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Zweimal das gleiche Event, aber unterschiedlicher hätte es fast nicht ausfallen können. Die Eindrücke bei Vätternrunden in diesem Jahr waren komplett anders, als im Vergleich zum Vorjahr. Aber beide Ausprägungen waren geil!

Schon ab dem Moment, wo ich gepackt habe, stand ein großer Unterschied zum Vorjahr fest. Im letzten Jahr war es ziemlich easy…überraschend easy, wenn man bedenkt, dass ich mit meinem eigenen Fahrrad aus Braunschweig in die schwedische Provinz gereist bin. In diesem Jahr stand mein Rad wieder in Braunschweig, aber ich wohne mittlerweile unter der Woche in Berlin, d.h. ich musste schon Sonntag mein großes Gepäck packen, mit dem ich am Freitag früh dann nach Stockholm fliegen wollte. Jetzt war aber just der Sonntag derjenige, an dem ich vollkommen spontan nach Würzburg gefahren bin, um mir im letzten Qualifikationsrennen auf deutschem Boden noch die Qualifikation zum nächstjährigen Boston-Marathon zu holen. Das Experiment gelang und formal hatte ich dann ab mittags auch einen recht entspannten Rückreisetag. Aber die Vorstellung dann gleich wieder kompliziert für Schweden zu packen, hat mich überfordert.

Es passierte, was mir noch nie passierte. Irgendeine innere Stimme sprach zu mir: ‚Lass Dein Fahrrad im Keller stehen, es wird noch irgendeine andere Lösung geben‘. Nur um es klar zu stellen…das ist sonst ganz und gar nicht meine Herangehensweise. Würde ich mich sonst eher als Organisationstalent bezeichnen…aber an dieser Stelle hatte ich einfach eine Grenze überschritten.

Ich wollte dann wenigstens mein sonstiges Gepäck packen. Für Vätternrundan braucht man das komplette Paket an Radklamotten. Das Wetter kann einfach alles notwendig machen. Regen, Kälte, Hitze, Wind, Temperatursprünge – alles möglich. Das sollte mir, wie sich später zeigte, sehr gut gelingen. Einfach vergessen habe ich aber eine weitere wichtige Komponente. Wie schon im Vorjahr plante ich meine Übernachtung in einer der angebotenen Turnhallen. Für eine Übernachtung auf dem blanken Boden empfiehlt sich eine Isomatte und Schlafsack – hatte ich einfach mal vergessen.

So ging es also am Freitag früh zum Flughafen. In der Zwischenzeit hatte ich bei einem Radverleih in Stockholm die Zusage auf ein Rennrad und für die Isomatte/Schlafsack-Frage blieb ich beim kölschen Motto: ‚et hätt noch ever jot jejange‘. Am Stockholmer Flughafen übernahmen wir unseren Mietwagen und fuhren die dreiviertel Stunde in die City von Stockholm.

Das ‚wir‘ war auch eine Modifikation zum Vorjahr. In diesem Jahr begleitete mich Alex, ein Freund aus dem heimischen Triathlonverein. Auch er war, nachdem ich ihm meine ausgebliebene Radpackmotivation gebeichtet hatte, auf den Zug mit aufgesprungen, dass wir uns vor Ort die Räder leihen. Er hätte auch mit Radkoffer im Zug nach Berlin kommen müssen, durch die halbe Stadt laufen und dann am Freitag das ganze gleich nochmal auf dem Weg zum Flughafen.

Also nochmal für eventuelle Leser, die in einem der Folgejahre diesen Blog lesen und eine Logistik für das Event aufstellen. Es geht wirklich super easy. Packt Euren Radkoffer, ladet ihn ins Auto, fahrt zum Flughafen, fliegt nach Göteborg oder Stockholm, mietet Euch ein Auto, ladet den Radkoffer ein und alles ist gut. Aber plant zwischendurch keinen Umzug nach Berlin und lauft den Würzburg-Marathon.

Mit den beiden Leihrädern im Auto ging es nun Richtung Motala, von wo aus wir tags drauf unsere 303km lange Radtour rund um den Vätternsee starten würden. Hier profitierte ich doch deutlich davon, im Vorjahr schon dabei gewesen zu sein. Ich kannte die einzelnen Locations und Abläufe ganz gut. Was ich nicht kannte, war der ganz neue Prozess der Startnummernausgabe. Letztes Jahr stand noch eine lange Schlange vorm Zelt, die mich etwa eine Stunde Zeit kostete. In diesem Jahr dauerte der Prozess zur etwa gleichen Uhrzeit keine zwei Minuten. Barcode der Meldebestätigung unter einen der vielen Barcodescanner gehalten, wenige Sekunden später spuckte der Drucker eine Startnummer aus. Auf diese klebte ein Helfer einen Zeitmesschip, der mit Hilfe eines weiteren Barcode mit der Startnummer gepaart wurde und fertig war der ganze Ablauf. Für mich als Prozessberater eine wahre Freude.

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Jetzt blieb uns mehr Zeit dafür mit der Location und dem Event vertraut zu werden. Vätternrundan ist die weltweit größte Radsportveranstaltung. Traditionell am Samstag vor Midsommer, fahren 25.000 Radfahrer einmal um den Vätternsee – 300km. Das ist die ganze Sache. Es ist kein Rennen, jeder hat zwar einen Chip, der die Zeitpunkt der einzelnen Checkpoints erfasst. Aber es gibt kein offizielles Ranking. Der Start erfolgt ab Freitag abend um 19:30 Uhr und Zielschluss ist am Samstag um 23:59 Uhr. Im Extremfall hat man also 28,5 Stunden Zeit um die Strecke zu bewältigen. Ab 19:30 Uhr gehen im 2 Minuten-Rhythmus etwa 50 weitere Fahrer auf die Strecke. Dieses Verfahren wiederholt sich die komplette Nacht durch bis etwa 7 Uhr am Samstag morgen.

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Unsere Startzeit war 5:38 Uhr, was eigentlich eine sehr angenehme war. So hatten wir noch einen großen Teil der Nacht auf Samstag, um Schlaf zu tanken. Zeit, die die meisten anderen Fahrer schon auf der Strecke unterwegs waren.

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Mein mutiger Ansatz ohne Isomatte und Schlafsack anzutreten, sollte tatsächlich belohnt werden. Einmal in unserer Turnhalle angekommen, visierte ich zielstrebig die Stabhochsprungmatte an, die nur zur knappen Hälfte belegt war. Ein paar Klamotten auf den rauhen Untergrund gelegt und fertig war mein traumhaftes Bett in Schweden.

Die wesentliche Frage am Samstag morgen sollte die nach dem aktuellen Wetter sein. Die Vorhersagen der letzten Tage hatten nicht gerade Mut gemacht. Da war teilweise von stundenlanger Regenwahrscheinlichkeit von 100% bei Temperaturen um 12-15 Grad die Rede. Nicht gerade das erhoffte Traumwetter um 303km Fahrrad zu fahren. Als wir unsere Turnhalle verließen, waren wir erst noch guten Mutes. Es regnete zumindest im Moment nicht. Also vollendeten wir die letzten Vorbereitungen und radelten die ersten 3km zum Start.

Die Hoffnung auf eine positive Wetterüberraschung wurde uns aber sehr schnell genommen. Schon nach wenigen Kilometern radelten wir auf nasser Straße, was uns eine Sicherheit gab, dass es zwar nicht in Motala City, wohl aber hier noch vor kurzem geregnet haben musste. Die ersten Kilometer waren wir in eine Gruppe eines Vereins aus Stockholm geraten. Wir haben gar nicht so genau drauf geachtet, aber schon schnell teilte sich unsere 50-Fahrer-Startgruppe in zwei Teile auf. Die eine Hälfte war vorne weg und schon schnell nicht erreichbar. Wir waren in der hinteren Teilgruppe, alle deutlich am Trikot erkennbar einem Verein zugehörig. Ich dachte mir nicht viel dabei. Wir sind ja hier alle eine Familie und beim Radfahren kann man sich ja prima gegenseitig helfen. Wir fuhren in der Gruppe mit und gingen irgendwann auch mal nach vorne um den anderen Windschatten zu bieten. Wir realisierten aber, dass wir dadurch Chaos verursachten. Das war irgendwie nicht willkommen und wenig später sollten wir das auch verbal definitiv bestätigt bekommen. Wir wurden nach hinten durchgereicht und einmal dort angekommen, machte uns der – ich nenne ihn mal – Vereinsälteste doch sehr deutlich, dass wir zwar gerne hinter der Gruppe her fahren dürfen, uns aber gefälligst aus jeglicher Führungsrolle raushalten sollten. So gurkten wir einige Kilometer gefühlt viel zu langsam mit dem Verein mit. Die Gruppe vorne war zu weit weg und von hinten wollte einfach nichts kommen.

Wir hatten beide keine Lust mehr auf diese Gruppe – zu unfreundlich war die gemachte Ansage. Endlich kam dann das Rauschen einer Gruppe von hinten näher und wir gliederten uns dankend ein. Ab jetzt wurde Tempo gemacht, der Wind wehte auf einmal recht zugig um unsere Ohren. Wir mussten ordentlich Druck machen um in der Gruppe mitzurollen und die Tachonadel sprang von 31/32 auf eher 37/38. Das machte jetzt Spaß und erinnerte mich ans Vorjahr, wo ich in einem 35,4km/h-Schnitt die ganze Runde absolvierte. Doch nach knapp einer Stunde war ich aus der Gruppe dann auch schon wieder raus. Ich habe keine Ahnung, was los war, aber nachdem ich eine Weile mit der Gruppe ziemlich mittig mitrollte, fiel ich zurück und hatte auch sofort keine Möglichkeit mehr mich hinten im Windschatten festzusaugen. Alex schaute noch kurz nach rechts und fragte ‚alles ok?‘. Ich nickte noch kurz um wenige Sekunden später mit großer Mühe noch erreichen zu können, dass auch er sich zurückfallen ließ. Ich war bitter enttäuscht und fragte mich, was das denn nun gewesen ist. Ein paar Kilometer später folgte die erste Verpflegung. Eigentlich wollte ich diese auslassen, aber nach dem soeben erlebten Schlag ins Gesicht, wollte ich anhalten und kurz drüber nachdenken, was denn da eigentlich passiert ist.

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Wir stärkten uns an der schon aus dem Vorjahr gewohnt leckeren, typisch schwedischen Verpflegung. Es gab wieder an den ‚normalen‘ Verpflegungen so Leckereien wie Blaubeersuppe, Zimtbrötchen, Honigwasser, eingelegte Gurken und und und. Außerdem gab es einen Radservice, denn wir beide bemühten um unsere Sattel niedriger zu stellen. Beim Radverleih hatten wir da nicht so genau drauf geachtet und auf dem ersten Teilstück haben wir beide gemerkt, dass die Sitzposition noch lange nicht optimal war. Es sollte übrigens nicht das letzte mal sein, dass wir auf der Tour an den (vorsichtig formuliert) unterdurchschnittlichen Leihrädern rumschraubten. Obwohl sich der Mechaniker des Verleih wirklich Mühe machte, war die Gangschaltung nicht mehr einwandfrei einzustellen. Mir fehlte komplett der schwerste Gang am hinteren Kranz und Alex konnte in der Mitte einen Gang nur von oben einlegen. Außerdem hatte die Kette meines Erachtens seit mehr als 3 Jahren kein Öl mehr gesehen und insgesamt haben wir mit unserer 3-Tages-Mietpauschale etwa ein Siebtel des gesamten Neupreises bezahlt. Aber naja, so steigt halt der Trainingseffekt…

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Wir schauten auf die Straße und sahen eine Gruppe anrollen, die irgendwie von Struktur und Tempo nach dem aussah, was wir suchten um weiter mitzufahren. Es kostete uns ein paar Sekunden um auf die Räder zu kommen und den Weg auf die Straße zu nehmen. Also waren wir einige Meter hinten dran und durften gleich mal wieder kräftig kurbeln um die Gruppe zu bekommen. Nachdem ich mich 2km nach der Pause wieder genauso sauer in den Oberschenkeln fühlte, wie vor der Pause, hatten wir die Gruppe aber eingefangen und merkten, dass es tatsächlich eine gut funktionierende Zweckgemeinschaft war. Ich hatte ein kurzes Stimmungshoch, zumal ich auch merkte, dass mein Sattel in der neuen Höhe doch erheblich angenehmer saß.

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Das Stimmungshoch hielt aber nur sehr kurz – nämlich bis zu dem Moment, wo der nun in korrekter Höhe montierter Sattel locker war und mit meinen Bewegungen vor und zurück klappte. Da war ich nun in einem Dilemma. Wir waren in einer guten Gruppe und da es noch weit zu fahren war, wollte ich eigentlich die „leichten“ Kilometer mitnehmen. Andererseits war der Spaß doch überschaubar, wenn der Sattel keine Stabilität hat. Irgendwie bekam ich es mit den Kilometern hin und hoffte, dass wir es in der Gruppe bis Jönköping bei km 104 schaffen. Da wollte ich ohnehin Pause machen. Doch kurz vor der zweiten Verpflegung bei km83 kam ein längeres Stück Kopfsteinpflaster, was das Todesurteil für meine Sattelkonstruktion war. Es machte Knack und eine der beiden Sattelschrauben war durch. Es machte keinen Sinn mehr darauf zu hoffen in der Gruppe zu bleiben und ich fuhr mit Alex an den Straßenrand.

Es war nichts zu machen. Wir hatten mit den Leihrädern nicht das richtige Werkzeug dabei und keiner der vorbei fahrenden Radfahrer hielt an. Ein Zuschauer bot Hilfe an, seinen Werkzeugkasten zu holen, erwähnte aber auch gleichzeitig, dass es bis zur nächsten Verpflegung nur noch 2km waren. Ich entschied die 2km im Stehen zu fahren und dort fachmännische Hilfe anzunehmen. Aber auch dieser Plan ging nicht auf, denn die 2km waren keine 2km. Als wir schon eine Weile unterwegs waren, sah ich links eine Tankstelle und einen Radverein, der kollektiv kurz Pause machte. Ich fragte in die Runde, wer ein Multifunktionswerkzeug dabei hatte und bekam auch eins. Ich zog die eine verbliebene Schraube an und hoffte nun bis zur großen Verpflegung in Jönköping zu kommen.

Diesmal gelang dies und wir gingen in die umgebaute Eishockeyhalle um Köttbullar mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren, sowie Gröt (schwedisches Porridge) mit Zucker und Apfelmuss zu genießen. Für einen Moment war die Stimmung ganz gut, ich genoss das Essen und Alex konnte trotz Kampfes mit der Konsistenz von Gröt auch ein Lächeln auflegen. Gut gelaunt gingen wir zum Ausgang der Halle und erlebten erneut, wie die Stimmung rapide wieder in den Keller sackte.

Es regnete in Strömen und zudem war es ganz schön kalt in kurzen nassen Hosen. Die Motivation jetzt noch 196km Fahrrad zu fahren, war eher so mittelhoch. Trotzdem war aufgeben auch keine Lösung. Wir hätten wohl die 104km wieder zurück fahren müssen – dann können wir doch auch gleich die Seerunde regulär beenden. Wir fuhren im starken Regen weiter und entwickelten einen gewissen Galgenhumor. Immerhin war uns beim Fahren nicht mehr kalt und nasser werden, konnten wir auch längst nicht mehr. Es war uns plötzlich egal ob und welche Gruppe wir finden sollten, auch der Geschwindigkeitsschnitt war egal geworden. Es war eigentlich alles egal, außer die Tatsache, dass wir irgendwie das Ziel erreichen wollten.

Der nächste Fixpunkt war die Verpflegung in Hjo bei km173. Hier sollte es wie im Vorjahr Lasagne geben und dafür fahre ich doch gerne 69km durch strömenden Regen Fahrrad. Und „Bohei“, etwa 5km vor Hjo stoppte der große Regen, die Straße wurde trockener und die Temperaturen stiegen auch merklich an. Ich aß vier Stücke Lasagne und dabei fokussierten wir uns auf den Gedanken, dass wir noch 127km fahren müssen und keine große Verpflegung auf uns wartete.

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Wir waren wieder unterwegs. Es blieb dabei, die Fahrt war irgendwie ziemlich gleichgültig geworden. Schitt? Egal! Gruppe? Egal! Einfach fahren! Die Gruppen waren eh weg. Durch unsere späte Startzeit kamen hinter uns gar nicht mehr so viele Starter. Und die Gruppen wurden in der Regel doch dadurch geprägt, dass viele Fahrer eines Vereins koordiniert Gas gegeben haben und ein größerer Schwanz an gemischten Fahrern den Windschatten ausgenutzt hatten. Da die Vereine aber in der Regel eine gewisse Zeitvorstellung hatten, in der sie das Ziel erreichen wollten, ließen sie die Pausen aus. Wir, die gerne mal für ein paar Fleischbällchen oder Lasagne angehalten haben, waren dadurch längst schon überholt worden.

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Jetzt kam aber der beste Teil des Radfahrtages. Im letzten Jahr hatte ich genau in diesem Stück eine phantastische Gruppe gefunden. Es war auch einer dieser Vereine, die im belgischen Kreisel perfekt funktionierten. Sie ließen mich sogar voll im Kreisel mitfahren. Diesmal war es anders. Alex und ich kamen zwar deutlich langsamer voran, hatten aber längst Spaß an der ganzen Veranstaltung und den widrigen Bedingungen des Materials und Wetters gefunden. Wir wollten uns die restliche Distanz in Teiletappen aufteilen und erstmal zwei Verpflegungen bis km225 fahren. Da es uns aber gut ging, schauten wir uns bei Anfahrt des Zwischenziels an und beschlossen einstimmig noch weitere 32km zu fahren, bis dort die vorletzte Station erwartete.

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Die Fahrt ging erfreulich einfach und auch unser Schnitt, der seit Hjo etwa bei 30,4km/h lag, sackte nicht ab. Wir überquerten eine Brücke mit wunderschöner Aussicht und gleich dahinter warteten nochmal Zimtbrötchen, Bananen, Blaubeersuppe und Getränke auf uns. Wir genossen die nochmalige Abwechslung, aber insgesamt ging es uns körperlich noch sehr gut. Wir starten auf die letzten 40km Strecke.

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Hier erreichten wir so eine Art Flow. Es waren nur noch langsame Fahrer unterwegs und wir wurden seit mehreren Stunden bereits nicht mehr überholt. Immer wieder fuhren wir auf kleine Gruppen auf, aber statt deren Windschatten zu nutzen, merkten wir, dass es uns dort viel zu langsam war. Wir freuten uns einen Fahrer nach dem anderen, eine Gruppe nach der anderen zu überholen und erfreuten uns der Gesichter, der Fahrer, die doch sichtlich müde waren.

A propos Gesichter. Hier boten sich uns wahre Dramen am Straßenrand. Die meisten Fahrer, die nun noch unterwegs waren, waren doch eher die Hobbyfahrer, die offensichtlich nicht wirklich wussten, was es bedeutet 300km Rad zu fahren. Ok zugegeben, wir machen das auch nicht täglich und Alex hat schon bei km 165 seinen bisherigen Distanzrekord überboten. Aber wir haben uns doch mit dem notwendigen Respekt auf die Aufgabe Vätternrundan vorbereitet. Die meisten Fahrer, die wir überholten, fuhren kaum mehr über 20km/h. Die Gruppen, die sich als Zweckgemeinschaften gefunden hatten, kamen vielleicht auf 24km/h. An den leichten Anstiegen (Vätternrundan hat insgesamt knapp 1.600 Höhenmeter, aber da die auf die ganze Distanz verteilt sind, eigentlich keine echten Berge) gingen mittlerweile einige der Teilnehmer. Den Höhepunkt nahmen wir aber bei einigen Fahrern wahr, die rechts und links im Straßengraben saßen, das Rad neben sich liegend und komplett leergepumpt Löcher in die Luft starrten. Heidewitzka, den hätte ich nicht sagen wollen, dass sie noch einige Kilometer vor sich haben.

Bei uns lief es dagegen wie am Schnürchen. Vor der allerletzten Verpflegung war tatsächlich doch so etwas wie eine Rampe zu fahren. Motiviert gleich ins Ziel einzufahren, gingen Alex und ich aus dem Sattel und traten die paar Höhenmeter einfach weg. Auf dem Asphalt waren Schriftzüge aufgemalt und da es durch ein kleines Dörfchen ging, waren hier auch einige Zuschauer. Wir fühlten uns für einen Moment wie eine Ausreißergruppe bei einer Tour de France Etappe, die kurz davor waren für ihre Mühen belohnt zu werden. Die Zuschauer bejubelten uns beide und wir genossen den Moment.

Die Verpflegung ließen wir ohne zu zögern vorbei fliegen. Im vergangenen Jahr kann ich hier nicht besser ausgesehen haben, als die Sportskameraden, die wir eben noch im Straßengraben sitzen sahen. Damals hatte ich meine Gruppe verloren und realisierte, dass ich die letzten knapp 30km alleine fahren musste. Da ich bis dahin fast 90km mit 40er-Schnitt im belgischen Kreisel geballert hatte, waren meine Kräfte nun am Ende. Es war furchtbar und ich verdankte wohl der Verpflegung, dass ich nicht selbst auch eine Zeit lang im Gras sitzend Löcher in die Luft gestarrt hatte.

Diesmal war es aber alles kein Problem. Körperlich waren wir noch fit, nur vom Kopf her hatte ich das Gefühl, dass es jetzt gerne zu Ende gehen darf. Es ging jetzt durch eine landschaftlich ganz schöne Gegend, bevor wir etwa 10km vor dem Ziel wieder auf die Hauptstraße einbogen. Jetzt sollten wir im Kopf nochmal auf eine letzte Probe gestellt zu werden. Es ging nun noch einmal ein heftiger Regen runter. Mit starkem Gegenwind und beinahe hagelartigem Regen, kämpften wir uns dem Ziel entgegen. Da es zuletzt schöner und wärmer war, hatte ich alle Kleidung bis auf kurze Hose, kurzes Trikot abgelegt. Alex fragte, ob wir nochmal anhalten und wieder Kleidung anlegen. Obwohl ich wieder fror, kam das für mich nicht in Frage. Ich wollte nun heim und keine Sekunde mehr verlieren.

Im Ziel hatten wir dann einen Schnitt von 30,4km/h gehalten und waren in insgesamt 9:53 Stunden um den Vätternsee gefahren. Im vergangenen Jahr war ich über 1:20 Stunden schneller, was aber komplett an den um exakt 180 Grad unterschiedlichen Bedingungen lag. Wir waren froh im Ziel zu sein, machten im Zielbereich noch ein paar Fotos und fuhren dann schnell zu unserer Turnhalle um heiß zu duschen.

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Es war zwischendurch absolut furchtbar, aber rückblickend war es ein großer Spaß und eine riesige Genugtuung eben trotz der schwierigen Bedingungen die Wahnsinnsstrecke von 303km (inkl. An-/Abfahrt zur Turnhalle) gemeistert zu haben.

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Nach der Dusche verzehrten wir noch etwas Zielverpflegung und kehrten abermals wieder zur Turnhalle zurück. Dort gab es Nachtisch in Form von einem Geburtstagskuchen für Alex, denn der verbrachte in der Regenschlacht seinen Jahrestag.

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Nach einer weiteren Nacht auf unserer Stabhochsprungmatratze, fuhren wir nach Stockholm und genossen einen sehr schönen, gechillten Tag in Schwedens Hauptstadt, bevor uns am Abend der Flieger wieder zurück nach Berlin brachte.

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5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Mir tut ja schon beim Lesen alles weh

aber ich gehöre ja auch zu den Fahrern, die knapp über 20km/h fahren und im Straßengraben sitzen - und das nicht erst nach 260km ;-)))

Du erinnerst mich wieder daran, warum ich lieber mein Rad mit nach Miami genommen habe, ich hatte sowas bei Leihrädern schon befürchtet. Und als Techniklegastheniker hätte ich nie im Leben meinen Sattel wieder fest gekriegt!

Hut ab, da habt ihr eine irre Leistung unter den Umständen hingelegt!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Lachen!

Du lachst auf jedem Foto - so schlimm kann es also gar nicht gewesen sein ;-)
Ich bewundere dich!

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