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Vor langer Zeit hatte strider hier so schön über den Luxemburg-Marathon berichtet, dass ich den gern mal laufen wollte. Da ich dieses Jahr irgendwie ambitions- und motivationslos bin (aufgrund diverser Umstände), mich aber aufgrund striders Abwesenheit als Ersatz-Pacemaker in Luxemburg gemeldet hatte - und genommen wurde – war am letzten Samstag eine Reise nach Luxemburg angesagt.

Die verlief stridersch chaotisch. Der normalerweise stündlich fahrende Zug von Koblenz nach Luxemburg war aufgrund eines Erdrutsches und Streckensperrung ganz gestrichen worden. Der Regio-Bummelzug wurde durch Schienenersatzverkehr mit Bussen um die Stelle herumgeleitet und war schon bei Abfahrt knapp 1h verspätet. Den Anschlusszug nach Luxemburg von Trier aus müsste man auch noch mit gut 1h Fahrt erreichen. So war der Termin zum Treffen für 17h schnell Geschichte. Dank moderner Technik geht aber unterwegs eine Info per Mail, ein Zusammentelefonieren per Handy, etc. Und so war ich guter Dinge noch pünktlich zum Start um 19h an der Expo zu sein.

Das klappte dann auch letztendlich, wenn man davon absieht, dass ich noch ne knappe halbe Stunde auf der Expo rumgeirrt bin um die Pacemaker-Loge zu finden. Jedenfalls kam ich da voll gehetzt, nass geschwitzt und aufgeregt an und zog einmal kurz blank, während die männlichen Kollegen die Startnummer an das lange nutzlos herumliegende Shirt machten. Rein in die Laufplörren, die Sleeves sparte ich mir aus Zeitgründen, grapschte mir eine Flasche Wasser und den anderen hinterher in den Startbereich hechten. Auf dem Weg sah ich deren Chips am Fuß – shit, der ist noch im Rucksack. Also wieder zurück, Chip holen und dann den Schlüssel abgegeben und die anderen im Startblock suchen. Ich sah Block E auf der Startnummer und wühlte mich weiter nach hinten durch, bis ich sie in Block D fand. Vor dem Start macht ein Bekannter noch ein Foto von uns dreien.

Pacemaker

M&M sind vor einer Woche noch in Mainz als Pacemaker gelaufen und meinten wenn einer abkackt wären ja immer noch zwei. Ich sagte wenn einer abkackt dann vermutlich am ehesten ich. M hatte vorher schon seine Pacetabelle geschickt – und ich mir in letzter Sekunde noch das Höhenprofil angeschaut. Nicht ganz ohne – so ab km 30 geht es irgendwie tendenziell bergauf.

Wir lassen den Rest Wasser im Startblock stehen, als es dann losgeht. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn es ist voll. Hier starten die Halbmarathoni, Staffelläufer und Marathoni zusammen, so dass wir gut 5 Minuten brauchen bevor wir die Startlinie erreichen. Ein paar eifrige Mitläufer haben sich schon gefunden – und einige von ihnen bleiben bis zum Ziel bei uns und laufen vor, neben oder hinter uns. Wir schlängeln uns möglichst unauffällig durch das Feld und ziehen dabei die Luftballons mit der Zielzeit hinter uns her. Die steht auch nochmal auf den Shirts hinten auf einem Extrablatt.

Anfangs ist es schwülwarm. Meine Dose mit Salzkapseln habe ich in der Tasche und sie rasseln bei jedem Schritt. Einen M nervt das so das er sagt ich solle die rausnehmen – wobei wir hier noch davon ausgehen diese zu benötigen. Dabei fällt die ganze Dose auf den Boden – einer der Hinterherlaufenden tritt drauf und das Rasseln hat sich erledigt. Die Salztabletten auch – brauch ich jetzt auch neu.
Wir laufen durch die Stadt, sehen auf der Gegenlaufstrecke die schnellen Läufer, es geht durch Parks, Altstadt, Fußgängerzone, über Asphalt und Kopfsteinpflaster, hoch und runter (anfangs mehr runter). Die Strecke ist sehr abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll. Ständig checken wir die Uhren und M meint „7 Sekunden vor“ oder „20 Sekunden nach“. Er hat hier schon mehrmals den Pacemaker gemacht und ich verlasse mich auf seinen Plan am Anfang was rauszulaufen und am Ende etwas mehr Zeit einzuplanen. Ich laufe quatschend durch die Gegend – mal mit M oder M, mal mit den Mitlaufenden. Eine Frau läuft eine Weile neben mir und sagt sie wolle bei mir mitlaufen. Wir tauschen uns ein wenig aus, dann fällt sie wieder hinter mir zurück.

Die Halbmarathoni und Staffeln haben ein Schild auf dem Rücken – und sind in der Mehrzahl. Kurz vor km 15 biegen sie ab. Ab da kann man laufen wie man will und es ist eher leer auf der Strecke.
Bei HM meint M der Bogen mit Matte wäre wie immer zu spät aufgebaut. Bis hierher haben wir es (nach der offiziellen Zeitmessung) tatsächlich knapp in der Hälfte der Laufzeit geschafft (1:52h).

Durch einen bogenförmigen Durchgang in der Altstadt geht es direkt beim Fischhändler vorbei – nur kurz weht der Fischgeruch in die Nase, dann ist man wieder im Freien. Immer wieder kommt man an Tanzgruppen und Sambagruppen vorbei, teilweise Zuschauer in Massen mit Gänsehaut-Feeling – dann wieder in Maßen. Anfeuerungen in Französisch, Deutsch und Englisch (plus noch ein paar anderen Sprachen) schallen zu uns durch.
Langsam wird es dunkel. Bei km 30 etwa laufen wir durch einen Park, der durch Leuchten in kunstvollen Formen (ähnlich wie Laternen beim Martinszug) illuminiert wurde. Wunderschön in dieser lauen Nacht, wo die Temperaturen langsam richtig angenehm werden.

Weiter geht es – überwiegend bergauf. Nur nicht mit meiner Kondition – die geht eher bergab. Zwar hatte ich Wasser und Iso abwechselnd genommen (auch mal eine Verpflegung ausgelassen, weil ich sie zu spät gesehen hatte und nicht mal eben die Straßenseite wechseln und die anderen behindern wollte), doch ich bekam Seitenschmerzen und Bauchschmerzen, schleppte mich dahin. Auch die Gespräche um mich herum waren weitgehend verstummt, jeder war mit sich selbst beschäftigt. Bei km 35 war mein Kopf wieder so weit klar, dass ich wusste: das packe ich. Und so motivierten wir uns gegenseitig und die Mitläufer/innen und liefen und liefen. Bei km 40 war klar: das Ding ist im Sack und wir ließen es auf dem Weg bergab zum Ziel gemächlich angehen.

Zu dritt liefen wir dann durch den Zielbogen, bekamen den Dank und die Freude der Mitlaufenden gleich ab. Auch die Frau hatte es geschafft und bedankte sich für die Motivation. Wir beglückwünschten alle zur Zielerreichung, bekamen die Finishermedaille - und dann war bei mir auch der Ofen aus. Ich fror und zitterte vor mich hin. Nicht mal das Bier mochte schmecken – mir war einfach zu kalt.
Als wir dann in der Jugendherberge ankamen (ich hatte mich mit einem Franzosen zusammengetan, der ursprünglich aus dem Senegal kommt) waren wir froh über die heiße Dusche und die vorbereiteten warmen Speisen. Die Suppen waren salzig und warm – das tat gut. Wasser konnte ich keins mehr sehen.

Geplant war 3:44:30h – im Ziel waren wir nach 3:44:16h. 3:44 stand auf dem Ballon und dem Zettel – ich würde mal sagen Punktlandung. Es war eine tolle Erfahrung das mit erfahrenen Pacemakern gemeinsam zu machen. Das letztendlich Platz 1 der AK für mich auf der Liste steht und Platz 20 der Frauen gesamt ist geschenkt.

5
Gesamtwertung: 5 (8 Wertungen)

Boah,

Nach dem "Vorspiel" hätte ich schon gar keine Lust mehr gehabt zu laufen. Kaum zu glauben, dass es noch chaotischer gehen kann als bei Strider.
Hast du noch grandios abgespult, den Hasenjob.

LG,
Anja

Den Staffelstab von strider

hättest du nicht über nehmen müssen. Jetzt reicht es aber mit Chaos.
Tolle Leistung! Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man Teil eines Planes ist, der dann auch noch funktioniert.
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LG Inumi
Wenn ein Lauf nicht dein Freund ist, dann ist er dein Lehrer.

Saubere Leistung!

Hast du doch super gemeistert!! Und mit einer Punktlandung. Trotz Chaos und schwülem Wetter. Glückwunsch!!

Laufen solange es geht - gehen bis es wieder läuft :-)

Abgeliefert!

Sauberes Ergebnis, professionell durchgezogen - super!
... und beruhigend zu wissen, dass es einer Läuferin deiner Klasse tatsächlich auch mal passieren kann, in ein Motivationsloch zu fallen. Es zeichnet dich aus, dass du da wieder rauskommst und deine Mitläufer und dich punktgenau ins Ziel bringst!

(über den Fehlstart davor sag ich mal nichts, bevor das noch ansteckend ist!!!)

Gruß, Dominik
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"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

Du Kanone, du!

Ich finde dich saustark! Die Pace-Maker-Zeit ist richtig beeindruckend. Um wie HH-Runner zu sprechen, läuft "meinereiner" eine solche Zeit am Anschlag und dementsprechend einsilbig... ;-) Und bei dir ist da immer noch so viel Luft nach oben! Hammer.

:-)

Mit Stil ins Ziel!

Sag mal....

Du hast Dir nicht zufällig das Striderlable gemopst???;o))
Du machst Sachen....und dann noch so einen perfekten Pacer-Job, krass gut, escht! :o)
Gratuliere Dir!

Lieben Gruß Carla
"Mancher rennt dem Glück hinterher, weil er nicht merkt, dass das Glück hinter ihm her ist, ihn aber nicht erreicht, weil er so rennt!" (Bert Hellinger)

Ballons???

Was sind denn das für neumodische Verirrungen? Keine Folterstangen mehr? Boah, kaum bin ich mal nicht da...

Das hast du super hingekriegt! Bei dem Chaos hätte ich den Rückweg angetreten.

Lg jetzt aus Amsterdam!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Wie kann man (Frau)

bei dem Chaos und Wetter solch Punktlandung schaffen? Ich ziehe mal wieder meinen Hut vor deiner Leistung! Ganz, ganz toll! Du kannst sehr stolz auf dich sein! Fetten Glückwunsch und STAUN!!!

Lieben Gruß
Tame

Wie ein Uhrwerk

und das bei der Vorgeschichte. Vielleicht hilft das ja auch etwas bei der Eigenmotivation. Würde ich dir wünschen.

Klasse gemacht!

Mit Dir als Pacemakerin würde ich gerne mal mitlaufen (wobei: so schnell bin ich nicht).
Habe da beim BIG 25 ein ganz anderes Kaliber beobachtet, der bei km 21 seinen Schäflein verkündete, er müsse jetzt mal anziehen und "Zeit gutmachen" - worauf er gleich mal drei von vieren abgehängt hatte. War ganz froh, dass ich da nicht versucht hatte mitzulaufen. Wobei es eigentlich toll ist, wenn jemand anders die Verantwortung für die Zeit übernimmt.
Also: Glückwunsch zur Punktlandung, so ist es großartig!

yazi

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