Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von kniescheibe

kniescheibe-ihre-freundin:
"Was hältst du davon, mal was länger zu wandern?
Guck dir mal die Ausschreibung an "Bergische 50".
Ich sah das Zeichen.
50 werden und ein paar Wochen später 50 km wandern fand ich lustig.

Das dazu ein etwas anderes Training nötig war als sonst, haben mir hier einige nette jogmaper gepostet. Wandern, ein bisschen koppeln mit laufen, dann sollte das machbar sein. Normal gelaufen, dreimal die Woche mit einer längeren Einheit bis 18 km. Einmal 32 km gewandert in Rengsdorf. Alles prima.

Dann stieg ich Mitte Juni auf einen Gartenstuhl. Scheiß Sommer, scheiß nasser Rasen und schon war´s passiert. Der Stuhl kippte und die kniescheibe flog einmal quer durch den Garten. Die meisten Unfälle... ihr wisst ja schon. Bänderiss und sechs Wochen Schiene (auch nachts). Diesmal anders als der Bänderriss am rechten Fuß, soll heißen, ohne Knochenabriss und weitestgehend schmerzfrei. Laufpause "halten Sie sich daran", Sie dürfen Radfahren und schwimmen ohne Beine". Ich bin ja brav bei sowas und kann auch hören.

Der Urlaub in Österreich brachte mir zwei tolle Bergtouren ein mit vier Gipfelkreuzen, ansonsten wurde MTB gefahren. Die sechs Wochen Schiene waren dann vor zwei Wochen um. Gucken was geht und mit kniescheibe-ihrer-freundin bei schitt Wetter zum Ahrsteig. War das eine Quälerei! 1000 hhm auf 30 km, daür haben wir über acht Stunden gebraucht! Wir waren fertig und wurden nervös. Es ist August und die bergischen 50 sind auch im August. Das Positive, Fuß war lieb. Uns war klar, wir müssen nochmal wandern üben. Doof nur, dass ich aus dem Urlaub kam und sie fuhr. Also irgendwie mussten wir da alleine durch.

Warum ich mir die Seite des Monschau Marathon angeguckt habe? Weil Conny da lief und Anja?
Macht so einen Ausflug jedenfalls leichter :)
Ich glaube ja nicht an Zufälle. Jedenfalls stolperte ich über "Marathon Walk". Die Ausschreibung klang sehr interessant: Für weniger geübte Marathonis und Genießer wird der Monschau-Marathon als [Nordic-] Walk angeboten. Erlaubt sind Walken, Wandern, Marschieren oder auch als weniger trainierter Marathoni, Laufen.Es kann deshalb im „Walk-Bereich“ zu sehr unterschiedlichen Zeiten kommen, die der Veranstalter und die Teilnehmer aber in Kauf nehmen.

Es musste etwas Ausgeschildertes sein. Ohne meine Freundin bin ich in der Natur verloren.
Ich mache es kurz, ich habe vier Tage überlegt und Conny am Samstag eine pN geschickt. Sie war früher vor Ort und hat mich angemeldet. Nun gab es kein zurück. € 45,- als Nachmelder setzt man nicht mal so eben in den Sand.

Abend um 20 Uhr in Konzen angekommen. Conny hat mich auf der grünen Wiese empfangen und mir einen Parkplatz neben ihrem Zelt freigehalten. Sogar einen Campingstuhl hatte die Gute für mich dabei. Danke! Es war ein kurzer aber extrem netter Abend. Und es war eine kurze, aber extrem schlechte Nacht im Auto. Um 5 Uhr ging der Wecker und ich war völlig orientierungslos. Dennoch fand ich zum Start. Wir Walker wurden einzeln eingecheckt und ich ging um 6:10 auf die Strecke. Die Ultras starteten gleichzeitig, liefen aber in entgegengesetzte Richtung noch eine Schleife von 14 km.

Sentimentalmodus ein: anfangs scheinbar unerreichbar, zogen die Kilometer quasi an mir vorbei. Eine traumhaft schöne Strecke, Frühnebel auf den Wiesen. Wetter perfekt, wunderbar kühl, trocken. Diese Ruhe. Ich bin so dankbar für die Natur, sie gibt mir wirklich Kraft. Sentimentalmodus aus.

Die ersten Ultras sammelten uns ein, irgendwann auch die ersten Marathonis, die um 8 Uhr gestartet sind. Das machte die ganze Veranstaltung echt interessant. Wir hatten alle die gleiche Strecke. Erstklassig ausgeschildert, war ja auch der 40. Marathon, die Monschauer können das!

Trotzdem war ich bis Kilometer 30 auch irgendwie angespannt und bremste mich immer ein bisschen. Der Kopf sagt immer: das kann nicht sein, du bist nicht gut genug trainiert. Ab und zu lief ich bergab. Tatsächlich war das für mich einfacher als schnell zu gehen. Aber was kann ich leisten nach sechs Wochen Pause? Was soll ich mich trauen? Was kann ich versuchen, ohne Schaden zu nehmen. Was verträgt der Fuß und überhaupt... Bekomme ich rechtzeitig ein Signal, jetzt reichts? Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Einiges ist Kopfsache, diese Lektion habe ich verstanden. Von Anfang an, und das wird mir nun beim schreiben klar, waren die 30 in meinem Kopf. Wenn ich das schaffe, dann sind es nur noch 12 Kilometer. Machbar, vorausgesetzt ich bin bis dahin schmerzfrei.

Und es lief. Bei km 32 sammelte mich Anja-ihr-Liebster ein, ich lief ein paar Meter mit ihm. Und dann guckte ich in regelmäßigen Abständen nach hinten, da ich ja auch noch Anja und Conny erwartete. Sie sollten mich nicht mehr einholen und es tut mir leid, dass es für sie nicht so gelaufen ist, wie sie es sich gewünscht haben.

Die letzten fünf wurden dann echt hart. Es gab fiese Asphaltstrecken berbab, das tat richtig weh in den Oberschenkeln. Ich sammelte einen Walker ein "300 Marathons" stand auf dem Shirt. Kurz später holte er mich wieder ein und verwickelte mich in ein Gespräch. Zu dem Zeitpunkt wollte ich eigentlich nur noch ins Ziel. In kürzester Zeit erfuhr ich, dass er 77 ist, letztes Jahr hier in Monschau noch gelaufen ist, zum zweiten Mal Krebs hat, ein Blasenprobelm hat und mit Katheter läuft, außerdem eine neue Hüfte braucht, dieses Jahr schon 24 Marathons gelaufen ist und nächste Woche zum Arzt muss, um zu besprechen wie es weiter geht. Viel Zeit hätte er nicht, weil er am nächsten WE einen Marathon laufen muss. Seine Frau wartet darauf, dass er den Schalter umlegt.
Dann musste er anhalten. Er tat mir sehr leid, aber das waren mir echt zu viele Schicksale, in der Kürze der Zeit, für nur einen Menschen. Ich klopfte ihm auf die nasse Schulter und wünscht ihm alles Gute.

Und dann war da das Ziel in Konzen! Das ganze Dorf auf den Beinen. Großartige Stimmung auch schon vorher auf der Strecke. Hammer die Eifler. Mir kamen doch tatsächlich die Tränen. Gibts denn sowas? Du bist doch nur gewalkt, das ist ja peinlich. Doof dieser Gedanke, aber den hatte ich tatsächlich. Alle Ankommenden wurden mit Namen begrüßt, wir Frauen bekamen eine langstielige rote Rose überreicht, die Urkunde und eine Medaille. Frauenversteher die Monschauer ;)

Im Ziel dann noch Maren und Jan gefunden. Nur einmal beim Rennsteig getroffen und doch wiedererkannt. Sehr nett euch, wenn auch nur kurz, mal wiedergesehen zu haben.

Ich bin immer noch ein bisschen verwirrt und erstaunt über dieses verrückte Wochenende.

Da versuche ich über zehn Jahre einen Marathon zu laufen. Jedesmal, wenn ich die Umfänge erhöht habe, kam eine Verletzung. Ich habe an beiden Beinen, von den Knieen abwärts, quasi alle Läuferverletzungen durch und nach meinen schweren Bandscheibenvorfällen im letzten Jahr beschlossen, ich bleibe bei den Halben und bin froh, wenn ich das noch ein paar Jahre schaffe. Ich habe meinen Frieden damit.

Und nun öffnet sich doch wieder ein neues Fenster. Ich fand das Erlebte großartig. Die Mischung aus schnell gehen und langsam laufen in der Natur. Für mich perfekt. Im nächsten Jahr versuche ich das dann mit einer Fünf vorne.

Mein Fazit:
Monschau ist klasse.
Ich habe eine ganz vernünftige Grundlagenausdauer.
Ich bin ein bisschen zäh.
Auch walken tut irgendwann weh.
Ich kann mich 42 km beeilen und brauche dafür 6:12:10.
Und nein, mich reizt kein "normaler" Marathon. Nur rennen, das ist nichts für mich.

Ich glaube, ich habe ein neues Hobby

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Alles richtig gemacht, außer...

...den Kaffee am Morgen ;-)
Nächstes mal stehe ich mit Dir auf, dann klappts auch mit dem Kaffee. Dann fange ich auch um 6 an. Ob mit Laufen oder Walken, das kann ich mir ja bis dahin noch überlegen.

Ich freue mich jedenfalls sehr, dass es für dich so großartig funktioniert hat trotz der Drumherum-Hektik und den Gartenstuhl-Sturz.
Für die Bergische 50 wünsche ich Dir gute Beine und perfektes Wetter!
Liebe Grüße, Conny

Wow! Was für ein Bericht!

Wow!
Was für ein Bericht! Spannend, total interessant und klasse!
Und was heißt hier überhaupt "nur gewalked"? 42 km sind 42 km...
Ich freue mich sehr für dich, das es so toll geklappt hat, das du Spaß hattest, das du dir die Rose geholt hast.

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Sooooo schön,

sowohl gewalkt als auch geschrieben.
Ich freu mich riesig für Dich, dass das alles so gut geklappt hat und außer den Oberschenkeln nichts muckt. Aber das dürfen die nach der Anstrengung auch mal für ein paar Tage.
Welches Stück Ahrsteig hattet ihr euch denn ausgeguckt?
Bin schon auf den Bericht zur Bergischen 50 mit 50 gespannt ;o)

LG,
Anja

Einfach Klasse!

Wenn sich Fenster öffnen ist das schon mal alleine prima. Und wenn du eine "Gangart" gefunden hast, die dir gut tut und Spaß macht - unbezahlbar! "Nur" walken? Was soll das heißen??? Du bist in Bewegung, und das zügig, also wer definiert, was "nur" walken ist?? Ich erinnere mich an einen Film über Badwater Teilnehmer, da war ein Mensch dabei (ich meine aus Florida), der sagte, er hätte aus Verletzungsgründen sich eine Art "jalking" angewöhnt, damit kam er prima durch. Kommt dir das bekannt vor? Muss ja nicht gleich Badwater sein ;-)))) Und übrigens: (fast) alle Ultras walken hin und wieder.... ;-))) *OkSchalknichtaberdieNormalen*

Glückwunsch zu allem und danke für den Bericht, der bestimmt einigen hier Mut macht!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Kniescheibe ist wieder daaaaaa! *freufreu* :o)))

Und "Bämmmm", gleich mit einem Marathon kurz nach dem Bänderriss....fantastisch!!! Respekt und Anerkennung und ich freu mich total, wieder von Dir zu lesen und dann so positiv!!! :o)
Zwischen Laufen und Wandern gibt es so viele Stufen, warum soll man immer in zwei Lager teilen?!!!
Klar, mit der Länge der Distanz tut irgendwann alles weh, aber wenn man so eine Beisserin ist, wie Du, kein Ding! Dann gehen auch die letzten paar "Krötenkilometer" noch und dann ist das Ding im Sack und zugeschnürt! ;o)
Klasse, gratuliere ganz herzlich zum Mara und Wiedereinstieg und Genehsung und sowieso, sieht verdammt gut aus bei Dir!! :o))

Ganz liebe Grüße Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

5 Sterne von mir.

"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

Ja, super!

Dieses Erfolgserlebnis freut mich sehr für dich! Glückwunsch zur perfekten Grundlagenausdauer!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links