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Mein Kopf und mein Körper hatten jetzt endgültig schon dicht gemacht. Es gab einfach kein Ziel mehr für den bevorstehenden Chicago-Marathon. Das eigentlich ausgelobte Ziel wäre gewesen, sich schon zum sehr frühen Zeitpunkt der Qualifikationsperiode (jeweils ein Jahr ab Mitte September), die Teilnahme am Boston Marathon 2018 zu sichern. Aber da ich dieses Ziel „aus Versehen“ schon beim Pacemaking in Berlin (3:11:01, statt 3:14:59) in der Tasche hatte, brauchte es eigentlich ein neues Ziel. Das schrie so etwas nach „Lucky Punch“, also der Versuch etwas zu probieren. Aber was?

Bestzeit war komplett unrealistisch. Ich habe mich zwar bei meiner bisherigen Bestzeit, die unter ganz ähnlichen Bedingungen entstanden war, auch um gut 5 Minuten vertan, was die Einschätzung meiner maximalen Leistungsfähigkeit anging. Aber nach einer schlechten sub3:10-Vorbereitung auf Bestzeit sub2:49:53 zu gehen, wäre Wahnsinn gewesen. Dann gab es die Option auf sub3 zu gehen. Das ist immerhin eine Schallmauer, aber vom aktuellen Leistungsstand her auch komplett unrealistisch. Aber ein Rennen auf 3:05 oder so anzugehen ist so langweilig, wie „Das Wort zum Sonntag“ im TV.

Das-muss-sein-Ziel: ankommen!

Das absolute Minimalziel lautete aus einem ganz anderen Grund: „ankommen“. Der primäre Grund um den Chicago Marathon zu laufen war, dass ich mittelfristig die sechs World Marathon Majors komplett absolvieren möchte. Berlin, Boston und New York habe ich bereits in der Tasche. Tokyo und London ist enorm schwierig ins Rennen rein zu kommen. Aber Chicago wollte ich schon mal abhaken, solange ich mit meinen Zeiten einen garantierten Startplatz bekomme. Für den „Six-Star-Award“ aller Majors, musste ich aber ankommen. Und ich hatte keine Lust, mehrere hundert Euro noch einmal ausgeben zu müssen, um das Rennen am Lake Michigan als erledigt nachweisen zu können.

Nun hatte aber mein Körper die Überlegungen der ersten beiden Absätze auch realisiert und sich gedacht, dass wenn es schon kein echtes Ziel mehr gibt, er dann doch einfach den Off-Schalter von selbst betätigen konnte. Nach Berlin fiel die Spannung immer mehr ab. Ich hatte eine lange Saison absolviert, mit 2 Triathlon-Langdistanzen, bislang 7 Marathon, den 300km Radtour um den Vätternsee und diverse weitere kleinere Rennen. Mein Körper sehnte sich nach Ruhe und nach Berlin nahm er sich diese dann auch schon.

Spätestens jetzt trainierte ich wirklich nur noch wenn es unbedingt sein musste. Das lange Wochenende vor Chicago verbrachte ich dann auch schon auf Rügen und aus dem laut Trainingsplan angesetzten letzten langen Lauf über 27km, wurde dann ein Power-Qualitätszeit-mit-Freundin-und-Sohn-Trainingsreiz, der alles außer Laufen beinhaltete. Lange Läufe müssten ja sowieso total überbewertet sein. Ich war in der ganzen Vorbereitung einmal mehr als 30km gelaufen und in Berlin beim 4km langen Endspurt der Boston-Quali entgegen, nun mal wirklich keinerlei Probleme mit der Ausdauer gehabt. Immerhin setzte ich in den zwei Wochen noch drei Tempospitzen, einmal 3x5000m-Intervalle, einen 10km Tempodauerlauf und die obligatorischen 3x1500m in der Woche vor dem Rennen.

Schädelexplosion

Donnerstag vor dem Rennen merkte ich dann auch, dass ich mich angeschlagen fühlte und in der Nacht auf Freitag brach es dann aus. Meine Nase und der ganze Kopf war total zu und mein Schädel drohte komplett zu explodieren. Das war super, denn das sollte ohnehin eine kurze Nacht werden, war es doch die letzte Nacht im heimischen Bett in Berlin, bevor um 6:00 Uhr (in Worten: „Sechsuhr“!!!) der Zubringerflug von Berlin nach Frankfurt startete. Ich musste also ohnehin um 3:45 Uhr aufstehen, da machte es dann auch nichts mehr aus, dass ich die wenigen Stunden davor dann auch nicht schlief. OK, Ironiemodus aus.

Im Flieger ging es dann ebenso weiter. Ich fühlte mich grauenhaft und es fühlte sich gar nichts bequem an, weder schlafen, noch sitzen, noch Filme gucken, noch, noch, noch. Ich verdrängte einfach mal die Überlegung, dass ich zwei Tage später einen Marathon laufen wollte. Nein, ich MUSSTE ihn laufen und zwar vollständig. Ich wollte einen Haken hinter Chicago haben, selbst wenn ich in 6 Stunden ins Ziel spaziere.

Im Flugzeug habe ich ein wenig gedöst, meistens wenn ich einen Film schauen wollte. Wenn ich dann kurz eingenickt war und dachte „so, jetzt kannst du Dich gesund schlafen“ klappte das mit dem „Augen zu“ machen natürlich gleich mal wieder nicht. Und dann war der Flug auch schon vorbei und ich saß in der Metro Richtung Chicago-Zentrum.

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Wie schon so oft zuletzt in meinen US-amerikanischen Sportabenteuern, hatte ich mich wieder im zentral gelegenen Hostelling International eingebucht. Das war in Chicago gar nicht so einfach. Durch die perfekte Lage war es schon sehr früh ausgebucht, aber dank einer Stornierung eines anderen Gastes, war dann irgendwann doch noch ein Bett für mich zu haben. In dem Hostel habe ich schon anlässlich des ITU Chicago Triathlon 2014 gewohnt und es für sehr gut befunden. Für den Marathon war es noch perfekter, war es doch nur rund 400m vom Start-/Zielbereich nahe Buckingham Fountain entfernt.

Ich hoffte nach der Ankunft am späten Vormittag erstmal das Bett gleich beziehen und für ein Mittags- und Gesundwerdschläfchen nutzen zu können. Diese Hoffnung wurde durch die gute Auslastung zerschmettert und ich musste mich bis 15 Uhr gedulden, bis mein Bett bezugsfertig ist. Also griff Plan B und ich machte mich auf zur Startnummernabholung.

Chauffeurdienst zur Startnummer

Diese gilt es in Chicago besonders lobenswert hervorzuheben. Ich las schon den Text in den Teilnehmerinformationen durch, wie man per ÖPNV zur Expo kommt. Da sprangen meine Augen noch ein wenig weiter nach oben im Text und ich vernahm, dass es mehrere kostenlose Shuttle für die Teilnehmer gab, eins davon nur zwei Blocks von meinem Hostel entfernt.

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Ich spazierte bei herrlichem Wetter zur Haltestelle und nach ein paar Minuten saß ich auch schon im Bus. Dieser fuhr dann bequem zur Expo, konnte leider aber nichts für den schlimmen Verkehr auf der Straße, weswegen die Fahrt doch länger dauerte, als ich eigentlich kalkuliert hatte. Das war für mich aber auch nicht wild, denn solange ich saß und spazieren gefahren wurde, konnte ich weiter meine Erkältung auskurieren.

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Carlos aus Madrid hat auch noch das Armband vom Berlin Marathon an

Bei der Expo angekommen, fand ich das übliche vor. Irgendwie unterscheiden die sich nicht wirklich von Rennen zu Rennen. In den USA ist noch ganz nett, dass man allerhand Samples zu Gels, Riegeln und anderem Ernährungsquatsch bekommt. So kann man sich gepflegt ein Lunch in der Stadt sparen. Ich holte meine Startnummer für den Marathon und den ebenfalls gemeldeten 5km-Lauf ab und begab mich auch recht flott wieder zum Shuttle zurück zum Hostel.

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Mittlerweile konnte ich ins Hostel, wo ich meinen Plan gleich nachholte und einen kurzen Nachmittagsschlaf abhielt. Zumindest mal ein wenig ausgeruht, begann ich dann mit Jens zu chatten. Jens kam auch aus Berlin, teilt mir mir die Mitgliedschaft bei den Adidas Runners und vollzog u.a. in Chicago ein kleines eigenes Projekt, in 6 Wochen 5 Marathon quer über den Erdball zu laufen. Jens und ich hatten uns schon im Vorfeld mal locker abgestimmt, dass wir uns vor Ort mal über den Weg laufen.

Jetzt war es so, dass er mir schon vorher von einem Lauf des Nike+-Clubs erzählt hat. Ich hatte mal den Link geöffnet, aber außer das die Internetseite sagte, dass der Lauf ausgebucht war, konnte ich auch nicht weiter was erfahren. Chicago ist Nike-Reich. Jeder der großen Marathon hat natürlich auch seinen Sportartikel-Partner. In Berlin ist es Adidas und ich als Adidas-Runner habe dort so ungefähr alles mitnehmen können, was so geht. Chicago war jetzt aber halt Nike-Reich und da habe ich keine Connections…im Gegensatz zu Jens. Er kennt sich auch in der Nike-Community bestens aus und organisierte mir doch noch einen der begehrten Plätze bei dieser Veranstaltung. Ich hielt es immer noch für einen lockeren Shake-out-run vor dem Marathon, sollte aber im Verlauf des Abends deutlich eines Besseren belehrt werden.

Ich quälte mich also aus dem Bett, streifte einen Satz Laufklamotten über und watschelte den guten Kilometer vom Hostel zum Treffpunkt, den ich mir in Google Maps rausgesucht hatte. Ich ärgerte mich schon ein wenig, weil es vor Ort alles etwas unübersichtlich war. Ich konnte den Treffpunkt nicht wirklich ausmachen, weil dort ein riesig großes Zelt aufgebaut war und hunderte Menschen wild rumwuselten. Es dauerte schon ein paar Minuten, aber dann wurde mir klar, dass genau dies die Veranstaltung war, bei der ich mit Jens verabredet war. Plötzlich stand er auch neben mir.

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Einmal mit einem Teilnehmerbändchen ausgestattet, wurde mir im Innenbereich erstmal allerhand Goodies in die Hand gedrückt und eine Grundausstattung mit Getränken und was zu knabbern stand auch konsumbereit vor Ort. Ich war ja aber hier zum Laufen, also schaute ich mit Jens, wo denn jetzt tatsächlich aktiver Sport stattfinden sollte. Hierzu kamen wir aber erst, nachdem wir einen Haufen Reden anhören durften. So sprach eine offensichtlich von Nike in der Orga beschäftigte Motivatorin, die im typisch amerikanischen Stil erklärte, wie großartig es doch ist, dass wir alle hier sind. Dann stand auf einmal der Renndirektor des Chicago Marathon auf der Bühne und erzählte doch mit ehrlich wirkendem Enthusiasmus ein paar Worte zum Rennen. Abgerundet wurde das ganze durch einen schlanken Afrikaner, der ganz offensichtlich keine Ahnung davon hatte, was er gefragt wurde, aber politisch korrekt die Standardrede schwang, dass es ganz toll ist in Chicago zu sein, ein so tolles Rennen laufen zu können, gut vorbereitet zu sein und sein Bestes geben zu wollen. Das das rein gar nichts mit der Frage zu tun hatte, störte irgendwie niemanden. Jetzt brachen wir also dann auch endlich auf zu laufen.

Es ging mir für den Moment mal ganz gut. Ich merkte, dass es gut tat, mich den Tag über wirklich sehr geschont zu haben. Und auch der Lauf mit den Nike-Runners war höchst gemütlich. Erstens war es sowieso nicht schnell und zweitens hielten wir etwa alle 500 Meter an. Das hat sich aber auch gelohnt, denn die Strecke war wirklich wunderschön durch die City, ich sah ganz neue Orte, die ich auf meinen bisherigen drei Kurzbesuchen gar nicht kennengelernt hatte. Das Licht war super und das Wetter spielte auch mit.

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Wieder zurück am Start, steigerte sich die Veranstaltung noch weiter. Es gab ein wirklich leckeres Buffet, Gatorade, Bier und noch ein paar Giveaways. Ich war begeistert und bin sehr dankbar, dass Jens es gelungen ist, mich aus dem Bett zu locken.

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Irgendwann wurde es dann aber auch frisch, ich wieder müde, also tingelte ich langsam wieder ins Hostel. Auf dem Weg kehrte ich noch kurz im Drogeriemarkt um die Ecke ein und versorgte mich mit Erkältung-hau-weg-Drogen. Ich hatte länger überlegt, das ist sonst nicht so mein Stil. Aber ich war jetzt drei Tage in Chicago und wollte an einem davon einen Marathon laufen. Da konnte ich jetzt nicht auf natürliche Weise meine Erkältung bekämpfen. Jetzt mussten härtere Waffen angesetzt werden.

Same unvernünftige procedure every Marathon

Mit den eingeworfenen Pillen, zu denen ich das englischsprachige Fachvokabular auf dem Beipackzettel nur zur Hälfte verstand, klappte es mit dem Schlafen ganz ausgezeichnet. Am nächsten Morgen klingelte dann auch der Wecker, der mich aus dem Schlaf riss. Mein eigentlicher Plan war ja mit dem Jetlag zu spielen. Wenn ich gar nicht erst versuche, mir den lokalen Rhythmus zu sehr anzueignen, dann bin ich am Renn-Sonntag ohnehin früh wach. Und gleich nach dem Rennen würde ich sowieso wieder im Flieger zurück sitzen und so könnte ich den Jetlag wieder beseitigt haben, bevor er überhaupt erst entstehen konnte. Aber mein Körper hatte offensichtlich Nachholbedarf, den er sich einfach nahm.

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Das der Wecker klingelte, war meiner ohnehin unvernünftigen Gewohnheit geschuldet, an einem Marathon-Wochenende einfach alles mitzunehmen, was sich an dem Event so bietet. Samstag früh stand dann das Chicago 5k-Rennen noch auf dem Plan. Eine kurze Belastung über diese Distanz steht ja sowieso im Trainingsplan und wenn die dann auch noch über eine abgesteckte Strecke absolviert werden kann, umso besser. Was mir aber bei solchem Quatsch einfach nie gelingen will ist, dass die Strecke bestenfalls gemütlich, mit ein paar kurzen Sprints absolviert werden sollte. Ich entscheide mich dann spontan immer für die Sprints und lasse die Pausen dazwischen einfach weg.

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Auch hier war es wieder so und ich absolvierte das Rennen in 20:01 Minuten. Das ist jetzt keine Zeit, mit der ich über 5km wirklich glänzen kann. Aber erstens bin ich der festen Überzeugung, dass der Lauf länger war - eigentlich alle GPS-Uhren der Finisher zeigten 5,3/5,4km an. Zweitens war ich ja eigentlich krank und von daher ohnehin nicht in der Verfassung, noch schneller zu laufen. Aber darum geht es ja auch nicht. Der Lauf hat echt Spaß gemacht und ich war mit dem Thema Vorbelastung um 7:20 Uhr morgens dann auch schon durch. Jens lies sich den 5er auch nicht nehmen und anschließend gönnten wir uns einen leckeren Kaffee um in den Tag zu kommen.

Ironman

Für mich war es das dann aber auch erstmal. Ich entschied mich gleich nach dem Kaffee wieder für meinen Lieblingsort des Wochenende in Chicago: das Hostelbett. Erst machte ich nochmal die Augen kurz zu und dann machte ich es mir gemütlich. Es galt einen Ironman zu absolvieren – und zwar am Laptop auf dem Schoss.

An dem Sonntag fand der Ironman auf Hawaii statt und ich freute mich, dass ich mal nicht die komplette Nacht mit dem Einschlafen auf dem Sofa kämpfen musste, um diesen zu verfolgen. Hier konnte ich gemütlich über den Tag verfolgen, wie sich drei deutsche, die Herren Frodeno, Kienle und Lange das Podium des wohl bekanntesten Triathlon der Welt sicherten.

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Nachmittags raffte ich mich dann nochmal auf und ging etwas spazieren, bevor es wieder zurück ins Hostel zur dort angesetzten Pastaparty ging. Ich vertilgte ein paar Teller Nudeln, unterhielt mich mit dem internationalen Publikum im Hostel, was typisch für Marathonwochenende, spätestens jetzt fast ausschließlich aus Läufern und deren Begleitungen bestand. Anschließend ging es wieder zurück ins Zimmer um die letzten Rennvorbereitungen vorzunehmen.

Held oder Selfiestick

Während ich da so meine Pre-Rennroutine abspulte, galt es jetzt nochmal die Frage nach der Zielsetzung für morgen zu beantworten. Die Basis war immer noch die oben beschriebene. Sub3 nahezu unmöglich, aber das einzige Ziel, mit dem man mich noch locken konnte. Persönliche Bestzeit völlig undenkbar, Bostonquali schon in der Tasche und auch sonst kein anderes Ziel erkennbar. Einzig neu war jetzt die Variable, dass ich eigentlich krank war und vielleicht auch allein deshalb nicht so viel von mir erwarten durfte. Es bestand immerhin immer noch die Gefahr das Rennen gar nicht zu finishen. Entweder weil ich übel erkältet doch Vernunft walten lassen muss und das Rennen im Sinne meiner Gesundheit aufgebe. Oder weil ich irgendein überambitioniertes Ziel verfolge, total einbreche und dann nicht mehr das Ziel erreiche.

Mein Berliner Kumpel Jan hat diese Fragestellung in der Formulierung „Held oder Selfiestick“ wunderschön zusammengefasst. Ich könnte einfach einen gemütlichen 4-Stunden-Marathon laufen und mich gar nicht um irgendeine Quali oder sub-Zeit kümmern. Aber das ist auch irgendwie nicht mein Stil. Und ich hatte in der Vergangenheit auch schon festgestellt, dass ein langsam gelaufener Marathon fast noch mehr weh tun kann, wie ein schneller. Also entschied ich mich in dieser Fragestellung für „Held“

Held oder Heldentod

Einen Schritt weitergedacht, legte ich mich dann auf den Versuch fest, doch unter drei Stunden laufen zu wollen. Alles andere hätte mich zum Gähnen gebracht. ‚Was willst Du denn laufen?‘ ‚Eine 3:05‘…so eine Unterhaltung möchte ich nicht führen. In Boston 2014 hatte ich auch auf eine 2:59 trainiert, im Vorfeld festgestellt, dass es eine 2:55 werden könnte und dann nochmal 6 Minuten gewonnen. Warum sollte ich nicht an dem Tag, an dem ich mir eine 3:05 zutraute, mit etwas Risiko doch eine 2:59 laufen? Ein Versuch war es wert.

Mein Tagesmotto für den nächsten Tag lautete also: „(Held oder Heldentod) oder Selfiestick“. Und genau mit diesem Wortlaut im Kopf legte ich mich ins Bett und schlief ein.

Zeitungslektüre im Startblock

Ich wachte auf und es fühlte sich soweit alles ganz gut an. Längst vorbei die Überlegungen, ob ich es womöglich gesundheitlich nicht schaffen würde, die 42,195km in Chicago zu absolvieren. Ich begann mein Renn-Ritual und frühstückte drei weiße Bagel mit Nutella, welches ich mir am Vorabend noch besorgt hatte. Ich legte mich danach nochmal ins Bett, denn durch die Nähe zur Startlinie brauchte ich mir keinen Stress machen. Später kleidete ich mich dann an und watschelte zum Start. Es war ein herrlicher Morgen, die Sonne ging über dem Lake Michigan auf und bildete einen wunderbaren Hintergrund hinter den Läufern, die noch ein Warm-up-Programm absolvierten.

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Ich fokussierte mich weiterhin darauf, möglichst erholt und entspannt an den Start zu gehen. Ich gab noch einen Beutel mit Klamotten ab, besorgte mir noch ein paar isotonische Getränke und ging in Richtung Startaufstellung. Dort traf ich auf zwei lustige Kerle, mit denen ich mir die letzten Minuten teilte, bevor wir auf die Reise geschickt wurden.

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Der eine war aus London angereist und freute sich offensichtlich auf dem Marathon auf der anderen Seite des Atlantik. Wir unterhielten uns über den London Marathon, den er natürlich schon mehrfach gelaufen ist, bei dem ich aber bislang deutlich daran gescheitert bin, einen Startplatz zu ergattern. Er entschuldigte sich in perfektem, höchst amüsant klingendem Englisch „im Namen seiner Nation“, dass uns Ausländern so wenige Startplätze über die offene Verlosung zugeteilt werden. Der andere Mitläufer stand ziemlich entspannt in unserer Runde und trug bei seinem elften Chicago Marathon wohl die gleiche Kleidung, wie beim ersten. Er war höchst relaxed und hatte noch eine Zeitung unter dem Arm geklemmt, die er gedachte noch zu lesen, wenn die Zeit bis zum Startschuss nicht schnell genug vorbei geht.

Wir wünschten uns noch viel Glück und dann ging es los.

Such den Pacemaker

Die tausenden Läufer setzten sich in Bewegung und für mich begann nun die recht komplexe Logistik, den passenden Pacemaker zu finden. Es gab wohl mehrere, zu den verschiedenen Zeiten in den verschiedenen Startblocks. Ich orientierte mich erst an einem 3-Stunden-Pacer, aber im weiteren Verlauf des Rennens sollte ich mehrfach wild immer wieder verschiedene Pacer-Trupps begegnen. Ich werde sehr spät im Rennen nochmal eine Gruppe überholen, mich dabei von weitem auflaufend freuen, dass mein Tempo gerade berauschend sein muss, dann aber erkennend, dass es eine 3:10-Stunden-Gruppe war, die offensichtlich sehr weit vorne gestartet ist. Umgekehrt überholt mich ein anderer Trupp, wo ich kurz Trübsal blase, um dann zu merken, dass es ein weiterer 3:00-Pacer sein muss, der wiederum weiter hinten losgelaufen war.

Abgesehen von den kurzen Irritationen, ignorierte ich das sehr schnell und versuchte voll und ganz mein Rennen zu laufen. Es ging parallel zum Ufer des Lake Michigan nach Norden und ich überquerte die Zeitmatte der 5km-Zwischenzeit nach exakt 21:15 Minuten. Das war auf die Sekunde genau das Tempo (4:15 Minuten/km), was ich benötigte um in unter 3 Stunden zu bleiben. Auch die Zwischenzeit bei km10 machte mir noch Hoffnung. Diese war in 42:37 nur 7 Sekunden hinter meiner Marschroute für den sub3-Coup.

Aber irgendwie war mir so, als ob ich die 3 Stunden nicht wirklich erreichen würde. Es war noch keine Ermüdung, aber das Tempo war dann doch genau die Nuance zu schnell, die ich nicht über die volle Distanz laufen konnte. Halt der Unterschied zwischen 2:59 und einer Zeit knapp über den drei Stunden. Irgendwo zwischen Kilometer 10 und 15 passierte es dann auch, dass ich eben diese Nuance Tempo rausnahm. Ich bin eigentlich meinem Rennmotto komplett ausgewichen.

Weder Held noch Heldentod, aber auch kein Selfiestick

Held oder Heldentod fand heute nicht statt. Für ‚Held‘ hätte ich mich in dem 4:15-Tempo festbeißen müssen, irgendwo später im Rennen eine zweite Luft bekommen und eingetaucht in einer Endorphinwolke über die Ziellinie fliegen müssen. Aber genau das wirkte für mich nicht möglich und ich gab schon früh auf.

Heldentod wäre im Heldenszenario ein spektakulärer Einbruch gewesen, wie ich ihn eigentlich nur zweimal, nämlich beim Berlin Marathon 2012, sowie in Boston 2016 erlebte. Beide male war für Teile der Strecke nicht mehr an Laufen zu denken und Spaziergang war der Modus für Ausschnitte der letzten Kilometer. Im Endeffekt hatte ich bei diesen Rennen auch nur 9 bzw. 16 Minuten auf meine angepeilte Zielzeit verloren. Und eine 3:09, bzw. 3:16 hätte ich ja auch genommen. Wenn schon nicht 2:59, dann wäre es ja auch total egal, ob 3:09, 3:16, 3:47 oder 4:32 – Hauptsache ich finishe dieses Rennen für die Wertung der sechs World Majors.

Aber ich wich aus und rannte im Endeffekt genau das gähn-langweilige Rennen, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ich verlor von Abschnitt zu Abschnitt etwas Zeit und lief straight auf eine Zeit rund um die 3:05 zu.

Tolles Rennen, aber ich weiß nicht warum

Das Rennen war schon cool! Das Wetter war perfekt, die Strecke ebenso wie Berlin enorm Flach und man hat immer das Gefühl im großen spektakulären Chicago zu sein. Aber andererseits hob sich auch nicht so viel positiv ab. Vielleicht habe ich auf meinen bisherigen Stippvisiten auch einfach zu wenig Sightseeing in Chicago gemacht. Es sah alles irgendwie schick aus, aber auch alles irgendwie gleich. Das einzige verbindende Element über die gesamte Strecke, war der Willis Tower, das mit Abstand höchste Gebäude der Stadt und jahrzehntelang auch der Welt.

Bei der Vorstellung der Strecke auf der Expo wurde gesagt, dass man insgesamt dreimal vom Willis Tower weg und gleich anschließend wieder auf ihn zu läuft. So hat man immer eine Orientierung, wann wieder einer der Abschnitte absolviert war. Was mir ebenso gefiel, war die Aktivität der Zuschauer am Streckenrand. Ich würde es irgendwo zwischen den beiden US-amerikanischen Rennen in Boston und New York ansiedeln.

Boston bleibt einfach unerreicht. Das ist wie Karneval in Köln und für einen Läufer beim Durchqueren der 9 Ortschaften zwischen Hopkinton und Boylston Street, als ob man Rosenmontag auf dem Prinzenwagen durch die jecken Karnevalisten am Straßenrand fährt. New York dagegen macht es natürlich über Masse. Nach der Queensborough Bridge, wenn man endlich auf Manhattan angekommen ist, wird man beinahe taub durch den ganzen Jubel, vor allem der vielen Touristen, die ihre Freunde und angehörigen im Rennen anpeitschen. Aber es fehlt irgendwie der Kult des Rennens – es ist einfach groß und bombastisch.

Chicago gliedere ich – wie gesagt – irgendwo dazwischen ein. Das Publikum ist sehr gut verteilt und es wirkt, als ob es wirklich zum größten Teil die Bürger der Stadt sind, die die Läufer anfeuern. Die Zuschauer wirken irgendwie fachkompetent. Aber es fehlt so dieser allerletzte Kultcharakter, wie in Boston. Ich würde sagen: New York ist ein mega Event für die mitgereisten Angehörigen und Freunde, Chicago ist ein Event für die zahlreich vertretene lokale Bevölkerung und Boston ist DAS Event, auf das man sich in der Region das ganze Jahr einschwört, um dann zu ‚marathon week‘ komplett auszurasten.

Kilometer abspulen

Die entscheidende Frage für mich würde sein, was kann ich hier laufen? Wieviel Tempo werde ich mit zunehmender Länge des Rennens einbüßen? Auf Kilometer 11 bis 15 verlor ich 40 Sekunden auf den sub3-Traum, auf Kilometer 16 bis 20 noch einmal 50 Sekunden. Zum Halbmarathon war ich bei 1:31:25 Stunden.

Der nächste 5er ging dann 59 Sekunden über Plan raus, bevor ich nochmal etwas beschleunigen konnte. Ich spulte meine Kilometer ab. Hier ging es einfach darum Chicago abzuhaken, das tolle Rennen zu genießen und für mich einen Beweis anzutreten, was aktuell eine realistische Marathonzeit ist.

Ab Kilometer 30 kam dann auch die befürchtete Müdigkeit und ich verlor nochmal Tempo. Jetzt galt es den Kopf einzuschalten und so viel Tempo wie möglich zu retten. Ich hatte ja signifikant zu wenige lange Einheiten gemacht, aber zwei Wochen zuvor in Berlin hatte mich das auch nicht gestört, um auf den letzten 4 Kilometern einen spektakulären Endspurt und eine Zielzeit von 3:11 zu erkämpfen. Ich schaltete also auch hier von Beine- auf Kopfmodus und zählte die die Kilometer runter.

Es waren „noch 10“, „noch 9“, „noch 8“ und so weiter. Ich sah den Willis-Tower ganz langsam näher kommen. Die Kilometer 31 bis 35 dauerten schon 22:45, also 1:30 über Plan, allein auf diesem Abschnitt. Das letzte komplette 5er-Teilstück dann in 23:47 – das war schon deutlich langsamer, aber eben auch kein Heldentod. Die Ziellinie rückte näher und das motiviert mich immer nochmal. Für die letzten gut 2 Kilometer setzte ich nochmal das Tempo an, was ich zuletzt zwischen Kilometer 15 und 20 lief und überquerte in 3:07:01 glücklich die Ziellinie. Ich habe vielleicht etwas zu spät auf die Uhr gesehen, um mich noch zu einer sub3:07 zu quälen. Aber das spielte auch irgendwie keine entscheidende Rolle.

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Glücklich – darauf ein Bier!

Ich bin den US-Amerikanern höchst dankbar, dass dort noch nicht der Hype um die alkoholfreien Biere angekommen ist. Sie haben zwar einen Haufen dieser Light-Biere, die geschmacklich dem alkoholfreien nahe kommen, aber dann doch %te haben. Aber hier in Chicago gab es gleich hinter der Ziellinie eine lange Theke auf der Bier gezapft wurde, und zwar richtiges – mit Geschmack und mit Alkohol. Das war ziemlich genau das, wonach mir gerade war. In exakt dieser Minute endete meine lange Sportsaison und meine ersehnte Offseason startete. Ich trank vor Ort erstmal zwei dieser Gerstengetränke und nahm ein drittes ‚to go‘ mit.

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In Boston gibt es eine Post-Race-Pary am Abend nach dem Rennen. Tausende Teilnehmer kehren im Baseballstadion Fenway Park ein und feiern die Leistung des Tages. In Chicago findet die Post-Race-Party gleich hinter der Ziellinie statt. Gleich nach dem Bier wird man auch ansonsten mit dem nötigsten versorgt, holt seinen abgegebenen Kleiderbeutel ab und begibt sich auf eine große Wiese. Hier machte ich es mir bequem und lies das Rennen, sowie die lange Saison im Kopf Revue passieren und ließ mir die wunderbare Sonne auf den Kopf scheinen.

Mein drittes Bier war längst leer, ein viertes hatte ich in der Hand, ebenso wie den Gutschein für ein Fünftes, den mir ein Läufer in die Hand drückte, der seinen auf der Post-Race-Party nicht einlösen wollte. Es ging mir gut. So unspektakulär ich vorher die Idee fand, den Marathon in mehr oder weniger konstantem Tempo in 3:07:01 zu laufen, umso mehr freute ich mich über genau diese Entwicklung. Das war immerhin ein deutlicher Sprung nach vorne. Ich hatte zuletzt drei Marathonrennen auf Zeit im Bereich 3:11, bzw. 3:12 gefinished und die 3:07 war dann doch ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Es war auch immerhin mein zweitschnellster Herbstmarathon. Sonst gelingt es mir nämlich auch nicht, im Herbst noch einmal den Fokus auf eine bessere Vorbereitung zu setzen. Zu müde bin ich dann schon von meinen Wettkampfeskapaden der Saison davor.

Ich habe da bestimmt ein Stündchen in der Sonne gelegen und den Tag genossen, als ich beschloss jetzt doch mal den Weg zurück ins Hostel anzutreten. Ich hatte am morgen schon auschecken müssen, da ich am selben Tag noch zurückfliegen würde. Aber ich konnte dort noch eine gemütliche Dusche nehmen und mich wieder straßenfein kleiden.

Endorphingetränkt - und sicherlich hat auch der Alkohol dazu beigetragen, dass ich eine deutliche Leichtigkeit des Seins verspürte - begab ich mich nun auf die Nachmittagsplanung. Es sollte wie immer für mich nach US-Wettkämpfen zum lokalen Five Guys Burger gehen um dort den größtmöglichen Burger zu verspeisen. Ich hatte gehofft meinen Lucky Burger Guy wieder zu treffen. Er hatte mich sowohl nach dem Chicago ITU-Triathlon 2013, als auch Anfang Januar 2015 bedient, als ich auf der Rückreise aus Kalifornien bei minus 18 Grad 8 Stunden Layover in der Stadt verbrachte und ich mich bei Five Guys aufwärmte. Wenn er nicht gerade bediente, tanzte und sang er hinter der Theke und verbreitete überragend fröhliche Stimmung. Leider war er diesmal nicht da, aber der Burger schmeckte trotzdem lecker.

Nach dem Pflichtprogramm sollte dann die Kür folgen. Ich hatte noch ein paar Stunden Zeit bis ich pünktlich für meinen Rückflug wieder zum Flughafen musste. So richtig war mir nichts eingefallen. Für Sightseeing war die Zeit zu knapp und ich nicht vorbereitet. Ich war auch so auf diesem Trip auf tolle neue Fleckchen Stadt gestossen – insbesondere ‚Jens sei dank‘. Ich hatte auf der Expo ein ganz schönes T-Shirt von Nike gesehen. Ist jetzt nicht so, dass man als Viel-Wettkampf-Läufer noch von neuen T-Shirts träumt. Aber dieses gefiel mir wirklich gut – war auch eher ein Shirt um es auf der Straße zu tragen, mit einem schönen Aufdruck der Chicago’er Skyline. Da die Expo Sonntag schon abgebaut war, baute ich auf die Sportartikelkette, die offensichtlich Chicago fest im Griff hatte und als offizieller Shop im Programm angekündigt war. Leider hoffte ich vergebens dort einen größere Auswahl offizieller Merchandise-Artikel zu finden. Also trat ich doch die etwas komplexere Logistik zum großen Nike-Store auf der Magnificant Mile an. Hier war die Hölle los, denn es gab sowohl eine kostenlose Medaillengravur (die ich mir ersparte, denn die Schlange war ewig lang), als auch offiziellen Merchandise und offizielle Finishershirts zum Marathon.

Mein Wunschshirt war leider weder für mich in meiner Größe, noch die Frauenvariante als Souvenir daheim verfügbar. Und das Finishershirt fand ich jetzt nicht so überragend schön, dass ich mir mein 100-plus-x-tes Shirt auch noch teuer kaufen wollte. Also verließ ich den Laden ohne die Kreditkarte zu zücken, war aber ganz angetan von der Stimmung aller glücklichen Finisher und der von DJs sehr gut unterstützten Partystimmung im Shop. Ich spazierte die Magnificant Mile entlang und hatte so doch noch eine Sightseeing-Komponente, die ich noch nicht kannte. Wobei Shopping-Tourismus sonst nicht meine Kernkompetenz ist.

Wieder im Metro-Zirkel „The Loop“ angekommen betrat ich die Bahn in Richtung Flughafen und erfreute mich darüber ein wirklich tolles langes Wochenende in Chicago gehabt zu haben. Es gab noch etwas Aufregung, weil United Airlines meine Flugbuchung offensichtlich einfach mal storniert hatte. Ich schiebe es mal auf die Tatsache, dass ich über Fluege.de gebucht hatte, die zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet hatten, aber vehement darauf hingewiesen hatten, dass die Buchungen rechtlich fest Bestand hatten. Nach einiger Diskussion nahm mich der große Vogel dann doch mit und ich war unterwegs in Richtung Heimat.

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Nach der Saison ist vor der Saison

Im Flieger hatte ich massig Zeit um nochmal den Kopf einzuschalten. Ich hatte wieder eine phantastische Sportsaison. Es fing wirklich miserabel an. Zwischen zwei Jobs hatte ich über den Jahreswechsel 4 Monate frei und aus dem erhofften ‚trainieren wie ein Profi‘ wurde eher ein völliger Formverlust, weil ich keine Struktur in meinen Tagesabläufen mehr hatte und so auch wie alles andere das Training seinen Platz in der Tagesstruktur verloren hat.

Nach enttäuschenden Zeiten über Halbmarathons in Cardiff und Berlin, sowie dem Boston Marathon, kämpfte ich mich dank der Adidas Runners zurück, lief eine vergleichsweise höchst akzeptable Halbmarathonzeit in Hamburg und holte in einem Lucky Punch am letzten potentiellen Termin in Deutschland in Würzburg, die Qualifikation für den Boston Marathon 2017.

Die Triathlonsaison verlief dann deutlich besser, als erwartet. Es gelang mir deutlich besser als in den letzten Jahren, dass ich in den einzelnen Teildisziplinen nur wenig Zeit im Vergleich verlor, wenn ich die Disziplin allein absolvieren würde. Obwohl ich meinen Fitnesszustand insgesamt als deutlich schlechter als noch vor zwei Jahren bezeichnet hätte, gelangen mir sowohl im Kraichgau über die Mitteldistanz, als auch beim Ironman Frankfurt bessere Zeiten als im Vorjahr. In Frankfurt gelang mir in 10:37 Stunden eine persönliche Langdistanz-Bestzeit, auf die ich zwei Wochen danach noch eine 10:47 Stunden in Roth folgen ließ.

Der Saisonausklang begann holprig, steigerte sich aber. Bei der Mitteldistanz-EM in Österreich blieb ich völlig unter meinen erhofften Zeiten, aber mit jedem Rennen wurde es besser. Beim BerlinMan blieg ich über die gleiche Strecke erst zum zweiten Mal unter fünf Stunden und beim Berlin-Marathon holte ich mir schon früh die Qualifikation für den Boston Marathon 2018. So kann ich das Jahr 2017 mit neu definierten Zielen starten.

Mehr dahoam

Ich sage nun schon im dritten Jahr in Folge ‚nächstes Jahr wird etwas ruhiger‘. Aber ich denke, dass es im nächsten Jahr auch tatsächlich so kommen wird. Der Wechsel im März nach Berlin war ein großer Neustart für mich. Nach neuem Traumjob, neuer Stadt und neuen Freunden, stehen weitere Veränderungen an. Voraussichtlich im Mai werde ich zum zweiten Mal Vater und ich freue mich unglaublich auf diese Entwicklung. Das wird sicher meine Prioritäten verschieben, wenngleich der Sport natürlich weiterhin ein wesentlicher Teil meines Lebens bleiben soll.

Konkret gemeldet ist mein obligatorisches Double im Frühjahr. Ich werde meinen fünften Berliner Halbmarathon, wie auch den vierten Boston Marathon in Folge laufen. Auch der Hannover Marathon als offizieller 3:30-Pacemaker scheint sich jetzt im zweiten Anlauf vielleicht zu einer Routine zu etablieren. Dann folgt etwas Babypause, in der ich mehr trainieren als wilde Wettkampfserien absolvieren werde. Ich möchte noch etwas an der Bikeperformance arbeiten und werde Tempelhof brennen lassen.

Ich hoffe, dass dann im Juni in Herning, Dänemarkt zur ETU-Europameisterschaft über die Mitteldistanz etwas Vernünftiges bei rauskommt. Auch zur Routine wird dann der vierte Anlauf in Folge bei der Challenge Roth. Wobei ich davon ausgehe, dass es gleichzeitig ein Abschied – zumindest auf Zeit – wird. Stand jetzt werde ich mich nach 2017 aus der Langdistanz erstmal zurückziehen. Das ist vom Trainingsumfang doch eine andere Liga, die ich mit meinem glücklichen Privatleben, inklusive einem kleinen Zwerg daheim wohl nicht mehr in Angriff nehmen werde.

So gehe ich davon aus, dass die Premiere des Ironman Frankfurt dann zumindest mein vorübergehender Abschied über die Langdistanz wird. Im Herbst steht dann noch der Berlin Marathon auf dem Programm und das ist es dann auch schon mit Wettkampfgerüst. Es wird keine verrückten Aktionen a la Vätternrundan oder Spontanbostonqualifikationen in Würzburg mehr geben. Wenn es zeitlich und von der Form her passt, werde ich noch ein paar Rennen in der neuen Heimat Berlin einstreuen. In dieser phantastischen Stadt gibt es einen Haufen toller Rennen und durch meine Freunde bei den Adidas Runners muss ich dort auch nie alleine antreten. Aber das entscheide ich dann spontan.

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Gesamtwertung: 4.8 (12 Wertungen)

viel erlebt - viel erreicht

Meine Güte, was du alles an dem Wochenende erlebt hast, das ist schon klasse! Deinen Lauf finde ich großartig! Die Zeit einfach Bombe! Fetten Glückwunsch!
Klar kannst du noch schneller, aber Hallo? Mit einem Infekt? Meine Bestzeit liegt bei 3:54h. Mit Infekt wäre ich an dem Tag sicherlich nicht unter 4:30h rein. Und wenn ich mir im Ziel 4 echte Biere reingepfiffen hätte, wohl im Krankenhaus wieder aufgewacht, *lach!*
Du hast ein großartiges Sportjahr hinter dir und dir eine Auszeit redlich verdient! Was gibt es für das "Kürzertreten" wohl für einen besseren Grund, als ein harmonisches Privatleben und die Aussicht, bald wieder Vater zu werden:-)) Hach, das ist doch umwerfend schön!

Lieben Gruß
Tame

Ich gebe dir völlig Recht

eine 3:05 ist wirklich total langweilig *örgs*.

Wozu soll man dir jetzt zuerst gratulieren, zum grandiosen Lauf trotz Erkältung, zum Bezwingen des 4 der Six Majors oder zum zweiten Mal Papa werden? Ich arbeite mich mal der Reihe nach durch und gratuliere zu allem ;-))

Und danke für den ausführlichen Bericht! Er ist spannend und jede Zeile (und jedes Foto) wert!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Ich wünsche Dir

im neuen Jahr alles Gute für die privaten Veränderungen und finde Du hast noch richtig einen rausgehauen - im Gegensatz zu mir.

Alles Gute für die wachsende Familie - und das Du unter diesen Umständen die Prioritäten anders setzen willst ist notwendig.

Dem Sport bleibst Du treu - halt mit Babyjogger. Es wird sich alles finden - und ne 3:05 nicht zu erreichen - gähn.

Als wär ich selbst da gewesen - Moment mal, war ich ja! ;-)

Und ich kann mich auch erinnern, Dich gesehen zu haben, so ca. 15 min. vor dem Start. An Ihrem Vollbart sollt Ihr sie erkennen ;-)

Schade, hätte ich gewußt, dass da noch ein Landsmann ist, hätten wir Dich mitgezogen ;-)

Meinen Bericht findest Du hier:

http://joergaumann.blogspot.de/2016/10/chicago2016-chicago-marathon.html

Alles Gute, vor allem Gesundheit, und eine gute Saison 2017!

Gruß

joaum

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