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Benutzerbild von dfrobeen

Ich habe vergeblich in den zahlreich im Regal herum stehenden Lehrbüchern nach einer auch noch so kleinen Unterstützung für mein Vorhaben gefunden, am Wochenende vor meinem Ironman in Frankfurt noch einen schnellen Halbmarathon zu laufen. Aber zwei schlagkräftige Argumente trieben mich dann doch nach Hamburg um den dortigen Lauf zu einem höchst gelungenen Wochenende in der Hansestadt zu nutzen. Erstens war ich in diesem Jahr bislang zwei wirklich unbrauchbare Halbmarathonrennen gelaufen. Bei der Halbmarathon-WM in Cardiff reichte es nur zu einer 1:32, eine Woche später bei meinem Lieblingsrennen in Berlin gar nur zu einer gequälten 1:33. Der zweite Grund war die gemeinsame Fahrt mit meiner als Neuberliner gleich höchst liebgewonnenen Laufgruppe, den Adidas Runners Berlin. Diese nutzten dieses Wochenende um sich mit dem Hamburger Ableger zu verbünden und ein Maximalprogramm aus Spaß und Community aufzulegen. Musste ich also mal wieder selbst den Beweis antreten, dass auch unvernünftige Saisonplanungen zu neuen Bestzeiten, zumindest aber Höchstleistungen führen können.

Nachdem ich mit Sohnemann Janek in Braunschweig den Freitag gemütlich und Samstag bei seinem G-Jugend-Fussballturnier mit Qualitätszeit verbracht hatte, ging es nun also per Zug in die Hansestadt um am ersten Teilevent des Adidas Runners Wochenende teilzunehmen. Im Headquarter der Gruppe in Hamburg traf sich die gesamte Truppe auf einen Shake Out Run mit anschließender Pastaparty. Ich kam spät und verpasste dadurch so einige Teilnehmer, konnte aber immerhin schon mal einige nette Gespräche führen und neue Gesichter kennenlernen. Wir ließen den Abend bei Konsum des EM-Spiels Wales – Nordirland ausklingen. Anschließend fuhr ich zu meinem ebenfalls über die Adidas Runners vermittelten Sofa.

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Ich lernte einen interessanten App-Programmierer mit Wurzeln in Vietnam kennen, der trotz eigenwilligen Tagesrhythmus und dem einen oder anderen gesundheitlichen Laster probierte, die Bestzeit eines Freundes, 1:55:26 zu unterbieten. Es sollte ihm später nicht gelingen. Bis auf das ich komplett durchgeräuchert wurde, schlief ich ganz gut und nahm die Anreise zum zweiten Event der Adidas Runners auf, dem Pre-Race-Warmup. Diesmal waren alle Gesichter da und hibbelten unterschiedlich intensiv vor dem bevorstehenden Rennen.

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Ich gönnte mir einen Kaffee und schlüpfte in mein am Vortag extra für das Rennen bereitgestellte Singlet. In Unterhaltungen wurden Zielsetzungen und Pacegruppen besprochen. Während ein Großteil der Gruppe das Rennen in „Partypace“ angehen wollte, war meine Zielsetzung klar. Minimalziel war es unter 1:30 zu laufen, gerne auch nicht gerade so ganz gequält knapp drunter – je klarer, umso besser.
Es ging gemeinsam Richtung Start und unterwegs wurde mir erst klar, was für eine überragend große Gruppe wir waren. Den Rest des Spaziergangs zum Start verwendeten wir für ein gruppendynamisches Aufwärmprogramm. Ein auskunftsgemäß bei der Bundeswehr tätiges Mitglied der AR Hamburg, ging voll in seiner Rolle auf und verdonnerte uns in Drill-Instructor-Manier zu einem Mix aus lockerem Joggen und Lauf-ABC. So kamen wir schließlich aufgelockert und in Stimmung gebracht im Startareal an. Ab hier zog ich mich doch ein wenig zurück und versuchte mich auf mein Vorhaben zu konzentrieren, das Rennen auf Zeit zu laufen.

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In der Startaufstellung, in der man sich selbstständig nach erwarteter Zielzeit aufstellt, treffe ich dann doch ein paar AR-Mitglieder, sowie meinen alten Laufkumpel Axel aus alten Braunschweiger Zeiten wieder. Die Adidas Runners gehen auf Bestzeit rund um 1:30 – das klingt etwas langsam für mich, zumal ich wie so oft einen etwas flotteren Start anpeile, als ich später das Rennen zu Ende laufe. Axel wiederum signalisiert, dass er nach seinem ersten sub3-Marathon in Hamburg fleißig weitertrainiert hat und jegliche Zeit über 1:27 eine kleine Enttäuschung sei. Das ist dann doch zu schnell für mich. Also richtige ich mich darauf ein, mein eigenes Rennen zu laufen.

Es erfolgt der Startschuss auf der Reeperbahn und es geht los. Der erste Kilometer ist wie gewohnt etwas zu schnell – ich treffe genau die 4:00. Bei km2 wundere ich mich schon über die Strecke. Es haben alle vor dem Anstieg hinter den Landungsbrücken bei km4 gewarnt, also ging ich davon aus, dass es bis dahin insgesamt flach oder gar bergab gehen würde. Doch wenn man mal auf Tempo drüber läuft, realisiert man schnell, dass die Reeperbahn nach Westen auch eine empfindliche Steigung hat. Der Kilometer geht mit erster Sauerstoffnot in 4:07 raus, bevor es nach dem ersten Linksknick und flach mit 3:59 wieder ein paar Sekunden mehr Puffer auf die Zielzeit von 1:30 gibt. Kilometer 4 beinhaltet dann die erwarteten negativen Höhenmeter – wenn es bei km5 nochmal über die Startlinie geht und davor ein unangenehmer Anstieg wartet, dann muss es doch logischerweise irgendwo vorher runter gegangen sein.

Ich nehme aber dennoch etwas Pace raus, laufe eine 4:04 und sehe den von allen angekündigten km5 auf mich zukommen. Ich versuche nicht allzu viel Zeit zu verlieren, aber so ganz gelingt es auch nicht das Tempo zu halten. Die 4:16 nehme ich aber gerne an, bevor es zum zweiten Mal über die Reeperbahn geht. Der langsamste Kilometer des Rennens soll km7 werden, wo es wieder die Lustmeile bergauf geht. Nach der 4:22 verdichtet sich bei mir die Vermutung, dass es ein ganz schöner Kampf werden könnte um die avisierte sub1:30 auch wirklich zu erreichen. Es ist noch nicht ein Drittel des Rennens um und ich bin schon 7 Sekunden über der angepeilten Durchschnittspace.

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Die Beruhigung tritt aber beim nächsten Teilstück ein, das wieder in 4:06 endet. Bis hierher hat sich das Feld schon ganz ordentlich gelichtet. Während wir bereits hier schon erste Läufer überholen, die noch zum ersten Mal dieses Teilstück absolvieren, sind vorne die schnellen Läufer schon weg und wir in recht ausgewählter Gesellschaft unterwegs. Irgendwo hier gesellt sich Wanda zu mir, die mir später erzählt, dass sie sich erst köstlich amüsiert hat, wer denn so bekloppte Kompressionssocken trägt, aber gleichzeitig den Eindruck gewann, dass dieser Sockenträger ein ganz gutes Tempo läuft um gemeinsame Sache zu machen.

So laufen wir gemeinsam erst still schweigend nebeneinander her. Meine vorerst größte Freude gab es auf km10, als ich realisierte auf dem gedanklichen Holzweg zu sein, dass wir den Anstieg an den Landungsbrücken nochmal nehmen müssen. Diesmal geht es geradeaus weiter, es ist also weiter ballern angesagt. Wanda und ich laufen so unser Ding, als ich sie das erste Mal anspreche, was sie denn so laufen möchte. Die Antwort kam ziemlich direkt „unter 1:27 wäre geil“. Wow…da hat sich jemand Gedanken gemacht. Und unter 1:27 ist schon ganz schön flott. Aber andererseits war ich jetzt im Flow. Warum sollten wir es nicht mal probieren das Tempo beizubehalten.
Die Kilometer vergingen jetzt einer nach dem anderen gefühlt recht flott. Meist stoppte die Uhr so im Bereich 4:05, manchmal gab es aber auch leichte Ausschläge nach oben. Km 13 geht beispielsweise in 4:12 raus. Die Strecke ist allgemein zwar schon flach, aber dann eben doch nicht so flach, wie zum Beispiel Berlin, wo man über Höhenmeter überhaupt nicht nachdenkt. Immer wieder gibt es so kleine Wellen, über die sich einige Mitläufer später beschweren.

Ich beschwere mich aber nicht. Es läuft. Und ich habe angenehme Laufbegleitung. Wir reden nicht viel. Aber ich bilde mir ein, dass wir uns ohne Worte zusammen getan haben, um uns gegenseitig bei unseren Zielen zu unterstützen. An Verpflegungen und den leichten Bergaufpassagen fällt Wanda ein wenig zurück. Aber in flachen Stücken ist sie schnell wieder da, bzw. dauert ein Flachstück mal länger, habe ich arg Mühe selber Anschluss zu halten. Als es in den Tunnel in Richtung Hauptbahnhof geht, hat Wanda mal etwas länger gebraucht um wieder Anschluss zu gewinnen. Im Tunnel ist sie dann aber wieder neben mir, grinst und sagt „da bin ich wieder!“.

Längst weiß ich, dass es ein guter Tag zum Laufen ist. Es fühlt sich gut an und jegliche Angst vor einem Einbruch ist verflogen. Der Puffer auf die 1:30 ist längst derart groß, als dass es mittlerweile nur noch um die Zeit geht, wie viel ich drunter bleibe. Zwischen Binnen- und Außenalster steht ein Wendepunkt bevor und ich sehe nur kurz vor mir Ron. Ron ist eigentlich deutlich schneller als ich, vor einer Woche aber den Zugspitztrail gelaufen und daher sicher noch nicht ganz wieder im Tempomodus.

Jetzt bin ich erst recht im Flow. Ich muss mit meinem Gewissen kämpfen, ob ich meine Laufgemeinschaft mit Wanda beibehalte, oder Risiko eingehen und nochmal anziehen. Wanda kann aber das Tempo nicht mehr halten. Später erzählt sie mir, dass sie Oberschenkelprobleme bekommt. Ich bin aber im Tempomodus und jetzt ist es an der Zeit für’s Ego eine möglichst gute Zeit über die Ziellinie zu retten.
Auf km18 habe ich mich ganz besonders gefreut. Dort erwartete mich die Cheer Zone der Adidas Runners. Hier rechnete ich mit Anfeuerung und einem Energieboost für die letzten 3 Kilometer – und genau so sollte es auch kommen. Nachdem ich Ron noch überholt hatte, der doch unter dem Zugspitztrail vom Wochenende zuvor litt, war ich hinter Rafik – der eine sensationelle 1:17 lief – nun der zweite von über 100 Adidas Runners im Rennen. Entsprechend unvorbereitet erwarteten mich die Community-Mitglieder am Streckenrand. Aber es reichte für laute Anfeuerungsrufen und einer Konfettidusche auf die letzte Sekunde. Das tat richtig gut und setzte dem ganzen lauf ein i-Tüpfelchen auf.

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Kurz drauf sehe ich den typischen Laufstil von Axel vor mir. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, ihn vor dem Zielbereich schon wiederzusehen. Auch seine Oberschenkel haben ihm etwas das Leben schwer gemacht, während es bei mir weiterhin perfekt lief. Ich näherte mich ihm Schritt für Schritt. Es dauerte aber bis etwa km 19,5 und er war in Reichweite. Ich animierte ihn dazu dran zu bleiben, er schickte mich aber voraus. Ich brüllte ihn an, dran zu bleiben und er hängte sich mit dem laut ausgesprochenen Wort „Arschloch!“ dran.

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So gingen wir auf den letzten Kilometer, in dem Axel aber auch das nochmal angenommene Tempo nicht halten konnte. Ich kämpfte nun um jede Sekunde und bog auf die Zielgerade ein. Die Uhr stoppte für mich bei 1:26:47 Stunden. Der Wahnsinn! Das war nicht nur die erhoffte sub1:30, auch nicht die sichtbar unter 1:30 … nein, das war eine ernst zu nehmende Zeit, die so langsam wieder in die Richtung dessen geht, was ich in den letzten 2 Jahren gelaufen bin. Ich bin wahnsinnig glücklich über dieses Ergebnis und den Umstand, dieses auch gleich mit alten und neuen Freunden zu feiern.

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Axel folgt nur wenige Sekunden später und ist der erste Gratulant. Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass Wanda das Tempo noch aufrecht halten konnte und auch nur etwa eine Minute nach mir ins Ziel kam. Dann trudelten so nach und nach die Adidas Runners ein und wir unterhielten uns über die Erlebnisse auf den vergangenen 21,1km.
Nachdem Axel und Wanda sich dann verabschiedeten, traten wir verbliebene den Weg zurück zum AR Headquarter an. Es war ein doch etwas längerer Spaziergang, weil das Ziel in Hamburg doch deutlich vom Start entfernt ist. Wir zogen uns um, betranken die guten Ergebnisse mit ein paar Bierchen und zogen dann weiter in die Beach Bar Strand Pauli, wo es ein weiteres get together der Crew gab. Dort aßen und tranken wir, bis unser gecharterter Bus die Rückreise nach Berlin antrat. Es waren unvergessliche 1,5 Tage! Vielen Dank an alle, die das für mich möglich gemacht haben!

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5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Der Wahnsinn!

In wie vielen Gemeinschaften bist Du denn dieses Jahr? Adidas Runners, Team Zoot, Triathlon Verein, ...

Puh, da bleibt mir die Spucke weg. Was ein Lauf - und ein tolles Ergebnis!

Da geht noch was sagt das Teufelchen in mir :wegduck:

Training war gestern

heute kommt man mit Party zu der gewünschten Zeit ;-)))

Schön, dass es wieder so gut läuft!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Du hast nichts in Lehrbüchern gefunden? Hey, komm! ...

... Du hast gar nicht gesucht. Natürlich nicht. Da gibts auch nichts.
Du bist echt ne Granate! Eine Woche vor Frankfurt noch so nen HM. Andererseits kannst du diese Zeiten laufen. Klar. Mein letzter Dembo20er war immer den Mittwoch vorher; also vier Tage vorher.
Ich finds doddal geil, dass es bei dir wieder läuft, wie nicht allzulange her.
;-)
Ein Schalk läuft die Tortourderuhr!

Deine in Lockerheit...

verpackte Zielstrebigkeit gefällt mir sehr!
So bleibt der Spaß am Sport lange erhalten!!
Weiter so, echt cool!
Außer den Socken, die stehn Dir echt nicht! ;o)))
Gratuliere zur unerwartet geilen Zeit!

Liebe Grüße Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

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