Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von Carla-Santana

Danke nicht nur für diese Überschrift, liebe strider und lieber Coachi!!
Ohne Euch wäre der Mauerweglauf 2016 für mich nicht so erfolgreich verlaufen!

Die 100 Meilen rund um Berlin kannte ich vom letzten Jahr, wo ich nach knapp 29,5 Stunden mit dickem Flunken trotzdem glücklich das erste Mal solch eine Streckenlänge überwunden hatte.

Dieses Mal war meine Vorbereitung etwas paradox.
Nach der Tortour de Ruhr Mitte Mai, wo ich mich auch wieder mit Problemen durch die 100 Meilen gekämpft hatte, musste ich wegen einer Sehnenscheidenentzündung als Folge fast 4 Wochen Laufpause machen.
Mitte Juli war ja die Langdistanz in Roth angedacht und so füllte ich die Zwischenzeit mit Rad- und Schwimmtraining und zum Schluss noch 3 Wochen intensivem qualitativem Lauftraining. Roth sollte im Rahmen der Vorbereitung sehr zufriedenstellend gelingen.
Danach genossen wir noch eine Woche Urlaub und Erholung in Österreich, wo ich Ende
der Woche die 50 km des Großglocknertrails im langsamen Tempo genießen durfte.
Die Woche danach schnürte ich mit 125km zur letzten harten Trainingswoche zusammen.
Darin war als Abschluss der sehr schöne ruhige Münster-Sternlauf, ein Spendenlauf, bei dem ich 50 km von Rheine bis Altenberge mit lief.

Tapern, liebes Fräulein, aber janz fix, erinnerte der liebe Schalk mich, damit Berlin nicht so schmerzhaft wird, wie im vergangenen Jahr. Jawoll! Ganze zwei Mal lief ich noch was in den zwei Wochen vor Berlin, wobei ich mir Sonntag nach einer Party bei einem Nüchternlauf die rechte Wade ziemlich fest lief.
Shit, was soll das jetzt?
Jeden Abend knetete Göga mir schmerzlich die Wade durch und die Hoffnung auf einen guten Lauf schwanden.

In Berlin gab es wieder ein großes Hallo mit vielen Freunden und Bekannten bei der Anmeldung, Briefing oder spätestens bei der Pasta-Party.
Alles mal wieder vom Feinsten organisiert!
Göga und ich nächtigten wieder in unserem kleinen Womo 13 direkt im Stadion am Start. Detlef wollte mich wieder auf dem Rad begleiten.
Somit ist es für mich wieder ein All-Inklusive-Ultra, wobei es das mit 27 VPs inkl. 3 Dropbag-Stationen für alle anderen auch war.
Auf Grund der Schuhprobleme in der Vergangenheit hatte ich tatsächlich eine Schuh-Armee von 6 Paar dabei und in die Dropbags verpackt.
Beginnen wollte ich mit einem mit 400 km eingelaufenen Paar Ghost 7, welches mir mind. 40 km keine Probleme bescheren sollte. Da die Dämpfung bei den Ghost meiner Erfahrung nach spätestens nach einem Marathon platt gelaufen ist, deponierte ich ein zweites altes Paar in der Satteltasche zum Wechseln bis Km 59. Ab da warteten relativ neue Ghost 8 mit einer halben Nr. größer im Dropbag.
Die Wade verzierte ich mit Kinesio-Tape und Calfs von Compresssport. Die Socken waren die RU4 von Falke, mit denen ich in letzter Zeit sehr gute Erfahrungen auf Langstrecke gemacht habe. Leider vergaß ich das Wechselpaar im Waschkeller und hatte nur dickere Falke RU4 und Wrightsocks zum Wechseln mit.
Aus Angst vor Zehenblasen tapte ich auch die dicken und zweiten Zehen.
Ich wollte einfach nicht wieder diese dummen Fehler mit schmerzlichen bremsenden Folgen machen.
Es sollte warm werden über Tag und nachts ca. 16 Grad, also startete ich in Kurz/Kurz und deponierte für alle Fälle lange Klamotten im 2. Dropbag bei km 91.
Lampen und Warnwesten (Pflichtausrüstung) hatten wir in der Satteltasche.
Vorne im Fahrradkorb waren Gels, Riegel und ein paar Getränke sowie zwei Radflaschen außen angebracht für schnellen Zugriff. Salz und Arminos waren auch dabei und sollten ca. alle 1,5-2h rein.
Puh, so ein Abenteuer will wohl geplant und durchdacht sein und Detlef war ja mittlerweile Profi als Supporter.

Der Start erfolgte punkt 06:00 Uhr im Stadion und wir trabten extra leise die erste Runde durchs Stadion, weil die Nachbarn sich im vergangenen Jahr wegen dem frühen Lärm beschwert hatten. Strider und Coachi fand ich nicht, würde ich aber später sicherlich.
Ich war sofort im Lauf mit dem Ohr an der Wade und dem anderen bei den Worten von Sparta-Holger, der mich die halbe Runde begleitete und viel Glück wünschte.
Kurz lief auch Joe Kelly neben mir, was ich überhaupt nicht bemerkte, was jemand mir auf FB mit einem Foto bewies.

Ich war im Lauf und suchte mein Tempo irgendwo um die 06:30, wobei mich dann doch viele schneller überholten bis zu den roten Ampeln, die es unbedingt zu beachten galt (sonst drohe Disquali!!).
Vor mir schaltete eine auf rot und ich hielt an.
Hinter mir trabte einer seelenruhig weiter.
Bei der nächsten Ampel hatte ich ihn wieder und er trabte bei rot stumpf weiter.
„IDIOT“ rief ich ihm hinterher, aber er reagierte überhaupt nicht.
Meine Wade sagte nichts und die Spannung im Kopf löste sich so langsam und leider auch meine Bremse. Ich wurde langsam flotter und musste mich immer wieder selbst ermahnen, nicht weiter mit 05:55er Pace zu laufen obwohl es sich locker anfühlte.

Bei km 13 musste ich anhalten und die verrutschen Tapes von den linken Zehen entfernen, weil die zu scheuern drohten. Die Socken waren wegen der Wärme schon pitschenass und ich schmierte ordentlich Hirschtalg nach. 2 Km später folgte dasselbe mit den rechten Zehen-Tapes. Schmieren und hoffen, dass auch so keine Blasen kommen.
Merke: Zehen tapen erst nach der aufgestochenen Blase, ansonsten Blödsinn!

Die ersten 3 VPs waren nur mit Wasserausgabe und ab Km 20 sollten dann die Radbegleiter sich zu ihren Läufern gesellen dürfen, denn das Feld hatte sich bis dahin passend auseinander gezogen. Vorher musste man allein inkl. Pflichtausrüstung (Handy und empfohlenes Getränk) laufen, wozu ich mir meinen kleinen leichten Rucksack mitnahm.
Auf den ersten Kilometern gab es viel zu gucken und ich hatte nette Laufbegleitung.
Wir liefen in der herrlichen Morgensonne am Reichstag vorbei Richtung Brandenburger Tor. Hier galt es für alle Läufer eine Mauer aus Holzsteinen abzubauen und jeder einen Stein durch das Brandenburger Tor zu tragen, wovon für jeden einzelnen ein Erinnerungsfoto geschossen wurde.

Der Begriff „geschossen“ erzeugt grade wieder das unglaublich bedrückende Gefühl in mir, welches ich habe, wenn ich an den Mahnmalen und Stelen vorbei laufe, die mir immer wieder zeigen, wo so viele unschuldige Menschen hier gestorben sind.

Es folgten ein Durchlauf durch „The Wall“, einer Installation in einem großen Gebäude, wo eine Szene an der Mauer aus den 80er lebensecht dargestellt wurde. Das wirkte für den Moment ungemein und ich sah gleichzeitig Bilder aus meiner Kindheit.
Checkpoin Charly und die East Side Gallery beschäftigten die Sinne.
Ein wenig komisch wurde es unter der Oberbaumbrücke Richtung Kreuzberg, wo noch einige Besoffene torkelten und rum lagen. Die wussten mit uns bunten Vögeln wohl nicht viel anzufangen.
Ich hielt gebührend Abstand immer bereit für einen kurzen Sprint, bekam jedoch Lächeln und nette aufmunternde Worte hinterher gerufen, alles gut.
Bei Km 20 kam dann meine weltbeste Radbegleitung Detlef dazu.

Noch einen km später tauchte plötzlich unsere Fary als grandiose Überraschung laufend neben mir auf. Sie wollte mich das langweilige lange Stück am Teltow-Kanal etwas begleiten.
Eine wunderbare Idee und Ablenkung.
Dankeschön liebe Fary! :o)
Trotz dass es immer ganz sanft bergauf ging, wurde ich schneller, was Fary zum Glück früh genug bemerkte trotz unserer Quasselei.
Gut so, wir sind noch ganz am Anfang des Laufs!!

Nach einer Weile verabschiedete Fary sich dann, um noch mal ein Stück zurück zu laufen.
Sie wollte Thorööö auch ein Stück begleiten, der mit Schalk als Staffel auf seinen 91 km unterwegs war. Die Staffeln starteten eine Stunde nach uns und so konnte Fary ihren langen Lauf zur besten Motivation für sich und uns nutzen. Top!

Unterwegs trafen wir den Schalk immer wieder überraschend und er betätigte sich als Motivationskünstler!
„Hach herrlich...läuft doch, ne?!!“
Ja, ähm...klar, stimmt eigentlich.
Die Wade hatte ich vergessen und so langsam wurde das Laufen angenehmer, tatsächlich! :o)

Und dann kam der „Sambamann“!! :o))

Strider und Coachi tauchten vor mir auf und die beiden trabten genau das passende Tempo und wir quatschten so ein bisschen rum, fischten an den VPs nur kurz etwas Orange, Gurke, Nüsse und ein paar Salzstangen und mal ging ich vor um gemeinsam wieder anzutraben, mal sie, als ich bei ca. km 45 auf mein zweites Paar Ghost 7 wechselte, weil das erste vom Gefühl her platt war. Alles wie geplant und noch keine Blasen. In den ersten Stunden ist so eine Begleitung Gold wert für mich, denn dann habe ich nicht so viel Zeit zum Zweifeln und Nachdenken, was schief laufen kann.

Coachi hatte seine Salztabletten in einem Döschen im Rucksack und das rappelte in einem schönen Takt (normal würde mich sowas wahnsinnig machen) und wir nahmen das als Mantra und trabten hinter dem Sambamann hinterher durch den Wald. Er hielt wunderbar gleichmäßig die Pace bis sie wenige Km vor dem ersten Dropbagpunkt eine Gehpause machen mussten. Ich war frisch und davon überzeugt, dass diese Phase nicht von langer Dauer sein konnte und ich die beiden spätestens am großen VP in der Sporthalle km 59 wiedersehen würde.
Dort wechselte ich auf die relativ neuen Ghost 8 und Detlef organisierte heißes Wasser für mein 5-Minuten-Kartoffelpüree. Das schmeckte verdammt gut und gab neue Kraft.
Nachdem ich draußen meinen Luftballon mit der beschriebenen Karte zum Gedenken an Karl-Heinz Kube, dem Maueropfer, dem der Lauf dieses Jahr gewidmet ist, gen Himmel schickte, machte ich mich auf den weiteren Weg.

Nur noch 102 km und ich lag gut in der Zeit und das Laufen machte noch keine große Mühe.
Nach ca. 2 Km tauchten strider und Coachi vor uns auf, leider gehend und irgendwas lief bei den beiden nicht. Ich spürte die Enttäuschung bei ihnen, konnte nicht zum Mitkommen ermuntern und musste sie leider zurück lassen bzw. Strider schickte mich weiter.
Später würde ich sie sicher wieder sehen. Es sollte anders kommen. :o(
Es folgte der Königsweg, eine lange Waldautobahn mit Auf und Ab, die ich im Gegensatz zu den anderen richtig schön kurzweilig und angenehm fand. Könnte auch an meiner kurzweiligen netten Begleitung hier mit dem „großen“ Framü gelegen haben.

Vorbei am Griebnitzsee ging es über die Glienicker Brücke zum Brauhaus Meierei. An diesem VP Km 83 gab es leckeres kühles Bier, wovon ich erst mal einen Becher durch die Kehle zischen ließ.
Man, tat das guuuuut!!! :o)))
Detlef tat es mir gleich und an dem VP war super Stimmung.
Detlef füllte die Flaschen mit Wasser Bier und Wasser-Cola-Gemisch auf und schon ging es weiter wunderschön an der Havel entlang teils über angenehme Schotterwege.
Die Wärme empfand ich als angenehm, wo andere schon jammerten. Ich lief bis auf leichte Steigungen noch alles mit mühelos aussehendem rundem Laufstil, wie Detlef verwundert feststellte. Naja, ganz mühelos war es nicht mehr, aber es tat nichts weh und es war nur ein bisschen anstrengend, gut so zu halten. Die Nahrungsaufnahme scheint zu stimmen, oder war es das Bier?! ;o)

Ca. 1,5 Km vor dem zweiten Dropbag-VP Km 91 Schloss Sacrow nähern sich von hinten zwei große schlanke Läufer, die ich irgendwie nur aus den Augenwinkeln registriere.
Detlef war schon mal vorgefahren, um wieder heißes Wasser für ein weiteres 5-Minuten-Kartoffelpüree zu organisieren.
Bin irgendwie grad im eigenen Film und halte Ausschau nach dem VP, als die irgendwas sagen...hm...hab nur die Hälfte gehört im Tran, aber hm...*ratterratter*...diese Stimme…ich lief in einer Blase und da liefen zwei neben mir. Ich liebe dieses gedankenlose Laufen durch den Wald.
Ich blicke dann doch mal nach rechts und da macht es endlich *klick*! :o)
Thorööö und Rigoo liefen locker flockig neben mir und grinsten sich eins, als ich sie endlich erkannte.
Wie cool ist das denn?!!! :o))
Thorööö hatte eine Mission (Rigoo natürlich auch!) und beschleunigte noch mal auf seinem letzten Km, um dem Staffelpartner Schalk nach seinem bisher längsten Lauf mit super Zeit den Staffelstab zu übergeben (gab es da überhaupt einen Staffelstab??).
Grade trafen und freuten sie sich, als ich mich von hinten anschlich um auch den Schalk kurz vor seinem Abflug noch mal fest zu knuddeln.
Was für eine Punktlandung für Thorööö, Rigoo, Detlef und auch mich. :o)

Hier hatte ich die Hokas und Nimbus 18 im Dropbag. Es lief sich aber immer noch sehr gut und blasenfrei mit den Ghost 8 und deshalb veränderte ich nicht das Running System, nicht mal die mittlerweile völlig verstaubten Socken, sondern schmierte nur noch mal deftig mit Hirschtalg nach. Nur das nasse T-Shirt wechselte ich in ein trockenes um mich frischer zu fühlen. Das Kartoffelpü löffelte ich beim Schuhwechsel und danach unterwegs.
Nur noch 70 km!
Die Nimbus ließen wir da, die Hokas kamen auf den Gepäckträger.

Wir liefen durch Siedlungen und kamen wieder an diesen wundervollen VP in einem Vorgarten, wo flotte Musik gespielt wurde, jeder vom Ansager persönlich begrüßt wurde und der VP absolut keine Wünsche offen ließ.
Hier setzte ich mich ganz kurz neben den Framü auf die Bank und genoss ein alkfreies Weizen. Er blieb noch etwas sitzen, doch ich lief sofort weiter, denn ich erwartete bald den Punkt, wo irgendwas anfängt weh zu tun oder die Kraft zum Laufen schwindet.
Der kam aber nicht so richtig, aber dunkel wurde es langsam.
Als es immer schwerer wurde, die Wurzeln und hubbeligen Fußgängerwege zu koordinieren, fischten wir meine Warnweste raus (Detlef hatte sein Leibchen von Anfang an getragen) und zündete meine Lauffunzel. Ich sah ab und zu keine Pfeile mehr auf dem Weg und wurde unsicher. Detlef hatte die Uhr mit dem Track grade zum laden im Korb und konnte den richtigen Weg bestätigen. Wir hatten ja vorher schon beim Briefing mitbekommen, dass einige Anwohner selbst aufgesprühte selbstauflösende Kreidepfeile leider schnell wieder entfernten.

Von Spandau nach Niederneuendorf wurde es welliger und im Wald war es stockduster.
Ab und zu kamen uns Fahrräder mit Kontrolleuren und Helfern des Veranstalters entgegen und fragten, ob alles in Ordnung sei. Sie suchten wohl einen vermissten Läufer, der sich nicht abgemeldet hatte, sein Handy ausgemacht hatte und dessen Chip nicht mehr registriert wurde.
Alles Suchen und Sorge umsonst und ärgerlich, weil er sich nicht an die Vorgaben hielt und einfach den Lauf verließ und schlafen ging.
Mit uns lief plötzlich ein nettes Mädel, Staffelläuferin, die ganz verunsichert fragte, ob sie ein Stück mit uns durch den dunklen Wald laufen dürfte. Sie fragte dann ganz verunsichert, wann es denn wieder in die Stadt ginge, weil sie dachte, das sei doch ein Stadtlauf?!?
Detlef war etwas verwundert und klärte sie dann auf, dass es nur noch zum Schluss kurz durch städtisches Gebiet geht. Nach einer Zeit wurde ihr mein Tempo wohl zu langsam und sie zog weiter bis zur nächsten Wegänderung, wo sie einfach geradeaus falsch weiter lief und Detlef sie im letzten Moment noch entdeckte und zurück pfiff.

Ich merkte, dass langsam die Energie flöten ging und Cola-Wasser und Kartoffeln nicht mehr viel brachten und nur noch schwer runter zu kriegen waren. Detlef gab mir eine Dose warmes RedBull *örgs*, welche ich halb leerte und er den Rest ins Cola-Wasser kippte.
Ekelig, aber es wirkte recht schnell. Bis auf die Steigungen war ich immer noch laufend unterwegs und das recht geschmeidig und flüssig, wenn auch langsam.
An den VPs vermied ich langes Aufhalten, schnappte mir immer nur Kleinigkeiten und einen Becher Cola und Wasser und ging damit sofort weiter. Detlef füllte auf und kam direkt nach.

Das riesige Bombardier-Eisenbahn-Werk ließen wir links hinterm Zaun liegen und erreichten den 3. Dropbagpunkt bei Km 128. Hier hatte ich ein Paar Sketchers Ultra Road im Sack, denn die Hokas hatten sich bei der TtdR als schlecht geeignet zum Gehen gezeigt.
Ab hier rechnete ich spätestens damit, mehr gehen als laufen zu müssen, was sich immer noch nicht bewahrheitete.
Es lief immer noch und Blasen spürte ich auch keine.
Ich fing an, meine Schuhe zu lieben!
Die Getränkemischung schmeckte ekelig, aber es musste Flüssigkeit rein, denn ich musste nur selten in den Busch.
Ging hier eh nicht, denn wir liefen durch eine Siedlung mit seltsamen einzeln stehenden Backsteinhäusern.
Das war die Invalidensiedlung.
Ich konnte mich aus dem letzten Jahr im Hellen deutlich daran erinnern und erkannte sie sofort wieder.

Wieder lief es über ein Asphaltband durch den Wald immer geradeaus. Irgendwann kam eine Rechtskurve und jetzt wusste ich, irgendwann musste dieser VP am Grenzturm kommen, dem Naturschutzturm Neuendorf. Jetzt sind es nur noch 23 km und langsam wurde es zäh. Dieses Mal war der VP nicht im Turm, sondern direkt an der Strecke.
Framü saß wieder dort und grinste uns an.
Er hatte die letzten Km sich aus einem Tief kämpfen müssen und tankte ordentlich auf.
Wir marschierten sofort weiter und ich trabte wieder an bis zu ich glaube der steilsten Rampe des Laufes. Ein Hubbelchen eigentlich. Ab hier stieg Detlef ab und fing an mich zu treiben und schob mich und das schwer bepackte Rad dort hoch, weil ich ihm zu langsam war.
Wo hat der jetzt die Power her??? Hat der von meinem Gesöff getrunken?? ;o)

Es ging wieder in den Wald von Frohnau und der Untergrund bestand aus kleinen fiesen Pflastersteinen und der Weg war von den Fahrspuren wellig und tückisch und an einigen Stellen zum Teil zugewachsen mit Brennnesseln und Dornen.
Hier mochte ich kaum und nur sehr langsam laufen und Detlef fluchte über das Gerüttel wie ein Rohrspatz, welches nicht enden wollte.
Das letzte Gel würgte ich runter.
Von Hunger oder Durst war nichts mehr zu spüren, doch ich zwang mich um Essen und Trinken und der Magen spielte sehr gut mit.
Andere hatten große Probleme und seltsame Würgelaute erfüllten immer wieder die Nacht.

Am drittletzten VP lief fröhlich und fit der HaWe auf uns auf und freute sich sehr, uns zu sehen. Er forderte mich auf, mit ihm die letzten Km zu laufen, doch sein Tempo konnte ich kaum halten, sah ihn noch die nächsten 2 km mit seinem Licht vor mir, bis er im Wald entschwand.

Mir wurde allerdings immer klarer, dass ich tatsächlich in der Lage sein würde, mein Traumziel, unter 24 Stunden zu finishen, verwirklichen zu können. Dafür musste ich aber noch ein bisschen laufen und tat dieses auch. Sobald ich ging, trieb Detlef und ich trottete wieder ein paar Meter. Es ging an Zäunen und dunklen Böschungen entlang, wo oben immer wieder mal die S-Bahn entlang fuhr.

Es wurde immer klarer und sicherer, ich würde es schaffen und ich grinste in mich hinein.
Framü überholte mich zwischendurch mit jemandem quasselnd laufend.
Er hatte seinen Turbo gefunden und wollte auch unbedingt sub24h ins Ziel.
Ich hatte jetzt noch 7 km und 01:45h Zeit für den Traum.
Bequem!!!....ist anders!
Jetzt fiel der Druck ab und die Lust zu laufen und mich zu quälen verschwand plötzlich. Detlef trieb ohne Rücksicht.
Kein Mitleid!
Hör auf zu jammern und beweg Dich!
Du willst das!
WOW, er hatte seine Hausaufgaben gemacht als Einpeitscher, gut! ;o)

Und dann spuckte uns der dunkle Weg aus und wir waren wieder in der beleuchteten Stadt.
6 km noch….*stöhn*…der letzte VP und ich mag nichts mehr, nehme zwei Salzstangen und ein halbes Stück Schokokuchen. Endlos ging es durch Häuserschluchten und das Gehen war auch nicht mehr so ganz dynamisch.
„Du gehst, als wenn Du Dir in die Bux gemacht hast! Lauf mal ordentlich!“
Jawoll Sir! ;o)
Die Beine wurden steifer und ich sehnte das Stadion herbei, suchte die großen Flutlichtscheinwerfer und fand sie nicht.

„Weiter, weiter, komm schon, nicht so lahm!“
Du hast ja recht, aber...“Nix aber!! Weiter!“

Wir latschten eine Brücke hinauf, die Bornholmer Brücke, wo der Grenzübergang Bornholmer Strasse war, der am 09. November 1989 als erstes geöffnet wurde.
Ich hatte die Bilder im Fernsehn vor Augen, wo der Schlagbaum sich öffnet und die Menschen auf der Mauer tanzten. *gänsehautpur*

Weiter gings über die Behmbrücke zum Schwedter Steg.
Nun sah ich sie, die Masten der Flutlichter.
An der Max-Schmeling-Halle vorbei und die Treppen hoch ging es aufs Stadiongelände auf den letzten Km.

Längst waren die Augen feucht und die Kehle zugeschnürt und ich fragte Detlef, ob er mit mir die Stadionrunde läuft.

„Garantiert NICHT!!!
Lauf Du mal alleine, ich schaff keinen Meter mehr und warte im Ziel auf Dich!“

Er stellte das Rad vorm Stadion ab und ich ging rein und wurde von den wenigen treuen Zuschauern und Helfern herzlich empfangen.
Die Tartanbahn war geschmückt mit bunt leuchtenden großen Kugeln und dann fiel ich in den Laufschritt, erst steif, dann immer lockerer und es liefen nicht nur die Beine.
Kein Humpeln, keine unerträglichen punktuellen Schmerzen, unglaubliche Leichtigkeit plötzlich! Volle Dosis Endorphinexplosion!

100 Meilen!

161 KM!

in 23:27:31h!

Ich hatte sie besiegt!
Ich hatte meinen Traum beim 3. Versuch endlich erfüllt!
Ich hatte das Abenteuer Mauerweglauf ein weiteres Mal bestanden!

Ich Ich Ich :o(...viel wichtiger, WIR hatten es geschafft!!!
JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!! :o)))))))

Detlef saß völlig fertig und aufgelöst auf der Bank auch mit
feuchten Augen.
ER hatte die eigentlich viel größere Leistung vollbracht und völlig untrainiert
mich die ganze Zeit auf dem Fahrrad und gehend begleitet, betüddelt, versorgt,
gefüttert, motiviert, angetrieben, unterstützt und gleichzeitig auch noch andere und
sich selbst bei Laune gehalten und sich den Allerwertesten für mich platt gefahren!!!

DAS war für mich die allergrößte Leistung und dafür bin ich ihm unendlich dankbar!!!

Zur Belohnung gab es bei der Siegerehrung nicht nur die Mauerlauf-Medaille für das erfolgreiche Finish, sonder auch die Back-to-Back-Medaille dafür, dass ich mit 2015 und 2016 den Mauerweg hin und zurück gelaufen bin.
Das Sahnehäubchen war dann die lang ersehnte Gürtelschnalle (Buckle) für die sub24h
und das I-Tüpfelchen war noch einmal das Zusammentreffen mit allen Freunden und bekannten Laufverrückten, Helfern und Organisatoren, die diesen Lauf mit seiner schlimmen Geschichte zu dem machen, was er ist.
Wertvoll und wundervoll!

Liebe Grüße Carla-Santana

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Wertvoll und wundervoll!

Dein Bericht ist das auch - und ich muss nach dem Lesen erstmal durchatmen!
Danke, dass ich auf diese Art und Weise mit dir mitlaufen durfte!

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Und nach dem letztjährigen Debakel ...

... haste dich diesmal in deiner Liga bewegt.
Klasse Lauf, klasse Ergebnis und es war immer wieder schön euch vor, während und nach dem Lauf zu sehen - einfach herrlich!
Dnake dafür!
;-)
Ein Schalk läuft die Tortourderuhr!

SENSATIONELL

SENSATIONELLE Leistung!!!

Bin völlig platt und sprachlos und für mich ist das unvorstellbar solche Distanzen zu bewältigen und dann noch in so einer fantastischen Zeit.

Hut ab bin voller Bewunderung für alle Mauerwegsläufer.

Erhole dich gut bis zu neuen Laufabenteuern.

Grüßle aus dem Süden

Wow,

wie so oft bin ich einfach sprachlos, was Du alles leisten/laufen kannst.
Und ganz große Klasse, dass Detlef Dich so supportet hat, denn ohne wäre es ungleich härter geworden.
Tolles Team, tolle Team-Leistung und jetzt wird im Team regeneriert.

LG,
Anja

Toll Toll Toll!

Was für eine Leistung! Echt grandios! Allerherzlichsten Glückwunsch!
Und vielen Dank für den tollen Bericht. Wenn ich groß bin will ich das auch!

Ich bin dann mal weg

Alles richtig gemacht,

sauber abgeliefert und DEN Super-Supporter dabei gehabt. Dann musstest du nur noch laufen. Geht doch, Glückwunsch!

Es war mir eine Freude, dich ein paar Meter begleiten zu dürfen!

Wir sehen uns!

Riggoo

Du bist unglaublich!

100 Meilen ist ja schon an sich ziemlich unvorstellbar, aber dann noch diese Gelenkigkeit! Ohr an der Wade! Unfassbar!

---

"What day is it?" asked Pooh.
"It's today" squeaked Piglet.
"My favorite day" said Pooh.

Fantastico

Na das war ein Jahr.
Das machen andere nach und nach in mehreren Jahren.
Riesigen Glückwunsch nochmal.

Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht!

So habe ich eine Vorstellung davon, wie so ein 100 Meilen-Lauf ablaufen kann. Trotz allem ist deine Leistung für mich unvorstellbar.
Ich gratuliere dir zum weltbesten Supporter an deiner Seite und zu deiner grandiosen Zielzeit!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Na,

n bissl dekadent is das schon, oder? Mit nem ganzen Schuhladen im Gepäck zu reisen ;-) Aber wenn's hilft ... Super gelaufen. Glückwunsch zur hochverdienten Schnalle.
kk

Wuaaahhhh...

Gänsehautblog!
Dicke Gratulation mit Kloß im Hals!
LG, Conny

Ich war gerade nochmal auf der Strecke unterwegs . . .

. . . so anschaulich hast Du den Lauf beschrieben. Auch deine Berichte waren es, die mich zu diesem "Abenteuer" 100 Meilen gebracht haben. Für mich war es die Premiere auf solch einer Strecke.

Du hast vollkommen Recht, ohne unsere Supporter wären solche Ergebnisse nur schwer zu erzielen. Und deren Leistung geht meist unter, obwohl sie so wertvoll ist.

Applaus! Applaus!

Einfach nur großartig! 2016 ist das Jahr des Pferdchens;-) BRAVO liebe Carla, du bist meine Heldin! So wunderbar die 100 Meilen gelaufen, geschrieben, gelebt, wie kein anderer! Unvorstellbar deine Power! Ich freue mich ganz riesig für dich!

Lieben Gruß
Tame

Genau....

so soll es laufen! Du hast alles richtig gemacht.

Ganz große Leistung :-)

Danke für den schönen Bericht. Da muss ich unbedingt auch mal hin !

Fraggle

Der Einpeitscher ;-)))

hat einen Superjob gemacht und wird zurecht gelobt. Von mir hier auch noch mal!!!!

Aber laufen musstest DU und das hast du wunderbar gemacht!!! Ich habe deinen Bericht verschlungen und er strahlt Lauffreude pur aus. Auch noch am Ende ;-))) So schön können also 161km sein, muss ich mir merken ;-))

Liebe Tanja, es war so schön euch wiederzusehen und ein Stück mit euch laufen zu dürfen! Machen wir wieder mal ;-))

Ganz großes Lob vom Sambaman und mir!!!!! Und eine tiefe Verneigung!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

*seufz*...

...fünf sternchen reichen da nicht. ich geb zweimal fünf!
ich durfte das ganze ja am livetracker verfolgen und war so fasziniert von deinen schönen gleichmäßigen durchlaufzeiten...einfach grandios!
____________________
laufend freut sich so mit dem pferdchen: happy™

"man muss es so einrichten, dass einem das ziel entgegenkommt." (theodor fontane)

;0)...

... Habe dir zum Thema ja schon alles geschrieben...

;0),
Kaw.

Sorry an alle, die niemals angekommen sind, weil sie mich nach dem Weg gefragt haben...

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links