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Mein erster Marathon

40. Stadtwerke Marathon Leipzig - 24.04.2016

Vorwort – Morgens um Zehn in Leipzig-kein Knoppers:

Es ist Dezember, kalt und ungemütlich. Der Wecker klingelt. Scheisse, es ist noch dunkel draußen. Ich tappe im Dunkeln, ertaste die Laufklamotten und schleppe mich ins Bad. Die Motivation ist aufgrund der Tageszeit und dem Ort des Ziels ziemlich am Boden. Langsam zwänge ich mich in ein geruchintensives Oberteil und in eine viel zu enge Hose, die bedauerliche Weise auf der Wäscheleine herrliche 5 Grad angenommen hatte. Da macht das Anziehen doppelt Freude. Wer hatte bloß diese absolut bekloppte Idee, auf Arbeit zu joggen? Ging es durch meinen Kopf. ICH!
So begann vor vier Monaten das Training für eine 42 kilometerlange Tortur, die ich mir selbst auferlegt hatte.
Und heute ist es also soweit. Heute muss alles stimmen. Vieles stimmt an diesem 24.04.2016 aber überhaupt nicht. Ich bin total Müde. Seit einigen Tagen bin ich mit den Gedanken schon auf der Strecke. Ständig gehe ich im Kopf die Regeln in meinem Buch durch. Da steht zum Beispiel:“Der Schlaf zwei Tage vorm Marathon ist der Wichtigste“. Toll! Konnte vor Aufregung die ganze Nacht nicht pennen. Und dann noch das Wetter. So ein Mist, eisiger Wind und im Tagesverlauf Regen und Graupel angesagt. Spinnen die! Egal, ich laufe ja und davon wird man warm.
Um 9:30 war ich da, viel zu spät. Jetzt musste ich auch noch warten, da die starteten Inlineskater die Straße blockierten. Es war nervig, da ich ja noch mein Gepäck abgeben musste. Die Kleiderwahl war einfach, Langarm und Langbein. Aber brauche ich eine Regenjacke? Ich entschied ohne zu laufen. 9:45 ging ich zum Start. Mittlerweile schien die Sonne mal kurz.
Ich stellte mich in den 3:59h – Bereich, wollte ja unter 4h bleiben. Laut Trainingsstand sollte sogar 3:52h drin sein. Na mal sehen. Noch 5 Minuten bis zum Start. Wenn man so rumsteht wird’s, trotz Sonne, ganz schön kalt. Die Stimmung im Pulk ist aber sehr gut, alle lachen und sind gut gelaunt. 5, 4, 3, 2, 1 – Start! Runtastic läuft, Uhr läuft. Los geht’s!

Kilometer 1-5 - Der Herr des Marathons-Die zwei Runden:

So, jetzt gemütlich einlaufen und bloß nicht zu schnell. Ich lief erst mal hinter den beiden 3:59er Pacemaker hinterher, während rechts und links, gefühlt alle an mir vorbeizogen.
5:25 auf den ersten Kilometer, ja das passt! Für 3:59h eigentlich ein bisschen zu schnell, dachte ich. Das dachten die beiden auch und drosselten Ihre Geschwindigkeit sodass ich gemütlich vorbeikam. Jetzt ging es links am Bundesverwaltungsgericht vorbei auf den Ring. Erste kleine Steigung. Kein Problem! Kurzer Blick nach links zum neuen Rathaus und weiter bis zum Augustusplatz. Erste Wasserstelle – ich nahm ein Schluck und schon waren 3 Kilometer geschafft. Pace! 5:17. Mist! Viel zu schnell.
Nun ging es rechts auf die Prager Straße vorbei am Grassimuseum. Das Wetter meinte es nicht gut mit uns denn es fing leicht an zu regnen. Der Wind machte das ganze aber sehr ungemütlich. Kilometer 5 – 1 Becher Wasser und 2 Stückchen Banane. Weiter geht’s.

Kilometer 5-10 – Friede, Freunde, Staffellauf :

Es ging am alten Messegelände vorbei in Richtung Völkerschlachtdenkmal. Und da stand auch schon mein Anfeuerungskommando am Straßenrand. Meine Frau Simone, mein Sohn Leopold sowie Claudia und Maik. Ich freute mich! Klatschte ab und hoffte sie im Streckenverlauf wieder zu sehen.
Mittlerweile war ich gut im Rhythmus. 5:29, sagte die Runtastic Stimme. Alles prima, dachte ich.
Am Völkerschlachtdenkmal vorbei und dann etwas Bergab am Südfriedhof entlang Richtung Meusdorf. Einmal links und einmal rechts und dann ging es endlich runter von der endlos langen Prager Straße rechts in die Connewitzer Straße. Dort spielte eine Band für uns, ich applaudierte.
Weiter ging es vorbei am Bruno Plache Stadion, der Spielstätte von Lok Leipzig. Dort war für die ersten Staffelläufer auch schon Schluss, sie mussten ihren Staffelstab den Nächsten übergeben.
2. Verpflegungsstelle, Wasser, Banane und weiter zur ersten Messstelle bei 10 Kilometer. Zeitnahme – 55 Minuten, planmäßig.

Kilometer 10-15 – Knie vom Affen gebissen:

Jetzt ging es die Zwickauer rauf. Hier könnte ich Sebastian sehen, dachte ich. Leider war er noch nicht da. Nur ein Ordner der faul neben einer Absperrung saß. Vielleicht sehe ich ihn ja später, muss ja nochmal hier vorbei.
Nun ging es rechts in die Richard-Lehmann-Straße in Richtung Aral Tankstelle. Da kam mir auch schon Leopold entgegen gerannt. Claudia machte ein paar Bilder, Simone und Maik feuerten mich an. Das motiviert, meine Füße wurden gleich viel schneller.
Wendeschleife – und wieder zurück auf die Zwickauer an den Tierkliniken vorbei. Plötzlich hatte ich so einen stechenden Schmerz im linken Knie. Was zum Teufel ist das? Schon wieder, AUA! Jetzt hatte ich kurz Panik, aber ein paar Meter weiter war alles wieder im Lot. Noch 27 Kilometer – das wär nicht gutgegangen.

Kilometer 15-21,1 – Die unendliche Stecke-auf der Suche nach dem Ziel:

Diese Etappe war mit Abstand die Langweiligste und Ungemütlichste im gesamten Wettkampf. Der Regen lies zwar nach, aber nur um vom Graupel abgelöst zu werden. Ich war mittlerweile auf der Kurt-Eisner-Straße wo nur wenige Zuschauer standen. „Bei dem Wetter wär ich auch nicht vor die Tür gegangen.“
Einzig Ordner und Wasserreicher klapperten an der Straße. Sie taten mir fast Leid, denn im Gegensatz zu Ihnen konnte ich laufen um mich warm zu halten.
Jetzt ging es raus aus den Häuserschluchten auf den Schleußiger Weg. Diesen sollten Sie umbenennen in den Scheußlichen Weg, da zu dem Graupel jetzt auch noch starker Wind aufkam. Mir wurde jetzt richtig kalt. Ich überlegte schneller zu laufen um wärmer zu werden.
Dumme Idee, denn ich brauche die Energie für die 2.Runde.
Am Bootsverleih Herold in der Antonienstraße vorbei ging es rechts die Erich-Zeigner-Allee leicht bergauf. Jetzt war ich etwas ungeduldig da mir langweilig wurde. „Wann ist endlich die verdammte 1.Runde zu Ende?“ - Endlich wieder auf der Jahnallee. Dort haben die Veranstalter ein Luft-Tor aufgebaut um die Läufer einen Kilometer vorm Ziel nochmal zu motivieren. Mit viel Getöse ging es drunter durch. „Mal sehen ob es nachher auch noch so locker unten durch geht?!“ Mittlerweile hat sich die Sonne auch wieder blicken lassen. Kein Graupel und kein Regen. Meine Motivation stieg. Im Start/Zielbereich steppte der Bär, die super Stimmung steckte an. Einige hielten Schilder mit einem „Super Mario-Pilz“ und der Aufschrift „Tape here to Power Up!“
Ich folgte der Aufforderung und patsch: 1.Runde HM: 1:56:00

Kilometer 21,1-25 – The final Countdown:

Endlich! Finale. „Nur“ noch 21,1 Km. Ich fühlte mich noch richtig gut. Da die 2.Runde etwas schneller werden sollte, zog ich das Tempo etwas an. 5:22 säuselte mir eine Stimme entgegen. – Alles bestens!
Und wieder ging es auf den Ring. Aber jetzt machte es mehr Spaß da die Sonne schien und ich die Kilometer runter zählen konnte. Am Wasserstand nahm ich mein Gel. Ich brauchte ein Becher Wasser und ein ISO um es runter zu kriegen. Ekelhaft!

Kilometer 25-30 – Flitzpiepe auf dem Asphalt:

Jetzt wirkte auch der Super-Mario-Pilz und ich hatte plötzlich Energieüberschuss. Im Jump and Run Feeling fegte ich über die Piste. Ich musste mich aber bremsen da ich wusste, dass der Marathon erst bei Kilometer 32 beginnt. Die letzten 10 Kilometer sind die Schlimmsten, sie werden vielen Läufern zum Verhängnis.
Bei Kilometer 27 gegenüber der alten Messe sah ich Simone mit meinen vierbeinigen Trainingspartner Flocki. Ich stellte mir vor, wie schön es doch wäre ihn die letzten Kilometer an meiner Seite zu haben. Kurze Begrüßung und weiter ging es.
Kurz nach dem Völkerschlachtdenkmal sah ich einen humpelten Läufer. Nebenher fuhr seine Freundin mit dem Rad. Er tat mir leid, ich glaube er wird’s nicht ins Ziel geschafft haben.
Ich hingegen bin auf dem besten Weg. Meine Mechanik läuft und ich bin zeitlich immer noch sehr gut unterwegs. Mittlerweile überhole ich auch immer mehr Läufer, was zusätzlich motiviert. Wieder rechts einbiegen zum Bruno-Plache-Stadion. Da spielt immer noch diese Band. Jetzt singen sie auch noch. Ich applaudiere diesmal nicht! Bloß schnell vorbei!

Kilometer 30-35 – Catch me if you can:

Wieder ging es die Zwickauer hoch zur Richard-Lehmann-Straße. Diesmal war auch mein Freund Sebastian an der Strecke. Applaus, kurze Info meines Befindens und weiter. Nächste Zeitnahme bei Kilometer 31,1 – 2:50h. Bestens!
Jetzt war es an der Zeit einen starken Läufer zu suchen um als Schatten dran zu bleiben.
Meine Wahl fiel auf eine Läuferin. Sie war klein und kompakt und hatte ein gutes Tempo. Auf Ihrem T-Shirt stand „Karkkilan Maratonklubi“!? Wie ich später herausfand, war es eine Finnin, der ich folgte. Wieder rechts zur Wendeschleife bis zur Aral. Mittlerweile waren einige Läufer mit Ihren Kräften schon am Ende. Viele liefen nicht mehr rund und manche stöhnten schon vor Erschöpfung. Haben die den Pilz nicht berührt?
Ich lies mich davon nicht beeindrucken und folgte weiter der kompakten Finnin .Wie lange geht’s bei mir noch? Ich passiere das Kilometerschild mit der Aufschrift 35. Ab jetzt ist alles neu für mich. Bis hierher bin ich im Training schon gelaufen, was jetzt kommt weiß ich nicht. Noch 7 Kilometer.

Kilometer 35-42,2 – Der tote Rabe am Straßenrand:

Jetzt sind auch wieder mehr Zuschauer an der Strecke. Die Sonne scheint jetzt fast ununterbrochen. Wir laufen die Kurt-Eisner-Straße entlang. Die Finnin vorneweg und ich hänge als Schatten hinten dran. Ich sah jetzt viele Läufer nur noch gehend die Strecke entlang schreiten. Jetzt fallen Sie wie die Fliegen, war mein erster Gedanke. Ich bin froh, dass sich meine Taktik, am Anfang die Geschwindigkeit zu drosseln, jetzt auszahlt.
Trotzdem trat auch bei mir das Gefühl der Erschöpfung so langsam in Erscheinung.
Zu allem Übel wollte die Finnin auch noch Ihren Schatten loswerden und erhöhte die Geschwindigkeit. Ich musste mir eingestehen, dass ich da nicht Schritt halten kann, zumindest nicht heute.
Die Runtastic-Stimme kräht 5:23. Die Pace stimmt noch, aber so langsam bekomme ich schwere Beine. Auf dem Schleußiger Weg schüttete ich mir 2 Becher Wasser hinter die Binde. Zusätzlich drückte ich auf meinem Kopf einen Wasserschwamm aus um wieder frisch zu werden. „Jetzt noch 5 und dann hast du es geschafft“ – Treibe ich mich selbst nach vorn. „Unter 4h Stunden! Versau dir jetzt deine Zeit nicht“ dachte ich. 38 – Jetzt wird’s so langsam hässlich. Ein Rabe lag tot am Straßenrand und ich dachte, „okay du fühlst dich so wie dieser Vogel. Schwarz gekleidet, zwei Beine steif geformt und ziemlich im Arsch. Aber was soll‘s, einfach weiterlaufen.“
Kilometer 39 und 40 – Ich muss mich jetzt richtig quälen um weiter zu laufen. Mein Körper schreit „Erbarmen“, aber der kann mich mal. Stimme: 5:50! So langsam hab ich Gewissheit. Das klappt unter 4h!
Meine Muskelkontraktion in den Waden ist so ziemlich zum Erliegen gekommen. Alarmstufe-Rot! Scheiß drauf. Auf geht’s!
Weiter unter dieses Luft-Tor durch, natürlich mit viel Getöse. Das brauch ich jetzt auch! Wo ist dieser blöde Power-Up – Pilz?
Noch 500m, da sehe ich auch schon meine Nichte Greta und Mandy mir zujubeln. Zielgerade: Ich hole nochmal alles raus und laufe unter dem Jubel der Zuschauer glücklich durchs Ziel. Finisher-Foto!
Fazit: Was war das denn für eine krasse Scheiße! Zeit 3:52:48.
Ich hole mir völlig fertig meine Medaille ab. Diese werde ich nicht wieder ablegen, jedenfalls nicht heute, an diesen 24.04.2016.

5
Gesamtwertung: 5 (14 Wertungen)

Pilzdefinition

Definiere doch bitte genauer, was für einen Pilz du da inhaliert zu haben scheinst ;-))

Wow, ein erster Marathon und alles richtig gemacht??? Wie ein erfahrener Hase bei miesem Wetter und einem 2 Runden Kurs die Kilometer runter gespult, zum Schluss noch Deckung gesucht und in ""Wunschzeit" (und weiter unter der 4h Marke) angekommen??? Junge, du hast was falsch gemacht ;-))) Da ist aber noch eine Menge mehr drin!

Wunderbarer Bericht! Ich gratuliere dir ganz herzlich! Möge das Grinsen noch lange im Gesicht bleiben!!!

"Gelaufen wird wie es geht, geschlafen wann es sein muß und wenn ich im Ziel bin, bin ich da" (Schalk)

Saarvoir courir - laufen im Saarland

Perfekt für den Ersten

Ich bin im Vorjahr auch in Leipzig gelaufen. Mein achter Marathon, scheinbar bestens vorbereitet, bei tollstem Marathonwetter. Und ab km 32 musste ich Gehpausen einlegen, weil ich anfangs überpaced hatte. Statt der 3:25 kam dann nur eine 3:43 raus. Sei wirklich stolz darauf, wie gut und gleichmäßig du deinen ersten trotz all der Widrigkeiten geschafft hast.


Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Saffti bloggt:
http://saffti.de

Echt krass

ganz fetten Glückwunsch zum Debut in einer Wahnsinnszeit.
Ist bestimmt nicht das Ende der Fahnenstange.

LG,
Anja

Herzlichen Glückwunsch.............

zu der tollen Leistung. Ich muss ja erst noch mal die Sub 4 schaffen. Am Wochenende mein nächster Versuch.

Bin im letzten Jahr in Leipzig gelaufen. Es war mein erster Marathon und habe eine 04:08 geschafft.Allerdings bei schönstem Wetter. Dieses Jahr habe ich am Straßenrand gestanden und mit angefeuert. Das Wetter war ja streckenweise unter aller Kritik. Insofern ist deine Leistung noch höher zu bewerten. Echt super.

Ganz toll war aber auch Sigrid Eichner mit ihrem 1.981ten Marathon. Und das mit 75 Jahren. Die pack ich noch. 40 Jahre lange jedes Jahr 50 Marathon. --)) Der Haken ist, dass ich dann 88 Jahre bin.

Dir weiterhin viel Erfolg, Gesundheit und tolle Zeiten.

Viele Grüße
Stefan

Glückwunsch

zum erfolgreichen Debut. Genieß das Gefühl - es ist einmalig.

Ich war auch in Leipzig unterwegs, aber langsamer als du, weshalb ich von Regen gar nichts mitbekommen habe. Gegen die Kälte wäre ich auch gerne schneller gelaufen, als die Halbmarathonläufer und 10 km-Läufer von hinten kamen und alle so leicht bekleidet waren, hab ich noch mehr gefroren (innerlich).

Der Lauf selber war wirklich gut organisiert - aber Zuschauer gab es leider kaum. Kein Wunder bei der Kälte.

Mich würde das mit dem Super-Mario-Pilz auch interessieren. :)

Perfektes Debüt!

Wow, Hut ab - das war ein perfekt eingeteiltes Rennen!
Dass es zum Schluß hin an die Substanz geht war aber schon klar, oder? Toll es geschafft zu haben!
Genieß das Gefühl - der erste bleibt etwas besonderes!

(ich kenne den Satz - das Buch hab ich auch!)

Gruß, Dominik
_____________________
"Was zu schnell ist, weiß man meist erst hinterher!"
(fazerBS)

kleiner feiner Power Pilz

Für alle diejenigen die unbedingt mal diesen Pilz ausprobieren wollen. Aber Vorsicht! Nur einmal genießen! Und danach schnell die Münzen einsammeln. Wenn der Affe kommt, schnell wegrennen!

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/6/61/Supermushroom.png

VIELEN DANK für eure Glückwünsche!

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