecke die herrlich verschneite Bergwelt bewundern.

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Merci, cmag16,

dass Dir mein Bericht gefallen hat. Ich denke auch, lieber was ablegen können an Kleidung, als frieren.

Auch Dir ein erfolgreiches 2017

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Vielen Dank Tame,

auch für die Tipps.
lg

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Du bist sooooo cool !!! :-D

Du bist sooooo cool !!! :-D Ein toller Lauf ! Gratuliere ! Manchmal beneide ich Dich ja ein bissel um Deine Laufmöglichkeiten ... rein freundschaftlich natürlich.
Und jetzt noch etwas für´s Phrasenschwein: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt! Garantiert.
Sei lieb gegrüßt - Christiane

Danke

meine liebe Buddy.
Ja, heute ging es auch schon wieder besser, obwohl wir mittlerweile Schneematsch haben und da gar nichts lustig ist. Dafür gibt es morgen frischen Neuschnee.

lg

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

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