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Benutzerbild von Troedelliese

Manche Dinge brauchen Zeit. Bei mir vermutlich noch mehr. Bevor die Beine laufen, läuft der Kopf und wenn der Kopf nicht läuft, laufen auch nicht die Beine.

Vor 1,5 Jahren in DD beim Halbmarathon habe ich es durchgezogen ohne Vorbereitung zu starten und bitter bezahlt. Dachte ich in den Tagen danach noch, Schmerz geht und Stolz bleibt, wurde ich in den Monaten danach eines Besseren belehrt. Ich bekam viel Zuspruch nach meinem Blog von Euch und trotzdem ... danach konnte ich nicht mehr laufen. Halbherzige Versuche versandeten bevor sie zu Ende gelaufen waren. Pace jenseits von 6:30 und Kilos, die sich unweigerlich nach oben schraubten. Ein paar Wettkämpfe, immer auf Sicherheit bedacht, wenn dann will ich den Lauf genießen, aber bloß nicht an meine Grenzen gehen. Ehrgeiz? Was ist das? Kenn ich nicht. Je mehr Monate vergingen, um so mehr Ausreden fand ich. Erst, um nicht mehr an Wettkämpfen teilzunehmen, dann um gar nicht mehr zu laufen.

Ist es möglich vor dem Laufen Angst zu haben? Ich weiß es nicht. Sicher ist, ich wurde immer langsamer und sobald jemand versuchte mich zu motivieren, machte ich dicht. Bloß keinen Druck! Ohne Druck lief ich aber auch nicht.

So kam das Frühjahr und das Neiße Adventure Race (zu viert im Team) stand an und ich wollte nicht starten. Aber versprochen ist versprochen. Viel schlimmer meine Gefühle im Vorfeld. Je mehr Zeiten, Kilometer oder (selbst gemachte) Erwartungen auf mich einprasselten, umso mehr Panik bekam ich und zog mich zurück. Ich fing schon an zu heulen, wenn ich nur an den Wettkampf dachte. Ist das der Sport, den ich einmal über alles geliebt habe?

Letztendlich musste ich den Wettkampf mit nicht auskurierter Erkältung starten, sein Team kann man nicht im Stich lassen und wir wurden dafür mit einem 3. Platz belohnt. Nicht wie sonst mit dem 1. Platz, aber dieses Jahr hart erkämpft und verdient. Die Teams des letzten Jahres blieben auch dieses Jahr hinter uns und die (neuen) Teams vor uns waren einfach besser. Der Wettkampf wurde so schlimm wie Dresden, doch mental wurde ich von Anfang an von meinem Team überragend gestützt und ins Ziel gebracht. Danke Dir ganz besonders liebe S., ohne Dich hätte ich das nie geschafft, ohne die Motivation von H. und L. wäre ich vermutlich nicht mal gestartet. Wir sind ein Team haben sie gesagt und ja, das sind wir! Sogar ich. ;)

Doch wie so oft bei mir ... nach meinem Jahrsurlaub mit Trekking in Schottland, der mir mal wieder Schienbein und komplette Zwangspause eingebracht hat, schien der Plan für Moritzburg auf der Jedermanndistanz verloren. Dank dergleichen liebevollen Motivation wie beim NAR habe ich doch noch einen 5 km Testlauf absolviert, der schmerzfrei blieb, also stand fest ich starte einfach.

Was soll ich sagen über diesen Wettkampf, meine mangelnden Vorbereitungen sind nicht legendär, aber doch hinreichend bekannt. Ich wollte einfach nur ankommen, nicht an Zeiten denken, vor allem aber wollte ich lächelnd ins Zeil kommen. Um es kurz zu machen: ich hatte ein Menge Spaß, ich war nicht am Ende der Fahnenstange, da wollte ich ja auch nicht hoch, aber ich war absolut happy im Ziel. Kein Schwimmtraining, keine Radkilometer, stattdessen mit Schienbein auf der Couch. Und dann das Irrwitzige: Im Wasser wider Erwarten nicht ertrunken, auf dem Rad ebenfalls nicht (zu viel Regen in der ersten Hälfte) und auf der Laufstrecke tatsächlich überlebt. Es gäbe noch so viel mehr zu sagen über diesen Wettkampf und vielleicht mache ich das noch. Nur so viel: ich habe mein Ziel, lächelnd nicht als Letzte im Ziel zu sein erreicht und dafür gab es Endorphine, endlich ganz ganz viele Endorphine.

Nach so langer Zeit habe ich wieder das Bedürfnis zu laufen, vielleicht irgendwann wieder sogar Pläne zu schmieden. Ich stehe morgens vor der Arbeit auf um zu laufen oder laufe, obwohl ich Hitze hasse. Die Uhr beim Laufen ist nebensächlich geworden, aber das zufriedene Gefühl fühlt sich gut an und ich möchte es so gern festhalten. Ich hoffe, ich konnte einen für mich mental grenzüberschreitenden Wettkampf mit einem ebenso grenzwertigen Wettkampf besiegen. Klingt vermutlich nicht logisch, aber macht nichts, muss es nicht.

Ich setze mir jetzt bewusst keine Ziele, vielleicht bin ich im Herbst in DD, vielleicht auch nicht. Nichts ist so sicher wie ich unsicher bin. Alles was zählt ist, dass ich gedanklich schon wieder draußen bin, beim nächsten Lauf. Nicht weil ich muss, sondern weil ich will. Helft mir doch, dieses Gefühl festzuhalten (und vielleicht haut dabei auch das ein oder andere Kilo wieder ab).

Und da Zeiten immer relativ sind ;)

Schwimmen 750 m in 15min19s
Radeln 20,4 km in 44min23s
Laufen 5 km in 29min32s

Liebe Grüße von Eurer trödelnden, zu oft zweifelnden, aber immerhin wieder laufenden Liese.

5
Gesamtwertung: 5 (7 Wertungen)

super!

Ich mag deinen Blog! Er ist total ehrlich, und ganz offen gesagt: wer von uns findet sich nicht wenigstens ein bisschen darin wieder? Du hattest ein mächtiges Tief, und du bist da durch, und jetzt läuft es wieder, das ist doch super??? Wie schnell es läuft oder wie lange oder wohin, das ist doch völlig egal? Du bist wieder da!
Und zum Wettkampf: Da merkt man doch, dass die Grundlagen nicht ganz weg sind - und dass der Kopf das Wichtigste in unserem Sport ist ;-) Leider lässt sich der nicht so gut nach Plan trainieren wie die Knochen ;-))))

Hör auf dich und mach, was dir gut tut. Das kann ein Wettkampf sein, das muss kein Wettkampf sein. Es ist unser Sport! Arbeit haben wir schon genug ;-)))

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

wieso? weshalb? warum?

Hallo Liese,

vorab, ich kenne deinen Blog nicht und auch sonst ist das der erste Kommentar, den ich wissentlich von dir lese.
Aber was ich lese, hört sich von außen nicht so toll an. Ich will dich nicht zusätzlich demotivieren, aber irgendwie klingt das ziemlich kompliziert und es scheint dich auch mächtig zu beschäftigen. Vielleicht solltest du den Fokus mehr auf das "unwichtige" aber regelmäßige Training legen, als dir Wettkampfziele zu stecken. Training ist die Suppe, Wettkampf nur Gewürz, oder eben der Nachtisch als Belohnung. Jede Woche 3 x entspannt laufen, dafür wirklich Zeit einplanen und keine Ausreden zulassen, dann kommen Leistungssteigerung, Stabilität und dauerhafte Motivation doch von alleine. Ich habe dem Training einen viel höherer Stellenwert gegeben und auch meine Familie hat begriffen, das Laufen für mich viel mehrt ist als der rein physische Akt und akzeptiert das. Eigentlich entscheide ich auch erst nach Trainingsphasen, welchen Wettkampf ich bestreite. Geholfen hat mir auch, daß ich mich nicht mehr langfristig zu wettkämpfen anmelde, denn das schafft doch erheblichen Druck und verleitet auch zum Laufen, wenn man mental, physisch oder gesundheitlich nicht ganz fit ist.
Und letztendlich lässt sich kein Lauf reproduzieren, egal ob du die Strecke schon 100 Mal absolviert hast, es ist jedesmal neu. Höhen und Tiefen im Trainingslauf oder Wettkampf, wer kennt das nicht...Laufen ist nun mal zu großen Teilen Kopfsache.

Nix für ungut, trotzdem weiterhin viel Erfolg...

Zwast

Bloß keinen Druck

Ich hatte auch mal so ein Motivationsloch, mit Druck ging da gar nichts. Bin zwar weiterhin gelaufen, aber der Spaß fehlte.
Habe mir dann ein MTB gekauft, um etwas Abwechslung zu haben.
Irgendwann hat es auch wieder Spaß gemacht, da kam die Lust auf Wettkämpfe auch von selber wieder.
Und Deine Zeiten so ohne wirkliches Training find ich mal sehr cool.

Lass Dich nicht stressen.

LG,
Anja

Vielen Dank für Euren

Vielen Dank für Euren Zuspruch!
Wettkämpfe bin ich immer gern gelaufen, einfach weil ich die Stimmung, die anderen Läufe, das Feeling genossen habe. Von daher kam der Druck nicht von den Wettkämpfen an sich, sondern von mir selbst. Zu wissen, was ich könnte wenn ich wöllte, aber eben nicht mehr abrufe und trainiere. Und immer die Frage, ob ich die Prioritäten richtig setze, und die mussten zwangsläufig oft bei anderen Dingen liegen.

@Strider: Du hast ziemlich gut erkannt, worum es mir gerade geht, alles kann, nichts soll müssen. Und ich hoffe, dass diese Motivation anhält.

@Zwast: Ich bin kein sehr aktiver Schreiber, meine Blogs seit 2009 kann man hier fast an einer Hand abzählen. :) Ich liebe Wettkämpfe (siehe oben), aber ich habe neben dem normalen Alltagswahnsinn wenig Zeit für regelmäßiges Lauftraining (bzw. treibe ich noch anderen Sport 2-3 mal die Woche). D. h. ich musste jetzt erkennen, das Laufen mir trainingsmäßig fehlt, aber eben nicht mehr mein Hauptsport ist. Ich werde weiterhin an Läufen teilnehmen, aber eben nur teilnehmen und mir keinen Druck mehr machen. Entweder ich laufe, oder eben nicht. Wie Du sagst ... alles Kopfsache und das musste ich lange sortieren.

@Anja: schön von Dir zu lesen. :D Ich hoffe es geht mir wie Dir und ich finde den Spaß wieder.

Ich werde versuchen, Euch auf dem Laufenden zu halten.

LG
Troedelliese

"Sag mir nicht, das ich nicht fliegen kann!"
unbekannt

Boah, welch schöner Gänsehautblog

Wie strider schon sagt, hier findet sich ein jeder, wenigstens für eine Zeitlang, wieder. Dein Blog motiviert ungemein, das ist dir vielleicht gar nicht bewusst. Ich hoffe, es lesen ihn viele, denen es gerade ähnlich ergeht.
Herzlichen Glückwunsch zum Wiederauftauchen und diesem tollen Tria mit richtig guten Zeiten! Die Erfahrung zu machen, dass es eben doch wieder aufwärts geht, ist eine ganz besondere und wird dich prägen! Und Uhren und Zeiten werden sowieso vollkommen .... du weißt schon;-)

Lieben Gruß
Tame

Eigentlich wollte ich doch

Eigentlich wollte ich doch einen Blog über den Wettkampf schreiben und hab mittendrin gemerkt, der ist es nicht der mich beschäftigt, so schön er auch war.
Ich bin selbst gespannt, wie es weitergeht. Die letzten drei Tage hatten wir über 35 Grad und alles über 20 Grad macht mir schon Schnappatmung. Aber auch bei uns ist das Unwetter seit ein paar Stunden wieder da. Also gute Chancen für morgen, der Hund muss schließlich laufen lernen. ;)

"Sag mir nicht, das ich nicht fliegen kann!"
unbekannt

Ich brauche Ziele

...sonst komme ich aus dem Tritt.
Toll, dass die Motivation bei dir von innen heraus kommt!
Weiter so! Ich wünsch dir einfach viel Spaß beim Laufen!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

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