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Benutzerbild von nicksdynamics

...ist man wohl Optimist. Im Grunde bin ich das auch. Nur nicht bedingungslos, die Zeiten sind vorbei. Aber "Kontrollierte Offensive" - das gab's doch auch mal im Fußball?
Mein Plan für die 6 Stunden von Bokel sah vor, eine Runde (2km) mehr zu laufen, als vor drei Jahren. Also 62km - das kann man als kontrollierte Offensive durchgehen lassen...

In der Vorbereitung (also nach meinem Lissabon-Marathon vom 2. Oktober) hab ich es erstmal zwei Wochen ruhiger angehen lassen, dann die Umfänge auf 2x75 und 1x85 Wochenkilometer gesteigert, mit der Vorgabe am WE bummelig 40-45km auf die Uhr zu bekommen. Ein 37km langer DL war dabei, sollte also passen, auch wenn ich mich zum Schluß immer wieder aufraffen musste, um überhaupt die Laufschuhe zu schnüren.

Am Wettkampftag fanden sich bei der sehr überschaubaren aber umso liebevolleren Veranstalltung ca. 80 Leute ein, u.a. ein paar Neongelbe, die auch ihre Runden drehen wollten. Wir kamen ins Schnacken und siehe da: mit Uhrli hatte ich die gleichen Tempoabsichten. Eine 2-Kilometer-Runde hat positive und negative Seiten: jedes mal muss man sich fragen: "will ich noch?", andererseits ist es eben auch sehr leicht möglich auszusteigen, wenn es die Situation erfordert. Wir verabredeten also ein "open end"…
Vor dem Start gab's noch eine besondere Ehrung: ein Läufer, dessen Name ich jetzt nicht googlen will, sollte mit dem Lauf von Bokel seinen 400.(!!!) Marathon/Ultra absolvieren! Angefangen zu sammeln hat der Mann übrigens erst mit 50 Jahren, es ist also noch nicht zu spät für so eine Leistung!

Das Wetter meinte es weitgehend gut mit uns, die kurzen Waldwege waren nur an wenigen Stellen matschig, aber laufbar, der Rest der Runde durchs Dorf geht meist auf Fußwegen und ist echt ruhig. Kreiseln halt. Zuerst mal Tempogefühl entwickeln, nach 3 Runden waren wir "drin". Hier und da mal ein kleines Gespräch, aufmunternde Zurufe, kurze Trinkpausen. Die Sonne lässt sich sogar blicken und man würde am liebsten die Sonnensegel ausfahren. Runde um Runde drehen wir in 5:50er Pace, mit Uhrli läuft es sich prima: Man merkt, dass er Pacemaker in Hamburg war, aber auch ich erinnere mich an den super konstanten Syltlauf mit Cocobolo. Halbmarathon in 2:03, bei Kilometer 30 sind wir uns einig, dass es nicht mehr ganz so locker läuft wie zu Beginn, dennoch geht der Marathon in 4:05 planmäßig über die Bühne. 62km sind drin, da im "6 Stunden Plus"-Modus gelaufen wird: man darf die letzte Runde noch zu Ende laufen, wenn man bei 5:59:59 über die Mathe läuft.
Trotzdem möchte Uhrli jetzt ein bisschen Tempo raus nehmen und ich mache einen fatalen Fehler: anstatt genau so weiter zu laufen, spekulieren ich auf 64 km. Eine minimale Tempoverschärfung wird ja wohl noch drin sein! Geklappt hat das genau für zwei Runden, danach ging die Pace kontinuierlich runter und bei Kilometer 54 war für mich der Ofen aus. ich war leer, meine Beine schwer und mein Kopf sagte Schluss. Da half nichts vom Buffet, erstmal hinsetzten. Aufmunternde Worte von einem schnellen Mann, der uns immer wieder an der Strecke angefeuert hatte, aber auch das Angebot von Uhrli und makesIT noch eine Runde locker auszulaufen muss ich ausschlagen.
Hatte ich nicht gesagt ich bin Oprimist? Davon ist jetzt nicht viel übrig, immerhin tickt die Garmin noch - noch hab ich nicht auf STOP gedrückt. Ich lege mich auf eine Bank, das Gedankenkarussell dreht sich und hält bei dem Gedanken an meine Frau, die phasenweise im letzten Jahr auch keine Lust/keine Kraft mehr bei ihrem Lauf gehabt hatte. Weitergemacht hat sie dennoch - was bin ich für eine selbstmitleidige Lusche, wenn ich jetzt nicht die 6 Stunden vollmache! Cola rein, noch eine, ich trabe an und mein Motor springt wieder an. Für diese letzte Runde brauchte ich 23 Minuten, statt ansonsten 11:45.
Ich bin wieder im Rennen, vorsorglich halte ich nicht mehr am Buffet an - immerhin sind 60km noch drin und der wahnsinnige Laufkumpel Karsten begleitet mich auf den letzten 2 Runden. Wahnsinnig deshalb, weil er quasi aus der kalten Hose heraus 30 km läuft, den Lauf nicht abbricht und noch 20 km walkt!
Ohne diese Begleitung und die von Uhrli wäre dieser Lauf nix geworden. Oder zumindest ganz anders… Danke dafür! Nach 6:04:34 beende ich als Gesamtvierter (von 83 Starten) den Lauf. Gut zu wissen, dass Krisen zum überwinden da sind!
Die nächsten Wochen werden ruhiger und ich freue mich auf ein paar Kilometer Nordic Walking, die ich zusammen mit meiner Liebsten gehen kann - sie startet ab sofort in ihr neues Leben und für diese "Krisenbewältigung" bin ich so dankbar, dass mir dafür die Worte fehlen!

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Zwei Fragen.

Was ist denn bei dir bummelig? Meine die 40- 45 km im Training. Und waren die 50 km noch SUB 5. Sieht so aus.

Aber du bist ja auch ein 3:30 Std. Marathoni. Wenn ich das jetzt richtig deute, heißt das, dass du locker einen Marathon in 4:05 std. läufst, dann 50 Kilometer in SUB 5, bei 54 KM aufgeben willst uund beendest dann doch die 6 Stunden.

Und wieder habe ich für mich was gelernt.Da du ja viel schneller als ich bist, kommt für mich eine SUB 5 auf 50 nicht in Frage, was heißt, nicht mit einer 6:00er Pace anfangen. Und dann möchte ich ja im März auch noch 6 Stunden laufen. Aber da hatte ich mir schon gedacht, dass alles über 50 Kilometer beim ersten Mal gut ist.

Von dir eine tolle Leistung.Zeigt mir, dass es jenseits von 42,195 km schnell schwierig werden kann. Ich bin gespannt.

Grüße
Stefan

Forrest:

"bummelig" ist gebraucht im Sinne von "ungefähr", aber Du fragst bestimmt nach dem Tempo. LDLs bin ich zwischen 5:45 und 6:10 gelaufen. Samstag z.B. etwas schneller, Sonntag dann entsprechend etwas langsamer. Im Prinzip Wettkampftempo geübt.

Ja, die 50km gingen in 4:52 durch. Und ja: bei mir scheint es so zu sein, dass bei Tempospielchen auch der Kopf mitmachen muss. Spannend allemal!

An den Folgetagen hatte ich tatsächlich nur geringfügig schwere Beine, keinen Muskelkater. Achillessehne links hat etwas gemuckt, sonst ging's prima. Ich fürchte also, dass die Erschöpfung primär im Kopf war...

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Deinen letzten Satz ...

... würde ich relativieren wollen: In Abhängigkeit vom Trainingsumfang kann es dann schwierig werden. Bei ausreichenden Umfängen, muß es das aber überhaupt nicht. Und ich denke da nicht an 120er oder gar 150er km-Wochen, sondern eher an Doppeldecker oder gar Triples im Bereich von 30-35km (am Ende des Trainingsplanes - natürlich langsam auf die Belastung hochgefahren).
Den Fehler des zu schnellen Loslaufens machen übrigens auch immer wieder selbst "alte Hasen". Wenn ich überlege, wie mancher bei der TTdR auf den ersten 50km losgestiefelt ist ... Im richtigen Dembo losziehen und in dem Dembo dann auch ankommen, ist schon nicht einfach. Dafür muß man sich und auch seine aktuelle Tagesform sehr gut einschätzen können - oder weit genug weg vom maximal laufbaren Dembo sein.
;-)
Ein Schalk lief die Tortourderuhr!

Ich merke mir

die kontrollierte Offensive
und dass Krisen zum Bewältigen da sind.

Wie wahr!!!

Ich schreibe es mir hinter die Ohren und gratuliere dir ganz herzlich zu deinem Lauf!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Hut ab

Hut ab vor dieser Leistung. Davon bin noch weit entfernt. Aber ich liebäugl a schon mit dem Mozart 50. Aber erst nach noch ein paar Marathons. Bin aber zuversichtlich. Denn nach meinem ersten Wolfgangseelauf 2012 hab i mi in meinem Inneren a schon nach mehr gesehnt. 4 jahre hats gedauert. Wäre dann 2020 der Mozartlauf dran.

Du bist ein guter Läufer

Du bist ein guter Läufer das hast du nicht erst einmal gezeigt. Und egal ob du die 6 Stunden voll gemacht hast oder es vielleicht auch nicht getan hättest, es würde nichts daran ändern.

Ich finde dein Pensum beeindruckend

aber den letzten Satz am besten.

Viel Spaß mit der Liebsten beim Start ins neue Leben!

Warst du bei 50 Km am Limit?

Danke für deine Erläuterungen oben. Ich frage deswegen, da du ja Marathon unter 5er Pace laufen kannst. Heißt bist auf 50 Kilonmeter ca. 50 - 55 Sekunden langsamer als Marathon Pace gelaufen. Würde mir für meine eigene Pace bei 50 Kilometer ein Anhaltspunkt geben. Das würde allerdings zwischen 6:30 - und 6:40 bedeuten. Ca. 5:30 Std. für 50 Kilometer beim Debüt? Hm. Sieht wohl so aus. Die "bummeligen", bei mir dann im Sinne von langsam, kann ich nachvollziehen und passt dann auch. Da werd ich dann wohl wirklich ganz gemächlich angehen müssen. Ist ja noch ein bisschen hin.Da werd ich jetzt erstmal die Umfänge erhöhen.

Bis dahin.

Grüße
Stefan

Forrest120

5:30h für Debüt halte ich für realistisch. Schneller kannst du immer noch ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Forest

Ja,ich glaube mit der Rechnung bist Du auf der sicheren Seite.
Als Anhaltspunkt: mein Wohlfühl-Longjog-Tempo liegt ziemlich exakt bei 5:45. Ich glaube 5:50er Pace hätte ich ohne Tempospielchen durchziehen können, was exakt Marathon-renntempo + 60sec entspricht.
Viel Spaß bei den langen Läufen (und Doubletten fand ich auch spannend weil anders als Marathontraining).
Bin gespannt auf deinen Bericht!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

fazer:

Genau! Unterm Strich ist das genau das, was zählt. Danke!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Genau das habe ich aus den

Genau das habe ich aus den langen Läufen fürs Leben gelernt, Krisen kommen und gehen und manchmal hilft nur weitermachen, einfach weil es gerade dran ist. Manchmal ist aufhören allerdings auch die klügere Option, aber seltener als man denkt.
Ich wünsche Dir und Deiner Frau schöne Walkingkilometer! Sie war Dir anscheinend eine gute Lehrmeisterin :-))
Maren

Ich bin dann mal weg

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