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Es war schon ein kleiner Stimmungskiller, als ich am Sonntag morgen um 8:26 Uhr aus dem Langener Waldsee ausgestiegen bin und einen Blick auf die Uhr geworfen habe. Für einen ganz kleinen Moment war ich noch begeistert, als ich die „9“ am Ende der Minutenanzeige gesehen hatte. Da hatte ich für den Bruchteil einer Sekunde gefreut, bis ich eine Ziffer nach vorne gesehen habe. Ich kann es mir bis heute nicht erklären. Das Schwimmen hatte sich so gut angefühlt – viel besser als bei jedem Ironman zuvor. Wurde es in meinen vergangenen Langdistanzen fast zum Überlebenskampf, schwamm ich in Frankfurt meine Schiene ganz entspannt durch.

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Beim zwischenzeitlichen Landgang hatte ich schon einmal einen Blick auf die Uhr gewagt. Nach knapp 1600 Metern war ich noch bei 34 Minuten. Das war voll im Zeitplan und machte Lust auf mehr. Gefühlt ging die zweite Schleife im Wasser ebenso flott voran – aber irgendwo muss ich die Zeit verloren haben. Statt der erhoffen 1:19:xx, stieg ich also nach 1:29:59 aus dem Wasser. Bis Sonntag hatte die offizielle Zeitmessung sogar eine 1:30:00 notiert, was zum Glück für mein Ego nachträglich aber noch korrigiert wurde. So kann ich immerhin noch sagen, dass ich unter eineinhalb Stunden geschwommen bin.
Während ich den unangenehm steilen Hügel zur Wechselzone hoch lief, galt es also nachzudenken und die Taktik des weiteren Wettkampfes zu modifizieren. Es gab eigentlich nur drei Szenarien: wenn es ganz perfekt läuft, dann möchte ich irgendwann nochmal auf eine sub10 gehen, dazu wäre für mich aber eine Schwimmzeit unter 1:20, sowie auf dem Rad irgendwas um die 5:05 notwendig. Szenario 2 ist dann eine solide Langdistanz im Rahmen meines momentanen Leistungspotentials und unter meiner bisherigen Bestzeit von 10:47 Stunden. Szenario 3 geht in die Richtung wie Roth vor 2 Jahren, als bei 38 Grad im Schatten lediglich das Wort „überleben“ im Vordergrund stand und die Zeit komplett unwichtig wurde.

Mit meiner 1:29 war der Ausnahmeplan „sub10“ schon gestorben. Wie heißt es so schön: man kann beim Schwimmen einen Triathlon nicht gewinnen, aber man kann ihn verlieren. Jetzt ging ich also wieder zum eigentlichen Masterplan über. Meine Taktik für die „Bestzeit sub10:47“ sah ein recht konservatives Radfahren voraus, damit ich mal beim Laufen auch wirklich die Zeit bringen kann, die ich mir im Rahmen einer Langdistanz vorstelle. Ich absolvierte also meine gewohnte Routine in der Wechselzone. Da ich noch einen kurzen Stopp an den Pissoirs einlegte, konnte ich noch nicht mal mit meinen ansonsten ja ganz brauchbaren Wechselzeiten glänzen. Knapp 1:35 Stunden nach meinem Start, ging es also auf die 180km lange Radstrecke.

Der Anfang ist extrem dankbar. Es geht die breite Bundesstraße von Langen aus nach Frankfurt. Flache Strecke, guter Asphalt, hohe Wettkampfmotivation. Da geht die Fahrt noch fast von ganz alleine. Es rollt nach Frankfurt rein, bei km8,7 werde ich von einem flotten Radler überholt. Es soll bis zuletzt das einzige Überholmanover eines Radlers im ganzen Rennen sein. Bis km22,9 bleibt es flach. Zwischenzeitlich fahren wir einmal durch die Frankfurter City und über die Hanauer Landstrasse nach Osten wieder raus.

Erst nehme ich an dieser Hauptstraße laute Beifallsrufe mit meinem Namen wahr. Es ist ein Teil meiner Zoot-Crew, die über das Event den Messestand verwaltet haben und nun die Zahlreichen Starter unseres Teams unterstützen. Wenig später fahre ich unter der Autobahn durch und passiere genau die Stelle, wo mir noch am Vortag beim letzten Einrollern eine Glasscherbe regelrecht Schlauch und Mantes des Hinterrades aufgeschlitzt hat.

Das hat mich am Wettkampfvortag schon Nerven gekostet. Es war mir eigentlich ganz gut gelungen, trotz der recht späten Anreise am Freitag abend, den Samstag sehr relaxed anzugehen. Ich finde zu einer Langdistanz gehört das allein schon aus Respekt vor den Distanzen einfach dazu. Ich kam Freitag an und hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, noch an dem Tag an meine Startunterlagen zu kommen. Da ich aber um 17:45 Uhr in der City war und die Startunterlagenausgabe bis 18:00 Uhr offen hatte, versuchte ich alles, um diesen Schritt sogar noch einen Tag vorher zu erledigen. Der Stau am Mainkai, hervorgerufen durch die Expo, sollte mir doch noch Stressfalten auf die Stirn zaubern. Ich drehte kurzerhand um, parkte mein Auto für ein paar Minuten wild und rannte zur Expo. Es war schon ein flottes Läufchen – das geht wohl auch schon als Vorbelastung durch – aber der Erfolg war, dass ich um 17:58 Uhr meine Unterlagen in der Hand hielt. Erleichtert ging ich zum Auto zurück – diesmal wirklich gemütlich – und stellte noch erleichterter fest, dass ich noch nicht mal ein Knöllchen für wildes Parken bekommen hatte.

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So konnte ich also zur Pastaparty fahren, wo ich Triathlonbuddy Britta und natürlich viele viele weitere Teilnehmer traf. Es gab ein ganz brauchbares Pastabuffet, ein halbwegs brauchbares Bühnenprogramm, bevor es in wiederum halbwegs brauchbarer Uhrzeit in Richtung meiner Unterkunft ging. So hatte ich für den folgenden Freitag eigentlich nur noch die Pflicht, den Rad-Check-In zu machen.

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Ich schlief erstmal aus und blieb auch dann gemütlich liegen. Die vorletzte Nacht vor der Langdistanz ist die wichtige, in der Nacht vor dem Rennen schläft man sowieso viel zu wenig und schlecht. Ich chattete mit meinem Edelsupporter Robin, wann dieser denn aus Braunschweig eintreffen würde. Wir einigten uns, dass ich ihn um 10:00 Uhr am Hauptbahnhof abhole und von dort aus ging es weiter zu einem herrlichen Frühstückslokal in Sachsenhausen. Nach einem wahren Fest von Frühstück, ging es zum Radladen, wo Robin ein Fahrrad ausgeliehen hatte. Er war die ganze Woche in Frankfurt und im Hinblick auf seine Langdistanz-Premiere in Roth, wollte er die Zeit dort auch zum radeln nutzen. Es dauerte eine Weile, bis der Radladen in den tiefen seiner Bestände noch Keo Look-Pedale gefunden hatte, die Robin für seine Radschuhe brauchte. Ich blieb aber entspannt im Auto und genoss die Ruhe. Außerdem regnete es noch recht heftig, so gesehen wären wir sowieso nicht sofort auf den Sattel geeilt.

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Irgendwann war es dann soweit und wir fuhren auf die Hanauer Landstraße um dort das Auto abzustellen. Ab hier konnte man gut einen Teil der Strecke abfahren. 40km sollten es werden und in denen waren die meisten Anstiege der Strecke enthalten. Der Nordteil der Schleife ist ohnehin größtenteils flach und dient dem Ballern. 2km bevor wir zurück am Auto waren, ging es unter der Autobahn durch. Wir hätten entweder über die Straße fahren können, so wie am nächsten Tag am Wettkampf, oder fein artig über den Radweg. Ich entschied mich für den Radweg und bereute es bitter. 1,2km vor dem Auto lagen Glasscherben – ich sah sie, konnte aber nicht mehr ausweichen. Mit einem Schlag leerte sich mein Hinterreifen und die spätere Analyse zeigte, dass er regelrecht aufgeschlitzt war. Keine Chance irgendwas von dem Material für den nächsten Tag zu verwenden. Also galt es einen Mantel und Schlauch zu kaufen.

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Jetzt war es mit der ganzen, schönen Ruhe dahin. Es sollte zeitlich schon alles klappen, aber ich wollte doch nicht auf die letzte Sekunde agieren. Mit neuem Material bewaffnet, fuhren wir Richtung Langener Waldsee, wo die Räder eingecheckt werden mussten. Robin übernahm am Parkplatz den Reifenwechsel und ich packte meine Wechselbeutel, sowie das Bekleben von Fahrrad und Helm mit Startnummern. Der Check-in verlief gewohnt unspektakulär. Ich stelle eigentlich immer nur Rad und Helm ab, die Wechselzone selbst richte ich am Morgen vor dem Rennen ein. Ein wenig Unruhe kam doch auf, als mir klar wurde, dass ich meine Beutel mit den Laufsachen doch hier vor Ort abgeben musste. Ich wollte es direkt an der zweiten Wechselzone machen, um auch gleich zu wissen, wo genau mein Beutel hängt. Aber es hätte zeitlich nicht mehr geklappt. Also rannten Robin und ich zum Auto und zurück, um den Beutel zu holen. Das sollte gleichzeitig auch meine Lauf-Vorbelastung sein. Nachdem der Beutel nun auch abgegeben war, sprangen wir noch für 15 Minunten in den Langener Waldsee und dann ging es zur Unterkunft.

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Wir waren um 20 Uhr da und es gab nun wirklich nichts mehr organisatorisch zu erledigen. Gute Voraussetzungen also für eine entspannte Nacht vor dem Wettkampf. Wenn da nicht der Konflikt mit dem Deutschlandspiel gegen Italien gewesen wäre. Das sollte wohl mehreren Teilnehmern so gehen. Anstoss war 21 Uhr. Vorher gehe ich eh nicht ins Bett, da würde ich stundenlang die Zimmerdecke anstarren. Aber das Spiel zu Ende gucken würde eine kurze Nacht, bei Verlängerung und Elfmeterschießen sogar eine sehr kurze Nacht bedeuten. Natürlich ging bekanntlich sogar das Elfmeterschießen in die Verlängerung, sodass ich um halb 1 tatsächlich im Bett lag. Super! Dreieinhalb Stunden Schlaf vor meinem ersten „Längsten Tag des Jahres“…optimal ist anders.

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Ich war also am Wettkampftag wieder auf der Hanauer Landstraße. Und da ich diesmal den Weg über die Straße nutzte, entging ich auch den gefährlichen Glasscherben auf dem Radweg. Bis km22,1 blieb es flach und ich war im Schnitt von 37,1km/h unterwegs. Nun folgten die ersten Hügel und der Schnitt war natürlich nicht mehr zu halten. Nach einem Drittel der Strecke lag beim Schnitt noch bei 35,5km/h und netto war ich ein ganzes Stück bergauf gefahren. Hier sollte ich aber einen großen emotionalen Hänger haben.

Diese Langdistanz verlief komplett anders, als alle bisherigen. Sonst war das Schwimmen eine Qual und der Radsplit verging trotz den mit Abstand größten Zeitanteils am Wettkampf, recht flott. Diesmal freute ich mich einfach nur auf’s Laufen. Das war mein ganzer Fokus. Und bei km60 auf dem Rad fiel mir ein, dass ich noch 120km ballern musste, um endlich in die Laufschuhe zu wechseln. Es kam mir alles wie eine Ewigkeit vor. Ich glaube es lag auch daran, dass weniger Konkurrenten um mich herum waren. Durch den rollenden Schwimmstart, war die Masse schon deutlich entzerrt. Aus Wettkampfsicht sicher eine erfreuliche Entwicklung. Dennoch fehlten mir etwas die Teilnehmer, mit denen ich mich auf dem Rad battlen konnte. Ich war schon seit 60km dabei mein eigenes Rennen zu fahren und sollte dies die nächsten 120km auch noch tun.

Es wurde aber noch schlimmer, denn in Friedberg wechselten wir die Fahrtrichtung nach Süden und ich realisierte, dass der Sprecher am Schwimmstart gelogen hatte. Er hatte angekündigt, dass es ein komplett windstiller Tag werden sollte. Ich trat unverändert intensiv in die Pedale und hatte plötzlich Mühe den Tacho auf über 30km/h zu halten. Es rettete mich erst der Anstieg nach Bad Vilbel rauf, wo mich das größte Stimmungsnest der Frankfurter Radstrecke erwartete. Außerdem war es der Teil der Strecke, den wir am Vortag abgefahren hatten, also gewisse Wiedererkennungseffekte eintragen. Die lange Abfahrt von Bad Vilbel nach Frankfurt tat gut – es waren tote Kilometer, die nicht merklich in den Beinen schmerzten und dann war ich auch schon auf Runde zwei.
Der Verlauf dieser Runde glich der ersten schon sehr. Ich freute mich, dass ich mit besserem Wind und flacher Strecke wieder Tempo aufnehmen konnte, wusste aber auch, dass die letzten 40km ab Friedberg im Gegenwind wieder zur Quälerei werden würden. Es drohte sich auch schon eine zweite Lüge des Sprechers an, der nicht nur Windstille, sondern auch 0% Regenwahrscheinlichkeit ankündigte. Also wenn das da vorne keine Regenwolke ist, dann weiß ich nicht, wie dann eine aussehen soll. Gerade als ich den Gegenwind schon wieder verflucht hatte, so bei km150, kam dann auch passend ein Platzregen runter. Es war kalt, es blies mittlerweile sturmartige Böen in mein Gesicht und ich hatte einfach keinen Bock mehr auf Fahrradfahren. Lediglich die Aussicht darauf, nur noch den recht angenehmen Teil in Bad Vilbel und die lange Abfahrt absolvieren zu müssen, rettete einen kleinen Rest Motivation.

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In Frankfurt wieder angekommen, bog ich nun rechts ab, sprang vom Rad, warf es einem Helfer in die Arme und rannte in die Wechselzone. Ich hatte noch lange auf meiner Uhr mitgerechnet, ob ich wohl die Radzeit meines ersten Ironman in Frankfurt, eine 5:22h erreichen würde. Aber die Realität holte mich letztlich ein. 5:24:58h benötigte ich auf meinem schicken Triathlonbike für die Strecke, die ich drei Jahre zuvor per Rennrad 2 Minuten schneller geschafft hatte.

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Der zweite Wechsel in Frankfurt verging ebenso schnell, wie schon drei Jahre zuvor. Ich lief in die Wechselzone rein, musste leider etwas verwirrt meinem Beutel suchen (das denken und sortieren von Zahlen ist nach 7 Stunden Sport schon etwas schwieriger, als sonst), rannte mit diesem ins Wechselzelt, stopfte den Helm in den Beutel, streifte die Laufschuhe über und los gings. Ich weiß bis heute gar nicht, wo die eigentliche Wechselzone endet. Fakt ist, dass Du auf einmal auf der Laufstrecke bist und eigentlich noch gar nichts davon mitbekommen hast.

Es geht jetzt erstmal raus nach Westen – genau die Strecke, die ich zwei Tage zuvor etwas gehetzt gelaufen war um die Startnummer noch zu ergattern. Ich hatte mir vorgenommen nach Gefühl zu laufen und mir keinerlei Tempovorgabe zu machen. Es war wie immer total schwer überhaupt ein Tempogefühl aufzubauen. Gefühlt war das Lauftempo ewig langsam. Aber die Uhr stoppte den ersten Kilometer in 4:50 Minuten. Zu meiner eigenen Freude, fühlte es sich total bequem an. Zuletzt in Roth war es nach dem Radsplit einfach eine Qual loszulaufen, heute in Frankfurt sollte es sich anfühlen, als ob ich nach einer kurzen Nacht mit etwas trägen Beinen aufstehe und beschließe einen spontanen Trainingsmarathon zu laufen (okok, sowas kommt nicht oft bei mir vor ;-)).

Ich beschloss das Tempo beizubehalten und abzuwarten, was mich im weiteren Verlauf erwartet. Auch der nächste Kilometer blieb unter 5:00 Minuten. Ich war im Marathon angekommen. Es ging über eine Brücke auf die andere Mainseite und von dort ein langes Stück nach Osten. Mir fiel unterwegs ein, was vor drei Jahren meine Motivation auf jeder der vier Laufrunden war. Am Ende der langen Gerade gab es ein Bändchen um den Arm, was das erfolgreiche Bestehen einer Laufrunde dokumentierte. Eigentlich war der ganze Marathon nur das Sammeln von vier Bändchen, bevor man in den Zielkanal einbiegen durfte.

Auf der langen Gerade sah ich erstmals wieder Robin, der mich wie erwartet laut anbrüllte. Wir tun das gegenseitig gerne mal. Seine Worte waren „Junge, jetzt schlaf nicht ein und bring das Ding mal ordentlich zu Ende“. Ich war mir nicht sicher, wie ich mit dieser Anfeuerung umgehen sollte. Klar, ich hatte an diesem Tag schon meine langsamste Schwimm- und auch die langsamste Radzeit aller meiner Langdistanz-Rennen absolviert. Aber hey, ich war noch gut im Rennen, bin gut in den Lauf gestartet und sowieo…Robin san…mach Du erstmal eine Langdistanz, bevor Du Dich über langsame Rad- und Schwimmzeiten beschwerst. Meine Optionen waren „stehen bleiben und ihm eins auf die Mütze geben“, „mich von dem Kommentar runterziehen lassen“ oder „Dir zeig ich’s, Du Ratte“. Es wurde zweifelsfrei die letzte Option.

Nachdem ich mein erstes Bändchen hatte und wieder auf der nördlichen Mainseite war, traf ich ihn zum nächsten Mal. Auch er scheint über seinen Kommentar nachgedacht zu haben und fand nun deutlich motivierendere Worte. Ich entgegnete ihm, dass ich in 4:55-Pace unterwegs war, es sich gut anfühlt und ich das Ding auf jeden Fall zu Ende bringe.
Ich ging eigentlich davon aus, dass Robin mein einziger Supporter in Frankfurt sein würde. Aber die Laufstrecke in Frankfurt ist einfach super und das Event scheint einen Haufen weiterer Menschen anzuziehen. Zu Beginn meiner zweiten Runde feuerte mich wieder mein Zoot-Team an, die vom Messestand aus den Weg zur Laufstrecke genommen hatten. Hier war ich nun recht locker die erste von insgesamt vier 10,5km-Runden gelaufen und jetzt waren es also nur noch drei.

Wieder auf der Gegengeraden begegnete ich zuerst erneut Robin, bevor mich nochmal völlig überraschend anfeuerende Worte mit der persönlichen Ansprache „Daniel“ erreichten. Ich war etwas verwirrt, schaute nach und erkannte eine Kollegin aus Berlin, mit der ich nun wirklich gar nicht gerechnet hatte. Wenig später gab es wieder ein Bändchen und den Wechsel zurück auf die nördliche Mainseite. Hier war dann der Halbmarathon erreicht und es fühlte sich alles noch ziemlich gut an. Ich gönnte mir einen Stop auf dem Dixi, der nicht zwingend notwendig war, mich aber für den Beginn der letzten 21km des Tages deutlich besser fühlen lies.

Auch auf Runde drei erwartete mich eine Überraschung. Auf der Main-Südseite nahm ich ziemlich emotionale englischsprachige Motivationsrufe wahr. Es dauerte wirklich eine Weile, bis ich realisierte, wer das denn nun war. Es war Rob, ein Freund, der eigentlich in Zürich wohnt, aber beruflich nach Frankfurt musste und dies mit dem Besuch beim Ironman verband. Wenig später gab es wieder ein Bändchen, den Wechsel auf die Nordseite und die dritte Runde war erledigt. Das lief einfach überragend. Ich war immer noch im meinem 5-Minuten-Tempo unterwegs und es verdichtete sich der Eindruck, dass mich heute nichts mehr aufhalten sollte um einen guten Marathon zu laufen.
Das es nicht allen Läufern so ging, sah ich insbesondere auf der bergab-Ramppe, eine der Brücken runter. Vor mir lief ein recht großer Brasilianer, der mir schon durch ungewönliche Lauftechnik auffiel. Als wir endlich unten waren und er neben einem Grünstreifen her lief, kippte er einfach wie ein Sack Reis um und landete auf der Wiese. Keine Ahnung, ob er gefinished hat, aber wenn ja, dann hatte er noch einen langen Tag vor sich. Auch andere Läufer gingen, dehnten Krämpfe weg oder struggelten auf andere Weise. Ich war aber froh, dass es mir so gut ging und lief weiter.

Mit Eingang der letzten Laufrunde begann ich erstmals zu rechnen, was zeitlich wohl rauskommen könnte und was meine Zielsetzung sein sollte um das Tempo weiter aufrecht zu halten. Minimalziel sollte meine Bestzeit sein, das war eine 10:47 und dazu hätte ich schon fast die letzte Runde in 6er-Pace laufen können. Ich wusste natürlich nicht, ob mich nicht doch noch ein Einbruch erleiden sollte und wenn ich doch mal ins Gehen überschreite, hätte dieses Ziel plötzlich wieder ganz real werden können.

Etwas ambitionierter war die Zielzeit von Kumpel Alex aus Klagenfurt, zwei Wochen zuvor. Er hatte in 10:39 seine erste Langdistanz gefinished. Es ging mir nicht um den Wettbewerb gegen ihn, aber das war jetzt einfach meine perfekte Motivation. Um unter seiner Zeit zu bleiben, musste ich das 5er-Pace-Tempo recht konstant halten. Jetzt habe ich von Kilometer zu Kilometer gedacht. Bzw. motiviert hat mich die Tatsache, dass ich jeden Punkt, den ich jetzt ablaufe, nicht mehr wiedersehen würde. Ich bedankte mich also artig bei den Helfern der Verpflegungsstellen und noch euphorischer den Verteilern der Rundenbändchen. Kurz drauf gab es auch die „Runde 4-Überraschung“ und Markus, mein Frankfurter Host stand mit seiner Freundin an der Laufstrecke.

Ab hier wusste ich, dass es auch mit dem Ziel, der sub10:39 klappen sollte. Ich hatte gerade auf der Gegengeraden zwar etwas Tempo verloren, war aber immer noch im Bereich 5:10-5:15 unterwegs. Nach dem letzten Wendepunkt, konnte ich sogar noch etwas beschleunigen, denn ich wusste „jetzt geht es nur noch 3km nach Hause“.

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Der Rest war nur noch Schaulaufen und ich feierte mein Ergebnis. An der Gabelung, wo es die letzten drei Male auf die nächste Laufrunde ging, musste ich nun rechts, Richtung Frankfurter Römer. Ich brüllte diesen Umstand raus und folgte der abweichenden Wegführung. Nun war ich auf dem roten Teppich und das Schaulaufen des Schaulaufens begann. Man kann ja über die WTC mit ihren Ironmanrennen, sowie dem damit verbundenen Kommerz sagen, was man will. Aber was sie definitiv können, ist der emotional spektakuläre Zieleinlauf auf dem Frankfurter Römer.

Ich klatschte einfach jede Hand ab, die ich erreichen konnte und feierte insbesondere auf den letzten 50 Metern mit dem Publikum auf den gut gefüllten Tribünen. Letztlich lief ich den Marathon in 3:35:17 Stunden, einer durchschnittlichen 5:06-Pace, inkl. Dixistopp und Höhenmetern durch die 8 Brückenüberquerungen. Meine Gesamtzeit für den Tag war eine 10:37:28 Std., eine Verbesserung meiner Bestzeit um 10 Minuten. Das schlechteste Schwimmen und Radfahren meiner Langdistanzkarriere, wurde durch den mit großem Abstand schnellsten Marathon überkompensiert. Ich war einfach nur glücklich und freute mich die nächsten Tage über diesen Erfolg.

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Mit Überquerung der Ziellinie begann aber auch gleichzeitig das Tapern für die nächste Langdistanz, zwei Wochen später in Roth. Das war schon eine verrückte Geschichte, die wie ich heute schon weiß erneut sehr positiv ausging. Aber dazu in Kürze der nächste Blog…

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5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Unglaublich

Nach all diesen Schwimm- und Radkilometern einen Marathon in 3:35 zu laufen entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Da kann ich mich nur ehrfurchtsvoll verneigen! Einfach großartig!!

Ich bin dann mal weg

Trainnig heute

Der Ironman zur Vorbereitung für den Ironman. Muss ich mir merken ;-)

Danke für den Bericht! Was für ein Finish!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Deine Marathonzeit in Frankfurt

liegt ziemlich exakt bei meiner Marathon-PB... wohlgemerkt ohne 3,8km Schwimmen und 180km Rad vorweg! *schluck*
Grandios gelaufen!!! (und wie immer cool geschrieben!)

Gruß, Dominik

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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Sehr, sehr cool!

Entspannten 35er Schnitt muss ich mir mal merken. Es beruhigt mich, dass Du mit dem alten Renner schneller als mit dem Tria-Rad warst zumal hier alle unken ich solle mir mal ein "richtiges" Rad zulegen. Hab ich also schon :kicher:

Vor allem Hut ab beim Marathon! Das ist der Hammer - ging vermutlich nur wegen des "gemütlichen" Radelns so glatt weg.

Ich glaub die Kunst beim Triathlon ist es sich auf dem Rad nicht allzusehr abzuschießen, um dann beim Laufen noch'n paar Körnchen zu haben.

Die sub 1:30h beim Schwimmen nehme ich! Sofort!

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