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Benutzerbild von dfrobeen

„Was ist denn jetzt los?“ frage ich mich nach etwa 400m des Rennens und beginne zu phantasieren, was wohl in den nächsten gut zwei Stunden noch auf mich zukommen könnte. Auch als ich zuletzt einen Rennen angetreten bin um 10km zu laufen, habe ich mir nach ziemlich genau der gleichen Entfernung die gleiche Frage gestellt. Damals, vor gut 3 Wochen, wurde ich anschließend Zweiter des Organspendelaufes in Berlin und erfreute mich meiner ersten Teilnahme an einer Siegerehrung.

Ebenso wie damals blicke ich mich auch diesmal um und entdecke eine Lücke hinter mir im Teilnehmerfeld. Der Unterschied ist aber, dass ich in Berlin ziemlich genau die Horde anderer Läufer gesehen habe, die mit mir wetteiferten. Diesmal was es nach einer Ecke und ich hatte keine Ahnung, ob überhaupt noch jemand hinter mir war. War ich tatsächlich letzter?

Während ich einfach mal weiterlaufe, geht mir durch den Kopf, dass es vielleicht am Titel dieses Rennens liegen könnte. Es ist schon ein Unterschied an einem Mittwoch abend in Berlin an einem Rennen namens „Organspendelauf“ teilzunehmen, oder wie heute an einem Sonntag mittag in Alsdorf bei Aachen einem Rennen namens „Deutsche Meisterschaft“.

Ich befinde mich im Rennen um eben diese Titelkämpfe im Duathlon. Es ist mein erstes Multisportevent des Jahres und es geht über 10km laufen, 40km radeln und anschließend nochmal 5km laufen. Ich hatte mich in der Startaufstellung mal konservativ in die 5.-6. Reihe gestellt. Normalerweise stehe ich noch ein paar Reihen weiter vorne, aber hier könnte es doch sein, dass ein paar mehr schnelle Jungs am Start stehen, die mich womöglich als Hindernis sehen. Als der Startschuss knallt, bin ich dann aber doch überrascht – ich werde förmlich über den Haufen gerannt. Ich denke ich bin im falschen Film, bin aber so gerade nur so geschockt, dass ich nicht stehenbleibe, mein Rad einpacke und nach Hause fahre.

Kurz nach der 400m-Marke – ich hatte ernsthaft die Befürchtung mittlerweile die rote Laterne des Feldes darzustellen – kommt im recht verwinkelten Kurs eine Art Wendepunkt und ich atme durch. Da sind noch Läufer hinter mir. Jetzt kann ich mich erstmal mit mir selbst beschäftigen. Warum genau sind da gerade gut 150 der etwa 250 Starter an mir vorbereigerannt? Sind sie so schnell, oder ich möglicherweise einfach viel zu langsam. Durch die vielen Richtungswechsel ist auch meine GPS-Uhr verwirrt und ich muss bis zum Schild des ersten km warten, ob ich gerade irgendwas grundlegend falsch mache.

Ich werde beruhigt, zumindest was mein eigenes Rennen angeht. Ich passiere das Schild bei etwa 3:51 Minuten und fühle mich ganz gut damit. Wie immer nehme ich nach dem ersten km etwas raus und versuche einfach mein eigenes Rennen zu laufen. Jetzt ist die Strecke sehr schön, es geht einen Kilometer geradeaus durch einen Park, leicht bergab aber mit Gegenwind. Dann zwei 90-Grad-Kurven nach links und die Gegengerade wieder Richtung Start, diesmal mit Rückenwind, aber leicht bergauf. Zurück in der „Zivilisation“ geht es ein kleines Stück steil bergab und dann gut 500m über einen Bürgersteig stetig bergauf zu Start/Ziel. Nach der ersten 2,5km-Runde bin ich noch knapp unter 10 Minuten und es folgen noch drei weitere.

Jetzt beginnt das große Nachdenken. Vor knapp 3 Stunden bin ich bei meiner Schwester in Köln losgefahren. Als ich mühsam bepackt (das erste Multisportevent des Jahres ist doch immer wieder eine kleine Herausforderung) vor die Tür trete, fällt genau in diesem Moment ein kräftiger Hagelschauer auf mich herab. Ich war ohnehin eher durchschnittlich motiviert. Bis dato war es eigentlich ein ziemlich gelungenes, gechilltes Wochenende mit meinem Sohn und meiner Schwester. Warum genau fahre ich jetzt in ziemlich kalten, windigen Wetter nach Alsdorf, statt einfach auf dem Sofa meiner Schwester das Wochenende weiter zu genießen? Auf der einstündigen Autofahrt gehen mir allerlei Antworten auf diese Frage durch den Kopf. Ein Ansatz, der mir ganz gut gefällt ist der, dass ich versuche einen flotten 10er zu laufen und dann einfach anerkenne, dass ich für einen Radwettkampf viel zu wenig Jahres-km auf der Uhr habe, noch keinen einzigen Aeropositions-Kilometer und es ja sowieso viel zu kalt ist um mit 40 Sachen über eine windanfällige Strecke am äußersten westlichen Rand der Republik zu rasen.

DNF ist aber keine Option und ich kenne mich. Wenn ich einmal auf dem Rad sitze, dann packt mich doch sowieso wieder der Ehrgeiz. Wenn ich mich bis dahin schon komplett zerlegt habe, könnte der Tag noch ganz schön lang werden. Aber es ist ja ohnehin die Frage, wie man so einen Duathlon angeht. Es ist mein dritter, der erste über solch kurze Distanzen. Schont man sich beim Lauf etwas um mehr Energie in den Beinen fürs radeln zu haben? Oder ist auf dem Rad eine derart andere Belastung, dass es sowieso egal ist, wie schnell ich vorher gelaufen bin.

Bis ich diese Gedankenspiele alle durch habe, ist auch schon die zweite Runde durch. Ich bin bei recht genau 20 Minuten und irgendwie ist es doch scheißegal, ob ich jetzt 40, 41 oder 43 Minuten laufe – dann kann ich auch einfach weiterballern. Mein Tempo wird minimal langsamer, aber ich glaube das kommt eher vom Kopf, der so langsam realisiert, dass es hier kein 10km-Rennen kommt, sondern dass danach ohne Pause nochmal etwas 1,5 Stunden Maximalbelastung folgen werden.

Die dritte Runde ist vorbei und ich bin im Flow. Beim Organspendelauf sind die beiden letzten 2,5km-Runden gefühlt ewig lang gewesen, hier ist es nur ein Katzensprung. Ich glaube ja fest, dass der Kopf schon immer genau weiß, was noch kommt und die Erschöpfung entsprechend anpasst. Kurz vor dem Zielkanal biege ich zum mittlerweile vierten Mal links ab, greife in meine Trikottasche, schnappe mir ein Gel und spüle es mit einem Becher Wasser runter. Jetzt nicht durch den Startbogen, sondern rechts abbiegen in die Wechselzone. Ich überlaufe die Zeitmessung nach 41:07 Minuten – die Ergebnisliste wird später 41:11 Minuten zeigen, da es keine Nettozeit gibt.

Jetzt folgt der erste Wechsel. Das war in den letzten beiden Triathlonjahren immer meine Spezialdisziplinen. Wenn ich schon im schwimmen, radeln, laufen nicht zu den besten gehören kann, dann wenigstens auf der vierten Disziplin…da ist es auch nicht so anstrengend und trainingsintensiv. Aber vor diesem Wechsel habe ich mir genau null-komma-null Gedanken gemacht. Was kam jetzt nochmal? Zum Glück habe ich die Abläufe noch halbwegs parat. Schuhe abstreifen, Helm aufsetzen, Rad schnappen und loslaufen – passt. Doch was ist das? Mein Hinterrad rollt keinen Meter? Coole Sache, das können ja sehr lange 40km werden. Oder anders formuliert: dann hätte ich mich doch auf den 10km komplett zerlegen können.

Ich denke nach – auf dem Weg zur Wechselzone ist das Laufrad noch optimal gelaufen? Hat jemand mein Rad manipuliert? Hat das kalte Wetter irgendwas mit meinem Material gemacht? Meine spontane Idee ist es die Bremse etwas zu öffnen. Kurz stehenbleiben, die schnelle Wechselzeit ist im Eimer, Bremse öffnen und weiter. Der Effekt ist gleich null. Jetzt fällt es mir ein. Ich hatte ein zu kurzes Gummiband dabei und musste den Schnellspanner etwas im Winkel verändern, damit ich überhaupt meine Radschuhe optimal für den Wechsel präparieren kann. Ich bleibe wieder stehen – ein kurzer Blick in die Umgebung, wie viele Zuschauer werden das wohl mitbekommen haben? Wenn ich Zuschauer gewesen wäre, hätte ich auf jeden Fall den Kopf geschüttelt und gedacht „Mannomann, sowas darf Dir im Wettkampf nicht passieren“. Jetzt bin ich der Depp, der im laufenden Wettkampf erstmal beginnt an seinem Rad rumzuwerkeln. Ich öffne den Schnellspanner, richte das Rad neu aus und bringe den Rennhobel wieder in korrekten Wettkampfmodus – es funktioniert.

Ich schwinge mich aufs Rad und nehme Tempo auf. Ich begebe mich in Aeroposition. Die Strecke ist schnell – es geht ganz simpel ein 3,4km-langes Stück Landstraße hin und zurück, das ganze insgesamt 6mal. In der Ausschreibung stand wellig, aber die Zeit um die Radstrecke mal abzufahren hatte ich mir natürlich nicht genommen. Den Satz von oben mit den kopfschüttelnden Zuschauern schreibe ich jetzt nicht nochmal. Es ist auch der erste Aero-Kilometer seit September 2015 – und es folgen noch 39.

Mein Tacho hat erst nach einem Kilometer GPS gefunden, sodass ich erst jetzt eine Indikation bekomme, wie flott ich unterwegs bin. Es geht auf gutem Asphalt stetig bergab und der Tacho geht immer wieder über die 40 – das fühlt sich ja ganz gut an. Schon vergessen sind die 10 Laufkilometer von kurz zuvor. Wie schon auf der Laufstrecke geht es leicht bergab, aber wir radeln frontal gegen den Wind. Ganz böse wird es am Endstück der ersten 3,4km, als es jetzt gegen den Wind auch noch bergauf geht. Fühlte sich das eben noch gut an? Streicht den Satz einfach.

Der Wendepunkt hat den Namen wirklich verdient – man muss fast stehen um um diese enge Kurve zu kommen. Jetzt folgt die Frage der Beschleunigung von 0 auf 40 – bergab mit Rückenwind. Der Spaß vergeht aber schnell und der leichte Anstieg Richtung Wechselzone fühlt sich unangenehmer an, als der Rückenwind unterstützen kann. Kurz vor dem zweiten Wendepunkt blicke ich am Tacho erstmals auf die Durchschnittsgeschwindigkeit. Die zeigt 35,9km/h, das ist doch deutlich mehr, als ich mir zu diesem Zeitpunkt der Saison zugetraut hätte.

Auf der RTF vor zwei Wochen oder den Radtouren der letzten Woche im Trainingslager in Österreich, fühlten sich 40km immer schon recht lang an. Hier bin ich aber im Wettkampfmodus und ich erfreue mich der neuerlichen Erkenntnis, dass dann alles anders ist. Die Kilometer fliegen an mir vorbei und ich wundere mich, wie gefühlt flott im Kopf ich auf der letzten Passage zur Wechselzone bin.

Den knappen 36er-Schnitt konnte ich nicht ganz halten, aber eingebrochen bin ich auch nicht. Der Tacho zeigt bei Durchschnittsgeschwindigeit 34,5km/h, aber das erste wirklich schnelle Teilstück fehlt, da das GPS hier noch nicht genügend Satelliten gefunden hatte. Die Ergebnisliste führt mich mit einer 1:08:36 auf den 40km, ziemlich genau 35,0km/h im Schnitt. Dafür, dass ich vor zwei Wochen noch bei einem Stundentest meinem Mitfahrer bei 37km/h komplett im Windschatten hinterher gehechelt bin und mehrfach überlegte, abreißen zu lassen, bin ich mit dieser Performance zum frühen Zeitpunkt der Radsaison recht zufrieden.

Der zweite Wechsel funktioniert reibungslos. Ich hatte mir die Stelle meiner Wechselzone und den Weg dorthin gut gemerkt. Aus dem vergangenen Jahr hatte ich mir noch gemerkt, dass es Sinn macht im Duathlon zwei paar Schuhe zu haben. So kannst du die ersten einfach vom Fuß abstreifen und für den abschließenden Lauf einfach ein anderes Paar in einstiegsfreundlicher Schnürung bereitstellen. Für mich stehen die neuen Zoot Makai bereit, die wirklich den leichtesten Einstieg aller Schuhe ermöglichen, die ich in den letzten Jahren im Multisport genutzt hatte.

Jetzt die Frage, wie sich der zweite Lauf wohl anfühlt. Im letzten Jahr bei meinen beiden Duathlon, musste ich dort doch deutlich für meine Anstrengungen in den Teildisziplinen zuvor büßen. Diesmal renne ich aus der Wechselzone und sehe eine Dreiergruppe in überschaubarer Entfernung. 5km gehen schnell vorbei, da kann ich mich jetzt doch nochmal quälen. Und die drei Jungs da vorne, die hole ich mir. Einmal im Laufschritt habe ich keine Ahnung, wie schnell ich eigentlich unterwegs bin. Ich finde das nach dem radeln immer unendlich schwierig einzuschätzen. Es fühlt sich total lahm an, aber die Uhr stoppt immerhin schon nach 4:31 für den ersten Kilometer.

Die ersten beiden Jungs der Dreiergruppe habe ich schon kassiert, den dritten eigentlich auch, aber er hängt sich hartnäckig in meinen Laufschatten. Beim leichten Anstieg zum km2-Schild überholt er sogar. „OK, kannst Du haben“…ich bin im Rennmodus. Bergab ziehe ich wieder vorbei, aber erneut bleibt er dran. Wir gehen Schulter an Schulter auf die letzte Laufrunde.

Ich hatte beim Lauf aus der Wechselzone nur die Dreiergruppe auf dem Schirm, ganz weit hinten war noch ein Starter, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich ihm ernsthaft noch näher kommen würde. Nach dem verwinkelten Stück – mein Schatten und ich waren mittlerweile im Tempo zwischen 4:15 und 4:20 – waren plötzlich zwei Läufer vor mir. Der eine, den ich schon hinsichtlich überholen abgeschrieben hatte und ein weiterer.

Ich wechselte meine Taktik von „nur vor meinem Schatten ins Ziel kommen“ in „jetzt noch so viele wie möglich überholen“. Die zwei vor uns haben wir beide schnell kassiert und die nächsten Kontrahenten waren in Sichtweite. Es geht die lange Gerade bergab gegen den Wind. Wenn ich da um die Ecke bin, ist es nur noch ein guter Kilometer – und einbrechen tust Du auf dem Stückchen jetzt auch nicht mehr, also Vollgas.

Es fühlt sich gut an. Ich habe in diesem Frühjahr doch so viele sportliche Rückschläge eingesteckt. Aber heute soll der erste Wettkampf in 2016 werden, mit dem ich wirklich zufrieden sein werde.

Auf der Gegengerade überholen wir noch zwei Akteure – mittlerweile habe ich auf dem 5km-Lauf 7 Plätze gut gemacht, vorausgesetzt ich bleibe bis zur Ziellinie vor meinem Schatten. A propos, jetzt ist Taktik gefragt. Es kommt das Stück, wo er mich auf der ersten Laufrunde überholt hat – das kann er besser als ich. Dann kommt das kurze steilere Bergabstück – das kann er schlechter als ich. Ich gebe bergauf noch mehr Druck, diesmal überholt er nicht. Und bergab trete ich nochmal an – hier will ich ihm endgültig den Zahn ziehen. Es funktioniert und in der letzten Ecke vor dem Ziel werfe ich einen Blick zurück und sehe, dass er ca. 20m zurück hängt. Das holt er nicht mehr auf.

Das Rennen ist für mich durch – nein, da ist noch einer, 15m vor mir und es sind noch etwa 300m zu laufen. Ich halte den Druck beim Laufen bei und schnappe mir auch ihn. Ich biege diesmal nicht links ab, sondern halte mich geradeaus in den Zielkanal. Die letzten 5km dauern für mich 20:58 Minuten. Der letzte Kilometer wird mein zweitschnellster des Tages, knapp hinter km1. Die Gesamtzeit liegt bei 2:12:37 Stunden – Rang 96 gesamt und Platz 12 in meiner Altersklasse.

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Sehr zufrieden genieße ich die Zielverpflegung, packe zügig meine Sachen und fahre heim zu Schwester und Sohn. Toller nachmittag – dabei hatte er im Hagelschauer doch noch so schlecht angefangen.

5
Gesamtwertung: 5 (7 Wertungen)

Uff....bin gerade etwas

Uff....bin gerade etwas atemlos

was für ein Wettkampf!
Deine Überschrift passt nicht. Als ich die gelesen habe dachte ich, du seist stehen gelassen worden!? Dieser kurze Moment, wo dich einer überholt hat... ich bitte dich, der zählt einfach nicht!
Krass durchgezogen! Tolles Ergebnis!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Triathlon ist

wenn man alles bedacht und geübt hat und trotzdem was passiert, von laufen in MTB Schuhen bis zu Helm verkehrt herum aufsetzen und schließen oder barfuß fahren... Und das scheint beim Duathlon auch zu passieren, soviel zum Thema Schnellspanner (der hätte auch von mir sein können).

Schließe mich Bri an: Klingt nach einem gelungenen Rennen!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

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