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Topangebot der Woche

Klingt in meinen Ohren witzig und passt zum geplanten Intervalltraining. Deutlich über 30 Grad und eine Verabredung mit dem Kaiserstädter, da kann man einfach nicht kneifen.

Also zuhause möglichst vor der Sonne flüchten und noch zeitig vorher essen. Leider kam mein Tagesplan nicht gut bei meiner Tochter an, das Essen wurde später und später. Es gab Omelette mit Thunfisch, dazu eine Menge Wasser. Ich wollte ja nicht während des Trainings verhungern und danach wollte ich wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit auch nicht mehr groß essen. Schnell Kind an verständnisvollen Ehegatten übergeben und ab ins Waldstadion.

Die subjektiv-emotionale Sicht

Ich war wieder beeindruckt von der Kulisse, ich mag dieses Stadion einfach. Hier endete mein erster Volkslauf und ich bekomme immer wieder ein bisschen Gänsehaut wenn ich an den Zieleinlauf vor gut 4 Jahren zurückdenke. Damals hat der Kaiserstädter mich kurz vorm Einlaufen ins Stadion ziemlich heftig vom Rand angebrüllt und ich bin gefühlt ins Ziel geflogen und hab geheult vor Freude.
Ich würde mich heute ähnlich verausgaben, 4 * 1000m in 4:24, entspannte 32 Grad Celsius und Zuschauer in Form von vielen athletischen und halbnackten Menschen. Die Jungs trainieren oben ohne, die Mädels im Wesentlichen in ein bisschen mehr als Unterwäsche. Beim Anblick von so viel Sportlichkeit bin ich froh, dass ich angezogen bin, schlimm genug, dass ich bei den Intervallen völlig abkacken werde.
Warmlaufen, Leute gucken (Körper in Bewegung sind so wunderschön), erstes Intervall. Das läuft noch ganz gut, ein bisschen zu gut. Zweites Intervall auch in der Zeitvorgabe, aber mein Körper fängt an sich zu beschweren. Stehen bleiben in der Hitze ist Hölle, aber laufen um den "Fahrtwind" mitzunehmen ist einfach nicht drin. Ich stelle mir vor, wie ich das Laktat des letzten Intervalls einfach wegatme. Drittes Intervall, ich kämpfe mit dem Aufgeben, das ist doch nicht mehr normal, diese verdammte Hitze, warum mache ich das eigentlich?

Exkurs: Motivation

In 4 Wochen ist ein behördeninterner Wettkampf, bisher habe ich es vermieden hier zu starten. Nicht so dieses Jahr. Hab mir die Ergebnisliste über 11,5 km angeschaut und gedacht "Das kannst du packen, wenn die Konkurrenz so bleibt." Ansage bei den Frauen: Die Siegerin kam letztes Jahr in 53 Minuten ins Ziel, das passt auch ganz gut in meinen Plan dieses Jahr mal die 10 km in unter 45 Minuten zu laufen. Nun bin ich angemeldet und der Trainingsplan von Herrn Steffny läuft- Und was der Trainer sagt wird gemacht, da spielt es keine Rolle wie das Wetter ist.

Ich möchte mich hinlegen, doch ein wohlplatzierter Arschtritt vom Kaiserstädter hindert mich daran. "Weiter, weiter, keine Blöße geben. Das letzte schaffst du auch noch." Ich trabe an. Mein Magen fühlt sich nicht gut an. Der Zitronensprudel kitzelt komisch in der Speiseröhre. Noch 100m bis zum Start und mir ist klar, dass ich jetzt etwas dagegen tun muss. Also verabschiede ich mich kurz und beschließe, dass ich mich nun mal umsehen kann hinter meiner persönlichen Grenze. Nicht schön dort, das nächste Intervall muss ich noch machen, aber ich werde mehr auf mich hören. Ich trabe auf den Motivator zu. Linie und Start frei, ich laufe etwas langsamer an, 4:30 etwa. Das schmeckt meinem Trainingspartner gar nicht, er motiviert mich das erste mal nach 200 Metern. "Schau nicht mehr auf die Uhr..." Mehr höre ich nicht, ich bin in einem Tunnel. Die Sonne brennt auf der Haut, ich leben von 100 Metermarke zu 100 Metermarke. Es ist ja absehbar, danach ist es vorbei, danach bin ich frei. Er faselt neben mir und im Nachhinein wundere ich mich, dass ich nicht einfach stehen geblieben bin und ihm eins auf die Fresse gehauen hab. Aber zu diesem Gedanken war ich nicht fähig, es schien mir nicht mal idiotisch, dass er über Lauftechnik redet. Es schien mir nicht mal idiotisch, dass er überhaupt redete, ich habe einfach an nichts mehr gedacht.
Und, Ziel! Geschafft, sogar in der Zeit. Dank eines unerbittlichen Motivators, der mir Grenzen zeigt.
Unendlich stolz ziehe ich die Schuhe aus, jetzt beneide ich die Mädels, die da bauchfrei rumlaufen. So hab ich wenigstens nackte Füße. Ich gehe, ich lebe noch, ich habe es geschafft. Da drehe ich mich um und sehe, dass dieser vollkommen Bekloppte nochmal zum Start trabt, aber ohne mich mein Freund. Zeig mir ruhig, dass du mich locker besiegt hast, ist mir egal, denn ich habe mich selbst bezwungen. Er rennt in einem Affentempo, ich dehne mich derweil. Noch 100 Meter bis zum Ziel und man hört ihn schon keuchen. Aha, auch der Kaiserstädter hat eine Grenze. Das befriedigt mich ein bisschen, so fertig hab ich ihn noch nie gesehen. Wie auch, bei Wettkämpfen komme ich ja erst ins Ziel, wenn er sich schon das zweite Stück Sahnetorte holt ;-).
Wir traben ganz idyllisch auf dem Rasen zusammen in den Sonnenuntergang, es war eine überwiegend positive Erfahrung und ich bin froh, wenn ich vom alten Hasen lernen kann, aber auch ein wenig traurig, weil er mich eben beim entscheidenden Wettkampf nicht hasieren wird. Da muss ich dann allein durch, aber ich verspreche, dass ich beim Zieleinlauf Hasenohren machen werde ;-)

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Thunfisch?!? Vor dem laufen,

Thunfisch?!? Vor dem laufen, nein, nicht einfach nur laufen, Intervalle am Limit?!?!?!
Mir wird schon schlecht wenn ich es nur lese!
Hammerhart. Auch mich hätte diese pace jenseits meine Grenze gebracht, erst recht bei diesen Themperaturen.
Warum um alles in der Welt habt ihr euch nicht einfach zwei Stunden später getroffen? Da ist es, wenn auch nur etwas, kühler und die Sonne knallt nicht mehr so? Es ist doch lang genug hell.
Deinen eigenen Wettkampf wirst du schon schaffen, stell dir einfach vor, der Kerl blubbert dir was von lauftechnik ins Ohr :-)))

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Ein guter Trainer ...

... läuft bei vorgegebenen 4:24min für den km auch auf jeden 100m eben die reichlich 26sec und nicht 25sec. Die bessere Orientierung gibt natürlich die 200m-Marke mit 51s bzw. 53s.
Dann bleibt das Essen auch drin! - Vielleicht.
Aber du hast dir ja diesen Schleifer ausgesucht. Ich freue mich immer wieder, wie gut du mit ihm klarzukommen scheinst.
Viel Spaß bei deinen 11,5km. Dafür waren die 4:16 sicher nicht schlecht.
;-)

Ich wünsche dem Kaiserstädter...

auch mal so eine Lektion in Sachen "Lauftechnik am Limit". Also Schalk, wenn du dich das nächste mal aus dem Vorhof von Moskau in die Vororte der Eifel begibst, sag doch bitte bescheid, ich möchte dann dabei zuschauen. Oder ich fahre mit dem Rad nebenher, das hätte sicher auch was ;-)

Das ist der beste Schleifer auf der Welt, dass ich Thunfischomelette gegessen hab, konnte er ja nicht ahnen. :-D

Marathon exercise and races are for people who can´t handle drugs and alcohol.

War schon mal da. Sind wir zusammen einen tollen ...

... Lauf gelaufen. Nächste Mal dann halt Dembo. Sehr gerne.
;-)
Ein Schalk läuft die Tortourderuhr!

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