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Mein Blick ist gesenkt, meine Augen wandern über die Passnummer und den Stempel, die sich seit letzten Donnerstag in meinem Reisepass befinden. Es ist bei weitem nicht der einzige aber es ist erst der zweite Stempel aus Marokko.
Vor 6 Tagen hatte das Abenteuer angefangen. Ein Lauf im Hohen Atlas Gebirge. Schon letztes Jahr hatte ich bei diesem Lauf teilgenommen und die 105 Kilometer Strecke bewältigt. Nach meiner Rückkehr hatte ich einigen von diesem Ultralauf erzählt und stieß nicht auf taube Ohren. So stand ich also vor 6 Tagen mit Mareike, Tanja, Oliver, Alexander, Mario und Joe auf dem Rollfeld mit dem Ziel Nordafrika.
Mit von der Partie war natürlich Oliver Binz, der Botschafter für den UTAT im deutschsprachigen Raum.
In Marokko angekommen wurden wir von der Organisation des UTAT am Airport empfangen. Die warme Luft der hereinbrechenden Nacht, vermischt mit fremden Gerüchen, war deutlich zu spüren.
Angekommen, ich bin angekommen !

Hier läuft alles langsamer ab. Der Alltag liegt 3,5 Stunden hinter uns.
Wir befinden uns auf ca. 2.600 Meter über dem Meeresspiegel, die Luft ist dünner und das ist bei jeder Bewegung spürbar und äußert sich mit Kurzatmigkeit. Unsere Namen werden gecheckt und wir d.h. Tanja, Mareike und Ich bekommen das Zelt Nummer 4 zugewiesen. Wir gehen noch zum CAF, eine Art Herberge für Läufer, Dreh- und Angelpunkt für die nächsten vier Tage. Hier werden Freundschaften geschlossen, sich Geschichten erzählt und Rotwein getrunken.
Die erste Nacht im Zelt ist unruhig, mehrmals in der Nacht merke ich wie ich nach Luft schnappe, der Körper wird sich daran gewöhnen. Um vier Uhr steige ich aus dem Zelt und blicke in den Sternenhimmel. Ich kenne dieses Bild vom letztem Jahr aber ich hatte vergessen wie intensiv es sich hier in Nacht zeigt.
Ich bin angekommen!

Am Morgen schieben wir uns noch vor 8:00 aus dem Zelt. Tanja und Mareike erblicken nun das erste Mal bei Tag dieses karge Hochtal, das auf zwei Seiten durch dreitausender flankiert wird. Nach einem Frühstück entschließen wir uns zu einer Wanderung auf einen Hügel, auf dem später zwei marokkanische Fahnen den finalen Anstieg vor dem letzten downhill ins Ziel für die 26k und die 105k markieren werden.
Am Mittag ist die Ausgabe der Startnummer, natürlich gegen Ausrüstungscheck. Wir haben uns alle drei für die Challenge entschieden.
Sie besteht aus einem Marathon mit 2.600 Höhenmeter am ersten Tag und einem 26 km Lauf mit 1.400 Höhenmeter am darauffolgenden Tag.
Am Nachmittag raffen Mareike und ich uns noch zu einer kleinen 5 km Runde auf. Nach dem Start merken wir sofort die dünne Luft und passen unser Tempo auf eine 6er Pace an. Leicht profiliert geht es in Richtung eines kleinen Stausees. Nach kurzer Zeit gesellen sich zwei Berberkinder zu uns und laufen mit. Sie haben sichtlich Spaß, uns zu begleiten. Sie lachen und unterhalten sich. Als es leicht bergab geht, ziehe ich an, will sehen wie lange sie den Spaß mitmachen.
Ich laufe ca. 2 Meter vor ihnen und denke mir, dass war es mit den Kids, doch dann schießen sie an uns vorbei. Wir laufen auf Schotter, vielleicht eine 4:45 Pace und die Kleinen krachen in ihren Plastikschlappen auf grobem Fels an uns vorbei. Respekt ! Ein Erlebnis, an das ich mich noch lange erinnern werde und sie vielleicht auch. Das Erlebte ist besser als alles Materielle.
Ich bin angekommen, angekommen im Atlas!

Am Abend findet das Briefing statt. Ich kann die Nervosität in den Augen der 105k Starter lesen, letztes Jahr war es für mich genauso. Dieses Jahr kann ich deutlich entspannter an die Sache gehen aber wie wirkt es auf Tanja und Mareike? Ich weiß, dass sie das schaffen können und werden. Im Anschluss gibt es noch zwei Rotwein und ab ins Zelt, denn der Start ist am nächsten Morgen um 6:00 Uhr. Wir werden zusammen mit den 105k starten.
Wir stehen im Dunkeln und es wird herunter gezählt, trois…deux…un…..das Feld setzt sich in Bewegung. Viel zu schnell machen wir uns auf den Weg. Die Range zwischen lockerem Laufen und kurz vor dem Hyperventilieren ist hier sehr klein. Die ersten 11 km geht es nach oben, dem Sonnenaufgang entgegen. Ich fühle mich gut, Mareike ist noch bei mir, sie scheint ganz gut mit der dünnen Luft zurechtzukommen. Oben am Gipfel angekommen, steht Houda, wir sind letztes Jahr in der Nacht bei dem 105k eine Zeit lang zusammen gelaufen.
Dieses Jahr ist sie bei der Organisation dabei. Sie begrüßt uns freudestrahlend und wünscht uns viel Spaß.
Merci, den werden wir haben. Die Sonne ist aufgegangen und taucht die karge Bergwelt des Atlas in ein zauberhaftes Licht. Ich muss unbedingt ein Foto von dieser Szenerie machen. Ein Traum ,hier laufen zu dürfen. Ich denke an letztes Jahr als ich mit Kawi hier den Berg herunter lief. Es ist schön, wieder hier zu sein!
Nach fast 1.200 Höhenmeter Downhill kommen wir nach ca. 20 Kilometer zum ersten VP. Wir tanken auf, essen Datteln, Nüsse, Feigen und füllen unseren Wasservorrat auf. Das größte Problem in der Höhe ist, dass man kaum Durst verspürt. Also heißt es regelmäßig trinken sonst rächt sich das ungemein. Jetzt folgt der längst Anstieg, auf 8,5 Kilometer geht es bis auf 3.200 Meter hinauf. Die Flora hier besteht aus alten knorrigen Bäumen und ein paar Gräsern. Durch einen Canyon geht es immer weiter bergan. Ich blicke zur Uhr um die Höhenmeter zu kontrollieren….heiliger Strohsack, erst 400 HM im Sack. Das kann ja heiter werden.
Auch der längste Anstieg hat irgendwann ein Ende. Wie lange noch? Wir sind oben, wenn wir oben sind! Wie habe ich im letzten Jahr bloß den langen Lauf gemeistert? Egal, heute ist der Kopf auf den Marathon eingestellt und nicht auf 105. Oben stehen kleine Zelte zum Ausruhen und Sauerstoff wenn es zu Problemen kommt. Wir schießen ein paar Fotos und ab nach unten, dem nächsten VP entgegen.
Bei KM 38 ist auch dieser Punkt erreicht und wir werden freudestrahlend begrüßt. Eine kleine Stärkung und der letzte Anstieg wartet auf uns. Noch einmal geht es 600 Höhenmeter aufwärts. Wir laufen zu dritt, Petra hat sich zu uns gesellt und wir laufen die letzten 7 Kilometer zusammen. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich nach einem Anstieg wieder erholt. Die letzten 4 Kilometer geht es durch ein Tal nach unten und man kann in der Ferne schon den Skilift von Okumaiden sehen. Wir reißen uns zusammen, noch eine Bachüberquerung, noch über die Ebene und dann fällt der Schatten des Zielbogens auf uns nieder.
Ich bin angekommen, wir sind angekommen!
Wir lassen den Abend bei einem Glas Rotwein ausklingen und in Gedanken bei den Läufern der langen Strecke.
Der Ruf des Muezzin läutet den Morgen ein. Heute werden wir erst um 9:00 starten. Gut so!
Um uns herum blicke ich heute in deutlich entspanntere Gesichter. Auch die 26 Kilometer sind kein Kindergeburtstag aber durchaus machbar. Nach dem Start laufen wir die letzten 4 Kilometer vom vorherigen Tag, nur nach oben. Wir machen ein ganz gutes Tempo, es geht leicht bergauf. Mareike bleibt an mir dran. Ich höre sie schnaufen, traue mich nicht, mich zu ihr umzudrehen. Komm! Das ist nicht steil, das sind geschenkte Meter. Wenn ich mich jetzt umdrehe, klatscht sie mir eine.
„Ich hab Puls“, „ Sei froh, kein Puls wäre auch nicht gut! „Komm, weiter, gleich sind wir oben.“
Es wird steiler, jetzt traue ich mich wieder sie anzusehen und auf eine Armlänge heran. Ihr Puls hat sich beruhigt. Gut so!
Der nachfolgende Downhill wird unser letzter bei diesem Lauf im Atlas. Wir kesseln abwärts, verschwenden keinen Gedanken an einen Sturz. Von hinten drängen vier Spanier. Ein unachtsamer Schritt und ein Schmerz durchzuckt meinen Körper, mit einem Mal wird mir schlecht. Ich bin umgeknickt bis auf den Knöchel. Wir lassen die Spanier vorbei. Vielleicht doch ein wenig zu viel Druck. Zum Glück ist es der rechte Knöchel und ich bin gut warmgelaufen. Nach 200 m geht es wieder und ich laufe locker an. Der Geschwindigkeitsrausch ist erst einmal Geschichte.
Macht nix! Von KM 13 - 17 führt der Trail durch ein Tal. Es winken uns Schulkinder zu, die Frauen tragen riesige Bündel auf den Rücken die Pfade hinauf. Uns kommen Kühe; Ziegen und Schafe auf den Trail entgegen. Wir laufen auf schmalen Wegen zwischen den Lehmhütten der Berber hindurch. In den den Dörfern sammelt sich die Hitze. Die Temperaturunterschiede hier im Atlas zwischen der Nacht (0°c) uns dem Tag (30°C) sind enorm. Wir nähren uns dem nächten VP, von hier aus folgt der letzte lange Anstieg du den Fahnen. Auf 9 Kilometer geht es noch einmal fast 1000 Höhenmeter nach oben, es folgt einer der schönsten Streckenabschnitte. An diesem VP treffen die 105k wieder zu uns. Wer es von ihnen bis hierher geschafft hat, kommt auch ins Ziel.
Es geht steil hinauf, ich bleibe stehen und blicke zurück. Auf den braunen Flachdächern der Hütten liegt kunterbunt die Wäsche der Bewohner zum trocknen aus. Was für ein Kontrast. Von dem Berg im Hintergrund habe ich mich letztes Jahr nach über 90 Kilometer Richtung Tal bewegt. Und noch einmal mehr begreife ich welche Leistung dieser 105k Lauf von den Läufern abverlangt.
Die Erde und die Felsen um uns herum scheinen in hundert verschiedenen Ockertönen.
Die Felsen so groß wie Kleinwagen liegen einfach um uns herum. Wachholde und Zedern stehen hier in den roten Meer aus feinem Sand. Oliver sagte sehr zutreffend, man kann diese Farben nicht einfach beschreiben, für haben wir nicht die richtigen Worte. Recht hat er!
Am letzten Kontrollpunkt wartet Honda und wir trinken noch einen Tee bzw. Zucker mit Minzgeschmack :-) .
Das letzte Geröllfeld liegt vor uns und wir werden schneller. Wir machen noch ein Foto und laufen dann dem Ziel entgegen, wir scheinen zu fliegen. Nach 5:25 Stunden haben wir es geschafft. Wir sind im Ziel. Challenge complete!
Wir setzten uns auf den Boden und genießen die Atmosphäre. Tanja kommt ca. eine halbe Stunde nach uns. Ihr geht es nicht so gut aber auch sie ist glücklich die Challenge gemeistert zu haben.
am Oben gehen Petra, Theo Mareike und Ich noch auf den Berg um Joe mit einem Bier in Empfang zu nehmen. Er befindet sich noch im Rennen für die 105k und ist auf dem besten Weg bei seinem 3. Versuch dieses Monster zu bezwingen. Vor drei Tagen habe ich ihm gesagt das ich oben auf den Berg mit einem Bier auf ihn warte. Kurz nach 18:00 hat auch er es geschafft und alle empfangen ihn im Ziel.
Die Stimmung ist genial. Jeder hat gekämpft und alles gegeben und fühlt sich dennoch stark. Zur Siegerehrung bekomme ich noch einmal Schnappatmung, ich werde von Petra informiert das Mareike den 3. Platz bei den Frauen erreicht hat. Ich laufe zum Zelt und zurück, Schnappatmung! Es werden Fotos geschossen. Es werden die Sieger geehrt. Ich trinke mit Joe eine Flasche Roten und genieße den Abend. Was Cyrille mit seinem Team mit dem UTAT auf die Beine stellt ist eine Reise für jeden Ultraläufer wert.
Nach dem Essen sitzen alle noch im CAF und erzählen sich Geschichten, trinken Bier oder Rotwein. Bekanntschaften wurden geschlossen. Man erzählt sich, das noch bis am frühen morgen gefeiert wurde ;-)

Wir verbrachten noch eine Nacht in Marrakech, sind über den Djemaa el Fna geschlendert und haben uns von den
Schlangenbeschwörern, Geschichtenerzählern und der Musik einlullen lassen.
In Gedanken schweift mein Blick vom Café du France über die Dächer von Marrakech, in der Hand halte ich einen starken Kaffee…….

Nabend…guten Abend….Ich hebe meinen Kopf und blicke in die Augen des Grenzschutzbeamten.
„Ausweis“ !
Ich bin zurück, zurück in Deutschland !
Aber ich werde wieder ankommen, ankommen in dem Land der Berber mit den ockerfarbenen Felsen und der Einsamkeit….
Versprochen !

la soledad del corredor
Fraggle

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Vielleicht

Vielleicht komm ich mit zurück in das Land der Berber mit den ockerfarbenen Felsen und der Einsamkeit….

Geklatscht hätte ich dir keine, aber nur weil du außerhalb meiner Reichweite warst ;-)
Danke fürs mitnehmen!!!

Ich liebe deine Berichte

Fraggle, du hast so eine tolle Art zu schreiben!! Ich liebe deine Berichte.... Toll, was ihr da unter die Füße genommen habt - und danke, dass du gut auf die Kleene aufgepasst hat. Ihre Augen leuchten immer, wenn sie von diesem oder anderen Abenteuern mit dir erzählt!

*Seufs!*

Was für eine traumhafte Veranstaltung, welch tolle Leistung und erst der wunderbarer Bericht, hach ja, im nächsten Leben... Wie sagte Tanja? Deine Fotos seien "Zucker", also dein Bericht ist es auch;-) Da gerät man schnell ins Träumen, obwohl sowas natürlich jede Menge Erfahrung, Anstrengung, Schweiß und Schnappatmung kostet. Riesenrespekt euch allen!!!

Lieben Gruß
Tame

Bei dir klingt das so easy,

obwohl es so hammerhart gewesen ist. Herzlichen Glückwunsch zu den Leistung und vielen Dank für den schönen Bericht. Es ist zum neidisch werden ;o)

LG,
Anja

Stimmt....

wie ein schöner Traum geht alles viel zu schnell vorbei!

Man schaut aus dem Bürofenster in dieses össelige <10Grad-Herbstwetter und hätte
so gerne noch mal T-Shirt und kurze Hose auf dieser warmen staubigen Piste an immer mit dem Blick nach dem nächsten passenden Auftritt auf oder zwischen den Steinen/Felsen....*träum*

Das war keine Fata Morgana!! ;o)
Das beweisen zum Glück Deine wunderbaren Bilder!! :o)
Laufabenteuer in fernen fremden Ländern sind was ganz feines!
Der Planet hat noch viele Ecken und Marokko ist definitiv eine, wo das Wiederkommen lohnt!
Danke für diesen wunderbaren Floh im Ohr! ;o)

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Marokko

ist definitiv ein Ort zum Wiederkommen, aber die Läufe werde ich nicht mehr schaffen. Aber träumen darf man ja, danke für die Hilfe dabei!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Los...

...traut euch!
Es ist ein Abenteuer!
hier noch ein link zum Video

https://www.youtube.com/watch?v=tY64UoF8g5Y

Fraggle

Wun-der-schön!

Das Video ist super, und weil ich Eure Berichte vorher schon gelesen hatte, kam es mir vor, als würde ich vieles wiedererkennen. Sehr tolle Bilder, wunderbar die Stimmung eingefangen. Aber, nein: ich traue mich nicht. Das ist für meine Fähigkeiten eine Nummer zu groß. Umso mehr freue ich mich an Euren Berichten und die Chance, darüber doch ein bisschen dabei gewesen zu sein. Danke!

Es grüßt herzlich
yazi

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