Kauf doch deine Geschenke über diesen Link und unterstütze damit jogmap.

Topangebot der Woche

Benutzerbild von dfrobeen

Whew - ich bin selbst gespannt, was aus diesem Blog wohl wird. Mein vergangenes Wochenende in Roth war aus sportlicher Perspektive sicher mit das emotionalste, was ich je erlebt habe. Vielleicht kann vergleichbar noch mein erster Boston Marathon in 2014 mithalten, wo ich mich jahrelang versuchte zu qualifizieren, dann um 19 Sekunden gescheitert war, über eine Art Wild Card vom Veranstalter doch einen Platz bekam und dann unter einem kompletten Endorphinschub bei perfekten Bedingungen meine wahrscheinlich auf ewig sportlich beste Leistung zeigte und den schwierigen Kurs in 2:49:53 Stunden absolvierte. Aber das ist Vergangenheit - jetzt ist Roth.

IMG_1969

Dieser Blog ist im Grunde eine Fortsetzungsgeschichte meines letzten Blog. 2 Wochen zuvor habe ich beim Ironman Frankfurt meine persönliche Bestleistung auf die Triathlon-Langdistanz um 10 Minuten auf 10:37 Stunden verbessert. Die Frage ist jetzt natürlich, warum man sich so etwas antut - zwei Langdistanzen (3,8km schwimmen, 180km radfahren, 42,195km laufen) innerhalb von zwei Wochen? Es lag an meinem Sturz bei exakt dem gleichen Rennen vor einem Jahr. Anfang Juli hatte ich nochmal für den Ironman Frankfurt gemeldet. Ich liebe wirklich die Challenge Roth - es ist der beste, familiärste, sympathischste Triathlon der Welt. Aber ich dachte, dass mir die Streckenführung in Frankfurt eher in die Karten spielt um mal meinen Traum von einer Langdistanz im Bereich von 10 Stunden zu erfüllen.

IMG_2019

Am 12.Juli startete ich bei der Challenge Roth und fuhr etwa bei km98 des Radsplits mit 46,2km/h frontal gegen eine Verkehrsinsel. Ich brach mir das Schlüsselbein und vier Wirbel. Noch zwei Tage nach dem Sturz gaben die Ärzte im Krankenhaus eine 10% Chance, dass ich den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringen würde. Ich hatte Glück - kam sowohl um den Rollstuhl, als auch eine Operation an den Wirbeln aus und ein nicht unerheblicher Neuanfang in meinem Leben begann.

IMG_2002

Ich verbrachte insgesamt eine Woche in der Kreisklinik Roth und wurde so gut behandelt und betreut, wie ich es mir nicht hätte besser vorstellen können. Insgesamt war ich 14 Wochen krank geschrieben, konnte 10 Wochen keinen Sport betreiben und begann danach auch einen sportlichen Neuanfang. Zwischenzeitlich wurde ich auch von Felix Walchshöfer eingeladen und wir verbrachten einen tollen Vormitag bei ihm im Headquarter der Challenge Family.

IMG_2108

Alle Ärzte, alle Schwestern, alle Ersthelfer und ausgemachte Augenzeugen, die ich nach dem Sturz mühsam recherchiert hatte und nicht zuletzt Felix persönlich animierten mich auch im kommenden Jahr wieder an der Challenge Roth teilzunehmen und mein Rennen aus 2015 zu Ende zu führen. Ich hatte natürlich im Hinterkopf, dass ich schon für Frankfurt gemeldet war und fand die Idee erst noch absurd. Aber nach und nach sah ich ein, dass ich hier einer emotionalen Verpflichtung unterlag. Ich war es allen diesen phantastischen Freunden und Helfern einfach schuldig zurück zu kommen. Also meldete ich und war gespannt, wie es sich wohl anfühlen würde.

IMG_2083

Getreu dem Motto "nach dem tapern ist vor dem tapern", bestand also nach Frankfurt meine ganze Konzentration darauf, das Rennen so schnell wie möglich wegzustecken und in Roth wenigstens einen vertretbaren Zustand zu erreichen um mein Rennen ins Ziel zu bringen. Die Zeit war mir relativ egal, allerdings ist es auch nicht mein Stil so ein Rennen gemütlich anzugehen und entspannt in 14 Stunden über die Ziellinie zu bringen. In den zwei Wochen war ich insgesamt dreimal laufen, jeweils etwa ein Halbmarathon mit verschieden kurzen und schnellen Temposteigerungen. Außerdem fuhr ich eine 70km-Radeinheit, bei der ich eine Stunde, also 36,2km Renntempo simulierte. Das war meine Vorbereitung auf Roth. Schwimmen war ich in der Heimat in Berlin gar nicht mehr. Erst bei den beiden offiziellen Schwimmtrainings in Roth schwamm ich jeweils etwa 1250m im Kanal und am Tag vor dem Rennen folgte noch eine flotte 45minütige Vorbelastung auf dem Rad in etwa 34er-Schnitt. Und dann auch schon der Rennsonntag.

IMG_2011

Der Tag begann für mich um 3:40 Uhr. Durch meine niedrige Startnummer 471 war ich schon für den Startschuss um 6:40 Uhr eingeteilt und es galt wie gewohnt 3 Stunden vor dem Wettkampf meine letzte feste Mahlzeit zu mir zu nehmen. Da ich wieder bei den besten Hosts der Welt, Bernd und Manuela, unweit vom Schwimmstart und Solarer Berg wohnte, benötigte ich per Auto nur 5 Minuten zum Schwimmstart. Der emotionale Teil des Tages begann mit dem betreten der Wechselzone. Felix Walchshöfer persönlich stand am Eingang, begrüsste mich mit einem Lächeln, sowie einer sehr herzlichen Umarmung und wünschte mir ein gutes Rennen. Ich möge doch diesmal um die Verkehrsinseln drumherum fahren.

IMG_2134

Einmal an meinem Fahrrad dann die nächste Überraschung. Wettkampfrichterin Monika begrüßte mich ebenso herzlich. Sie war im Vorjahr diejenige, die nur wenige Minuten nach meinem Sturz am Unfallort eintraf und die komplette medizinische Erstversorgung einleitete. Der Rest meiner Vorbereitung der Wechselzone lief gewohnt ab und kurz nach halb 7 ging es dann ins Wasser.

Mein Startschuss ertönte, da war die erste Startgruppe bereits seit 10 Minuten unterwegs. Vorne weg agierte dort Jan Frodeno, der an diesem Tag ein Stück Sportgeschichte schrieb.
Der Schwimmsplit verlief für mich vergleichbar wie in Frankfurt. Völlig abweichend zu vergangenen Jahren, machte mir die Distanz auch hier in Roth keinerlei Mühen. Ich spulte meinen Schwachpunkt im Ausdauerdreikampf einfach ab und hoffte nicht allzu viel Zeit unterwegs zu verlieren. Ich scheiterte erneut an diesem Vorhaben. Es ist schon bitter. Ich bin immer schon ein schlechter Schwimmer gewesen. Aber was ich einfach nicht verstehe, warum meine Performances einfach immer noch schlechter, als besser werden. Mein erster Ironman war mit einer 1:22 Std. dahingehend noch der Beste. dann kam eine 1:29 und im letzten Jahr hoffte ich nach der 1:23 in Roth, dass es wieder in die richtige Richtung geht. Diese Hoffnung ging komplett verloren, als ich in Frankfurt eine 1:29:59 schwamm, mich aber glücklich schätzte, dass es immerhin nicht über 1:30 Stunden war.

20x30-ROUD0000

Aber auch diese Grenze überschritt ich nun in Roth und stieg nach 1:32:58 Stunden aus dem Wasser. Mein Ärger darüber war dennoch geringer, als derjenige über die 1:29 in Frankfurt. Erstens hatte ich zwei Wochen Zeit um zu realisieren, dass es auch auf schlechtem Schwimm-Niveau noch weiter bergab gehen kann. Außerdem war mir die Zeit in Roth wirklich egal und ich freute mich nun auf den Rad- und Laufsplit.

20x30-ROTA2163

Vorher erfreute ich mich aber sehr über die Zurufe in die Wechselzone. Meine Hosts waren samt Tochter Leni zu unchristilicher Zeit zum Schwimmausstieg gekommen um mich anzufeuern. Bevor ich mein Rad aus der Wechselzone schob, winkte ich lächelnd den Freunden zu und schwang mich auf den Sattel.

Hier war ich nun komplett im "Egal-Modus". Schon nach der 1:32 beim Schwimmen war jegliche Hoffnung auf eine überraschende Zeit verflogen. Außerdem rechnte ich schon fest damit, dass ich beim Radfahren, spätestens aber dem Laufsplit einen herben Einbruch erleben würde. Ich fuhr also recht konservativ los und genoss die Stimmung, sowie die spektakuläre Streckenführung zu Beginn am Rothsee vorbei und in bergab führenden Schikanen nach Eckersmühlen.

20x30-ROTC1675

Nach diesem ersten Geschwindigkeitsrausch, befand ich mich nun gedanklich in der Vorbereitung darauf, gleich erstmals in diesem Rennen an meiner Verkehrsinsel in Laffenau vorbei zu fahren. An der Zufahrt nahm ich etwas Tempo raus und wollte aktiv beobachten, was mich dort erwartete. Ich hatte etwas auf Julia, die Dorfbewohnerin von Laffenau gehofft, die letztes Jahr als Zuschauerin an der Insel stand und die allererste Versorgung übernahm. Aber sie war leider nicht da. Dafür gab es eine andere sehr schöne Überraschung und Monika stand leibhaftig an der Insel, hatte die Fotokamera in der Hand und knippste lächelnd und winkend meine Vorbeifahrt.

DSC01473

Ich freute mich irre und nahm wieder Fahrt auf. Insgesamt stresste ich mich aber nicht auf der Fahrt. In Frankfurt bin ich einen sehr hohen Anteil Aeroposition gefahren und bekam zum Ende hin Rückenschmerzen. Hier in Roth hatte ich keine Lust mich zu quälen - zumindest nicht mit Rückenschmerzen. Ich fuhr immer wieder aufrecht und sowieso immer gerade so, wie es mir gefiel. Nur nach etwa 60km merkte ich, dass ich trotz aller Genussfahrt, dass ich gar nicht so langsam unterwegs war, wie ich eigentlich im Genussfahrt-Modus von mir erwartete. Der Schnitt lag irgendwo knapp um die 35km/h und da ich die Strecke in Roth mittlerweils mehr als gut kannte, wusste ich, dass nun auch nichts mehr kam, was mir den Schnitt signifikant zerhauen würde.

13707626_1359452600749477_7874696321412939688_n

20x30-ROTD8110

Bei km73 dann der Solarer Berg - der Mittelpunkt des Triathlon-Universums. Der Punkt, der auch einem Jan Frodeno auf seiner Weltrekord-Fahrt zweimal ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde. Nach der Hälfte es Radkurses war ich 2:33:39 Stunden unterwegs, was einem 35,15km/h-Schnitt entsprach. Wie schon im Vorjahr kam auf der zweiten Runde mehr Wind auf, weshalb es den meisten Teilnehmern nicht gelang, die erste Rundenzeit zu bestätigen. Im Vorjahr, hatte ich mich ja um den Rundenzeitenvergleich gedrückt, in diesem Jahr stoppte die Uhr nach 5:15:14 Minuten für die 180km Radstrecke. Die zweite Runde dauerte also 2:41:35 Stunden. Immerhin auch noch ein 33,42-Schnitt.

20x30-ROTK2718

Jetzt kam die große Spannung. Auf den ersten Lauf-km würde sich entscheiden, wie lang der Tag wohl werden würde. Auf dem Rad fühlte ich mich noch ganz gut und hatte den Eindruck nicht alle Körner verspielt zu haben. Aber als es dann tatsächlich auf die Laufstrecke ging, merkte ich sehr schnell, dass es keine Sensation geben würde, bei der ich die Zeit aus Frankfurt nochmal verbessern würde. Ich suchte ein Tempo, welches sich bequem anfühlte. In Frankfurt war es noch 4:50 pro Kilometer, in Roth startete ich mit einem 5:07-km bergab und pendelte mich danach erstmal um die 5:40-Pace ein. Damit war dann auch die grobe Zielsetzung klar. Ein 4-Stunden-Marathon ist im Schnitt eine 5:41 - also schmiedete ich das Ziel den Marathon unter 4 Stunden zu laufen. Ernsthaft daran geglaubt habe ich zumindest die nächsten dreieinhalb Stunden nicht.

Vor zwei Jahren an gleicher Stelle bin ich beim km2-Schild erstmals gegangen, es fühlte sich grauenhaft an - war allerdings auch entspannte 38 Grad Celsius warm. Im Vorjahr hatte ich mir extra zu diesem Zweck die Laufstrecke sehr detailliert filetiert und in kleine Häppchen eingeteilt. Die mühsam erarbeitete Theorie konnte ich bekanntlich nicht in die Praxis umsetzen.

Auch in diesem Jahr, kam bei mir bei km3 der gleiche Gedanke hoch. Die Idee jetzt einen Marathon zu laufen klang absolut absurd. Ich war im Arsch und außer der Erholung auf dem Sofa fiel mir absolut nichts vernünftiges ein, was ich in den nächsten knapp 4 Stunden so treiben sollte. Ich motivierte mich wie schon vor zwei Jahren mit der Regelmäßigkeit der Verpflegungsstellen. Ich dachte, wenn ich bis zur Verpflegung bei km5 laufe, hätte ich schon mal was zum Lauf vor zwei Jahren gewonnen und damit eine plausible Erfolgsstory.

Bei der Verpflegung bin ich tatsächlich stehen geblieben und habe erst einen Haufen Wassermelone gegessen, bevor ich einen kräftigen Schuss Salz gegen potentielle Krämpfe in einen Becher Red Bull kippte. Das war eine köstliche Mischung! Es ging weiter und und lief den sechsten Kilometer mit Mühe und Not unter 6 Minuten. Dann sollte sich die gesamte Rennplanung auf den Kopf stellen.

Von hinten kam Mannschaftskameradin Katharina angelaufen und amüsierte sich über meinen Laufstil. Sie war 10 Minuten hinter mir gestartet, entpannte 37 Minuten (!!!) schneller geschwommen (insgesamt 15. Schwimmzeit), dann gewohnt etwas langsamer als ich Rad gefahren. Erst die von ihr zu bewältigende Strafrunde bei km1,5, die sie wegen eines Windschattenverstosses laufen musste, warf sie im Rennen wieder hinter mich zurück.

Wir rannten nun eine Weile gemeinsam und unterhielten uns so über die weitere Rennplanung und das Leben im Allgemeinen. Ich erzählte ihr mein Vorhaben den Marathon unter 4 Stunden zu laufen und lachte mich parallel innerlich tot. Der Gedanke war absurd und ich würde nach einer Ausrede suchen, weshalb ich endlich gehen kann und sie nach vorne weg laufen lasse.

Das mit dem weglaufen ergibt sich schon recht flott, denn ich verliere einen Moment lang den Anschluss, Katharina läuft plötzlich etwa 10 Meter vor mir. Doch irgendein Blitz trifft mich im Kopf und ich beschließe, dass es viel angenehmer ist, gemeinsam auf der Laufstrecke einzugehen, als es für sich alleine zu tun. Ich laufe die Lücke wieder zu, begrüße Katharina erneut und kündige unsere weitere gemeinsame Zeit auf derLaufstrecke an.

Nach gut 10 Kilometern geht es schräg links vom Kanal aus zur Schleuse runter. Unten erwartet uns die mittlerweile sechste Verpflegungsstelle und ich hatte mir zwischendurch überlegt, dass ich bei jeder dritten etwas mehr Zeit verbringe um mich zu stärken und die jeweils nächsten fünf km motiviere. Ich esse wieder Wassermelone, trinke alles, was ich in die Finger bekomme und stecke meinen Kopf einmal tief in den mit Schwämmen gefüllten Wasserbehälter am Streckenrand. Danach geht es gleich weiter - und Katharina scheint sich sogar noch mehr Zeit bei der Verpflegung gelassen zu haben - sie läuft jetzt ein ganzes Stück hinter mir.

Ich drehe mich mehrfach um und lasse sie wieder auflaufen. Es geht nun gemeinsam in einen Ort, den es durch die Streckenführung dreimal zu durchlaufen gilt. Vor der dritten kleinen Schleife, ruft mir Katharina zu, dass ich mein Ding machen soll - sie hat jetzt ihren Hänger. Bei km15 geht es wieder an der Schleuse vorbei und eine unangenehme Steigung hoch zurück an den Kanal.

An dieser Stelle hatte ich vorhin noch Sidney entgegen kommen sehen. Er ist auch in meinem Team Zoot Tri Europe und hatte eine Zeit deutlich unter 10 Stunden angepeilt. Er war auch noch gut 5 Kilometer vor mir, also nicht komplett von seiner Zielsetzung entfernt. Für mich ging es nun am Kanal entlang zur Brücke, die etwa die Halbmarathonmarke kennzeichnet. Auf dem Weg dahin läuft auch Katharina wieder auf - sie hat ihre Krise überwunden. Wir laufen wieder ein paar Minuten zusammen, bis sie sich wiederum bei km19 absetzt und ich ihr hinterher rufe, dass sie ihr Ding machen soll.

Den Halbmarathon habe ich nach 1:58 Stunden erreicht. Einerseits war dies eine höchst erfreuliche Überraschung, denn noch vor über eineinhalb Stunden hätte ich mir niemals zugetraut, dass ich überhaupt den Halbmarathon fast komplett im Laufschritt absolvieren würde. Andererseits verabschiedete ich mich komplett vom Gedanken, den Marathon unter 4 Stunden zu laufen. Nochmal die gleiche Zeit zu laufen, war für mich komplett undenkbar.

Was mich noch motiviert, ist die Tatsache, dass es nun nur noch drei weitere Kilometer entlang des Kanals geht, bevor es einerseits rechts ab ein Stück durch den Wald geht. Zusätzlich freute ich mich wie Bolle darauf, dort erneut Bernd, Manuela und Leni zu sehen, die dort traditionell das Rennen im Biergarten von Haimpfarrich begutachteten. So lange musste ich aber gar nicht für weitere Anfeuerungsrufe warten. Schon vorher sah ich Torben und Susanne aus meinem Zoot-Team. Torben war wie ich schon beim Ironman Frankfurt gestartet und wurde durch einen Radsturz vom Plan rausgerissen, sich für Hawaii zu qualifizieren. Hier in Roth waren sie als Zuschauer zu Gast und ich freute mich sehr über die unerwarteten Anfeuerungsrufe.

Diese wiederholten sich wenig später wie erwartet beim Biergarten und Leni schoss ein tolles Foto, aus dem meine Freude über die bekannten Gesichter hervorgeht. Irgendwie war hier ein Wendepunkt meiner Stimmung. Habe ich vorher noch die Kilometer runtergezählt, war ich von nun an einerseits in einer Art Tunnel und wollte völlig unabhängig von meinen Schmerzen und Erschöpfung in den Beinen, einfach nur noch ins Ziel. Andererseits fiel mir hier die Laufstreckenfiletierung noch leichter. Es ging jetzt 3km durch den Wald und durch Eckersmühlen zum Wendepunkt, dann die gleiche Strecke bergab wieder zurück, dann nochmal 3km am Kanal entlang und von dort aus wiederum nur noch zurück nach Roth und ins Ziel. Es tat im Kopf gut, dass die Teilstrecken der Filetierung nun 3km lang waren und nicht mehr 5, wie bisher im Rennen.

IMG_2226

Oben am Wendepunkt standen erneut Torben und Susanne und feuerten an. Ich konnte meinerseits Katharina anfeuern, die jetzt wieder litt, bzw. ich vielleicht durch das emotionale Hoch nochmal Tempo aufnahm. Ich erlaubte mir den Spruch, dass es doch reichlich ineffizient ist, dass wir fast die gesamte Strecke allein laufen um dann doch am Ende nur wenige Minuten auseinander - wenn überhaupt - durchs Ziel zu laufen. Zu ihrem eigenen Glück hat sie meinen Spruch aber nicht verstanden und es als Angriff verstanden, sie würde mit ihren Gehpausen bei Verpflegungen ineffizient für ihren Wettkampf agieren. Ihren eigenen Worten zufolge war dies die Hauptmotivation, dass sie überhaupt noch laufend dem Ziel entgegen lief. Eigentlich war sie komplett durch.
Mir war jetzt alles einfach egal. Ich war erstmals optimistisch, dass ich das Rennen tatsächlich unter 11 Stunden beenden würde. Um den 4 Stunden-Marathon kümmerte ich mich noch nicht so sehr, zumal mein Blick auf die Uhr auch prophezeite, dass es eng werden würde. Es war aber auch einfach fast unmöglich überhaupt noch zu rechnen. ich wollte nur noch ins Ziel.

Bei km31 des Marathon saßen dann erneut Bernd und Manuela am Rand und feuerten mich an. Jetzt ging es zurück an den Kanal. Ich sah mir viele Läufer entgegen kommen und freute mich, dass ich es gleich geschafft habe und diese wohl neidisch sein würden, dass sie mehr als 6km hinter mir lagen.

Ich sah am Rand einen Läufer, der völlig verzweifelt versuchte, sich Krämpfe weg zu drücken. Mir fielen die Salzbeutel in meiner Tasche ein, die ich nun auch nicht mehr brauchen würde. Ich gab sie ihm und wünschte ihm viel Glück für den Rest der Strecke.
Die 3km am Kanal waren schnell geschafft und es folgte das letzte Stück der Strecke, vor dem ich etwas Angst hatte. Es kam die Überführung vom Kanal nach Roth rein und hier hatte ich zuletzt ganz bitter gelitten, als ich eigentlich zum ersten mal mein Sturz-Rennen in Roth beendete. Ich war so bekloppt, gleich am Wochenende, da mein Arzt in Roth mir erklärte, dass ich wieder Sport machen dürfe, sowohl die verbleibende Radstrecke, als auch den Marathon zu absolvieren. Insbesondere der Marathon nach 10 Wochen kompletter Sportpause war schon grenzwertig. aber ich fand es geil, als ich es geschafft habe. Das Stück der Überführung nach Roth war aber die ultimative Hölle und es fiel mir sogar schwer, überhaupt zu gehen.

Heute kämpfte ich mich aber auch hier durch und nun folgte der Rest, der in Roth ein reines Schaulaufen ist. Es geht durch die Stadt, wo einen hunderte Zuschauer erwarten. Ab hier konnte einem eigentlich nichts mehr wehtun. Ich durchlief den Marktplatz und die anderen Schleifen durch die Rother Innenstadt, bevor es den allerletzten Zubringer, diesmal zum Triathlonpark zu laufen galt, wo die Ziellinie auf mich wartete.

20x30-ROTW1638

Das Gefühl war unglaublich. Ich hatte es geschafft. Letztlich würde ich sogar feststellen, dass ich den zweiten Halbmarathon in 1:57 lief, also eine Minute schneller, als das erste Teilstück. Insgesamt beendete ich das Rennen in 10:47 Stunden, 10 Minuten langsamer, als meine Bestzeit zwei Wochen zuvor in Frankfurt. Aber die Zeit war egal.

20x30-ROTR0932

Jetzt kam der unglaublich emotionale Moment des Zieldurchlaufes. Ich hatte es geschafft. Das Rennen heute und auch wirklich final das Rennen aus dem Vorjahr beendet. Die Freude war riesig und ich danke den offiziellen Fotografen, dass sie genau diese Freude auch in einem tollen Foto festgehalten haben.

13781912_1359451054082965_4804772287087587018_n

Hinter der Ziellinie ging es mit Überraschungen weiter. ich kam aus der Freude gar nicht mehr raus. Mein ganzes Zoot Team vom Messestand jubelte mir zu und wenige Sekunden danach vernahm ich Bernd und Manuela, die erstmals in ihrer Zeit als Anwohner in Hilpoltstein, beim Triathlon den Weg zum Ziel nahmen. Ich war glücklich.

IMG_2227

Kurz nach mir kam Sidney ins Ziel, den ich bei km41 überholte und ich dadurch auch noch als erster Zooter ins Ziel kam. Noch ein paar Minuten danach folgte Katharina, die sich durchgekämpft und durch die spätere Startzeit ihr Rennen sogar 6 Minuten schneller als ich beendete.

IMG_2206
13775514_10206562745163047_2851127369182478699_n

Die Glückseeligkeit hält an. Es läuft gerade einfach bei mir, wenngleich ich sportlich jetzt tatsächlich etwas kürzer trete. Jetzt, da ich diesen Blog schreibe, kuriere ich eine mittelschwere Nebenhöhlenentzündung aus, geniesse ein freies Wochenende mit vollends Fokus auf mein privates Glück und regeneriere nach Kräften. Heute kam die offizielle Einladung zur Mitteldistanz-Europameisterschaft am Walchsee...eine gute Motivation um mich in den nächsten Tagen auch so ganz langsam wieder ausdauersportlichen Aktivitäten zu widmen.

IMG_2154
IMG_2166
IMG_2190
13754133_1359451640749573_4065489163107817375_n

5
Gesamtwertung: 5 (13 Wertungen)

die Emotionen

springen förmlich aus deinem Bericht!!!

Wir haben übrigens beide eine Gedenkminute an "deiner" Verkehrsinsel eingelegt und mit Erleichterung beobachtet, dass sie dieses Jahr gut abgesichert war. Der Fahrer des RTWs war sehr erfreut zu hören, dass es dir gut geht und du schon wieder auf der Strecke bist. Du hast da echt für Schlagzeilen gesorgt ;-))

Wie man in zwei Wochen zwei Ironmen hinbekommt ist allerdings etwas, was ich nie verstehen werde. Meine Achtung ist dir gewiss!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Geht mir genauso

Toller Bericht - aber mal eben zwei Langdistanzen hintereinander sind auch für mich unvorstellbar. Die Schwimmzeiten hätte ich genommen - Frankfurt unter 1:30h wäre gar Bestzeit gewesen.

Ja, es läuft bei Dir und das freut mich nach der Vorgeschichte umso mehr. Weiter gute Rennen!

Jau !!!

Du hast es zuende gebracht und nach einer tollen Leistung in Frankfurt auch noch Roth mit einer sehr guten Zeit und noch mehr Emotionen ins wohlverdiente Ziel gebracht!
Diese Freundlichkeit der Helfer und aller Beteiligten, auch der Einwohner fand ich beide Male herausragend!
Deine Art ihnen allen zu danken für ihre Hilfe, finde ich auch klasse!
Gratuliere Dir ganz herzlich zu Frankfurt und Roth, das ist der Hammer!! :o)
Respekt und für die Zukunft alles Gute!

Liebe Grüße Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links