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Benutzerbild von Kikilotta

Ich liege in meinem Schlafsack, der Ruf des Muezzin hat mich geweckt. Es ist noch dunkel, ich will nicht aufstehen!
Ich dreh mich nochmal auf die andere Seite, im engen Schlafsack gar nicht so leicht. Sofort fängt mein Herz an schneller zu schlagen, der Puls geht hoch, eine Folge der Höhe, ich liege auf 2.600m.....
Würde ich aufstehen, bekäme ich einen sagenhaften Blick auf 1.000.000 Sterne, die Milchstraße wäre deutlich zu erkennen. Draußen sind es circa 4°C, in ein paar Monaten liegt hier Schnee.

Meine Gedanken schweifen zu den letzten 48 Stunden. Was ich hier in Marokko im Atlas Gebirge erlebt habe ist unbeschreiblich!
Ich hatte es mir schon verrückt, schön, anstrengend, anders und toll vorgestellt, aber ich kenne kein Wort, dass das Erlebte beschreiben würde. ABGEFAHRENE SCHEISSE trifft es vielleicht noch am ehesten ;o)
Die Berge! Die Leute! Die Höhenmeter! Die Strecken! Die Ausblicke! Das Wetter! Der Untergrund! Die Gerüche! Die Gefühle! Die Luft! Das Essen! Die Atmosphäre! Die Anstrengung!
Das alles war mein UTAT 2016!

Angefangen hat es letztes Jahr, als Fraggle von seinen 100km Lauf durchs Atlas Gebirge wieder kam und erzählte wie toll es gewesen ist.
Schnell kam der Gedanke dort die Challenge zu laufen.
Also haben wir einen Flug gebucht und uns angemeldet zum Ultra Trail Atlas Toubkal, Samstag 42 km mit 2.600 HM und Sonntag 26 km mit 1.400 HM. Die Arbeitstage konnten nicht schnell genug vergehen, bis es endlich Donnerstag war und ich mit Fraggle und Tanja zum Flughafen Hahn gefahren bin. Dort haben wir noch 5 andere Verrückte getroffen, die mit uns zusammen ins Abenteuer geflogen sind.
In Marrakesch wurden wir mit einem Bus abgeholt und sind 90 minuten lang gefahren. Gefühlt immer bergauf - in der Dämmerung waren die Berge nur noch zu erahnen.
Schnell haben wir unser Zelt bezogen, den Schlafsack ausgepackt und sind zum Essen gegangen. Auf dem Weg dorthin habe ich zum ersten Mal die Höhe bemerkt. Die 200m zum Zelt fühlten sich an, als wäre man einen schneller 10er gelaufen: der Puls rast, es kann nicht genug Sauerstoff eingetamet werden. Und hier soll ich einen Marathon laufen???
Welcher Teufel hat mich da schon wieder zu der Anmeldung überredet?
Nach dem Essen haben wir noch gemütlich in der Jugendherberge bei dem ein oder anderen Bier zusammen gesessen. Es sind einge Lauf-Größen anwesend: mehrmalige Gewinner des Marathon de Sables, die diesjährige Siegerin des TARs, der Vater von Kilian Jornet.
Irgendwann kurz nach 12 kriechen wir in unsere Schlafsäcke. Irgendwo bellen wilde Hunde, ein Esel beginn zu ia-en, ein paar Zelte weiter schnarcht jemand.
Ich wache nachts auf, das Bier.... Schnell krabbel ich aus dem Schlafsack, steige über ein paar Seile und blicke hoch in den Himmel: Sterne, man sieht nur Sterne. So viele habe ich noch nie gesehen, es ist unglaublich! Gegen den Himmel hebt sich ein Berg ab, den Gipfel kann ich nur erahnen.
Ich fühle mich, als ob ich auf einer anderen Welt wäre. Dabei ist es „nur“ ein anderer Kontinent.
Als ich den Reißverschluss vom Schlafsack wieder schließe rast mein Puls. Da muss man nachts mal Pipi und schon ist der Puls auf 180 :-)

Den nächsten Tag nutzen wir zur Aklimatisierung. Morgens wandern wir auf den Berg hoch, wo ab morgen zwei marokkanische Flaggen stehen werden und den Zeileinlauf für die 100er und den 26er markieren. Zum Mittagessen gehen wir in eine kleine Bude. Ziemlich schmackhaft, was die Marokkaner da in ihren Tontöpfern, den Tajinen, zubereiten!
Nach einem kurzen Mittagsschlaf wagen Fraggle und ich ein 5 km Läufchen. Wir laufen los, vorbei an einem Stausee, genau diese Strecke laufrn wir auch morgen früh um 6:00. Neben uns laufen plötzlich zwei Jungs, vielleicht 6 Jahre alt. In einem alten Jogginganzug und Schuhen, die aussehen, als ob sie schon vom eigenen Großvater getragen und immer weiter vererbt wurden. Sie können locker mit uns mithalten, auch als wir leicht bergab auf eine 4:30er Pace anziehen. Ich lass mich zurück fallen, ich brauch definitiv gleich ein Sauerstoffzelt! Als wir an einem kleinen Bach umdrehen bleiben die Jungs zurück.
Vor unserer Zeltstadt stehen Berber und wollen Steine, Schmuck und Nüsse verkaufen. Noch lieber wollen sie tauschen. Gegen unsere Trailschuhe. Zum Glück wusste ich das und so kann ich mein altes Paar La Sportiva Bushido gegen 2 schöne Armreifen eintauschen.
Nach der Dusche gehen wir unsere Startunterlagen abholen. Wir müssen unseren gepackten Rucksack mitnehmen und die Pflichtausrüstung wird genaustens kontrolliert: 2 Liter Wasser, 1.500kcal, Regenjacke, lange Klamotten, Erste Hilfe Set mit Imodium, Micropur Tabletten um das Wasser zu entkeimen, Stirnlampe mit Ersatzbatterien..... Der Rucksack ist auf jeden Fall voll bis obenhin und schwer!

Ab 18:00 gibt es im großen Essens-Zelt ein Briefing, erst auf Französisch, dann auf Englisch und anschließend auf Deutsch. Würde ich die 100km laufen, wäre mir spätestens jetzt Angst und Bange. Zum Glück laufe ich nur die Challenge.
Nach dem Essen gehen wir recht zeitig ins Bett
Der Wecker klingelt um 4:30. Aus dem Schlafsack raus ziehen wir nur eine lange Hose und die Daunenjacke über den Schlafanzug (der bei mir aus dicken Socken, einer Thermo-Laufhose, Unterhemd, langärmeligem Laufshirt, dickem Pulli und Mütze besteht) und gehen zum Frühstück, Weißbrot mit Käse und Marmelade, Kaffee der nach Gewürzen und Chlor schmeckt.
Um 5:50 stehen wir im Startzelt, mit kurzer Hose, Untterhemd und Regenjacke, es ist kalt!!! Unsere Startummern werden notiert und schon heizt uns der Kommentator ein. Wir zählen von 10 an rückwarts - glaube ich zumindest, ich spreche kein französisch und jubel nur bei jeder Zahl. 250 Starter laufen los, bei km13 trennen sich die Wege, wir müssen links laufen, die 100er rechts.

Die ersten 2,5 km sind wir ja gestern schon gelaufen, ich weiß theoretisch was mich erwartet, Fraggle läuft vor, ich hechel hinterher. Die Sauerstoffschuld ist groß! Gefühlt kommt nicht genügend Luft rein, aber „Nützt ja nix“, weiter geht’s. Ich freue mich sehr, als nach 3km der erste Anstieg kommt. Endlich gehen :-)
Erstaunlicherweise beruhigt sich der Puls recht schnell und so können wir mit strammen Schritt den Berg hoch marschieren. Durch unseren flotten Start haben wir viele Läufer hinter uns gelassen, wir dürften in der ersten Hälfte liegen. Immer weiter geht es hoch, unter uns eine lange Schlange aus Stirnlampen. Langsam färbt sich der Horizont hell. Wenn wir Glück haben bekommen wir einen wahnsinns Sonnenaufgang zu sehen. Aber erst wenn wir oben sind. Oben ist in diesem Fall bei km 11, 3.000mü.NN. Wir werden nicht enttäuscht.
Die nächsten 8km gehen bergab, ein Downhill über eine Art Forststrasse, aber mit vielen Steinen. Eine Serpentine voll gegen die Sonne, man kann nix sehen und die nächste Serpentine mit der Sonne im Rücken, der eigene Schatten immer vor einem, man kann nix sehen :-)
Plötzlich ändert sich die gesamte Vegetation. Ein kleiner Bachlauf und grüne Sträucher. Auf einer Mauer laufen wir parallel zum Bach in ein Berberdorf rein, km 19 und somit der erste VP. Knapp 3 Stunden haben wir bis hier gebraucht. Wir füllen unsere Trinkblasen auf, essen ein paar getrocknete Früchte, Bananen und Salzbrezeln und machen uns auf.
Es wartet eine Strecke von 1.200m auf uns – nach oben! Eintausendzweihundert Höhenmeter am Stück! Verteilt auf eine Strecke von 8,5 km...
Unvorstellbar für mich. Die Taktik? Rhythmus suchen und oben ankommen. Klingt gar nicht so schwer. Mal ist die Strecke steiler, mal flacher. Mal ist der Weg breiter, mal schmaler. Steine gibt es immer.
Hier kommen uns die ersten 100er entgegen. Alle sehen noch munter aus, die haben jetzt circa 17km hinter sich. In einem Berberdorf hören wir Gesang. Am Berg ist eine Menschenmasse zu erkennen, Frauen reiten auf Eseln, Männer laufen hinterher. Es scheint eine große Party im Gange zu sein und wir sind nicht eingladen – wir müssen weiter. Raus aus dem Dorf, immer bergauf. Langsam schrauben wir uns nach oben. Die meiste Zeit gehe ich vor, Fraggle hinter mir. Jedes Mal wenn ich hinter mich schaue bin ich erstaunt wie weit oben wir schon sind. Gucke ich nach vorne sehe ich keinen Gipfel. Der Weg ist noch weit! Wenn wir das erste Mal nach 300 Höhenmetern Pause gemacht haben, halten wir dieses Mal schon nach 200 an. Später werden es 150, 100, irgendwann pausieren wir alle 50 HM.
Weit vor uns, weit über uns, sehen wir bunte Flecken im Berg, eindeutig Trail-Läuder, die Berber tragen kein Warnwesten-Orange, auch kein Knallgrün. Da müssen wir also hin...
Ich kann nicht mehr! Es sind bestimmt noch 300 HM bis zum Gipfel. Ich glaub ich muss mich hier hin setzen und warten bis mich die Geier holen! Jammern hilft nicht. In einer 12er Pace schleichen wir den Berg hoch. Überholt uns da gerade eine Schnecke? Ich habe mich noch nie sooooo langsam gefühlt. Selbst ein Opa mit Rollator wäre schneller als wir. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, das wir weitere 100 Höhenmeter geschafft haben. Wie soll ich jemals oben ankommen? Ist Sterben eine Alternative?
Hinter einer kleinen Kurve kann man plötzlich den Gipfel erkennen. Das erste Zwischenziel ist in Sicht. Das muntert auf! Wieviel Höhenmeter sind es noch? 150 sagt die Uhr, aber wir einigen uns darauf, dass wir erst oben sind, wenn wir oben sind. Ganz egal was die Uhr sagt.
Oben ist oben, also weiter! Die Stöcke sind eine große Hilfe, ohne könnte ich mir den Anstieg gar nicht vorstellen. Oben sind wir, wenn wir oben sind – mein Mantra für die letzten Höhenmeter.
Irgendwann ist es geschafft, ich hab nicht dran gegalubt. 2:30 haben wir für diese knapp 9 km gebraucht. Gerne würde ich eine kleine Pause einlegen, die Aussicht ist der absolute Hammer! Aber hier oben pfeift der Wind, dass es trotz vom Himmel knallender Sonne schnell kalt wird.
Wir stürzen uns also in den Downhill. Nachdem wir mühsamst die 1.200 Meter nach oben sind geht es direkt wieder 600 runter.
WIESO BAUEN DIE NICHT EINFACH EINEN TUNNEL??????
Bei km 32 ist der Downhill vorbei und wir werden von Schulkindern zum zweiten VP begleitet. Wieder esse ich ein paar getrocknete Aprikosen, fülle Wasser auf, trinke mehrere Becher Wasser-Cola Gemisch. Auch jetzt erwartet uns wieder ein Anstieg – 5 km mit 600 Höhenmetern. Direkt durchs Dorf ein brutaler Anstieg durch Kies. Ich frage mich, wie das die Bewohner hier machen. Wahrscheinlich stehen sie in ihren Lehmhütten und lachen uns aus.
Gleiche Taktik wie eben: Rhythmus finden und oben ist erst, wenn wir oben sind.
Am Berg holen wir Petra ein, eine Münsterländerin, die einem Franzosen Salztabletten und einen Buff gibt. Er will nicht weiter, will sich übergeben. Er hat die Wahl: mit uns kommen, 300 HM hoch und dann noch 5km bergab ins Ziel oder 300 HM runter zum VP und dort warten bis dieser abgebaut wird und mit der Crew ins Ziel wandern.
Wir können ihn nicht überreden mit uns zu kommen. Später erfahren wir, dass er zurück gegangen ist und den Lauf abgebrochen hat.
Mit Petra zusammen quälen wir uns den Berg hoch.
Die letzten 5km fallen mir schwer. Es geht über eine Wiese leicht bergab. Eigentlich perfekt zum Laufen, aber meine Fußsohlen brennen, meine Motivation ist auf dem Gipfel geblieben, die Aussicht genießen. Fraggle und Petra laufen vor mir, ich gehe in paar Schritte. Einige 100m vor uns sehen wir 3 Läufer. „Na los, die schnappen wir uns!“ Ich hechel hinter den beiden her. Beim Näher kommen sehen wir, dass es keine Läufer sind, sondern 3 Wanderer. „Weiter bis zur Hütte“. Ich quäle mich! Irgendwann müssen doch endlich mal die Zelte und damit das Ziel in Sicht kommen?!
Wir hüpfen über einen Bach, um einen kleinen Hügel rum und ENDLICH! Das Ziel ist in Sichtweite. Ich freue mich, meine Motiavtion hat einen schnellen Downhill hingelegt und ist wieder bei mir. Den letzten Kilometer bis ins Ziel kann ich wieder genießen. Es ist anstrengend, aber schön!
Ab durch den Zielbogen – nach 9:28 haben wir es geschafft!
Zumindest für heute.
Mir wird sofort kalt. Wir schnappen uns die Flasche Wasser und das belegte Brötchen das es für jeden gibt und jubeln Tanja bei ihrem Zieleinlauf zu. Sie kam nur wenige Minuten nach uns an.
Schnell gehen wir ins Zelt und schnappen unsere Duschsachen.
Frisch geduscht, genießen wir ein Bier und das Brötchen. Was für ein irrer Lauf!
Nach dem Abendessen sitzen wir noch gemeinsam zusammen und ich denke an die armern 100er, die jetzt im Dunkeln irgendwo im Berg hängen, nix sehen außer den Schein der eigenen Stirnlampe und die Sterne. Ich freue mich auf meinen Schlafsack und schwöre mir im Stillen hier nie die 100km zu Laufen!
(Den Zieleinlauf von den ersten beiden 100ern haben wir übrigens live mit erlebt. Die beiden kamen nach knapp 15 Stunden zusammen ins Ziel gelaufen. Die wurden gefeiert wie irgendwelche Promis: Filmen, Interview, Fotos, Jubel, Gekreische. Hammer Leistung!!!!)

Für die 26km ist der Start erst um 9:00. Es sind deutlich weniger Läufer am Startbogen. Die ersten 4km geht leicht bergauf.
Alles gut laufbar sagt Fraggle. Das sind geschenkte Meter sagt Fraggle. Man denkt es kommt nicht genug Sauerstoff an, aber es kommt genug an sagt Fraggle. Rhythmus finden und gleichmäßig laufen sagt Fraggle.
Wenn Fraggle noch irgendwas sagt, nur ein kleines Wort, dann reiß ich ihm den Kopf ab oder schubs ihn oder hau ihn oder trete ihn – leider läuft er 2m vor ihn und ich erreiche ihn nicht. Sein Glück!
Ich schimpfe über ihn, mecker, jammer und fluche – alles im Stillen, denn zum Reden habe ich nun wirklich keinen Atem. Nicht ein einziges Atom Sauerstoff habe ich übrig, dabei würde ich ihm zu gerne sämtliche Schimpfwörter an den Kopf knallen, die mir einfallen.
In diesem einen kleinen Augenblick hasse ich ihn! Wieso kann der noch reden? Ich schnaufe wie ne Dampflock!
Es wird steiler. Fraggle hört auf zu laufen und geht. Aus Trotz ziehe ich jetzt schon meine Stöcke aus dem Rucksack. Der Berg ist kurz, aber knackig. Kaum sind wir ersten 500 Meter gegangen beruhigt sich mein Puls, ich kann wieder gleichmäßig atmen und auch reden. Leider ist meine Wut verraucht :-)
Nach 6km haben wir den höchsten Punkt des heutigen Rennens erreicht. Von nun an geht es 10 km bergab. Erst steil, dann flacher. Singletrails, Serpentinen, Steine, Sand, bergab.
Ich weiß nicht woher ich plötzlich die Energie habe, aber wir lassen fliegen! Hinter uns hat sich eine kleine Gruppe gebildet, ich lauf vorne weg, hinter mit Fraggle und Oliver, dann kommen 4 Spanier. Ich fühle mich von den Herren ganz schön gehetzt. Laufe zwar noch sicher, aber ziemlich am Anschlag. Es macht Spaß! Die Meter fliegen nur so. Plötzlich rutsche ich aus, mach einen kurzen Knicks, ratsch mir leicht das Knie auf und laufe weiter. Bloß nichts anmerken lassen, aber es ist auch nicht schlimm.
Wir lassen die Spanier vor und kurze Zeit später sehen wir nur noch Staub. Da denkt man, man wäre schnell und dann ziehen die so an einem vorbei....
Fraggle ist umgeknickt und hat Schmerzen, er läuft jetzt vor, wir machen etwas langsamer. Bis zum nächsten Anstieg ist zum Glück wieder alles gut.
Es liegen noch 10km vor uns. Ein 10er geht ja bekanntlich immer! 8 km wellig hoch, von 1.800 auf 2.700.
Mir geht es richtig gut. Nach diesem grausamen Start heute morgen kann ich jetzt jeden Meter genießen. Ich freue mich, wenn wir weit weg Läufer sehen, hin und wieder überholen wir am Berg, viele Leute sehen wir allerdings nicht.
Fraggle kennt diesen Teil der Strecke vom 100er letztes Jahr. Die Vegetation sieht hier wieder ganz anders aus als gestern. Der Boden ist rot, es gibt viele alte Wacholderbäume, die Schatten spenden, eine Wohltat bei der Sonne die vom marokkanischen Himmel knallt. Meter für Meter schrauben wir uns nach oben, zwischendurch ist es immer mal wieder flach, Strecken die gut laufbar sind (geschenkte Meter und so... ;-) ). Wir kommen nochmal an einem kleinen Kontrollpunkt vorbei, trinken ein paar Schlucke von dem wiederlich süßen Pfefferminztee und fliegen weiter den Berg hoch. In einem kleinen bachlauf machen wir unsere Buffs nass und ziehen sie über den Kopf.
Plötzlich ist es soweit, der Moment auf den ich mich seit gestern gefreut habe: die beiden marokkanischen Flaggen wehen auf dem Gipfel im Wind.
Wenn wir dort angekommen sind, ist das Ziel nur noch einen guten Kilometer entfernt. Die beiden Siger vom 100 haben gestern von diesem Punkt nur 6 Minuten bis ins Ziel gebraucht.
Immer wieder geht mein Blick zu den Flaggen, sie kommen näher und näher.
Wir halten kurz an und machen ein paar Fotos, so viel Zeit musss sein!
Unsere Stöcke brauchen wir jetzt nicht mehr, ich nehme die Beine in die Hand und lass laufen. Nnur fliegen ist schöner!
Dieser Kilometer ist garantiert mit der schönste auf der ganzen Strecke. Über Wiese und Steine geht es bergab. Ein paar Meter über die Straße, rechts rum in Richtung Zielbogen.
Ist das geil, wir sind im Ziel!
5h25min haben wir gebraucht und von den Flaggen bis unten keine 8 Minuten :-)

Nach der Dusche entscheiden wir uns noch Joe Kelbel entegegen zu gehen, er ist auf den letzten Kilometern vom 100er.
Schon von weitem können wir die kleine Karawane sehen. Er wird von den Helfern vom letzten Kontrollpunkt begleitet. Die Damen feuern ihn an „allez Joe, allez!“ Er kämpft!
Den letzten Kilometer laufen wir mit ihm ins Ziel. Auch er wird begrüßt wie ein Star.

Die Sonne verschwindet hinter dem Berg, es wird merklich kühler. Wir gehen zum Zelt um unsere Daunenjacken und Mützen zu holen. Wir schlendern gemütlich über die Wiese zum Essens Zelt als uns Petra entgegen gerannt kommt
„Beeil dich Kiki, du musst hoch!“
Hoch? Ich komm doch grad von oben und von Bergen habe ich für heute genug! Frag mich morgen nochmal ob ich wieder hoch will, dann sag ich bestimmt wieder ja.
„Lauf Kiki, du musst hoch aufs Treppchen, du bist dritte Frau geworden!“

WAS? WIE? HÄÄÄÄÄÄÄH?
Ziemlich perplex und total verwirrt nehme ich die Beine in die Hand und sprinte die 200 Meter. (Das ich wieder am schnaufen war wie ne Dampflok ist klar, oder?).
Tatsache, ich bin dritte Frau geworden. Wie kann das sein?
Lisa, die erste Frau, war 5 Stunden schneller als ich und ich soll Dritte sein?
Vollkommen überfordert mit der Situation stehe ich mit den anderen auf dem Treppchen und halte strahlend meinen bronzenen Teller in die Kameras.
UTAT 2016
Challenge de l`Atlas
68km, 4000mD+
3ème feminine
ist in den Teller eingraviert. Wahnsinn!

Im Anschluss gibt es Essen, alle Teilnehmer werden gefeiert und ich habe gehört, dass die Party bis 4:00 nachts ging.
Ich lag zu dieser Uhrzeit in meinem Schlafsack und irgendwann hat mich der Gesang des Muezzin geweckt. Mit klopfendem Herzen habe ich an die vergangenen 48 Stunden gedacht.....

Dieser Lauf war für mich der absolute Wahnsinn. Ich könnte noch 1000 Sachen schreiben, aber keine Worte können meine Gefühle ausdrücken. Das Land, die Leute,die Organisation, der Lauf – unglaublich!
Jeder Zeit würde ich wieder hin fahren und wenn ihr die Chance habt – meldet euch an!
Mein größter Dank gilt (mal wieder) Fraggle, ohne den ich sowas nicht machen würde, denn er ist der Teufel der dem Teufel und so ;-)...
Danke Tanja für die schöne Zeit!
Danke UTAT für ein unvergessliches Erlebnis!

5
Gesamtwertung: 5 (11 Wertungen)

...

Puh was soll ich sagen... Kiki du bist die Geilste, Beste, Tollste, Irrste, Verrückteste... Du bist einfach mega!
Toll geschrieben, ich bin begeistert!!
Ich bin so stolz auf dich, Kleene!
Dicke Umarmung von der "großen" Schwester

Da fehlt jetzt aber der Hund...

.. von Pferdchens Geschichte. - Buuh, ist das irre.
Wahnsinn! Ganz dicken Respekt!!

- Stefan

Ja, genau so war es, total abgefahren! ;o))))

Hättet Ihr mich nicht auf diesen Trichter gebracht und mich mitgenommen,
hätte ich mich nie allein in ein solches Land getraut. Dann hätte ich auch nicht
meine Sichtweise darüber geändert und vor allem nicht dieses unvergessliche
Abenteuer (fast wie im Film) erlebt!!
Jetzt würde ich mich trauen, aber nach den Bildern und Berichten will mein Göga
nun doch nächstes Mal unbedingt mit! :o)))
Hey, Du hast dort eine super Leistung vollbracht und kannst da verdammt stolz drauf sein!!!
Da kommen bestimmt in Zukunft noch ganz andere verrückte Sachen von Dir, da bin ich sehr gespannt!!
Das Laufteam Ultra-Fraggle und Ultra-Kiki erobert die Welt! ;o)
Vielen Dank auch von mir für dieses unvergessliche Erlebnis!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Eine Hammerleistung und

ich war dabei !!
Es war noch Sauerstoff in der Luft, immerhin 14% ;-)

Ich dachte mir schon das du mich verwünschen würdest, deshalb habe ich mich auch nicht umgedreht und bin mehr als eine Armlänge vor dir gelaufen :-))))

Ganz große Leistung !!

05. Okt. 2017, save the day!!

Fraggle

Downhillqueen

Wie gut du bergab rennen kannst weißt ich ja seit dem ZUT. Und da ich die Gegend in Marokko von WANDERN kenne weiß ich was du geleistet hast. WAHNSINN!
Und ich Weichei heule weil ich nicht den Brocken runter komme *schäm*.
Ich verneige mich in Ehrfurcht!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Gänsehaut, wenn ich Eure

Gänsehaut, wenn ich Eure Berichte lese. Echt der Wahnsinn!
Herzlichen Glückwunsch!!

Ich bin dann mal weg

auch deinen Bericht hab ich in Ruhe gelesen...

... wobei nein, ruhig bleiben kann man bei so einem Bericht sicher nicht: deine Euphorie kommt direkt hier an und ich kann erahnen, dass nach solch einer Leistung bis zur Erschöpfung die Endorphine danach nur so sprudeln! Das nenn ich mal Höhentraining!
Ganz ganz großen Respekt vor deiner Leistung!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Waaaahnsinn!

Es ist mir völlig schleierhaft, wie man in dieser Gegend überhaupt rennen kann.
Und Du lässt Dir vom fraggle einfach mal nen Floh ins Ohr setzen und kommst mit einem Bronzeteller wieder! Du bist echt eine der Härtesten.
Ich gratuliere herzlichst - zum Teller und noch mehr zum Erlebnis! Ich bin mir sicher - DAS vergisst Du nie!
Grandios!

Was für ein Erlebnis!

Super gelaufen und super geschrieben! Eine Hammerleistung!
Danke fürs Berichten.
clarin

Danke Kikilotta

für diesen tollen Gänsehautbericht! Fetten Glückwunsch zum Treppchenplatz im Land aus 1001 Nacht! Wuarrr, ich muss gleich noch einmal lesen;-)

Lieben Gruß
Tame

chère madame...

...kiki! ganz, ganz herzlichen glückwunsch, du bist'n knaller, echtgezzma! und der monsör fraggle auch!
mit wonne hab ich deinen blog jetzt schon zweimal gelesen...*seufz* nen träumchen...
____________________
laufend ist ganz hingerissen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Was für ein einzigartiges Erlebnis

Danke fürs Mitnehmen auf diesen beeindruckenden Lauf mit ohne Sauerstoff! Und auch hier nochmal respektvolle Glückwünsche!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Wahnsinnig

sowohl der Lauf, als auch der Bericht.
Ganz, ganz herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung und danke fürs Aufschreiben. So kann man dran teilhaben, auch wenn frau es selber nie schaffen wird, dort zu laufen.

Grandios!!

LG,
Anja

Allein würde ich mich das auch nicht trauen

Was man so alles über Nordafrika hört. Da kriegste nen paar Kamele und wirst verheiratet - und dann ade Freiheit. Du wirst im Pass des Mannes eingetragen und kannst nicht mehr weg.

Aber so - hört sich das nach dem Nordafrika an, von dem ich schon einiges gelesen habe. Traumhaft schön, hart, karg, herzlich.

Wahnsinn - irre! 3. Frau - was für eine unfassbare Leistung! Ich gratuliere ganz herzlich und wünsche Dir, dass die Erinnerungen Dich vor allem dann begleiten, wenn es mal hart wird im Leben.

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