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Benutzerbild von dfrobeen

Es war auch so schon ein rundum gelungenes Wochenende! Da hätte es fast gar nicht auch noch eine positive sportliche Überraschung gebraucht. Aber wenn es mal läuft, dann läuft es - und so wurde die Tour in den Kraichgau auch noch mit einem überdimensionalen i-Tüpfelchen gekrönt.

Vor gut einem halben Jahr haben wir in großer Gruppe beschlossen, den Ironman Kraichgau gemeinsam anzugehen. Die Gruppe war so etwas nach dem Random-Prinzip zusammengesetzt. Freunde und Freunde von Freunden und Partner von Freunden von Freunden und Eltern von Freunden von Freunden...es war fast alles dabei. Zuletzt habe ich mich in ein solches Abenteuer zur Mitteldistanz-Europameisterschaft im letzten Jahr in Rimini begeben. Damals war es auch ein cooles Wochenende, aber wir mussten schon so einige Gruppenfindungsprozesse durchmachen.

Diesmal lief es fast perfekt. So perfekt halt, wie es mit 9 Erwachsenen laufen kann, die auch noch fast alle Triathleten sind, also einen leichten Drang zum Alpha-Ego-Tierchen. Hinzu kamen weitere glückliche Rahmenbedingungen. Das Haus für 12 Personen, welches wir für unseren Aufenthalt angemietet hatten, entpuppte sich als Volltreffer. Wir waren schon froh im dritten Anlauf überhaupt ein Haus für bis zu 12 Personen zu finden. Das es dann eins mit einer geschmackvollen Einrichtung, zwei traumhaften Sonnenterassen mit Blick auf den See etc. wurde, hatten wir gar nicht wirklich mit gerechnet.

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So trudelten wir ab Donnerstag mittag so nach und nach ein und kamen beim Event an. Robin, Sabrina und ich hatten schon den kompletten Freitag vor Ort und nutzten diesen um entspannt die Startunterlagen abzuholen, 1,4km locker im Wettkampfsee, dem Hardtsee zu schwimmen und die Radstrecke abzufahren. Ich wollte dies erst noch mit meinem Drahtesel erledigen und es als weitere Einheit in meiner Vorbereitung auf die anstehenden Langdistanzen zu verbuchen. Aber einige wirklich dunkle Wolken hielten mich von der Idee ab und wir fuhren die Strecke im Auto ab.

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Freitag abend waren wir dann schon in größerer Besetzung und testen eine der Sonnenterassen, samt aufgestellten Grill aus. Samstag früh erledigte jeder so etwas seinen Kram. Zum Teil schon letzte Vorbelastungen, zum Teil ausreichend Schlaf tanken, zum Teil einfach abhängen, bevor es dann zum gemeinsamen Frühstück kam. Robin und ich sind dann mittags losgezogen, um unsere Vorbelastung zu absolvieren. Wir haben schon eine Menge Quatsch zusammen gemacht, aber dieses Wochenende hatten wir uns ganz schön in Vernunft geübt. Davon galt es nun aber für ziemlich genau 2:45 Minuten abzuweichen.

Wir rollten eine gute Stunde locker um die umliegenden Dörfer, während mich Robin auf ein Strava-Segement direkt vor unserer Haustür aufmerksam machte. Strava-Segemente sind einfach eine Einladung um Quatsch zu machen und so schmiedeten wir einen Plan. Der bisherige Segment-Rekord lag bei einem 46,6km/h-Schnitt. Der Streckenabschnitt war flach und es war absolut windstill. Ich traute mir diesen Rekord nicht zu, wollte aber Robin eine faire Chance geben. Wir bogen auf die letzte Rechtskurve vor dem Segement ab und hier hatte ich schon Fahrt aufgenommen. 52km/h zeigte mein Tacho, während Robin dicht bei mir am Hinterrad hing. Ein paar Tritte im Segement und der Tacho sprang auf 56km/h. Jetzt war die Frage, wie lange ich dieses Tempo halten kann und wann Robin aus dem Windschatten raus überholt und das Ding nach Hause bringt.

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Das Segment ist 2,1km lang und nach etwa 1,5 davon, ging mir doch zusehends die Puste aus. Jetzt zog Robin vorbei und ich versuchte so gut es geht noch die Pace zum Segment-Ende zu bringen. Zurück im Haus stieg dann die Spannung. Aber Robin hatte es gepackt - um genau eine Sekunde verbesserte er den Rekord und ich setzte mich immerhin mit einem 44,8km/h-Schnitt auf Rang 3 der Bestenliste.

Von diesem Teilerfolg auf einer Endorphinwolke getragen, liefen wir noch mit Jochen, der zwischenzeitlich auch eingetroffen war, einen kurzen Koppellauf über 5km in 4:17-Schnitt und fühlten uns nun bestens präpariert für alles das, was am nächsten Tag folgen sollte.

Ich war vor zwei Jahren an gleicher Stelle schon einmal gestartet und es war von allen meinen schlechten Schwimmleistungen, die schlechteste. Der Schwimmkurs führt zu Beginn 800m geradeaus zur ersten Richtungsboje und es gab damals keine einzige Zwischenboje. Ich war damals irgendwie überfordert und war nach 400m Wettkampf kurz davor wieder umzudrehen und auszusteigen.

In der Zwischenzeit habe ich einigermaßen viel Schwimmtraining absolviert. Ich bin zwar nicht wirklich schneller geworden, aber ich gewinne eine gewisse Routine darin, die langen Strecken zu schwimmen. Ich hatte sogar 2 Wochen vorm Wettkampf tatsächlich mal die 1900m nonstop im Training absolviert. Derartige Strecken hebe ich mir sonst für den Wettkampf auf :-). Ich hatte also diesmal keine Panik vor der ersten Disziplin. Dennoch konnte ich meine Nervosität vor dem ersten Triathlon-Wettkampf seit dem Sturz in Roth nicht ganz unterdrücken.

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Als endlich mein Startschuss, der für die 35-39jährigen fiel, schwamm ich einfach meinen Stiefel los. Es klappte ganz gut - ich vermied komplett das Getrete in der Mitte des Feldes, schwamm aber auch keine komplett unnötigen Umwege, um Körperkontakt zu vermeiden. ich war überrascht, wie schnell die erste Boje kam. Auch die zweite war schnell erreicht und ich wusste, dass diese nach 1000m der Schwimmstrecke kam. Jetzt habe ich leider doch ein wenig die Orientierung verloren und die Ausrichtung zur dritten Boje nicht gefunden. Meine GPS-Uhr meldet hinterher 1950m Schwimmstrecke - den Umweg bin ich definitiv zwischen zweiter und dritte Richtungsboje geschwommen.

Der Schwimmausstieg näherte sich sehr flott. Die erste Teildisziplin verlief komplett unaufgeregt und ich war nun doch auf meine Zeit gespannt. Offen gestanden hatte ich durch den Verlauf fast mit einer noch besseren Zeit gerechnet. Aber mit 43:28 war ich immerhin 2 Minuten schneller als zwei Jahre zuvor und ging deutlich entspannter auf den nächsten Teilabschnitt.

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Leider verlor ich in der Wechselzone etwas Zeit. Obwohl ich die Wege mehrfach abgegangen war, lief ich am Ständer mit meinem Wechselbeutel vorbei und suchte verzweifelt meine Startnummer am nächsten. Zahlen sortieren im Wettkampfmodus ist schon eine Kunst und es dauerte gefühlt eine Ewigkeit, bis ich doch meinen Beutel in den Händen hielt. Einmal die Wechselzeit versaut, brauchte ich natürlich auch noch länger als gewohnt aus dem (neuen) Neo und einen Stopp zum Wasser lassen am "legalen" Punkt in der Wechselzone, gönnte ich mir auch. Auf Rang 1791 von 2368 Finishern, nahm ich nun die Aufholjagd auf dem Rad auf.

Die ersten ca. 9km im Kraichgau sind weitgehend flach und es bestätigte sich das gute Gefühl vom Vortag. Ohne ernsthaft Druck auf die Pedale zu geben, war ich bei erneut fast Windstille im knappen 40er Schnitt unterwegs. Was nun aber kam, kannte ich von vor zwei Jahren und der Streckenbesichtigung zwei Tage zuvor. Der Ironman Kraichgau hat bekanntermaßen eine der schwierigsten Radstrecken der Szene zu bieten. Zum einen hat er stolze 1000 Höhenmeter. Was ich aber aus meiner Rennpremiere dort noch viel präsenter hatte, waren die technisch hoch anspruchsvollen Abfahrten. Immer wenn man sich mal wieder einen Hügel hochgequält hatte, wurde die Freude über die Abfahrt sofort dadurch gemindert, dass man vor sich mehrere "Vorsicht"-Schilder sah und in der Regel eine enge 90-Grad-Kurve folgte.

Wo war auch diesmal immer was los auf der Radstrecke. Entweder man musste einen Hügel hoch treten oder die Konzentration auf die Abfahrten voll fokussieren. Flache Passagen zum Ausruhen waren so gut wie nicht vorhanden.

Vor zwei Jahren bin ich noch panisch irgendeinem Schnitt hinterher gefahren. Ich war Monate zuvor in Köln knapp am 36er-Schnitt gescheitert und dachte eigentlich, dass ich mich bis zum Kraichgau verbessert hatte. Was ich damals einfach nicht verstehen wollte war, dass man die Radstrecken nicht einfach so vergleichen kann. Ich kam damals völlig zerstört nach 2:44 Stunden in der Wechselzone an und hatte eigentlich schon gar keine Lust mehr auf Laufen.

Diesmal ging ich es konservativer an und akzeptierte, dass ich hier keine Radbestzeiten aufstellen werde. Dennoch stoppte die Uhr nach 2:43:58, was erneut eine gewonnene Minute zum Vergleichswettkampf darstellte.

Nun war ich also mit 3 Minuten Vorsprung unterwegs auf der Laufstrecke. Vor zwei Jahren war ich in der Laufform meines Lebens. Wenige Wochen zuvor war ich eine 1:21:23 beim Berliner Halbmarathon gelaufen. Beim Rennen im Kraichgau aber war ich schon komplett platt, als ich mit dem lauf begann. Am Ende benötigte ich über 1:38 Stunden.

Dennoch ging ich zu Beginn meines Laufes am Sonntag davon aus, dass ich diese Zeit wohl nicht toppen würde. Zu schlecht waren meine Laufresultate in der bisherigen Saison. Aber es ging ganz gut los und die erste von drei 7km-Runden war nach 31:07 Minuten erledigt. ich rechnete jetzt mit einem Einbruch - das konnte irgendwie nicht sein. Aber es fühlte sich immer noch ganz gut an. Ich war in so einem Flow und spulte ziemlich unspektakulär die Kilometer ab. Die zweite Runde dauerte in 31:22 Minuten nur unwesentlich länger. Es hatte mittlerweile stark angefangen zu regnen.

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So langsam begriff ich, dass ich dabei war eine wirklich große Überraschung zu erreichen. Als wir am Vorabend noch die Zielzeiten diskutierten, träumte ich davon unter der 5:14 von vor 2 Jahren zu bleiben - so recht dran geglaubt habe ich aber nicht. Im Endeffekt stoppte die Uhr für mich bei 5:07:40 Stunden. Um dahin zu kommen, bin ich einen 1:34:38 Halbmarathon gelaufen. Das ist nur knapp 2 Minuten langsamer, als meine Zeit bei der Halbmarathon-WM in Cardiff...da war aber keine Schwimm- und Rad-Vorbelastung integriert.

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Ich war total happy und bin es immer noch. Endlich ein für mich wirklich gutes Sportresultat in 2016 - so kann es weitergehen. Ich freue mich jetzt auf den nächsten Triathlon...beim Ironman Frankfurt!

 

 

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Wahnsinnslauf!

Dein Bericht liest sich so wunderbar locker und der gelungene Halbmarathon am Ende ist natürlich das I-Tüpfelchen; schön wenn alles läuft! Glückwunsch!!! (und das Quartier sieht wirklich perfekt aus ;-)

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

i-Tüpfelchen?

Wohl eher ein i-Planet oder sonst etwas sehr, sehr großes Rundes.

Herzlichen Glückwunsch und mal wieder danke für den schönen Bericht
yazi

Wow - wenn's läuft, dann läuft's

und das in allen Triathlon-Disziplinen! Genial, so kann es gerne für Dich weitergehen.

Viel Spaß und Erfolg in Frankfurt!

Im Flow nach Frankfurt!

Wie immer liest sich aus deinem Bericht die Begeisterung für deinen Sport - in letzter Zeit gepaart mit einer gewissen Lockerheit. Vielleicht ermöglicht dir genau dies "unverhoffte" Bestzeiten!
Ich hoffe du kannst die Stimmung mit nach Frankfurt nehmen!

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

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