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Benutzerbild von dfrobeen

Seit ich einigermaßen ambitioniert in das Thema Ausdauersport eingestiegen bin, habe ich immer mal von der Situation geträumt in einem Wettkampf nicht nur rein gegen mich selbst und meine Bestzeiten oder aktuellen Zeitziele zu laufen. Wie viel Spaß muss es machen, mal die Zeitvorgaben einfach zu vergessen und viel mehr ein taktisches Rennen zu gestalten, in dem es darum geht sein eigenes Plätzchen auf dem Siegerpodest zu erarbeiten.

Aber auf das Podium passen halt immer nur drei Leute und für mich als höchst durchschnittlichen Hobbysportler gibt es nur eine ganz verlesene Anzahl Wettkämpfe, wo es für mich überhaupt nur eine realistische Chance gibt, ein solches Rennen erleben. Am nahesten dran war ich vor gut zwei Jahren, als ich die Laufform meines Lebens hatte und in der Vorbereitung auf den Frühjahrsmarathon meine bisherige Bestzeit über 10km, eine 37:31 Minuten, gelaufen bin. Im Bestzeitenlauf selber, war ich weit vom Treppchen weg, aber ein paar Wochen später gab es so eine Chance. Ich habe dort zwar die ersten 4 Führungskilometer meines Lebens sammeln können, dennoch bin ich später dann komplett eingebrochen und wurde Fünfter oder Sechster. Der spätere Sieger lief eine tiefe 36, selbst wenn es also perfekt für mich gelaufen wäre, hätte ich meinen Traum damals nicht erfüllen können.

In diesem Jahr komme ich nicht so richtig in den Tritt und die Zeiten sind weit, ganz weit von dem Niveau von vor 2 Jahren entfernt. Noch weiter entfernter bin ich also von jeglichen Überlegungen, einmal um ein Podium zu rennen, doch vergangenen Mittwoch gegen 17:27 Uhr kam dann der Moment, wo ich umdenken musste…ganz schnell umdenken.

Ich hatte für den Organspendelauf in Berlin gemeldet. Der Organspendelauf ist ein Programmpunkt des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und soll publikumswirksam auf das Thema…richtig, Organspende aufmerksam machen. Es ist nämlich in unserem Land so, dass jährlich rund 10.000 Menschen eine schwere Erkrankung geheilt und/oder sogar das Leben durch eine Organtransplantation gerettet werden könnte, die Bereitschaft für eine Organspende aber seit 2011 trotz massiver Kampagnen stetig rückläufig ist.

Immerhin gut 400 Teilnehmer nahmen den Ball auf und waren für das 10km-Rennen gemeldet. Selbiges war hochprofessionell aufgezogen und wurde im Auftrag des Ausrichters von der gleichen Eventagentur ausgerichtet, die ansonsten z.B. auch den Hannover Marathon oder den Bundesliga-Triathlon am Maschsee organisiert. Die Strecke war ein 2,5km langer Rundkurs auf dem Messegelände in Berlin, der es ganz schön in sich haben sollte.

Nachdem der ursprünglich angesetzte Start in einem Hagelschauer stattgefunden hätte, hatte der Veranstalter ein Einsehen mit den Teilnehmern und verschob den Startschuss spontan um 15 Minuten. Dann hieß es aber Aufstellung an der Startlinie einnehmen, nach ein paar motivierenden Worten an die Läufer, sowie Aufklärungsarbeit zum Thema Organspende, knallte dann der Startschuss.

Ich hatte schon recht weit vorne Aufstellung bezogen und rannte einfach mal los. Ziel für den Abend war es einen flotten Tempodauerlauf zu absolvieren und dadurch Trainingseffekt in der weiteren Vorbereitung auf die Triathlonsaison zu erlangen. Noch Anfang März lief ich bei einem Test-10er eine höchst enttäuschende 42:20 Minuten. Seither hatte ich ganz gut trainiert und war optimistisch, diese Zeit zu unterbieten, auch wenn es sich hier um einen Trainingslauf handelte. Ich war froh um die erste Kurve herum gekommen zu sein. Es war nach dem Hagelschauer noch sehr glatt und wir liefen auf ziemlich glitschigen Bodenplatten. Nun hatte ich erstmals Gelegenheit zur Orientierung, was um mich rum so passiert. Ich lag in Führung – vor mir war nur das Führungs-Rennrad und hinter mir verfolgte mich eine ganze Horde weiterer Läufer. Das hatte mich noch nicht total geflashed – durch den kurzfristigen Start und fehlende Einteilung in Startblöcke, standen mit mir vorne an der Startlinie einige langsame Läufer. Das Feld würde sich schon noch sortieren und irgendwo hinter mir würden auch die flotten Jungs im Slalom um die Teilnehmer laufen, bevor sie mich entspannt einkassieren und schnelle Zeiten auf die Ergebnisliste zaubern.

Es ging eine Rampe runter und rein in die unterirdischen Versorgungswege für die LKW an der Berliner Messe. Nach einem Kilometer war ich immer noch vorne – und zwar recht deutlich. Hinter mir folgte eigentlich nur ein Läufer, der die Gelegenheit nutzte und mal an mir vorbei ging. Ich kannte das Gefühl vom Lauf vor zwei Jahren und dache nur „Junge lauf, mach Dein Ding, Du bis schneller als ich – See you at the Finishline“.

Aber nachdem er mal so 10m vor mir lief, schien er noch mehr Laktat in die Beine gepumpt zu haben, als ich, denn er brach plötzlich ein und ich war wieder vorne. Jetzt ging es um eine Rechtskurve und ich vernahm das Schild, welches eine Steigung von 7% ankündigte. Steigung, super…das ist das, was ich mit meinem derzeit noch erhöhten Wettkampfgewicht gar nicht ab kann und mir vor 10 Tagen in Boston komplett den Stecker gezogen hat. Egal, rauf da…kann ja nicht so lang bergauf gehen. Aber es hat gereicht oben angekommen in brutale Luftnot geraten zu sein. Egal, ich war oben, jetzt wieder Tempo aufnehmen.

Es ging um 1000 Ecken weiter. Die Laufstrecke war irgendwie cool, aber auch ziemlich anspruchsvoll. Es kam Kurve hier, Umkurven von Absperrungspollern da, Treppen hier, Serpentinen mit 4 Wendpunkten da. Nach 2 der 2,5km der Runde hörte ich merklich Atem hinter mir. Ich verbot es mir, mich umzudrehen. Aber jetzt erwartete ich den D-Zug vieler schneller Läufer, die an mir vorbeiziehen und mich müde anlächeln als einer, mal wieder viel zu schnell losgerannt ist und bitter eingeht. A propos schnell – wie schnell war ich eigentlich? Die Antwort ist: keine Ahnung. Da ein Teil der Strecke unterirdisch verlief, versagte meine GPS-Messung, km-Schilder gab es auch nicht. Ich musste also bis zur Startlinie nach 2,5km warten, bis ich eine Indikation für mein Tempo hatte. Als ich mich dann orientieren konnte und erkannte, dass ich in der Nähe selbiger war, wurde ich dann auch überholt. Ich blieb erst noch dran, aber es dauerte auch nicht lange, bis eine etwa 5m große Lücke entstand, mit der wir dann in den Zielbereich liefen. Der Sprecher begrüßte uns und würdigte den führenden Läufer. Nach einem kräftigen Kopfschütteln, musste er sich korrigieren – die führende Läuferin. Ich wurde kurz zuvor von Tina überholt, die – um es vorweg zu nehmen – später auch die Gesamtwertung gewann. Für mich war es völlig fein, wurde es aber auch noch mehr, als ich hinterher erfuhr, dass sie ehemalige deutsche Crosslauf-Meisterin ist, Ende 2015 noch einen 10er in einer 35er-Zeit gelaufen ist und 2008 den HeidelbergMan gewann – im gleichen Jahr, als die Herrenwertung niemand geringeres als Sebastian Kienle gewann.

An der Start-/Ziellinie blickte ich dann doch nochmal auf die Uhr. 10:02 Minuten waren seit dem Startschuss vergangen – ich rannte genau 4er-Pace. Jetzt war die Frage, wie lange ich das Tempo halten kann und was die Konkurrenz hinter mir so drauf hat.

Es ging wieder auf den unterirdischen Teil der Strecke und es ereignete sich ein Deja vu. Kurz bevor es für mich wieder auf den Anstieg zu ging, hörte ich lauten Atem hinter mir. Am 7%-Hügel wurde ich dann versägt. Es ging ganz schnell und Matthias war nicht nur vorbei, sondern gefühlt uneinholbar vor mir. Später wird er mir im Ziel erzählen, dass er aus Ulm kommt und eigentlich nur Berge läuft. Er hat mich bewusst bis zum Berg zappeln lassen und dann angezogen um meinen Willen zu brechen ihm zu folgen. Ich muss gestehen – es hat funktioniert.

Die zweite Runde dauerte für mich 10:41 Minuten. Schlecht, dass die Zeit doch deutlich über der ersten Runde lag. Gut, dass ich immer noch auf dem dritten Gesamtrang lag. Da der der Zielbereich ein Wendepunkt war, hatte ich nun Gelegenheit zu sehen, was die weitere Konkurrenz hinter mir so macht und stellte fest, dass da durchaus eine gesunde Lücke war. Hinter mir war ein Läufer in neongelben Oberteil, aber er war geschätzt 100m hinter mir.

Allerspätestens jetzt hatte ich den Schalter umgelegt. Ab jetzt lief ich auf Platzierung und die Zeit wurde mir höchst egal. Die dritte Laufrunde war ziemlich einsam. Ich verbot mir weiterhin nach hinten zu sehen, weiteren lauten Atem konnte ich aber auch nicht vernehmen. Ich nahm gefühlt etwas Tempo raus, da ich auf jeden Fall vermeiden wollte kurz vor dem Ziel zu „sterben“ und den sicher geglaubten Podiumsplatz noch zu verlieren.

Nach der dritten Runde erlaubte ich mir wieder nach dem Wendepunkt einen Blick zurück. Der Abstand zum Läufer in gelb wurde größer – ich konnte es kaum glauben. Mit anderen Worten, wenn da hinter mir keiner den spontanen Turbo findet oder ich noch unglaublich einbreche, würde ich hier als dritter der Gesamtwertung über den Zielstrich gehen. Und was noch wichtiger war – da ich im Zielbereich schon ein Siegerpodest gesehen habe, konnte ich davon ausgehen, dass es – egal wie sie die Einteilung vornehmen: gesamt, Männer, Altersklassen – auf jeden Fall einen aktiven Teil bei der Siegerehrung für mich geben sollte. Schon öfters war ich zumindest mal in der Altersklasse unter den ersten drei oder gar Sieger. Aber entweder gab es dann keine Altersklassen-Siegerehrung oder es gab eine und ich durfte mich über den vierten Platz „freuen“.

Jetzt wollte ich auf jeden Fall meine Platzierung halten – so nah dran war ich noch nie. Ich fühlte mich noch gut und konnte das Tempo halten. Ich kämpfte mich von Streckenabschnitt zu Streckenabschnitt. Die Rampe runter, der unterirdische Teil, die Rampe rauf, die Gegenwind-Gerade, die Serpentinen, die Treppen. Ich kam dem Ziel immer näher, gleichzeitig stieg die Panik. Ich war mitten in einer Vielzahl von Überrundungen und wenn sich mal jemand an mich dran gehalten hat, hörte ich sofort den Atem und hoffte einfach nur, dass dies nicht ein Läufer im Zielsprint war, der mich doch noch vom Podest kippt. Als es nur noch wenige hundert Meter waren, fühlte ich mich dann sicher und freute mich wie Bolle. Das hat echt Spaß gemacht, auch wenn die 41:56 Minuten sicherlich keine Zeit ist, mit der man sonst in einem 10km-Rennen einen Blumentopf gewinnt.

Der Sprecher begrüßt mich über das Mikrofon, ein paar Zuschauer klatschen fein artig und ich laufe über die Ziellinie. Als Dritter!!! Hinter mir ist Luft – ich hätte mir eigentlich noch Zeit lassen können. So habe ich aber noch halbwegs die Zeit gerettet. Trotz des schwierigen Parcours noch 24 Sekunden schneller als in Celle. Aber das war hier komplett sekundär.

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Die Siegerehrung sollte streng nach getrennten Geschlechtern ablaufen, sodass ich auf der „2“ für ein paar Minuten stehen und genießen durfte. Fühlt sich gut an, tolle Erfahrung…wird aber sobald sicher nicht wieder kommen.

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Hihi, man muss nur die richtigen Läufe finden,

dann klappt das auch mit der Platzierung :grins:

Ist schon ein tolles Gefühl taktisch auf Position laufen zu können! Wünsche ich Dir bald wieder (zumindest AK).

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