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Benutzerbild von nicksdynamics

...und ein Lauf im Fluss (oder neudeutsch: "Flow") bis Kilometer 32. Danach ging's gegen die Strömung...
Nicht wirklich eine neue Erkenntnis, dass es beim Marathon hinten raus schwer wird, aber diesmal war's mit Ansage:
Ich hatte mir was vorgenommen: PB (3:35:38) um "10min+x" drücken - und einige waren so nett, mich darin zu bestärken!

So bin ich vor einer Woche mit vielen guten Wünschen, einer PB als Versprechen, aber ansonsten leichtem Gepäck in Lissabon gelandet. Ich ahnte schon ohne vorher dort gewesen zu sein, dass es eine neue Lieblingsstadt werden würde - allein die Nähe zum Wasser, die Frische, das Klima! Lissabon ist nicht durchgestylt, oft bröckelt der Putz, aber die Schönheit liegt im Detail, in den kleinen Dingen und in einem unvergleichlichen Flair, der auch durch Touristen wie mich nicht zerstört werden kann. Die urige Wohnung im vierten Stock mit Blick auf den Tejo war das i-Tüpfelchen bei dieser Reise. (Dass die - wie ich später vielfach nachzählen durfte - 73 Stufen mir in den Tagen nach dem Marathon zum Verhängnis werden würden, hatte ich ebenfalls schon im Voraus geahnt, aber ich bin auch gut im Verdrängen...)

Es war gut noch ein paar Tage im Anschluss Zeit für Sightseeing zu haben, so konnte ich die Stadt in mich aufsaugen, den Sommer noch einen Tick verlängern und die Seele baumeln lassen. Beim Marathon selbst konnte ich nämlich nicht viel Landschaft um mich herum aufnehmen, zudem sparte die Strecke einige touristische Highlights aus, was dafür dem recht flachen Streckenprofil zu Gute kam. Unterm Strich war es für mich besonders am Ende eintönig, weil es nicht viel zu sehen gab (Industriegebiet) und dazu noch die Stimmung am Straßenrand quasi nicht existent war. So waren es vor allem die kleinen Momente mit einzelnen Leuten die mir gut in Erinnerung sind.

Und ich erinnere einige Beine und den Takt von Mitläufern, denn ab Kilometer 10 hatte ich immer wieder gute Grüppchen gefunden, die meine Pace liefen. Bis dahin musste sich das Feld noch ein bisschen sortieren: vor allem die 5h-Läufer, die sich in Reihe 3 einsortiert hatten...
Ab Start ging es zudem erstmal etwas bergauf, um dann bei Kilometer 2 zur Strandpromenade von Cascais stark abzufallen - kein Wunder also, dass sich Laufrhythmus erstmal einstellen musste. Mir gelang es allerdings recht schnell die Startpace von 4:50 zu treffen und trotz leichter Hubbel konstant zu halten. Die Sonne schien, der Blick auf den Fluss war umwerfend und es war noch nicht zu warm. Verlockend ein kleines bisschen an der Pace-Schraube zu drehen: ab Kilometer 7 bis Halbmarathon lief ich beständig zwischen 4:48 und 4:41 (Schwankungen sind dem Höhenprofil und Versorgungsstellen geschuldet). Durchgangszeit HM 1:41:30 - damit war klar, dass ich voll auf Kurs Boston-Quali (ca. 3:23) war! Warum ich mich dann an zwei Mitläufer heftete, die von nun an konstant unter 4:45 liefen weiß ich nicht mehr - vielleicht fühlte ich mich zu gut oder es war zu verlockend gleich zwei Mitläufer zu haben, die einen sehr ähnlichen Takt liefen. Außerdem machten sie gut Stimmung vor mir und bis Kilometer 31 ging die Sache gut - wir liefen ins Zentrum von Lissabon ein, doch an der sogenannten Baixa war die Stimmung ebenso mau, wie auf dem Weg durch die Vororte. Nach dieser kleinen Stimmungsenttäuschung ging es ganz leicht bergauf um einen Wendepunkt herum und ich sah meine Pacemaker an einer Versorgungsstelle entschwinden. Ich kam nochmal ran, konnte deren Pace aber nicht mehr halten. km31 sollte mit 4:38 der schnellste Kilometer im Rennen gewesen sein. Schlecht für die Psyche...

Ich freute mich auf meinen Bruder bei km 34,5. Er war für meine Frau eingesprungen, die leider nicht mitfliegen durfte (aufgeschoben ist nicht aufgehoben!). Er hielt für mich noch ein Ersatzgel und Cola bereit und als ich auf ihn zulief wusste ich, dass ich nicht gut aussah (was er mir später bestätigte). Abgesprochen war, dass ich ungebremst weiterlaufe - tatsächlich nahm ich mir 15 Sekunden Auszeit und lief wieder mit den Worten an: "das wird zäh!" - km35 in 5:14. Trotz monotoner Strecke und den markanten Expo-Hochhäusern soooo weit entfernt, gelang es mir immerhin die Pace knapp unter 5:00 zu drücken, an eine 4:50 kam ich nicht mehr ran. Meine Willenskraft reicht auch nicht aus, mich mit einem Traktorstrahl an die rasant überholenden schnellen Halbmarathonis anzuheften, die ab jetzt mit uns die Strecke teilten. Ich wußte, dass sie 21km weniger in den Beinen hatten, aber überholt zu werden ist (für mich) immer demotivierend. Dann kam auch noch der Treibsand...

Am Vortag hatte ich mir die kleine Steigung im Höhenprofil bei km41 angesehen - heute kam ich diese 50m nicht voran, obwohl ich schwer arbeitete. Wo ist das Seil, an dem ich mich entlang ziehen kann?
Der anschließende Blick auf die Uhr verschaffte mir Gewissheit: 3:23:xx ist weg (und war's vorher wohl auch schon). "Für die sub 3h:25 musst du im Prinzip nur noch zu Ende laufen!": mit 5:18 ist der letzte Kilometer der langsamste. Irgend ein Irrer schmeisst sich auf den letzten drei Metern vor der Zielmatte noch vor mir in die Kamera des Fotografen - soll er machen - Zielfotos sehen ja fast immer unvorteilhaft aus (wie wir wissen).
Ich drücke die Uhr ab und sehe die 3:24:43 - alles ist gut, denn es ist vorbei!
Ich taumel durch die Zielzone - Medaille (echt ein Pfund!) - aber viel lieber will ich Wasser! Ich will liegen, hier darf ich nicht, dann am Ende des Zaunes lege ich mich hin, trinke und drücke Krämpfe in der Hüfte weg. Wahrscheinlich kann ich nie wieder aufstehen, ist mir aber auch egal, dann trägt mich wenigstens jemand weg...
Zum Glück brauch ich nur 10 Minuten, um wieder auf die Beine zu kommen und die Nachlaufstimmung aufzunehmen: die beste Idee haben die Leute die in einem bunt gefliesten Wassergraben ein eiskaltes Fußbad nehmen. Da bin ich dabei!

Heute liege ich noch etwas angeschlagen von der Rückreise (oder vielleicht auch durchs "open window") mit einem Schnööf auf der Couch - eigentlich immer noch unfähig das Erlebte richtig einzuordnen...
Ich habe am Tag danach auf der Aussichtsplattform der 110m-hohen Jesus-statue auf der anderen Seite des Tejo gestanden und konnte die Laufstrecke von West nach Ost verfolgen: so gesehen sind 42km echt weit - und ich durfte mein Versprechen einlösen "10min+x" schneller als jemals vorher auf dieser Strecke zu laufen - tatsächlich sind es fast 11 Minuten! PB damit weit unter 3h:30 gedrückt. Hätte mir das mal jemand vor drei Jahren gesagt - verrückt!
Offizielle Boston-Qualizeit erreicht...
... aber wahrscheinlich werden 17 sec unter 3:25 nicht reichen. Im Augenblick finde ich das ziemlich schade.
Gleichzeitig frage ich mich - wenn ich schon solche punktgenauen Ansagen mache - warum habe ich nicht "13 Minuten" gesagt? Hätte - hätte...
Egal: ich hab's versucht und dabei viel erreicht. Über die Motivation jetzt nochmal auf 3:22 zu laufen reden wir später...

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

5
Gesamtwertung: 5 (10 Wertungen)

eeeeendlich...

...dein bericht von lissabon! oh man, ich rieche den tejo, spüre die wärme, die die azulejos von den wänden der häuser reflektieren und kneife die augen zusammen ob des wunderbaren lichtes, in das diese stadt getaucht ist, wenn man von der jesus-statue herüberschaut und habe un-end-liche sehnsucht...danke, lieber dominik.
aber genug geschwärmt. dir einen ganz herzlichen glückwunsch zu der fabelhaften zeit. egal, ob es für boston reicht, du hast da etwas grandioses geschafft auf einem wahrlich nicht einfachen kurs. jetzt genieß die erinnerung, lauf locker durch dne winter und dann guggste ma... ;)
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laufend wünscht gute besserung und schickt nen portiönchen kraft für deine frau (kann ja nich schaden): happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Sub 3:25h....

was soll man dazu sagen, außer GRANATENSTARK? Hätte, hätte Fahrradkette. Das mit den 13 Minuten ist eine Milchmädchenrechnung. Hättest du die 3:22h anvisiert, wärst du womöglich nach der Hälfte total eingebrochen und am Ende nicht unter 3:30h geblieben, so einfach ist das. Nicht, dass ich dir das nicht zutraue, ich will damit nur sagen, dass du dich wirklich nicht ärgern brauchst. Du hast alles gegeben und viel gewonnen! Und wenn es tatsächlich für Boston nicht reicht, ist es Boston auch gar nicht wert;-) Du darfst sehr stolz auf dich sein! Welch ein hervorragendes Ergebnis! Einfach irre! Fetten Glückwunsch!

Lieben Gruß
Tame

@happy

du solltest verreisen....unbedingt;-))

Lieben Gruß
Tame

@ happy

Da hat die liebe Tame recht! Kleiner Tip gefällig? 19.3.: HM über die Brücke des 25. April!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

jjaaaa...

...isch weiß! es arbeitet gewaltig in meiner (wunsch)planung ;)
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laufend mag die brücke des 25. sehr: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

Gratuliere zur PB!

...und danke für den wunderschönen Bericht mit den (für mich) witzigen Dingen wie Treppenstufenverdrängen :-)
Und jetzt machste das open window wieder zu und dann auf zu neuen Zielen.

Eigentlich doch perfekt gelaufen, oder?!! ;o)

Mein Motto steht unten und der Bert Hellinger hat es sehr schön in einem langen Satz verpackt, dessen Sinn manchmal erst beim zweiten Lesen etwas deutlicher wird.
Du hast genial gelaufen und eingeteilt, sonst hättest Du den letzten Km noch richtig was raushauen können!
Für diesen Lauf also perfekt am Limit!
Boston...hm, noch gibt es eine Chance, also nicht zu früh aufgeben! ;o)
Ansonsten gibt es soooo viele andere tolle Läufe und ich bin sicher, Du kannst Marathon noch schneller, wenn auch grade nicht
in Lissabon.
Ich gratuliere Dir ganz herzlich zum Finish und zu dieser top Verbesserung der PB!
Boston kommt noch...wenn nicht 2017, dann später!

Liebe Grüße Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

diszipliniert

Trainiert und PB eingefahren und zwar wie! Glückwunsch zu dem Rennen!!!

Und Boston... Noch hast du ja die Chance. Und sonst - Chicago nächstes Jahr??? Zu viert? Soll auch schön sein ;-)

Daumen sind gedrückt für Boston und den Abschlussbericht!

LG mal aus Niedersachsen ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Na endlich, Du hast uns ja

Na endlich, Du hast uns ja ordentlich auf die Folter gespannt.
Herzlichen Glückwunsch!! Toller Lauf, alles richtig gemacht.
Erhol Dich gut.

Ich bin dann mal weg

Danke, Carla,

dein Motto ist mir schon klar - und wahr, denn so langsam in dieser Woche danach sickert die Erkenntnis durch, dass dieser Marathon tatsächlich richtig gut gelaufen ist - entsprechend glücklich bin ich jetzt!

Boston ist sicher kein Muss - aber eine Zeit genau zwischen sub3:30 und sub3:15 hat einen prima Namen bekommen - eben "BQ". Ich nehme meine jetzige Form mal mit durch den Winter und schau mal, was im Frühjahr passiert. 2019 werde ich 50, spätestens in der AK sollte es dann klappen! ;-)

Gruß, Dominik
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strider,

kommt Zeit kommt Boston - überhaupt USA: da meine Jüngste zur Zeit dort im Austausch ist, kann ich mir gut vorstellen, in der Zeit danach (2018, 2019) mal einen Roadtrip zu planen - wäre doch gelacht, wenn nicht zufällig ein großer Marathon dort anstehen würde...

Daumen drücken hilft immer! Danke!

Gruß, Dominik
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(fazerBS)

das hat etwas gedauert, Maren,

weil ich a) noch ein paar Tage in Lissabon ohne PC verbracht habe und b) ich zunächst wirklich etwas ratlos war, warum sich bei mir nicht sofort dieses ultimative Glücksgefühl eingestellt hat...
Jetzt ist es besser und die ersten Läufe im Regenerationsmodus klappen schon wieder! ;-)

Gruß, Dominik
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Dann genieße jetzt mal das

Dann genieße jetzt mal das Glücksgefühl und nimm es mit in den Alltag!

Ich bin dann mal weg

Ziel erreicht

ganz herzlichen Glückwunsch dazu. Hat ja keiner behauptet, dass es einfach wird, seine PB so zu Schreddern ;o)
Deiner Frau wünsche ich einen genauso erfolgreichen Zieleinlauf.

LG,
Anja

WOW!

Ziel erreicht - 11 Minuten Verbesserung. Hätte, hätte, Fahrradkette. Wärst Du am Tag vorher nicht so viele Stufen gelaufen, wäre Deine Frau mitgekommen, ...

Weiß man alles nicht, ob es was geändert hätte. Du hast jedenfalls ein grandioses Ergebnis erzielt und ich wünsche Dir, dass es für Deinen Traum Boston reicht!

Viel Kraft und Erfolg weiterhin - auch im anderen Bereich.

Du bist ein klasse Läufer,

Du bist ein klasse Läufer, toll was du bei diesem Mararhon geleistet hast. Ich drücke dir wie wild die Daumen das für Bosten reicht.

Herzlichen Glückwunsch!!!

Ein etwas verspäteter, herzlicher Glückwunsch auch von mir. Toller Bericht, toller Lauf, tolle Eindrücke, tolle Leistung!!

Hoffe, Du hast Dich inzwischen gut erholt und genießt den Herbst ohne Erkältung!

Herzliche Grüße

P.S. für Boston 2017 war die Miminumqualizeit nicht ganz ausreichend, ich glaube so ca. 2 min schneller, steht detailliert auf der Homepage der Veranstalter BAA... was aber nicht, dass es 2018 auch so ist! Insofern drücke ich Dir die Daumen!!

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