Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von Kaiserstädter

Auf Facebook gibt es diverse Laufgruppen bzw. Sportgruppen und gerne werden Zitate in schöne Bilder eingefügt, die dann einen Bezug zur Gruppe haben. Oft sollen sie einen Ansatz zu neuer Motivation geben, was ja vom Prinzip ein gut gemeinter Gedanke ist.

Ich werde teilweise davon zugeschüttet von diesen Trainingsleitsätzen, die offensichtlich dazu gedacht sind, dass ich sie beherzige. Doch manchmal sind auch Zitate, die auf den ersten Blick sehr richtig sind, in Wirklichkeit völliger Blödsinn. Das ist nicht unbedingt der schuld, von dem das Zitat stammt. Es lässt sich ohne Quellenangabe natürlich gar nicht nachvollziehen, ob der Zitierte seine Äußerung allgemeingültig sieht oder ob der Bezug, z. B. zum Thema „Laufen“ überhaupt von ihm gewünscht war.

Es kommt mir also ein wunderschönes Bild von einer Läuferin in einer bergigen Landschaft vor die Augen mit diesem Zitat von dem verstorbenen Psychologen Dr. Wayne Dyer: „Mein Ziel ist es nicht, besser zu sein als alle anderen, sondern besser zu sein, als ich früher war.“

Der Satz gibt an, was das Ziel nicht ist, und was es eben wohl ist.
Wie wirkte es zunächst auf mich? Ich dachte: Ja stimmt. Es spricht mich einfach an, und ich neige dazu, dem Zitat in Bezug auf Laufen oder Triathlon zuzustimmen. Und übrigens im Gesamten auch, denn wer ist nicht bestrebt, sich zu verbessern.

Dennoch möchte ich das nochmals von Beginn an betrachten.

Zunächst einmal geht es um das Ziel von Dr. Dyer. Es muss mit meinem Ziel gar nichts zu tun haben. Außerdem habe ich mehrere Ziele, guck an. Ich vermute mal, dass auch Dr. Dyer mehrere Ziele hat, denn er ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Ob er Läufer ist oder nicht, das weiß ich nicht. Ich vermute allerdings eher, dass er seinen Satz nicht wirklich auf das Laufen bezogen hat. Er kann also nichts dafür.

Ich bin dieses Jahr in einer Laufserie gestartet. Und gerade über die 5.000-Meter-Distanz war es durchaus mein Ziel, besser zu sein als alle anderen in meiner Altersklasse. Natürlich verstehe ich, was die Kombination der Satzteile soll. Besser zu sein als alle anderen ist alleine kein befriedigendes Ziel, weil es nichts über die eigene Entwicklung aussagt. Auch die unterschiedlichen Voraussetzungen werden nicht berücksichtigt. Wenn jemand nur einmal die Woche Zeit hat, um zu trainieren, dann sind seine Voraussetzungen nicht so gut, besser als alle anderen zu sein, als bei dem, der viermal pro Woche dafür Zeit hat.
Trotzdem kann sich auch der verbessern, der nur einmal pro Woche trainiert. Seine Entwicklungssprünge werden natürlich bescheidener ausfallen, aber Fortschritte bzw. Verbesserung? Warum nicht?

Es sollte also mehr darum gehen, sich selbst zu verbessern.

Das kann natürlich wieder alles Mögliche bedeuten. Ich bin mit 47 nun in einem Alter, wo ich mich im Sport nur noch sehr schwer verbessern kann. Das ist der Lauf der Dinge. Besser sein als gestern…? Sportlich gesehen kann dieses Ziel auf Dauer nicht erreicht werden. Auf Dauer gesehen, ist es Blödsinn, sich dieses Ziel im Sport zu setzen. Dr. Dyer hat es nicht in den Zusammenhang mit Sport gebracht. Das war der, der das Zitat in ein Läuferbild integriert hat.

Nochmals zusammengefasst: Man kann durchaus das Ziel haben, besser als alle anderen zu sein und gleichzeitig nicht das Ziel haben, seine Leistung von gestern (oder überhaupt der Vergangenheit) zu verbessern. Also das glatte Gegenteil des Zitats.

Betrachte ich es einmal auf einer anderen Ebene. Auf der Ebenen der Persönlichkeitsentwicklung.

Da ist es offensichtlich, dass es nicht sein kann, besser als alle anderen zu sein. Was denken wir über jemanden, der sagt: „Ich bin der Beste, und zwar in allem.“ Ich vermute, dass es sich entweder um Ironie handelt oder um maßlose Selbstüberschätzung.

Was macht eine Persönlichkeit aus? Das Wissen? Die Güte? Die Zuverlässigkeit? Die Kraft, die Ausgeglichenheit, die Flexibilität, die Konstanz? Eine Mischung aus all dem? Mischung klingt noch am logischsten, denn es kann ja wohl kaum um nur ein Kriterium gehen.

Nehme ich ein theoretisches Konstrukt: Die Persönlichkeit würde sich aus den Kriterien x und y zusammensetzen.Was ist besser? 50 :50 – 70:30 – 30:70? Eine Wertung ist nicht möglich. Es kommt auf den Zusammenhang an, auf die Sichtweise und das Ergebnis ist letztlich völlig uninteressant für einen selbst, aber auch für Dritte.

Anderes theoretisches Konstrukt: Was ist, wenn ich gestern perfekt war? (Natürlich ist niemand perfekt, aber es ist ja deswegen auch ein theoretisches Konstrukt.) Besser als perfekt zu sein, ist ein krankes Ziel, oder?

Wer bestimmt denn, ob ich gestern gut oder schlecht war. Reicht es aus, gut zu sein, oder muss man sehr gut sein? Oft geht eine Verbesserung in einem Bereich damit einher, dass man sich in einem anderen Bereich verschlechtert.

Mir gefällt der Ansatz nicht, dass ich besser sein soll, als ich es gestern war. Er geht mit mir nicht liebevoll um. Er geht davon aus, dass ich mit mir immer unzufrieden sein muss, weil ich ja nicht so gut bin, wie morgen. Und wenn ich schlechter bin als gestern? Habe ich dann total versagt?

Wie ich es auch drehe und wende: Das Zitat von Dr. Dyer ist Blödsinn. Es motiviert mich nicht, sondern will mich manipulieren und mir ein schlechtes Gewissen machen, weil ich einfach so bin, wie ich bin.

Niemand kann sein Potenzial auf allen Eben jeden Tag voll ausschöpfen. Das ist nicht schlimm. Wir sind Menschen.

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Aha

und um zu dieser Erkenntnis zu gelangen brauche ich ein Zitat von einem Doktor aus Facebook???

Ok, wem es gefällt....

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Noch ein Zitat:

"Der beste Weg unglücklich zu werden, ist sich mit anderen zu vergleichen"
Dieses Zitat hab ich noch nicht mit coolem Laufbild unterlegt geschickt bekommen, aber auch beim Sport gibt es immer jemanden, der besser, schneller, weiter kann. Außer man ist Weltmeister, aber für mich Normalsterblichen ist der Besser-als-alle-anderen-Zug längst abgefahren, bzw. habe ich nie den Ehrgeiz besessen auf diesen aufzuspringen.

Daher gefällt mir das Zitat von Dr. W. Dyer und ja: es motiviert mich. Warum?
Ich trainiere und neben all den positiven körperlichen Effekten, die ich mir davon verspreche, finde ich es ziemlich gut, wenn ich merke, dass ich leistungsfähiger bin, als noch vor einiger Zeit. Und wenn ich es nicht bin (z.B. durch Schweinehund- oder anders bedingte Laufpausen), dann würde ich schon gerne mal wieder da hin. Bis der Tag kommt, an dem ich mein schnellstes Rennen gelaufen bin. Aber soweit ist es noch nicht, dann suche ich mir ein anderes Ziel...

Ich bin also mein eigener Maßstab. Schöne Ego-schau, aber ich sehe das eher im Sinne von "sich an die eigene Nase fassen", bevor ich auf andere schiele.

Das schöne an Zielen ist ja, dass sie nur dann einen Effekt haben, wenn man sie für richtig und wertvoll hält. Insofern kann es gut sein, dass das Zitat dir nicht zusagt, du es damit als "Blödsinn" einordnest, für andere - mich zum Beispiel - ist es kein Blödsinn, sondern kann ein ansprechendes Trainingsmotto sein und mir helfen doch heute noch die Laufschuhe zu schnüren...

Dass ansonsten diese Bilderflut "gut gemeint" ist unterschreibe ich voll, denn "gut gemeint" ist ja oft das Gegenteil von gut.

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Paarlaufbericht VII?

Hi,
mal ne andere Frage:

Ich vermisse den abschließenden Paarlaufbericht. Habe ich doch den ganzen Sommer mit euch mitgefiebert.

Würde mich sehr darüber freuen ;)

Pieti

Du machst Dir ja eine Menge

Du machst Dir ja eine Menge Gedanken wegen so einem Spruch :-)) Was passiert eigentlich, wenn man sich von Blödsinn motivieren lässt und dann ein "Sinn"-volles Ziel anstrebt. Und erreicht. War es dann im Nachhinein noch Blödsinn?

Noch `ne Lebensweisheit ohne FB

...wenn man einen Zwerg auf eine Leiter stellt, bleibt er doch ein Zwerg...

Ich halte es lieber mit dem Kaiser, zu mindest in Anlehnung, “geht`s raus und lauft`s“
In diesem Sinne


“Du hast immer die Wahl: Das Handtuch zu werfen oder damit den Schweiß abwischen“

Ich glaube

dass jeder von uns einen oder mehrere Bereiche in seinem Leben hat, in dem man heute besser ist als früher. Oder anders gesagt, einen Bereich, in dem man sich weiter entwickelt hat. Aber diese " besser-schlechter" Sache kann zu einem Problem werden, wenn zu viel Druck aufgebaut wird und das passiert im Sport ziemlich schnell.

Ja, im ersten Moment...

hat mir dieser "Laufspruch" gefallen und dann, ein paar oberflächliche Klicks weiter
dachte ich ähnliches, wie in Deinen letzten Zeilen da oben...als Lebensmotto ist es Blödsinn!
Im Sport kann es zeitweise motivieren und nach vorne bringen. In der restlichen Zeit, wo man sich nach welchen eigenen Kriterien auch immer unterhalb der eigenen "Bestmarke" bewegt, fühlt man sich schlecht und das ist nicht gut und schön.

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

höher, schneller, weiter

Davon lebt der Kapitalismus.

Ich für meinen Teil habe gerade überhaupt keine Lust, mein Leben als universellen Wettbewerb gegen andere oder auch gegen mich selbst zu gestalten. Ich habe auch keine Kraft dafür.
Ich mag nicht immer kämpfen: ums schneller und weiter Laufen, ums ideale Gewicht, um den "Erfolg" im Beruf (was immer das auch sein soll).
Das Leben kann so schnell vorbei sein - man sollte diese kostbare Zeit wirklich nicht mit Bullshit-Wettbewerben verbringen.

Herzliche Grüße, Conny

Weia.... Du hast dir ja ne

Weia....
Du hast dir ja ne Menge Gedanken gemacht.
Ich kenne diese diversen Bildchen mit Sprüchen drauf auch. Und ja, das ein oder andere spricht mich auch durchaus an. Aber so tief darüber nachgedacht habe ich noch nie. Muss ich auch nicht. Denn ich habe meine eigene Philosophie, ich brauche da keine Sprüche für.
Die Kernaussage aus deinem Blog (ich halte sie jedenfalls dafür) ist für mich: "Er geht mit mir nicht liebevoll um"!
Das ist es doch: das Leben da draußen ist nicht immer einfach, oft sehr rau und lieblos, da muss ich das selber mit mir doch auch nicht noch sein! Und schon garnicht im Sport.
Klar, ich habe auch so meine Ziele, einen (doch durchaus, er ist da) vorhandenen gesunden Ehrgeiz, und ich versuche sie zu erreichen. Gelingt mal mehr mal weniger. Und ich kann mich zwischendurch auch mal so richtig quälen. Nicht, weil das irgendwer von mir verlangt, auch nicht ein imaginäres Zitat, sondern weil ich das dann gerade will!
Ich kenne paar Leute, die bewerten ihre Mitläufer danach, wie schnell sie laufen können. Da wird im Training abgesprochen, so, heute laufen wir langsam, heißt 5er pace, und wenn du dann hinten rausfliegst, hast du Pech gehabt. Dann kannst du alleine laufen. Ein Lauftreff, wohlgemerkt. ...
Will ich nicht, da habe ich schon keine Lust mehr. Leute, die die Nase rümpfen, weil ich für einen 10er länger als 50 min brauche, brauche ich nicht um mich. Sind die besser als ich? Lauftechnisch ja, aber wie du schon sagst, haben Sie mehr Zeit, mehr Talent, alleine die Tatsache das es überwiegend Männer sind, das ist ja für sie schon ein Vorteil....das ist kein liebevoller Umgang mit sich selbst, sich von sowas meschugge machen zu lassen!
In diesem Sinne, ich wünsche dir eine schöne Woche, und wenn mein bescheuerter Dienstplan es zulässt, schaffe ich es auch noch in den Wald :-)

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Ich habe den Spruch auch

Ich habe den Spruch auch gelesen. Mir hat er von Anfang an nicht gefallen. Er setzt voraus das du früher schlecht warst. Er setzt voraus das du mit deiner alten Leistung nicht zufrieden bist. Was ist aber nun wenn ich mit meiner alten Leistung sehr zufrieden war? Momentan weiß ich sehr wohl das ich sie wahrscheinlich nicht mehr ereichen kann. Da ist zum einen das Alter, die Zeit für das Training, der Aufwand. Aber auch die Frage will ich es Überhaupt noch? Dieses permanete Messen mit anderen? Im sporlichen, privaten oder beruflichem Bereich? Oder will ich einfach nur Spaß haben.
Alles hat seinen Preis. Ob es sich nun um berufliche Erfolge oder sporliche Leistungen handelt. Wir allen haben nur eine begrenzte Lebenszeit, mit was und wie füllen wir sie? Macht es Sinn drei oder vier Stunden in der Woche mehr zu trainiern, nur um in einen Marathon zehn schneller zu sein. Für mich schon lange nicht mehr.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Liebe Elli

drei oder vier Stunden Training mehr für zehn Stunden schneller im Marathon??? Sag das mal den Kenianern ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Linzgaurunner

zwei Gedanken dazu:
Du bist wahrscheinlich an dem Punkt, wo es (altersbedingt?) durchaus sinnvoll ist, sich ein anderes Ziel zu suchen. Stimme dir da also voll zu. Aber er setzt nicht voraus, dass Du früher schlecht warst, es heißt nur, morgen kannst du (noch) besser sein (wenn Du es willst).
Zweitens: genau das "permanente Messen mit anderen" ist es doch, was der Spruch nicht meint, sondern eben wenn man sich messen will, dann nur mit sich selbst.
Ich persönlich betrachte so ein Ziel als völlig freiwillig.

Interessieren würde mich, was diejenigen, die dieses Zitat eher demotivierend finden, sonst antreibt, die Schuhe zu schnüren.

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Draußen

im Wald mit meinen Hunden unterwegs zu sein. Sauerstoff im Blut und den Kopf frei kriegen sind für mich die Hauptgründe die Schühchen zu schnüren. Das gute Gefühl nach dem Lauf und zu wissen, dass ich nicht mehr eine große Runde Gassi gehen muss ;0)

Lesen, abnicken,

weiter leben wie bisher.
Ich lass mich auch durch blöde Sprüche nicht demotiveren.

LG,
Anja

mit zitaten...

...wird und wurde schon immer schindluder getrieben. zitate werden gern mal aus dem zusammenhang gerissen, um sie für irgendeine (lebens)situation zurechtzubiegen. spontan fällt mir da j.f. kennedys "ik bin ein börlinörr" ein. wie oft wurde das in ganz "falschem" zusammenhang genutzt
vielleicht ist das ja der sinn und zweck von zitaten, von lebensweisheiten, dass sie jeder für sich passend nutzt, dass sie jeder für sich in seinen ganz speziellen zusammenhang stellt bzw. stellen kann.
lass es mich mit pippi langstrumpf sagen:...ich mach mir die welt, widde widde wie sie mir gefällt... ;)
____________________
laufend hat den fontane ja auch für eigene zwecke zurechtgebogen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

... besser - gemessem am jeweiligen Leistungsstand ...

... klingt doch dann schon wieder besser. Dann stimmt es schon. Das ist jedenfalls auch meine Motivation. Dies erlaubt durchaus langsamer zu sein, beinhaltet aber das aktuelle Leistungsvermögen besser ausschöpfen zu können.
;-)
Ein Schalk lief die Tortourderuhr!

Strider Kenianer brauch ich

Strider Kenianer brauch ich nicht. :-) Ich habe Gambis :-) :-) Und der Rest der Jungs zieht langsam aber stettig an mir vorbei. Und meine Mädles sind grad Schwanger.

Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu ereichen.
Helden gesucht!

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links